Naturparks Baden-Württemberg

Entdecken: Rundreise durch Baden-Württembergs sieben Naturparks

Märchenhafte Landschaften wie der Schwarzwald (Foto) säumen die Schwäbische Alb. Von 1972 bis 2000 ergatterten sieben Naturräume das Prädikat Naturpark. Das schwäbische Karstgebirge trachtete …

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Sieben auf einen Streich

Märchenhafte Landschaften wie der Schwarzwald (Foto) säumen die Schwäbische Alb. Von 1972 bis 2000 ergatterten sieben Naturräume das Prädikat Naturpark. Das schwäbische Karstgebirge trachtete zunächst nicht nach einem Gütesiegel. Später aber sahnte es gewaltig ab, als es sich 2009 den UNESCO Titel Biosphärenreservat einheimste.

Wer kennt sie nicht, die Mär vom tapferen Schneiderlein. Steine zerquetschen, Riesen überlisten, Einhorn fangen, diese Ruhmes­taten hatte niemand einem armen schwachen Schneiderlein je zugetraut.

Fotos & Text Sphäre-Verlag

Die Moral von der Geschicht´: Auch Kleine erreichen Großes, sofern sie sich einfallsreich und selbstbewusst geben. Genau hier schließt sich der Kreis von Grimms Märchenreich hinüber in die fabelhafte Naturwelt im Ländle. Sieben zauberhaft schöne Naturparks haben sich in den letzten zehn Jahren zum Besuchermagneten entwickelt. Stehlen die Zwerge im Reigen der Naturschutzkategorien den vom Schutzstatus höher angesiedelten Biosphärenreservaten und Nationalparks die Show? Die Sieben auf einen Streich Baden-Württembergs zumindest geben sich gemäß der Logik von Grimms Märchen äußerst selbstbewusst und professionell via Internet wieder und lenken mit viel touristischem Marketing-Geschick das Interesse der Besucher in ihre Region.

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Freiwild: Hirsche müssen in Deutschland getötet werden, so will es das Gesetz. Im österreichischen Naturpark Lechtal aber darf er in Freiheit röhren.

Einen gerade mal knapp zwei Jahre jungen Nationalpark im Schwarzwald besitzt das Land. Ebenso das noch in den Kinderschuhen heranwachsende Biosphärenreservat Schwäbische Alb – seit 2009 von der UNESCO geadelt. Diese von der hohen Politik, also unseren Landesvätern initiierten Prestigeobjekte verschlingen eine Menge Geld. Allein der geplante Verwaltungsneubau für den Nationalpark Schwarzwald wird auf 22,5 bis 25,5 Millionen Euro geschätzt.

Die Sieben auf einen Streich sind nicht reich, aber gewitzt. Als Grand Monsieur bietet der Naturpark Schönbuch aktuell mehr ursprüngliche und wilde Natur als das junge Schutzgebiet auf der Alb. Schon im Jahr 1972 betritt das 156 Quadratkilometer große Waldgebiet nördlich Tübingens als erster Naturpark im Ländle die Showbühne. Fortan regiert nicht mehr die Kettensäge, sondern der Naturverstand. Sogar der stolze Hirsch darf hier äsen, ein per Gesetz ausgestorbene Art im Ländle. Bis zu 50 Meter hohe Mammutbäume und mehrstämmige Buchen erheben sich vor der „Blauen Mauer“ am Horizont – die Schwäbische Alb ist kaum 30 Kilometer entfernt. In einer dieser Weidbuchen wurzelten bis vor dem Sturm Lothar sogar unglaubliche 24 Stämme.

Auch im Internet setzt der Schönbuch Standards. Farbe, Emotionen – der Blick wird wie auf einer Magazinseite gefesselt. Zum Vergleich: Die eher nüchtern, im Verwaltungsstil gehaltene Seite des Biosphärengebiets wirkt dagegen ein wenig blass.

Als Spitzenreiter der wilden Sieben im World Wide Web aber rangiert der Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord. Die Bildgewalt seiner Homepage lässt einem keine Wahl – man muss da hin. Enttäuscht wird der Besucher nicht, erstrahlt doch in der Mitte der für Deutschland einmaligen Schwarzwaldlandschaft der junge Nationalpark und Deutschlands ältester Bannwald. Ein Totalreservat, ein Stück Wald, in dem auf jegliche Nutzung verzichtet wird. 1911 setzte die königlichwürttembergische Forstdirektion diesen Gedanken um: Sie hatte 84 Hektar um den Wildsee ausgewiesen.

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Die Krone aufgesetzt: Der junge Nationalpark gibt dem Naturpark Schwarzwald Mitte-Nord den letzten Schliff.

Als Kind der Schwäbischen Alb genießt der Naturpark Obere Donau einen Sonderstatus. Hier hat der 2840 Kilometer lange Fluss das Kalkgebirge geteilt. Die reizvolle Enge hier gesäumt von markant steilen Felsen lockt alleine während der Sommermonate 20000 Besucher, darunter auch Klettersportler und sogar Vollprofis, die den ganzen Tag in den Felsen dort umherstreifen: Die Gämsen sind hierher seit den 1970er-Jahren zurückgekehrt. Fast ebenso alt erscheint allerdings auch die Homepage. Im Look eines ambitionierten Selfmadebloggers liefert sie aber dennoch alle wichtige Informationen. Das macht sympathisch. Beschränkte finanzielle Mittel geben dem Engagement einzelner Ehrenämtler Gestaltungsraum.

Die Optik der Flachland-Naturparks Stromberg-Heuchelberg und Neckartal-Odenwald dagegen verantworten Internetagenturen und besitzen wie die anderen Parks ein Naturparkzentrum mit Ausstellungen für Entdecker und Durchatmer.

 

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Übersichtskarte

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Naturpark: Eine europäische Idee macht Schule

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Österreichs 48 Naturparks sind stark mit den touristischen Strategien vernetzt und genießen wie das Lechtal (Foto oben) gefühlt einen sehr hohen Besonderheitenstatus ähnlich dem eines Biosphärenreservats. Den ersten internationalen Naturpark in Europa, den heutigen ­Pieniny-Nationalpark an der polnisch-slowakischen Grenze, haben im Jahr 1932 gemeinsam die Polen und Slowaken gegründet. Die Deutschen sprangen auf den rollenden Naturparkzug erst 1958 auf (Hoher Vogelsberg), die Baden-Württemberger sehr spät (1972 Schönbuch).

Heute bestehen 104 Naturparke. Sie umfassen 25 Prozent der Fläche unserer Republik, die sieben Parks Baden-Württembergs rund 30 Prozent der Bundeslandfläche. In diesem Jahr feiert die Arbeitsgemeinschaft Naturpark in Badenwürttemberg ihr 10-jähriges Bestehen.

2014 fanden in den sieben Parks 1150 Veranstaltungen statt, die ein Bewusstsein für Natur und Umwelt schafften. 200 Banu-zertifizierte Landschaftsführer unterrichteten bei unzähligen Naturspaziergängen, Vogelbeobachtungen. Rund 132000 Besucher haben das Angebot wahrgenommen, sich in den ansprechend gestalteten Naturpark-Infozentren informiert. Die Naturparke vermarkten ihre einzigartigen Landschaften auf knapp 60 Messen und Märkten. Im letzten Jahr erhielten 118 Antragsteller für rund 210 Förderprojekte  1,6 Millionen Euro.

 

Die sieben Naturparke im Ländle sind: 

 

 

 

 

Naturpark Schönbuch

Naturpark Schönbuch

Naturpark Obere Donau

Naturpark Obere Donau

Naturpark Neckartal-Odenwald

Naturpark Neckartal-Odenwald

Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald

Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald

Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord

Naturpark Südschwarzwald

Naturpark Südschwarzwald

Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Naturpark Stromberg-Heuchelberg

 

Nationale Landschaften in Europa

 

 

 

 

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Printausgabe: Sphäre 3/2015, Seite 32-35

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