{"id":10060,"date":"2025-11-23T08:34:53","date_gmt":"2025-11-23T07:34:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10060"},"modified":"2025-11-27T08:58:20","modified_gmt":"2025-11-27T07:58:20","slug":"ikarus-vom-lautertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10060","title":{"rendered":"Ikarus vom Lautertal"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ikarus vom Lautertal <\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><\/strong><\/p>\n<p><b>\t\t<div id=\"maps-marker-pro-2f5f080a\" class=\"maps-marker-pro\" style=\"width: 100%;\">\n\t\t\t<div id=\"mmp-map-wrap-2f5f080a\" class=\"mmp-map-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-panel-2f5f080a\" class=\"mmp-panel\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-map-2f5f080a\" class=\"mmp-map\" style=\"height: 400px;\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/b><\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\">Ikarus vom Lautertal <\/span><\/h2>\n<p><strong>Gustav Mesmer, Flugradbauer, Ausnahmemensch und Lebensk\u00fcnstler fand in den H\u00e4ngen des Lautertals auf der Alb sein sp\u00e4tes Gl\u00fcck. Seine Flugfahrr\u00e4der sind anerkannte Kleinkunst und tragen den Namen Buttenhausen in die ganze Welt.<!--more--><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10061\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_3.jpg\" alt=\"Ikarus_Gustav_Mesmer_3\" width=\"313\" height=\"205\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_3.jpg 313w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_3-160x104.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_3-150x98.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 313px) 100vw, 313px\" \/><\/p>\n<p>Oberschwaben \u2013 die geschwungenen Zwiebelt\u00fcrme gr\u00fc\u00dfen zwischen sanft gr\u00fcnen Mor\u00e4nenh\u00fcgeln. Leise segnet ehrw\u00fcrdiger Glockenklang die leuchtenden Flure, die D\u00f6rfer und Seen. An klaren Tagen sieht man wei\u00dfe Wolken jagen bis an den bizarren Horizont der fernen Alpen. In dieser Idylle im oberschw\u00e4bischen Altshausen erblickte Gustav Mesmer am 16. Januar 1903 das farbenfrohe Licht dieser Welt. Schnell lernte er von den Wolken das Tr\u00e4umen. Mesmer f\u00fchlte als Querdenker die Anmut der Schwerelosigkeit und gleichzeitig erlebte er die bleierne B\u00fcrde einer Gesellschaft, die Anderssein gnadenlos bestraft.<\/p>\n<p>Mesmer verbrachte zwangsweise 35 Jahre seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt, bevor seine Kreativit\u00e4t in Freiheit Weltruhm erlangt. Seine k\u00fchns\u00adten Flugradkonstruktionen wurden 1992 in Sevilla bei der Weltausstellung von einem Millionenpublikum bestaunt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10063\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_1.jpg\" alt=\"Ikarus_Gustav_Mesmer_1\" width=\"124\" height=\"123\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_1.jpg 124w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_1-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 124px) 100vw, 124px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10062\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_2.jpg\" alt=\"Ikarus_Gustav_Mesmer_2\" width=\"124\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_2.jpg 124w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Ikarus_Gustav_Mesmer_2-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 124px) 100vw, 124px\" \/><\/p>\n<p>Er zeichnete und konstruierte die waghalsigsten Flugmaschinen erst in stattlichem Alter. Das Landheim Buttenhausen f\u00fcr Senioren, sein neues Zuhause nach der Gefangenschaft in der Psychiatrie, hatte Mesmer eine kleine Werkstatt zur Verf\u00fcgung gestellt. Anders als die sanften Auen seiner Geburtsheimat beeindruckt hier die herbe Kraft der Alb. Auf gewaltigen H\u00e4ngen verlieren sich Schafe als kleine helle Punkte in herrlichen Wacholderheiden. In diesem Buttenhausen sollte Gustav Mesmer nach 91 Jahren die Welt wieder verlassen. Im Jahre 1994 ging er wohl in Frieden. Denn hier erf\u00fcllte sich Mesmer seinen Lebenstraum. Seine sonnt\u00e4glichen Flugversuche erweckten Aufsehen. Spazierg\u00e4nger staunten, als sie den fr\u00f6hlichen Erfinder mit seinen Apparaturen die H\u00e4nge hinunterpoltern sahen.<\/p>\n<p>Von Altshausen nach Buttenhausen hat Mesmer seinen Lebensbogen gespannt \u2013 dazwischen abgrundtiefe T\u00e4ler. Gustav, das f\u00fcnfte von insgesamt zehn Kindern seiner Eltern, wuchs in die Notzeiten des Ersten Weltkrieges hinein. Lehrer standen an der Front, somit war dem im Musizieren, Dichten, Handwerken so begabten Jungen der Schl\u00fcssel zum wahren Intellekt und Erfolg fr\u00fch verbaut. Die Not zwang ihn, ein \u201eVerdingbub&#8220; zu werden, was ein unstetes Leben als Hilfsarbeiter bedeutete. Gustav kam mit Schwestern des Klosters Obermarchtal in Kontakt, die ihn \u00fcberredeten: \u201eSie gebten doch so ein sch\u00f6nes P\u00e4terchen&#8220;. Sechs Jahre folgte er den strengen Ritualen der ber\u00fchmten Abtei Beu\u00adron an der Donau. Vor dem heiligen Gel\u00fcbde aber lief der weitschweifende Tr\u00e4umer davon.<\/p>\n<p>Vom Klosterleben frustriert, rebellierte er im Heimatdorf bei einer Konfirmation: Das sei nicht Christi Blut, \u201ealles nur Schwindel\u201c, soll er gerufen haben. Folge seines Ausbruchs: Man attestierte Mesmer Schizophrenie, er kam in eine geschlossene Anstalt.<\/p>\n<p>35 Jahre verbrachte er in den Psychiatrien von Bad Schussenried und Wei\u00dfenau, 16 mal bricht er aus und l\u00e4uft nach Hause. Gustavs Hilferufe per Post fing die Anstaltsleitung ab. So f\u00fcgte er sich und lie\u00df seiner Begabung als Handwerker in den Anstaltswerkst\u00e4tten freien Lauf. Seine Fertigkeiten bewahrten ihn vor den Gaskammern der Nazis. In der Gefangenschaft entwickelte er seine gr\u00f6\u00dfte Leidenschaft. Er wollte ein Flugger\u00e4t konstruieren, dass mit Muskelkraft der Erd\u00adanziehung entflieht.<\/p>\n<p>Endlich, im Jahre 1964, geschah was fast schon nicht mehr m\u00f6glich schien: Mesmers Schwester erzwang die Entlassung aus der Psychiatrie. Allerdings schien nach den Jahrzehnten in der Anstalt ein Leben in \u201eFreiheit&#8220; nicht mehr m\u00f6glich. So zog er in das Landheim Buttenhausen ein. Dort mochten sie den Gustav, der so sch\u00f6n tr\u00e4umen konnte und durch sein optimistisches Wesen so viele reicher machte, die ihm begegneten. Gustavs Gedanken wurden nicht mehr als \u201eWahn&#8220; diagnostiziert. Man lie\u00df ihn einfach machen. Bald war er als \u201eIkarus vom Lautertal\u201c bekannt. Auch die Medien horchten auf. Es entstanden Ton- und Filmaufnahmen, die noch heute beeindrucken. Der Erfinder selbst schrieb unter dem Titel \u201eBiographie &#8211; Unbekannt&#8220; in ungeschulter Orthografie, aber sprachlich durchaus beeindruckend sein Leben auf.<\/p>\n<p>Gustav Mesmer hob nie wirklich ab, wenn er auch mit Schalkesmiene behauptete, einmal f\u00fcnfzig Meter weit geflogen zu sein. Das habe nur keiner gesehen. Vielleicht war Mesmer gerade deshalb gl\u00fccklicher als der wahre Ikarus aus der griechischen Mythologie, der als Flieger \u00fcberm\u00fctig der Sonne zu nahe kam und in den Tod st\u00fcrzte.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #800000;\">Lesetipp: B\u00fccher und CDs \u00fcber Gustav Mesmer<\/span><\/h3>\n<p>Gustav Mesmer bereichert die Menschen noch heute, 15 Jahre nach seinem Tod. Sein Andenken hegt und pflegt seit 1996 die Gustav Mesmerstiftung. Sie archiviert seine Hinterlassenschaft und organisiert Ausstellungen in Nah und Fern. Ein Flugrad Mesmers fand sogar Platz in der Weltausstellung zu Sevilla. Auch B\u00fccher und CDs hat die Stiftung herausgebracht (siehe Lesetipp unten), sie alle sind ausschlie\u00dflich erh\u00e4ltlich \u00fcber: www.gustavmesmer.de.<\/p>\n<ul>\n<li>Buch Gustav Mesmer, Flugradbauer &#8211; Ikarus vom Lautertal genannt<\/li>\n<li>Buch mit Texten aus Gustav Mesmers Tagebuch, Skizzen und Bildern. Einleitender Text: Martin Mangold, Fotos: Stefan Hartmaier, 16 Euro.<\/li>\n<li>CD Gustav Mesmer &#8211; Ikarus vom Lautertal genannt<\/li>\n<li>H\u00f6rspiel auf CD von Holger Reile \u00fcber das Leben und Wirken von Gustav Mesmer. Mit Originaltexten. Musik: Alexander K\u00f6berlein. 16 Euro.<\/li>\n<li>DVD So frei wie die V\u00f6gel<\/li>\n<li>32-min\u00fctiger Film auf DVD von Holger Reile. Mesmers tragischer Weg in bewegende Bilder umgesetzt. 16 Euro.<\/li>\n<li>Katalog zur Ausstellung<\/li>\n<li>Fotografien: Gustav Mesmer, Franco Zehnder, Stefan Hartmaier, Elmar Hugger und Nicole Becker. Biografie geschrieben: Holger Reile. 16 Euro.<\/li>\n<li>Fotoedition<\/li>\n<li>Zwei limitierte Fotografien in einer Mappe mit Buch. 180 Euro.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Text von Marco Heinz \/\u00a0Fotos: Stefan Hartmaier, Quelle: gustavmesmer.de<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>WEBcode #202071<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gustav Mesmer, Flugradbauer, Ausnahmemensch und Lebensk\u00fcnstler fand in den H\u00e4ngen des Lautertals auf der Alb sein sp\u00e4tes Gl\u00fcck. 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