{"id":11988,"date":"2016-11-24T10:06:40","date_gmt":"2016-11-24T09:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=11988"},"modified":"2016-11-24T10:06:40","modified_gmt":"2016-11-24T09:06:40","slug":"fisch-sieht-rot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=11988","title":{"rendered":"Fisch sieht rot"},"content":{"rendered":"<p><em>Warum Fische rote Signale im t\u00fcrkis-blauen Meer aussenden.<\/em><\/p>\n<p><strong>T\u00fcbinger Biologen entschl\u00fcsseln die Bedeutung von Fluoreszenz in der farbarmen Wassertiefe.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Farbenpracht der Bewohner tropischer Korallenriffe ist zwar faszinierend \u2013 jedoch \u00fcberwiegend ein Kunstprodukt fotografischer Aufnahmen mit Blitzlicht. Wasser filtert Gelb-, Orange- und Rott\u00f6ne effizient aus dem Sonnenlicht heraus. Bereits ab Tiefen gr\u00f6\u00dfer als zehn Meter sind sie nicht mehr wahrnehmbar. Daher erscheinen Meeresbewohner unter nat\u00fcrlichen Bedingungen meist einheitlich blaugrau. Manche Fische benutzen jedoch einen Trick, um auch in dieser Umgebung rotes Licht lokal zu erzeugen. Dabei nehmen fluoreszierende Farbzellen das blaue Umgebungslicht auf und senden es als rotes Licht wieder aus. Mit einer in der Zeitschrift\u00a0Frontiers in Ecology and Evolution\u00a0ver\u00f6ffentlichten Studie erlangten Biologen des Instituts f\u00fcr Evolution und \u00d6kologie der Universit\u00e4t T\u00fcbingen unter der Leitung von Professor Nico Michiels nun erste Einblicke in die \u00f6kologische Bedeutung dieses Mechanismus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11990\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen.jpg\" alt=\"fisch_nico-k-michiels-universitaet-tuebingen\" width=\"320\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen-160x90.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen-150x84.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Die rot fluoreszierenden Augenringe zahlreicher Planktonfresser wie dieser Grundel erh\u00f6hen nach Ansicht der Forscher die Chance, kleine transparente Beutetiere im Plankton zu entdecken. Foto: Nico K. Michiels\/Universit\u00e4t T\u00fcbingen.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Mehr als 600 verschiedene Fischarten haben die Autoren auf die F\u00e4higkeit, rote Fluoreszenz zu erzeugen, \u00fcberpr\u00fcft. Durch einen Abgleich mit der \u00d6kologie dieser Fische kristallisieren sich drei wesentliche Funktionen heraus. R\u00e4uber wie etwa Skorpions- oder Plattfische geben unregelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den K\u00f6rper verteilte Fluoreszenzsignale ab. \u201eVor einem Substrat mit zahlreichen ebenfalls fluoreszierenden Algen fallen diese Ansitzj\u00e4ger weniger auf und verbessern ihre Tarnung\u201c, vermutet der Erstautor Dr. Nils Anthes.<\/p>\n<p>Bei den Plankton-fressenden Riffbarschen oder Grundeln dagegen dominiert rote Fluoreszenz rund um das Auge. Nico Michiels bringt dies mit dem Nahrungserwerb in Verbindung: \u201eDie rote Lichtquelle kann die Augen von winzig kleinen und meist transparenten Beutetieren aufleuchten lassen und damit deren Position verraten.\u201c Dieser bisher v\u00f6llig unbekannte Mechanismus ist vergleichbar der Echoortung bei Flederm\u00e4usen und Gegenstand laufender experimenteller Forschungsarbeiten der Gruppe.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich weisen die Befunde der roten Fluoreszenz auch bei der Partnerwahl eine Bedeutung zu. Fischarten mit unterschiedlicher F\u00e4rbung der Geschlechter zeigten \u00fcberproportional h\u00e4ufig rot fluoreszierende Flossen. Die Flossen werden als wichtiges Signal in vielen Balzritualen eingesetzt. Die Forscher gehen davon aus, dass durch rote Fluoreszenz Signale verst\u00e4rkt oder neu erzeugt werden k\u00f6nnen, die von den w\u00e4hlerischen Weibchen bevorzugt werden beziehungsweise eine besonders gute genetische Kondition des M\u00e4nnchens anzeigen.<\/p>\n<p>Die Studie wirft ein neues Licht auf die Kommunikation unter Wasser. \u201eDie bislang dominierende Annahme, dass rotes Licht dort keine Rolle spielt, muss nach den neuen Forschungsergebnissen verworfen werden\u201c, sagt Anthes. Offenbar h\u00e4tten Fische im Laufe der Evolution eine ganze Trickkiste entwickelt, um die in ihrer Umwelt deutlich reduzierte Farbpalette aus eigener Kraft zu erweitern. Deren Nutzen sind die T\u00fcbinger Forscher nun in weitergehenden Experimenten auf der Spur.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-11989\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch2_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen.jpg\" alt=\"fisch2_nico-k-michiels-universitaet-tuebingen\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch2_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch2_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/fisch2_Nico-K-Michiels-Universitaet-Tuebingen-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Aufgrund ihres fleckigen Musters aus roter Fluoreszenz sind Ansitzj\u00e4ger wie dieser Skorpionsfisch auf dem Hintergrund eines Korallenriffs gut getarnt. Foto: Nico K. Michiels\/Universit\u00e4t T\u00fcbingen.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Fische rote Signale im t\u00fcrkis-blauen Meer aussenden. T\u00fcbinger Biologen entschl\u00fcsseln die Bedeutung von Fluoreszenz in der farbarmen Wassertiefe.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11990,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-11988","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11988","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11988"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11988\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11991,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11988\/revisions\/11991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11990"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11988"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11988"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11988"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}