Geoparks in Deutschland

Nationale und Globale Geoparks: Erdgeschichte verstehen lernen

„Jurassic Park“ Schwäbische Alb: Härter kann der Kontrast kaum sein. Heute Gebirge, früher Meeresgrund. Die Felsen der Schwäbischen Alb waren einst Schwammstotzen. Wegen seiner erdgeschichtlichen Einmaligkeiten stieg das Schwabengebirge zum Nationalen, Europäischen und sogar Globalen Geopark auf.

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Der GeoPark Schwäbische Alb gilt als der „Jurassic Park“ unter den erdgeschichtlichen Naturwundern weltweit. Dass er sich seit 2005 zur Champions League der 111 Geoparks in 64 Nationen zählen darf, verdankt das Schwabengebirge den fossilreichen Ablagerungen des tropischen Jurameeres.

Die Fundstellen hier genießen eine international hohe Bedeutung. Nicht zuletzt, weil Wissenschaftler dank der zahlreichen versteinerten Vorfahren die Grundlagen für die weltweite Untergliederung der Jurazeit legen konnten.

In Deutschland titeln 15 Geo-Regionen unter dem Label Nationaler Geopark, sechs davon spielen in der Weltliga der sogenannten Globalen Geoparks.

Nach dem Motto „die Welt unter unseren Füßen“, laden die Parks zu Entdeckungsreisen ein: Wie ist die Erdkruste entstanden, welche Bodenschätze birgt sie? Gesteinsaufschlüsse, Felsen, Höhlen, Quellen, Seen, markante archäologische Highlights, aber auch Bergwerke oder Museen öffnen Fenster in die Erdgeschichte.

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Riffe und Korallenbänke sind noch sichtbar.

Der GeoPark Schwäbische Alb erstreckt sich vom Hochrhein bis zum Nördlinger Ries in Südwest-Nordostrichtung auf rund 200 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite.

Mit 6600 Quadratkilometern ist er der zweitgrößte der Republik und gilt als die höhlenreichs­te Landschaft Deutschlands. Deshalb bot dieses Gebirge Mensch und Tier in der Eiszeit Schutz und Unterschlupf. Wegen der spektakulären Funde früher Kunstwerke der Urälbler vor 40000 Jahren zählt das Schwabengebirge heute zu den Wiegen menschlicher Kultur. So wurden weltweit das älteste Musikinstrument und die älteste figürliche Darstellung einer Frau in den Höhlen des Lone- und Achtals gefunden.

Quer über die Schwäbische Alb verteilen sich etwa 30 lokale und regionale Museen, die die unterschiedlichsten geologischen und archäologischen Bereiche veranschaulichen. Einige davon gehören zu den GeoPark-Info­stellen. Reichliche1900 Geotope, davon 420 als besonders wertvoll eingestuft, bereichern die Alb. Beispiele: Der Seeburger Tuff, Quelltöpfe wie die der Blau oder der Filsursprung. Auch Vulkane wie der Jusi bei Kohlberg bezeugen die Erdgeschichte oder Steinbrüche, wie die Urzeitweide bei Schelklingen-Gerhausen, die vorbildlich Artenschutz durch Beweidung mit seltenen Tieren und Rohstoffabbau verbindet.

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 Heiß begehrt: Hartes Gestein der Vulkanschlote, wie an der Weilheimer Limburg, trotzt der Erosion.

Die Zertifizierung einer Region zu einem Nationalen Geopark erteilt die Geschäftsstelle der Geo­­­-Union Alfred-Wegener-Stiftung. Ein mit diesem Gütesiegel ausgezeichneter Geopark muss eine herausgehobene Qualität mit definierten Anforderungen nachweisen. Deshalb wird dieser Titel nur auf fünf Jahre befristet vergeben. Es finden regelmäßige Evaluierungen statt, bei der die Alb 2013 eine gelbe Karte kassiert hat. Es fehle die Sichtbarkeit des Geoparks, war eine der Hauptkritiken. Weiterhin fehle die flächenhafte Kenntnis der Geotope und ein aktueller Masterplan, der die Ziele und das Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre festschreibt, bemängelte die Expertengruppe.

„Kein Wunder“, meint Dr. Dana Pietsch, Geographin des GeoParks Schwäbische Alb. „Unser Jahresbudget ist knapp bemessen“, bedauert sie. „Der zweitgrößte Geopark der Republik mit 6600 Quadratkilometern wird von drei Mitarbeitern auf zwei Stellen betreut, dem Geschäftsführer Dr. Siegfried Roth, Frau Helga Stark und mir. Unser Jahresbudget beträgt 192000 Euro, überwiegend von zehn Landkreisen aufgebracht.“

Zum Vergleich: Der 100 Quadratkilometer kleine Nationalpark Schwarzwald kostet 2015 8,8 Millionen Euro bei 78 Planstellen. Das 850 Quadratkilometer große Biosphärengebiet betreuen derzeit 13 Vollzeitkräfte, ausgestattet mit 1,6 Millionen Euro jährlich.

In einer so mageren Situation braucht es neben einem großen Herz für den GeoPark schon eine gehörige Portion Optimismus, um das Schiff über das Jurameer zu schaukeln. Doch Pietsch gibt sich zuversichtlich: „Wir haben neue Partner aus der Wirtschaft gefunden.“ Die Geschäftsstelle lobt die Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Steine und Erden (ISTE) in höchsten Tönen. Schließlich gehört der Rohstoffabbau auf der Schwäbischen Alb zur Lebens- und Wirtschaftsgrundlage. Auch dieses Sphäre-Themenmagazin ist letztlich das Ergebnis eines verwaltungsuntypischen Eifers des GeoPark-Trios Pietsch, Roth und Stark – enthusiastisch unterstützt vom Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Stede. Ohne Allüren fokussieren sie ihre Aufgaben und bringen den GeoPark auf den Weg zur Grünen Karte spürbar voran.

So wurden im Jahr 2014 auf der Basis der Daten des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg (LGRB) bereits 80 der 420 besonders wertvollen Geotope der Uralb detailkartiert. Ein weiteres Mosaik, das neben dieser Sphäre-Ausgabe die öffentliche Wahrnehmung des Parks verbessert, ist der ab April erhältliche Höhlenführer. Abgerundet wird das Informationsportfolio derzeit von vier weiteren Broschüren. Die Sphäre-Redaktion empfiehlt besonders die Entdeckerkarte oder das Faltblatt über die 20 GeoPark-Infostellen – auch als PDF online erhältlich.

Übrigens: Die Homepage www.geopark-alb.de ist mittlerweile ein echter Genuss. Besonders gefällt das Kapitel „/Geoparkwissen/Geologie“. Eine interaktive Zeitreise veranschaulicht die Erdgeschichte leicht verständlich beginnend vor 200 Millionen Jahren mit dem Keuper bis zum Quartiär, wo einst schwer atmend die Eiszeitjäger große Beute machten. Teile eines Mammuts tragen sie heim – in ihre wärmenden Höhlen vor 30000 Jahren, als die Schwäbische Alb während der letzten Eiszeit vor Kälte erstarrte.

Erlebnisziele GeoPark Schwäbische Alb: Interaktive Karte und Links >>

Höhlenführer: 12 fantastische Schauhöhlen auf der Schwäbischen Alb >>

 

 

Übersicht: Sechs Globale Geoparks in Deutschland

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Einmaligkeit ist Pflicht: Beeindruckende Trockentäler wie hier vom Fils­ursprung (Wiesensteig) hinauf Richtung Schertelshöhle (Westerheim) sind ein typisches Merkmal des Karstgebirges Schwäbische Alb.

Bergstraße-Odenwald; 3500 km2

Besonderheit: Mitteldeutsche Kristallinschwelle, Oberrheingraben, Weltnaturerbe Grube Messel, Höhlen, Bergbau.

Harz, Braunschweiger Land; 9680 km2

Besonderheit: Variszisches Grundgebirge Harz, klassisches Erz-Bergbaugebiet, Schwerspat und Kohle im Harz, Salz, Eisen­erz, Braunkohle und Erdöl im Harzvorland.

Vukaneifel; 1230 km2

Besonderheit: Land der Maare und Vulkane, Devonisches Grundgebirge, jüngster Vulkan Deutschlands, Maarvulkanismus.

Muskauer Faltenbogen; 580 km2

Besonderheit: Stauchendmoräne, Miozäne Braunkohleflöze, Lausitzer Flaschentone, Flammentone, Glassande, Glazialtektonik, Mineralquellen, Dünen und Moore.

TerraVita; 1500 km2

Besonderheit: Schichtstufen/Horst im Süden und Eiszeit im Norden, Saurierfährten, Anthrazitkohle, fossiles Watt und Tertiäre Haifischzähne

Schwäbische Alb; 6600 km2

Besonderheit: Jurassisches Schichtstufenland, Vulkanismus, Höhlen.

www.nationales-forum-globaler-geoparks.de

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Lehrauftrag Geo-Wissen: Vier Themenbereiche stehen im Pflich­tenheft des GeoParks Alb. Geotopschutz, Geo-Tourismus, Geo-Bildung und Regionalentwicklung.

Printausgabe: Sphäre 1/2015, Seite 32-35

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