{"id":11210,"date":"2015-11-24T11:33:37","date_gmt":"2015-11-24T10:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=11210"},"modified":"2015-11-20T11:39:38","modified_gmt":"2015-11-20T10:39:38","slug":"willkommen-im-hamsterrad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=11210","title":{"rendered":"Willkommen im Hamsterrad"},"content":{"rendered":"<p><em>Die unheilvolle Macht der Smartphones<\/em><\/p>\n<p>Sie sollen den Alltag, die private Kommunikation aber auch den Arbeitstag einfacher, bequemer und schneller machen: Zweifellos schicken sich Smartphones und deren kleine Helferlein an, uns nicht nur zu unterst\u00fctzen, sondern das Regime zu \u00fcbernehmen. <!--more-->Diese Ansicht vertritt Professor Dr. Gerald Lembke von der Dualen Hochschule Baden-W\u00fcrttemberg. W\u00e4hrend es im privaten Alltag eher zu weniger sozialer Interaktion und im Stra\u00dfenverkehr immer h\u00e4ufiger zu lebensgef\u00e4hrlichen Situationen komme, raubten digitale Parasiten im Wirtschaftsleben Konzentration, Arbeitsfluss, Gesundheit und \u2013 teure Arbeitszeit. Valide Studien f\u00fcr den deutschen Arbeitsmarkt gibt es allerdings noch nicht.<\/p>\n<p>Bisher waren es bisher E-Mails und Spam, die am PC Zeit und Nerven gekostet und volkswirtschaftliche Sch\u00e4den immensen Ausma\u00dfes angerichtet haben. Der Internetverband eco schreckte die Wirtschaft schon vor zwei Jahren mit der gewaltigen Schadensh\u00f6he von 500 Milliarden Euro auf, die weltweit j\u00e4hrlich aufliefe. Eco-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Harald A. Summa hielt die entstandenen Sch\u00e4den sogar f\u00fcr h\u00f6her als den erzielten Nutzen der elektronischen Kommunikation. Ins Blickfeld von Wissenschaftlern und Wirtschaftsbossen r\u00fcckt nun mehr und mehr der kleine mobile PC-Bruder, das Smartphone. So hat der Wissenschaftler Alexander Markowetz von der Uni Bonn im \u201eMenthal Projekt\u201c k\u00fcrzlich die psycho-sozialen Folgen bei 300.000 Smartphone-Nutzern untersucht. Drei Stunden befassen sich demnach die Nutzer t\u00e4glich mit ihrem Digital-Ger\u00e4t, das sie bis zu 60 Mal z\u00fccken. Dabei ist es gar nicht mal so sehr die absolute Dauer, es sind die h\u00e4ufigen Unterbrechungen, die den Arbeitstag in viele kleine Teile zerlegen und damit die Produktivit\u00e4t am Arbeitsplatz drastisch einschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Professor Lembke von der Dualen Hochschule Mannheim weist auf weitere, gleich lautende Studien hin. So ermittelte die US-amerikanische Karriere-Plattform \u201eCareerbuilder.com\u201c, dass jeder vierte Arbeitnehmer w\u00e4hrend eines typischen Arbeitstages mindestens eine Stunde mit pers\u00f6nlichen Anrufen, E-Mails und Textnachrichten besch\u00e4ftigt sei. Konzen-trationskiller Nummer 1 sei das Smartphone mit SMS- und Textnachrichten. Und obwohl Internetsucht noch keine offizielle Diagnose in g\u00e4ngigen Klassifizierungssystemen f\u00fcr psychiatrische Erkrankungen ist, gibt es laut aktuellen Zahlen vom Buchautor Bert te Wildt im deutschsprachigen Raum bis zu f\u00fcnf Millionen pathologisch auff\u00e4llige digitale Mediens\u00fcchtige, Tendenz stark steigend. Seinen Studenten hat Professor Gerald Lembke, der fast t\u00e4glich im Kontakt mit internet-affinen Studierenden und digitalit\u00e4tsfreudigen Unternehmen ist, die Anwendung digitaler Spielereien in seinen Vorlesungen untersagt.<\/p>\n<p><strong>\u201eDigitali\u00e4t beeinflusst Arbeitsplatz am st\u00e4rksten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch die nicht-pathologischen Befunde sollten besonders Arbeitgebern zu denken geben. In einer Studie von ibi researach an der Universit\u00e4t Regensburg (\u201eDigital2014\u201c) geben die Befragten an, dass die \u201est\u00e4rksten Auswirkungen\u201c der Digitalit\u00e4t am Arbeitsplatz festzustellen sind. Die \u201est\u00e4ndige Erreichbarkeit \u2013 bedingt durch einen erh\u00f6hten Stressfaktor und weniger Freizeit\u201c bewirke negative Auswirkungen auf Gesundheit und Privatleben, so eines der Ergebenisse der Umfrage. Mehr als ein Viertel der Befragten nutzt t\u00e4glich Soziale Medien \u2013 auch beruflich. Das vermindere, neben positiven Networking-Effekten merklich die Konzentrationsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p><strong>Mehr als zwei Drittel leiden unter \u201ePhantomvibrieren\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der mittlerweile erreichte Stellenwert des Smartphones zeigt sich auch am sogenannten \u201ePhantomvibrieren\u201c: Mehr als zwei Drittel der Befragten der ibi-research-Umfrage glauben gelegentlich, dass das Mobiltelefon klingelt oder vibriert, obwohl sie weder einen Anruf noch eine Nachricht erhalten haben.<\/p>\n<p>Der Stressreport der Bundesagentur f\u00fcr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2012) verweist ebenfalls auf eine massive Verdichtung des Arbeits- und Zeitdrucks bei den Besch\u00e4ftigten. Etwa ein Viertel der Besch\u00e4ftigten, so die Agentur, verzichte mittlerweile auf ihre Arbeitspausen: der Arbeitstag beginne nicht mehr mit dem Betreten des B\u00fcros: SMS- und Messenger-Nachrichten w\u00fcrden sowohl auf dem Weg zur Arbeit, in den Arbeitspausen als auch in der Freizeit gelesen, wie ein Forschungsprojekt der TU Berlin beklagte und die Leser sarkastisch mit \u201eWillkommen im Hamsterrad der postindustriellen Arbeitswelt\u201c begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p><strong>Autonomie und Konzentrationsf\u00e4higkeit auf dem R\u00fcckzug<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Professor Lembke decken sich diese Befunde mit den eigenen Beobachtungen der digitalen Welt: Die Autonomie und Selbst\u00e4n-digkeit, so Lembke, nimmt bei hoher digitaler Mediennutzung ab. Gleichzeitig sinke die Konzentrationsf\u00e4higkeit durch exzessive digitale Mediennutzung \u00fcberproportional ab und werde sogar verlernt. Das kollaborative Zusammenarbeiten nutze dabei nur einer kleinen Minderheit. Und Internetinhalte w\u00fcrden lediglich rezipiert \u2013 jedoch kaum zielf\u00f6rdernd bewertet oder weiterverar-beitet. Die \u201eWisch- und Copy-Paste-Kompetenz\u201c, so Lembke, pr\u00e4ge sich weiter aus, doch gleichzeitig sinke das konzentrierte und zielorientiertes Arbeitsverhalten \u00fcber alle Bereiche, von Schule, Studium bis hin zur Arbeitswelt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist h\u00f6chste Zeit\u201c, fordert Professor Lembke, \u201edass wir uns auf allen Ebenen mit einer neuen Kultur der Digitalit\u00e4t befassen, in Gesellschaft und Arbeitswelt und Antworten auf die Frage finden, wie wir in Zukunft eigentlich mit Smartphone &amp; Co leben wollen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff6600;\">Sph\u00e4re-Wissen: \u00dcber Professor Dr. Gerald Lembke<\/span><\/h3>\n<p>Gerald Lembke ist Professor, Buchautor und Unternehmer f\u00fcr den Umgang mit Digitalen Medien in Wirtschaft und Gesellschaft. Er ist Pr\u00e4sident des \u201eBundesverbandes f\u00fcr Medien und Marketing\u201c (BVMM), einem aktiven Netzwerk f\u00fcr Digitalit\u00e4t in Marketing und Vertrieb. Er f\u00f6rdert den Austausch und die Vermittlung zwischen Digital Natives und Wirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unheilvolle Macht der Smartphones Sie sollen den Alltag, die private Kommunikation aber auch den Arbeitstag einfacher, bequemer und schneller machen: Zweifellos schicken sich Smartphones und deren kleine Helferlein an, uns nicht nur zu unterst\u00fctzen, sondern das Regime zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-11210","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11210"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11211,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11210\/revisions\/11211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}