{"id":10150,"date":"2010-10-22T12:00:35","date_gmt":"2010-10-22T10:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10150"},"modified":"2014-10-22T12:44:19","modified_gmt":"2014-10-22T10:44:19","slug":"owen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10150","title":{"rendered":"Owen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verena Beutlin \/ Die Zwerge von Owen \/ Der langnasige Riese von den Teckw\u00e4ldern<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><\/strong><\/p>\n<p><b>\t\t<div id=\"maps-marker-pro-391c892e\" class=\"maps-marker-pro\" style=\"width: 100%;\">\n\t\t\t<div id=\"mmp-map-wrap-391c892e\" class=\"mmp-map-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-panel-391c892e\" class=\"mmp-panel\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-map-391c892e\" class=\"mmp-map\" style=\"height: 400px;\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\">Verena Beutlin<\/span><\/h2>\n<p>Wenn man von der Teck zum, Gelben Felsen wandert, entdeckt man nahe dem Absturz im felsigen Boden ein Loch, eine \u00d6ffnung, die, halb eingest\u00fcrzt, steil in d~Tiefe f\u00fchrt. Vor langer Zeit soll sich hie:&#8216; eine traurige Geschichte zugetragen haben.<br \/>\nZuweilen sah man damals eine d\u00fcnne Rauchs\u00e4ule beim Gelben Felsen hochsteigen. Manche entdeckten auch einen Fetzen roten Tuchs, der im Winde flatterte. Man schenkte dem keine Beachtung, war doch leicht erkl\u00e4rbar, dass sich ein St\u00fcck Stoff, vom Sturm hingeweht, im Gestr\u00e4uch verfangen hatte und dass an kalten Tagen die w\u00e4rmere und feuchte Luft aus den Erdspalten stieg und zu Nebel wurde.<br \/>\nIn jener Zeit kamen des \u00f6fteren bettelnde Kinder durch die Orte im Lenninger Tal, zwei in Lumpen gekleidete Buben, denen da ein St\u00fcck Brot, dort ein Ei oder ein Teller Suppe gereicht wurde. Man fragte sie nach Herkunft und Eltern, erhielt aber immer nur ausweichende Antwort.<br \/>\nAuch ein fremder Mann wanderte oft durch Owen und stieg den Berg hinauf. Doch da er Tragkorb und Haue trug, dachte jeder, dass er einer Arbeit auf dem Teckberg nachzugehen habe.<br \/>\nKeiner ahnte, dass der Mann und die beiden Kinder zusammengeh\u00f6rten und auf dem Weg waren zum Gelben Felsen, wo sie erwartet wurden. Ein b\u00f6ses Schicksal hatte ihnen die Heimat genommen, und nun suchten sie Zuflucht in jenem Erdloch beim Gelben Felsen. Dort hatte die Mutter der Buben, Verena Beutlin, die H\u00f6hle so hergerichtet, dass man darin wohnen konnte: An der Felsenwand standen, aus rohen Brettern gezimmert, Tisch und Bank; &#8222;In der trockenen Ecke befand sich die aus Stroh und Laub aufgesch\u00fcttete Lagerstatt, und in der Mitte des Raumes war aus Stein ein Herd errichtet. An Holz zum Heizen und Kochen fehlte es nicht, doch oft an Speisen, die der Vater verdient und die Kinder erbettelt hatten. Verena selbst f\u00fcrchtete sich vor den Menschen und h\u00fctete sorgsam das Geheimnis ihres Verstecks. Aber wenn die Vorr\u00e4te verbraucht waren, sollte der Vater Nachricht erhalten, Der rote Fetzen Tuch, an \u00c4sten \u00fcber den Felsen festgebunden, sagte ihm, dass Not in der H\u00f6hle eingekehrt sei. Verena konnte auch nicht verhindern, dass der Rauch des Herdfeuers aus dem Felsenspalt hochstieg und von den Leuten im Tal wahrgenommen wurde.<br \/>\nAlles ging lange Zeit gut, bis eines Wintertags bitterer Hunger in der H\u00f6hle einkehrte. L\u00e4ngst waren die letzten Vorr\u00e4te aufgebraucht, aber der Vater blieb aus. Schlie\u00dflich schickte Verena ihre beiden S\u00f6hne hinunter nach Owen, um etwas Brot zu erbetteln. Dort hatte man Mitleid mit den halbverhungerten Kindern, die trotz Frost und Eis unterwegs waren, gab ihnen zu essen, fragte aber eindringlicher nach dem Woher und Wohin. Da brachen die Buben ihr Schweigen und erz\u00e4hlten alles.<br \/>\nMan h\u00e4tte meinen sollen, dass nun alle Not ein Ende fand. Aber Verena hatte die Menschen jener Zeit richtig eingesch\u00e4tzt. Als sie h\u00f6rten, dass die Frau schon l\u00e4ngere Zeit abgeschieden in der Bergh\u00f6hle hauste, dass sie sich versteckt hielt, nicht des Sonntags zur Kirche kam und dass ihre Kinder noch nicht einmal die Taufe empfangen hatten, glaubten alle, Verena sei eine Hexe, die allen Ungl\u00fcck bringen k\u00f6nnte.<br \/>\nEinige M\u00e4nner zogen hinauf zur H\u00f6hle, \u00fcberfielen die arme Frau, banden sie und schleppten sie hinunter in den Kerker der Stadt. So sehr Verena ihre Unschuld auch beteuerte, sie wurde, wie viele Frauen in jener Zeit, als Hexe zum Feuertod verurteilt und verbrannt.<br \/>\nIhre beiden S\u00f6hne aber taufte man. Was aus ihnen und ihrem Vater geworden ist, wei\u00df niemand zu berichten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\">Die Zwerge von Owen<\/span><\/h2>\n<p>Einst wohnten im Wald zwischen Owen und Beuren viele Zwerge. Es waren lustige Gesellen, immer zu Scherz und Schabernack bereit, und wenn man unterwegs war, konnte man erwarten, einem Zwerglein zu begegnen, das sich kichernd im Geb\u00fcsch versteckte, das mit Tannenzapfen nach einem warf oder das lustig seine Zipfelm\u00fctze schwenkte. Sie hatten allerhand Streiche im Kopf, die kleinen Burschen, aber sie halfen auch gerne, wenn man in Not war. In ihrem Wald kannten sie sich aus, wussten Bescheid \u00fcber die Heilkraft der Pflanzen und verstanden es, Salben und Tr\u00e4nklein zu bereiten, die alle Gebrechen und Krankheiten verschwinden lie\u00dfen. Wenn ein Arzt nicht mehr wusste, was er tun sollte, sagte er: \u00bbGeh zu den Zwergen im Owener Wald. \u00ab Deshalb kamen die Menschen von weither, um bei den Kleinen Hilfe zu suchen.<br \/>\nAm geschicktesten und kl\u00fcgsten aber war der Zwergenk\u00f6nig. Er wohnte in einem gl\u00e4sernen Schloss mitten im Wald. Wer dorthin fand und um Hilfe bat, konnte sicher sein, von jedem Leiden erl\u00f6st zu werden.<br \/>\nAber von einem Tag auf den anderen war das kleine Volk verschwunden; niemand hatte sie wegziehen sehen, von niemandem hatten sie sich verabschiedet. Hatte man sie beleidigt oder gekr\u00e4nkt? Einer sagte, er habe sie im fernen Morgenland getroffen, aber wer wei\u00df, ob es wahr ist.<br \/>\nNur ein alter Zwerg war noch lange da. \u00bbDas lederne M\u00e4nnlein\u00ab hie\u00dfen ihn die Leute, weil sein zerfurchtes Gesicht aussah wie altes Leder. Es war ein komischer Geselle, der gerne die Holzsammlerinnen erschreckte und sich diebisch \u00fcber jeden Streich freute.<br \/>\nWenn Kinder in den Wald kamen, riefen sie oft: \u201ejuhu!\u201c Und wenn sie dann aus weiter Ferne das Echo \u00bbhu\u00ab h\u00f6rten, schauten sie sich an und sagten: \u00bbHabt ihr&#8217;s geh\u00f6rt? Das lederne M\u00e4nnlein hat Antwort gegeben.\u00ab Und dann liefen sie schnell nach Hause.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #800000;\">Der langnasige Riese von den Teckw\u00e4ldern<br \/>\n<\/span><\/h2>\n<p>In den W\u00e4ldern unter der Burg Teck hauste vor langer Zeit ein Riese. Er war von ungeheurer Gr\u00f6\u00dfe und trug mitten im breiten Gesicht eine lange Nase. Alles, was ihm in die Finger kam, wurde gepackt, beschn\u00fcffelt, untersucht. Wenn es ihm im Wald zu langweilig war, stieg er hinunter ins St\u00e4dtchen Owen. Auch dort brachte ihn seine Neugier dazu, \u00fcberall herumzust\u00f6bern und zu schn\u00fcffeln. Die Leute \u00e4rgerten sich dar\u00fcber und nannten ihn heimlich Schn\u00fcffelnase, aber niemand wagte es, ihn fortzuschicken, denn er war st\u00e4rker als alle.<br \/>\nOft stattete er auch dem Schlosser Hansj\u00f6rg einen Besuch ab. Da ihm aber die Werkstatt zu niedrig und eng war, blieb er auf der Gasse und streckte seinen Kopf durch das breite Fenster. \u00dcberall langte er hin mit seinen gro\u00dfen H\u00e4nden, alles musste er betasten und beschnuppern, und wenn er dann endlich weiterging, hatte der Meister zuerst die Werkstatt wieder aufzur\u00e4umen.<br \/>\nSchlie\u00dflich wurde diesem die Sache zu dumm, und der sann nach, wie er den ungebetenen Gast f\u00fcr alle Zeiten loswerden k\u00f6nnte. Er schaute sich in der Werkstatt um, und bald kam ihm ein guter Gedanke.<br \/>\nAls Schn\u00fcffelnase wieder einmal im St\u00e4dtchen erschien, stellte Hansj\u00f6rg seinen gro\u00dfen Schraubstock unter das Fenster und drehte ihn weit auf. Er musste nicht lange warten; schon erschien der Riesenkopf im Fenster. Kaum hatte der Bursche den Schraubstock entdeckt, da steckte er neugierig seine Nase zwischen die beiden Backen. Darauf hatte der Schlosser gewartet! Schnell drehte er den Schraubstock zu und klemmte sie ein.<br \/>\nDer Riese schrie auf vor Schmerz und wollte seinen Kopf aus dem Fenster ziehen; doch weil der Schraubstock so gro\u00df und sperrig war, brachte er ihn nicht durch die \u00d6ffnung. Er zog und zerrte, r\u00fcttelte und br\u00fcllte, aber alles half nichts, und der Schlosser lie\u00df ihn zappeln. Schlie\u00dflich verlegte sich der Riese aufs Bitten. Darauf hatte Hansj\u00f6rg gewartet. \u00bbWenn du versprichst, nie mehr in meine Werkstatt zu kommen, gebe ich dich frei\u00ab, sagte er, und was blieb Schn\u00fcffelnase anderes \u00fcbrig? Er musste auf den Handel eingehen.<br \/>\nDer Schlosser drehte den Schraubstock wieder auf, und der Riese zog schnell seinen Kopf zur\u00fcck. jammernd und schimpfend betastete er seine blutige Nase, aber schlie\u00dflich trollte er sich zur Stadt hinaus und blieb ihr f\u00fcr immer fern.<br \/>\nDer Schlosser hatte die Geschichte fast schon vergessen, als er einige Zeit sp\u00e4ter zur Teckburg hinaufstieg, um dort ein T\u00fcrschloss wieder in Ordnung zu bringen. Pl\u00f6tzlich stand der Riese vor ihm. In der Hand trug er einen dicken Pr\u00fcgel. Hansj\u00f6rg durchfuhr der Schreck. Ein Entkommen war unm\u00f6glich, ein Zweikampf aussichtslos! In seiner Angst kam ihm ein rettender Gedanke. Schnell stellte er sich auf den Kopf und streckte die Beine in die Luft, dass sie aussahen wie eine riesige Zange.<br \/>\nUnd der Riese, der etwas kurzsichtig und einf\u00e4ltig war, dachte nicht dar\u00fcber nach, ob sich ein Mensch in eine Zange verwandeln k\u00f6nne. Die Erinnerung an seine schmerzende Nase \u00fcberfiel ihn mit solcher Macht, dass er entsetzt vor der anscheinend drohenden Gefahr zur\u00fcckwich und im Dickicht verschwand.<br \/>\nHansj\u00f6rg konnte seinen Weg ungeschoren fortsetzen. Schn\u00fcffelnase aber ward bei uns nie mehr gesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #888888;\"><em>Zur Verf\u00fcgung gestellt vom\u00a0<span style=\"color: #000000;\"><a href=\"http:\/\/www.albengel-otto-hoffmeister-haus.de\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #000000;\">Albengel am Schopflocher Moor<\/span><\/a><\/span>, besser als Otto-Hoffmeisterhaus bekannt<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sagen: Verena Beutlin \/ Die Zwerge von Owen \/ Der langnasige Riese von den Teckw\u00e4ldern<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[82],"tags":[],"class_list":["post-10150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anekdoten-sagen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10150"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10156,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10150\/revisions\/10156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}