{"id":10704,"date":"2017-08-02T14:41:57","date_gmt":"2017-08-02T12:41:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10704"},"modified":"2019-06-03T14:53:56","modified_gmt":"2019-06-03T12:53:56","slug":"steinzeit-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10704","title":{"rendered":"Steinzeit-Mensch"},"content":{"rendered":"<p><em>REPORT: Steinbr\u00fcche halten die Wirtschaft massiv in Schwung<\/em><\/p>\n<p>Tonnenschwer gr\u00fc\u00dft die Steinzeit der Alb hinunter ins holl\u00e4ndische Flachland.\u00a0Der Zaininger Steinbruch liefert exklusiv geschottertes Albgold f\u00fcr den Wegebau.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10705\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3392.jpg\" alt=\"steinbruch3BFW3392\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3392.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3392-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3392-150x99.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Er ist ein Mann, der lebt im Gestern, aber gleichzeitig in der Zukunft. Er leitet ein Unternehmen, das nimmt, was die Schw\u00e4bische Alb ihm gibt. Er sprengt Kalkbl\u00f6cke aus dem Gebirge, wo sich vor \u00fcber 200 Millionen Jahren die \u00dcberreste von Urmuscheln und Korallen Schicht auf Schicht t\u00fcrmten.<\/p>\n<p>Dieter R\u00f6sch betreibt zwei Steinbr\u00fcche. Einer bei Merklingen, der andere bei R\u00f6merstein-Zainingen (Fotos). Der Feldstetter schreddert den Boden des Jurameeres zu Schotter, Kies und Sand. Er verwandelt das Gestein des Gestern zum Rohstoff f\u00fcr Morgen. So wie das sauerstoffreiche Blut eines Sportlers zwar unsichtbar ist, aber dennoch dessen Leistung bef\u00f6rdert, durchzieht tonnenweise Erdgestein die Lebensader der Hochleistungsindustrie der Schwaben. Fundamente, Mauern, Beton, Zement, Autobahnen, Bahngleisstrassen: Jeder Mensch verbraucht 8000 Tonnen Urgestein, sobald er Schulen, Kinderg\u00e4rten, sein Auto &#8211; ja sogar Zahnpasta benutzt.<\/p>\n<p>\u201eEr mache aus Steinen Geld\u201c, tuscheln die Neider, er muss \u201eein Allroundtalent\u201c sein, loben die Anderen, die genau wissen, dass bald jedes Mitglied des \u201eIndustrieverbands Steine Erden\u201c (kurz ISTE), das bis heute den harten Konkurrenzkampf \u00fcberlebte, auf schw\u00e4bisch gesagt \u201eein K\u00e4psele\u201c sein muss.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10706\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3401.jpg\" alt=\"steinbruch3BFW3401\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3401.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3401-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/steinbruch3BFW3401-150x99.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>26 Betriebe sprengen, baggern, transportieren mit Megalastern den Albstein in ihre Steinm\u00fchle. Doch nur R\u00f6schs Biosph\u00e4rensteinbruch Zainingen liefert exklusiv bis Holland. Warum? Die Geschichte lehrt: Steinbr\u00fcche enstanden dort, wo Bedarf ist. Lange Wege kosten viel Geld. Deshalb besa\u00df noch vor 100 Jahren bald jede Gemeinde ihren eigenen Bruch. Neben jeder Erhebung einer stolzen Burg klafft auch ein Graben oder Loch zur Gewinnung des Mauersteins. \u201eEs ist wegen der Farbe\u201c, schmunzelt der 55-j\u00e4hrige Dieter R\u00f6sch, der mit seinem Vetter Berthold seit 1999 den 1937 gegr\u00fcndeten Betrieb der Eltern \u00fcbernahm. \u201eDieses helle Gelb haben nur wir\u201c und dieses einmalige Gelb soll alle k\u00fcnftigen wassergebundenen Radwege dieses sandigen Flachlands versch\u00f6nern. Der sonst gr\u00e4uliche Muschelkalk ist der fr\u00f6hlichen Biker-Nation wohl zu trist. Doch waren bei der staatstragenden Entscheidung nicht nur Designer und Farbpsychologen am Werk. Die Holl\u00e4nder nahmen den Zaininger Wei\u00dfjura auch im Labor unter die Lupe. \u201eNach einer f\u00fcnf Jahre w\u00e4hrenden Versuchsreihe waren sie von der Qualit\u00e4t des Schwammriffs bei Zainingen \u00fcberzeugt \u2013 R\u00f6sch liefert j\u00e4hrlich 20000 Tonnen.<\/p>\n<p>Einst war die Arbeit im Steinbruch ein Knochenjob. Schon die \u00c4gypter brachen Weichgestein, wie Kalkstein oder Sandstein. Sie hievten mit 100-facher Muskelkraft per Holzschlitten und Seilwinden die zu m\u00e4chtigen Quadern behauenen Bl\u00f6cke bis zu 150 Meter hinauf. Die welth\u00f6chste Cheops-Pyramide bezeugt noch heute die bald 4500 Jahre alte Tradition dieses Handwerks. Steinbr\u00fcche auf deutschem Gebiet gab\u00b4s in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab erst seit der R\u00f6merzeit. Noch vor 100 Jahren spalteten und schleppten Arbeiter von Hand das Gestein in Loren, die \u00fcber Schienen halbwegs kr\u00e4ftesparend die Strecke zur Steinm\u00fchle \u00fcberwanden. \u201eDer Gesteinsabbau war bis in die f\u00fcnfziger Jahre im wahrsten Sinne des Wortes ein Handwerk\u201c, erinnert sich R\u00f6sch.<\/p>\n<p>Heute dagegen z\u00e4hlt ein Ausbildungsjob im Steinbruch zu den coolsten Sachen, wie ein Werbefilm auf You-Tube mit dem Titel \u201eRock-Stars gesucht\u201c k\u00fcnftigen Azubis vermitteln will. Der demographische Wandel und in Folge die Nachwuchssorgen sind inzwischen auch in der Steine- und Erden-Industrie sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Besonders spektakul\u00e4r empfinden Berufssuchende die Sprengung. In einem mittelgro\u00dfen Bruch wie dem Zaininger, arbeiten heute nur sechs Spezialisten. Mit ein bis zwei Sprengungen pro Woche holt sich das Werk 5000 bis 10000 Tonnen aus dem steinernen Herz der Alb. Ein wenig bedauert R\u00f6sch, dass sich sein Handwerk zunehmend in Verwaltungsakte aufl\u00f6st. \u201eBevor ein Abbau von Rohstoffen beginnen kann, steht ein langwieriges und aufwendiges Genehmigungsverfahren an\u201c, beschreibt R\u00f6sch die Sachzw\u00e4nge seines Unternehmertums. So was dauert in der Regel zwei bis drei Jahre, in Ausnahmef\u00e4llen bis zu zehn Jahren.<\/p>\n<p>Doch R\u00f6sch lebt nicht nur vom Gestern \u2013 jenen versteinerten Urmeereszeugen \u2013 sondern steht heute in der Pflicht f\u00fcr das Morgen. Was wird aus dem Steinbruch, wenn er keine Fl\u00e4chen mehr zukaufen kann? Was wird aus den Mitarbeitern, wenn es keine Genehmigungen gibt? Was wird aus dem Lebensraum, indem sich mittlerweile seltene Tiere wohlf\u00fchlen? R\u00f6sch muss zu Ende denken. \u201eRekultivierung der Fl\u00e4chen im Steinbruch\u201c, hei\u00dft das Gebot, weswegen er Kontakt zu Umweltverb\u00e4nden sucht. Die Vorgaben des Naturschutzes geh\u00f6ren zu seinem Unternehmensziel, deshalb sponsert der Feldstetter gerne das NABU-Biosph\u00e4renmobil und den GeoPark Schw\u00e4bische Alb. Denn: Im Ges\u00adtern steckt immer die Zukunft.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2015, Seite 46-48<\/em><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #800000;\">Weiterf\u00fchrender Artikel<\/span><\/p>\n<p><em>Tradition &amp; Handwerk: Murmeln offenbaren die Geschichte der Alb<\/em><\/p>\n<p>Die Alb hat ein Herz aus Stein. Die Zeit und der Mensch nagen und mahlen daran. Auf Hochglanz poliert, \u00fcben die Kugeln aus Marmor eine unglaubliche Faszination aus. SPH\u00c4RE besuchte die Kugelm\u00fchle in Neidlingen. <a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=1010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mehr&gt;&gt;<\/a><\/p><\/blockquote>\n\t\t<div id=\"maps-marker-pro-150ca09a\" class=\"maps-marker-pro\" style=\"width: 100%;\">\n\t\t\t<div id=\"mmp-map-wrap-150ca09a\" class=\"mmp-map-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-panel-150ca09a\" class=\"mmp-panel\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-map-150ca09a\" class=\"mmp-map\" style=\"height: 400px;\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>REPORT: Steinbr\u00fcche halten die Wirtschaft massiv in Schwung<\/p>\n<p>Tonnenschwer gr\u00fc\u00dft die Steinzeit der Alb hinunter ins holl\u00e4ndische Flachland. 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