{"id":10632,"date":"2015-01-26T17:54:51","date_gmt":"2015-01-26T16:54:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10632"},"modified":"2015-01-26T17:54:51","modified_gmt":"2015-01-26T16:54:51","slug":"glueck-gehabt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10632","title":{"rendered":"Gl\u00fcck gehabt"},"content":{"rendered":"<p><em>NABU entl\u00e4sst geheilten \u201eVogel des Jahres\u201c in die Freiheit<\/em><\/p>\n<p>M\u00f6ssingen \u2013 Der NABU hat am heutigen Montag einen geheilten Habicht in die Freiheit entlassen. Der noch nicht ganz einj\u00e4hrige Vogel war zwei Wochen zuvor verletzt ins NABU-Vogelschutzzentrum M\u00f6ssingen eingeliefert worden. <!--more-->Einem zweiten, zuf\u00e4llig zeitgleich eingelieferten Habicht konnten auch die NABU-Fachleute nicht mehr helfen: Er starb bereits in seiner ersten Nacht an v\u00f6lliger Entkr\u00e4ftung. Der NABU hat den Habicht 2015 zum \u201eVogel des Jahres\u201c gek\u00fcrt. Er will damit auch auf die vielen Probleme aufmerksam machen, mit denen der Greifvogel k\u00e4mpft, etwa illegale Vergiftungen, eine naturfeindliche Landwirtschaft und insgesamt r\u00fcckl\u00e4ufige Vogelbest\u00e4nde, die seine wichtigste Nahrungsgrundlage bilden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10633\" alt=\"NABU_Habicht_R_Roessner\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/NABU_Habicht_R_Roessner.jpg\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/NABU_Habicht_R_Roessner.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/NABU_Habicht_R_Roessner-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/NABU_Habicht_R_Roessner-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><span style=\"color: #888888;\"><em>\u00a0Foto: R. R\u00f6ssner, NABU<\/em><\/span><\/p>\n<p>Der jetzt freigelassene Habicht wurde am 11. Januar nach vielen Turbulenzen ins NABU-Vogelschutzzentrum eingeliefert: In Bisingen (Zollernalbkreis) hatte er sich bei der Jagd auf eine Taube schwer verletzt. Die Taube war gegen eine Glasscheibe der Stadthalle geprallt, hatte sich dabei das Genick gebrochen und starb sofort vor Ort. Der Habicht konnte seine Verfolgungsjagd nicht mehr abbremsen, donnerte gegen die Nachbarscheibe \u2013 und durchbrach sie. Im Innern der Halle flatterte er verletzt umher. Er hatte sich am rechten Fl\u00fcgel eine Schnittwunde zugezogen.<\/p>\n<p>Der Hausmeister rief einen Falkner zu Hilfe, der den aufgebrachten Vogel behutsam einfing. Beide brachten ihn schlie\u00dflich ins NABU-Vogelschutzzentrum M\u00f6ssingen. \u201eDer Habicht hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck\u201c, meinte Zentrumsleiter Daniel Schmidt-Rothmund. \u201eIch hatte bef\u00fcrchtet, dass er sich bei einem so schweren Unfall auch ein paar Knochen gebrochen hat. Das h\u00e4tte seine \u00dcberlebenschancen in den Keller st\u00fcrzen lassen. Bei unserem Tierarzt haben wir dann aber auf den R\u00f6ntgenbildern gesehen, dass alle Knochen heil geblieben sind. Nur die Schnittwunde musste gen\u00e4ht werden.\u201c So konnten Schmidt-Rothmund und sein Team den Habicht zwei Wochen lang gesundpflegen und schlie\u00dflich wieder in die Freiheit entlassen.<\/p>\n<blockquote><p>Von 100 auf 1.200 bis 1.600 Habicht-Brutpaare in Baden-W\u00fcrttemberg<\/p><\/blockquote>\n<p>Der \u201eVogel des Jahres 2015\u201c ist ein seltener Gast im Vogelschutzzentrum, was auch damit zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte, dass er sehr zur\u00fcckgezogen lebt und selten zu beobachten ist. Verletzte Tiere werden daher selten gefunden. In Baden-W\u00fcrttemberg gibt es derzeit rund 1.200 bis 1.600 Brutpaare. Seit einiger Zeit sind die Best\u00e4nde stabil. Habichte kommen in allen Landesteilen mit gr\u00f6\u00dferen Waldgebieten vor.<\/p>\n<p>Mit der Wahl des Habichts zum Vogel des Jahres macht der NABU auf Erfolge, aber auch auf Probleme im Naturschutz aufmerksam. \u201eBis auf einen k\u00fcmmerlichen Rest von etwa 100 Brutpaaren war der Habicht vor 50 Jahren in Baden-W\u00fcrttemberg fast ausgerottet\u201c, erkl\u00e4rte der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann am Rande der Freilassung in M\u00f6ssingen. \u201eNachdem er \u00fcber Jahrhunderte schonungslos verfolgt wurde, hat ihm der massive Pestizideinsatz in der Landwirtschaft fast den Rest gegeben.\u201c<\/p>\n<p>Doch die Proteste des NABU und Anderer zeigten Wirkung: Seit den 1970er-Jahren ist es verboten, Greifv\u00f6gel zu t\u00f6ten. Da auch einige der schlimmsten Pestizide verboten wurden, konnte sich der Bestand wieder erholen. Positiv wirkte sich zudem aus, dass die W\u00e4lder in Baden-W\u00fcrttemberg zunehmend naturvertr\u00e4glicher bewirtschaftet werden und in vielen F\u00e4llen Horstb\u00e4ume geschont werden, also die B\u00e4ume, auf denen Greifv\u00f6gel br\u00fcten. Hier sieht NABU-Landeschef Baumann dennoch Handlungsbedarf: \u201eWir brauchen auch in Baden-W\u00fcrttemberg einen gesetzlichen Schutz f\u00fcr Horstb\u00e4ume, wie es ihn in anderen Bundesl\u00e4ndern bereits gibt. Hier w\u00fcrde uns Entwicklungshilfe etwa aus Ostdeutschland gut tun.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Schwindende Nahrungsgrundlage: 421 Millionen weniger V\u00f6gel in Europa<\/p><\/blockquote>\n<p>Daneben k\u00e4mpft der Habicht wie viele andere Greifv\u00f6gel nach wie vor mit weiteren Problemen: Weil er auch Fasane, Reb- und Auerh\u00fchner, Brieftauben und Haush\u00fchner erbeutet, ist er bei einigen J\u00e4gern, Taubenz\u00fcchtern und H\u00fchnerhaltern verhasst. Das erkl\u00e4rt, warum er immer wieder Opfer von illegalen Vergiftungen und Absch\u00fcssen wird.<\/p>\n<p>Da sich Habichte aber vor allem von Wildv\u00f6geln wie Ringeltauben, Kr\u00e4hen, Elstern und Eichelh\u00e4hern sowie kleineren S\u00e4ugetieren ern\u00e4hren, sind sie zudem auf eine intakte Natur angewiesen. Der R\u00fcckgang der Best\u00e4nde vieler Tierarten aufgrund einer natursch\u00e4digenden Landwirtschaft entzieht dem Habicht einen gro\u00dfen Teil seiner Nahrungsgrundlage. So leben heute aktuellen Studien zufolge 421 Millionen V\u00f6gel weniger in Europa als vor 30 Jahren. \u201eEine Landwirtschaft, die Natur schont und bereichert, w\u00e4re daher auch f\u00fcr den Habicht die beste Lebensversicherung\u201c, sagte Baumann.<\/p>\n<blockquote><p>Vogelschlag: Glasfassaden als Todesfalle<\/p><\/blockquote>\n<p>Neben der Landwirtschaft und der gezielten T\u00f6tung von V\u00f6geln sind auch Unf\u00e4lle an Glasscheiben eine ernste Belastung f\u00fcr viele Vogelbest\u00e4nde. Denn nur selten \u00fcberleben V\u00f6gel wie jetzt der Habicht in Bisingen solche Glaskollisionen. In Fachkreisen kursieren Sch\u00e4tzungen, dass europaweit t\u00e4glich bis zu 240.000 (!) V\u00f6gel an Glasscheiben verungl\u00fccken. \u201eAuch wir im Vogelschutzzentrum arbeiten zu diesem Thema und beraten etwa bei gro\u00dfen Bauprojekten\u201c, erkl\u00e4rte Zentrumsleiter Schmidt-Rothmund. \u201eDabei kommt es vor allem auf eine gute Planung an. Einfach ein paar schwarze Vogelsilhouetten auf die Scheibe zu kleben, reicht leider nicht aus.\u201c Ziel m\u00fcsse es sein, wirksam zu verhindern, dass sich Landschaften in Glasfl\u00e4chen spiegeln oder durch sie hindurch sichtbar sind. Punktartige Markierungen in den Glasscheiben sollten beispielsweise mindestens 25 Prozent Deckungsgrad aufweisen, bei Linien gen\u00fcgen mitunter 15 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #800000;\">Infos zum Habicht, dem Vogel des Jahres: <a href=\"http:\/\/www.vogel-des-jahres.de\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #800000;\">www.vogel-des-jahres.de<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NABU entl\u00e4sst geheilten \u201eVogel des Jahres\u201c in die Freiheit M\u00f6ssingen \u2013 Der NABU hat am heutigen Montag einen geheilten Habicht in die Freiheit entlassen. 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