Meht Tote durch schlechte Luft

Landesnaturschutzverband kritisiert Diskussion um Abgasgrenzwerte

Neue Mainzer Studie bestätigt: vierzig Mal mehr vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung als durch Verkehrsunfälle.

European Enviroment Agency: Luftqualitätsreport

Ärtzeblatt: Mehr als 80.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung in Deutschland

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Gestern wurde über eine neue Studie Mainzer Chemiker und Mediziner über die gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung berichtet. „Nach der Studie verliert jeder von uns im Schnitt etwa zwei Lebensjahre durch Luftverschmutzung. Angesichts dieser Zahlen von zu strengen Grenzwerten zu sprechen, ist zynisch und geht an der wissenschaftlichen Sachlage völlig vorbei“, sagt der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes (LNV) Gerhard Bronner. In Deutschland komme es durch Feinstaub und andere Luftschadstoffe zu rund vierzig Mal mehr vorzeitigen Todesfällen als durch Verkehrsunfälle.

Als verantwortungslos und inhaltlich nicht haltbar bezeichnet der LNV die Aussage der viel zitierten 100 angeblichen Lungenärzte, es gebe keine Feinstaubtoten. „Dass man nicht sofort am Einatmen von Feinstaub stirbt, sondern an Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes oder Lungenkrebs, macht Feinstaub nicht weniger gefährlich“, sagt Bronner. „Sonst könnte man auch Lärm, Alkohol, Benzol und Asbest für harmlos erklären.“ Die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Luftbelastung und Verkürzung der Lebensdauer seien fachlich gesichert und die 100 Unterzeichner wissenschaftlich ähnlich isoliert wie die Klimawandelleugner.

Klare Absage an aufgeweichte Grenzwerte

Grenzwerte für die Immissionsbelastung aufzuweichen, nur weil die Autoindustrie in der Vergangenheit manipuliert hat, lehnt der LNV kategorisch ab. „Die Grenzwerte der EU sind keineswegs die weltweit strengsten, wie oft unterstellt wird. So liegt der Schweizer Wert mit 30 Mikrogramm pro Kubikmeter für Stickstoffdioxid niedriger als der EU-Wert von 40 Mikrogramm“, betont Bronner. Und noch eine landläufige Meinung sei falsch: Autos mit Verbrennungsmotor können durchaus so konstruiert werden, dass sie die Grenzwerte einhalten. Bei vielen Luftschadstoffen, insbesondere beim Feinstaub, wäre aus Gesundheitsgründen nach Ansicht des LNV und vieler Fachleute vielmehr eine weitere Verschärfung nötig.

„Es ist absurd, dem Stuttgarter Verkehrsministerium die Schuld an Verkehrsbeschränkungen zu geben“, meint Bronner. „Die Verantwortlichen sitzen in den Zentralen der Autokonzerne sowie im Bundesverkehrsministerium und seiner Behörde, dem Kraftfahrtbundesamt. Hier wurde getrickst oder geschlampt.“ Letztendlich trügen aber auch diejenigen Verantwortung, die mit unsinnig großen und übermotorisierten Autos Strecken fahren, die sie problemlos zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen könnten.

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