{"id":12363,"date":"2017-05-23T13:15:55","date_gmt":"2017-05-23T11:15:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12363"},"modified":"2017-05-23T13:17:19","modified_gmt":"2017-05-23T11:17:19","slug":"woher-kommt-der-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12363","title":{"rendered":"Woher kommt der Mensch?"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00c4ltester Vormensch lebte m\u00f6glicherweise in Europa.<\/em><\/p>\n<p>Forscher finden Hinweise auf 7,2 Millionen Jahre alte Vormenschen-Art vom Balkan \u2012 Neue Hypothese zum Ursprung des Menschen.<!--more--><\/p>\n<p>Die gemeinsame Linie von Schimpansen und Menschen hat sich m\u00f6glicherweise mehrere hunderttausend Jahre fr\u00fcher getrennt als bislang angenommen: Diese These ver\u00f6ffentlichte ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine B\u00f6hme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen jetzt in zwei zeitgleich erschienen Publikationen im Fachjournal\u00a0Plos One.<\/p>\n<div id=\"attachment_12364\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12364\" class=\"size-full wp-image-12364\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/EL-Graeco_Fruehmensch_Velizar-Simeonovski_-Chicago.jpg\" alt=\"El Graeco (Graecopithecus freybergi) hat vor 7,2 Millionen Jahren in einer staubbelasteten Savannen-Landschaft im Athener Becken gelebt. Der K\u00fcnstler Velizar Simeonovski hat dieses Gem\u00e4lde nach wissenschaftlichen Vorgaben von Madelaine B\u00f6hme und Nikolai Spassov erstellt (Blick von der Fundstelle El Graecos, Pyrgos Vassilissis, nach S\u00fcdost \u00fcber die Athener Ebene unter roter Wolke mit Sahara-Staub; im Hintergrund das Hymettos Gebirge und der Lykabettos Berg). \u00a0 Gem\u00e4lde: Velizar Simeonovski, Chicago\" width=\"320\" height=\"416\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/EL-Graeco_Fruehmensch_Velizar-Simeonovski_-Chicago.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/EL-Graeco_Fruehmensch_Velizar-Simeonovski_-Chicago-123x160.jpg 123w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/EL-Graeco_Fruehmensch_Velizar-Simeonovski_-Chicago-246x320.jpg 246w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/EL-Graeco_Fruehmensch_Velizar-Simeonovski_-Chicago-115x150.jpg 115w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><p id=\"caption-attachment-12364\" class=\"wp-caption-text\">El Graeco (Graecopithecus freybergi) hat vor 7,2 Millionen Jahren in einer staubbelasteten Savannen-Landschaft im Athener Becken gelebt. Der K\u00fcnstler Velizar Simeonovski hat dieses Gem\u00e4lde nach wissenschaftlichen Vorgaben von Madelaine B\u00f6hme und Nikolai Spassov erstellt (Blick von der Fundstelle El Graecos, Pyrgos Vassilissis, nach S\u00fcdost \u00fcber die Athener Ebene unter roter Wolke mit Sahara-Staub; im Hintergrund das Hymettos Gebirge und der Lykabettos Berg).<br \/>\u00a0<br \/>Gem\u00e4lde: Velizar Simeonovski, Chicago<\/p><\/div>\n<p>Die Forscherinnen und Forscher haben zwei Fossilfunde des\u00a0Graecopithecus freybergi\u00a0mit modernsten Methoden untersucht und kommen dabei zu dem Ergebnis, dass es sich um eine bisher unbekannte Vormenschenart handelt. Das Wissenschaftlerteam h\u00e4lt es aufgrund der neuen Erkenntnisse zudem f\u00fcr m\u00f6glich, dass die Abspaltung der menschlichen Linie im \u00f6stlichen Mittelmeerraum stattgefunden hat und nicht \u2013 wie bisher vielfach angenommen \u2013 in Afrika.<\/p>\n<p>Heute ist der Schimpanse der n\u00e4chste Verwandte des Menschen. Wann ihr letzter gemeinsamer Vorfahr lebte, ist ein zentrales und sehr umstrittenes Forschungsthema der Pal\u00e4oanthropologie. Bislang nimmt die Forschung an, dass sich die Linien vor f\u00fcnf bis sieben Millionen Jahren trennten und die erste Vormenschenart im heutigen Afrika entstand. Nach der Theorie des franz\u00f6sischen Pal\u00e4oanthropologen Ives Coppens von 1994 k\u00f6nnten dabei Klimaver\u00e4nderungen in Ostafrika eine entscheidende Rolle gespielt haben. Mit der neuen Studie entwirft das Forscherteam aus Deutschland, Bulgarien, Griechenland, Kanada, Frankreich und Australien nun ein v\u00f6llig anderes Szenario f\u00fcr die fr\u00fcheste Menschheitsgeschichte.<\/p>\n<p><strong>Zahnwurzeln geben neue Hinweise<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der Studie untersuchte das Team um Madelaine B\u00f6hme und Professor Nikolai Spassov von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften die beiden einzigen bekannten Funde des Hominiden\u00a0Graecopithecus freybergi: einen Unterkiefer aus Grabungen in Griechenland sowie einen Zahn aus Bulgarien. Per Computertomografie machten die Forscher die interne Struktur der Fossilien sichtbar und zeigten, dass die Wurzeln der Vorbackenz\u00e4hne weitgehend verschmolzen waren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Menschenaffen \u00fcblicherweise zwei oder drei getrennte Zahnwurzeln besitzen, gilt die Verschmelzung der Wurzeln eines Zahns als charakteristisches Merkmal des Menschen, der Urmenschen (fr\u00fche Vertreter der Gattung\u00a0Homo) und einiger Vormenschen (Ardipithecus\u00a0und\u00a0Australopithecus). Zudem wies der von den Wissenschaftlern \u201aEl Graeco\u2018 getaufte Unterkiefer weitere Merkmale an Zahnwurzeln auf, die nach Einsch\u00e4tzung der Autoren darauf hindeuten, dass es sich bei\u00a0Graecopithecus\u00a0um einen Vertreter der Vormenschen (Tribus Hominini) handeln k\u00f6nnte. \u201eWir waren von unseren Ergebnissen selbst \u00fcberrascht, denn bislang waren Vormenschen ausschlie\u00dflich aus Afrika s\u00fcdlich der Sahara bekannt\u201c, erkl\u00e4rt Jochen Fuss, Doktorand an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, der die Untersuchung durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Zudem scheint\u00a0Graecopithecus\u00a0mehrere hunderttausend Jahre \u00e4lter zu sein als der bisher fr\u00fcheste potenzielle Vormensch Afrikas, der sechs bis sieben Millionen Jahre alteSahelanthropus\u00a0aus dem Tschad: Das Forscherteam konnte die sediment\u00e4ren Abfolgen der Fundstellen in Griechenland und Bulgarien mit physikalischen Methoden auf ein nahezu \u00fcbereinstimmendes Alter beider Fossilien von 7,24 bzw. 7,175 Millionen Jahre vor heute datieren. \u201eDies war der Beginn des sogenannten Messinium, an dessen Ende es zur Austrocknung des Mittelmeeres kam\u201c, erkl\u00e4rt B\u00f6hme. David Begun, ein Ko-Author der Studie von der Universit\u00e4t Toronto erg\u00e4nzt: \u201eMit dieser Datierung l\u00e4sst sich die Trennung der Vormenschen- und der Schimpansen-Linie in den \u00f6stlichen Mittelmeerraum verlegen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Umweltver\u00e4nderung als Motor der Abspaltung<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei der Theorie, nach der die ersten Vormenschen in Ostafrika entstanden sind, geht auch das Team um Madelaine B\u00f6hme davon aus, dass eine dramatische Umweltver\u00e4nderung zur Entstehung des Vormenschen gef\u00fchrt hat: Die Forscherinnen und Forscher erl\u00e4utern in ihrer Studie, dass die Sahara in Nordafrika bereits vor mehr als sieben Millionen Jahren entstanden ist. Dies folgern sie aus geologischen Untersuchungen an Sedimenten, aus denen beide Vormenschen-Reste geborgen wurden: Obwohl weit voneinander entfernt gelegen, wiesen beide rote feink\u00f6rnige Schluffe auf, wie sie f\u00fcr W\u00fcstenstaub typisch ist. Die physikalische Altersbestimmung anhand der Isotope von Uran, Thorium und Blei einzelner Staubk\u00f6rner ergaben ein Alter zwischen 600 Millionen und drei Milliarden Jahren und lassen auf eine Herkunft aus Nordafrika schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch sei im staubigen Sediment ein hoher Gehalt an unterschiedlichen Salzen nachzuweisen. \u201eDiese Daten k\u00f6nnten erstmalig eine Sahara belegen, die sich vor 7,2 Millionen Jahren ausbreitete und deren W\u00fcstenst\u00fcrme rote, salzhaltige St\u00e4ube bis an die Nordk\u00fcste des damaligen Mittelmeeres bliesen\u201c, erkl\u00e4rt die T\u00fcbinger Forscherin. Dieser Prozess lasse sich zwar noch heute beobachten. Allerdings berechneten die Forscher f\u00fcr die damalige Zeit Staubmengen von bis zu 250 Gramm pro Quadratmeter und Jahr. Dies entspricht der zehnfachen Menge der Staubbelastung im heutigen S\u00fcdeuropa und ist vergleichbar mit der heutigen Situation in der Sahel-Zone.<\/p>\n<p><strong>Von Feuer, Gras und Wasserstress<\/strong><\/p>\n<p>Die Forscherinnen und Forscher k\u00f6nnen in der Studie zudem zeigen, dass sich \u2013 parallel zur Entstehung der Sahara in Nordafrika \u2013 eine Savannenlandschaft in Europa ausgebildet haben muss. Mit einer Kombination neuer Methoden untersuchten sie im Sediment enthaltene mikroskopisch kleine Holzkohle-Reste sowie Kiesels\u00e4ure-Partikel von Pflanzen, sogenannte Phytolithe. Die Mehrzahl stammte von S\u00fc\u00dfgr\u00e4sern, die den Stoffwechselweg der C4-Photosynthese nutzen und heute in tropischen Grasl\u00e4ndern oder Savannen vorkommen. Die weltweite Ausbreitung dieser C4-Gr\u00e4ser begann vor circa acht Millionen Jahren auf dem indischen Subkontinent \u2013 doch ihre Pr\u00e4senz in Europa war bisher unbekannt. \u201eDie Phytolithe zeigten Spuren starker Trockenheit, die Holzkohle-Untersuchungen weisen auf wiederkehrende Br\u00e4nde hin\u201c, sagt B\u00f6hme. \u201eZusammengenommen l\u00e4sst sich das Bild einer Savanne zeichnen. Dazu passt, dass gemeinsam mit\u00a0Graecopithecus\u00a0Fossilien von Vorfahren der heutigen Giraffen, Gazellen, Antilopen und Nash\u00f6rner gefunden wurden\u201c, erg\u00e4nzt Spassov.<\/p>\n<p>Die Entstehung einer ersten W\u00fcste in Nordafrika vor mehr als sieben Millionen Jahren und die zeitgleiche Ausbreitung von Savannen in S\u00fcdeuropa k\u00f6nnten eine zentrale Rolle f\u00fcr die Trennung der menschlichen Stammlinie von der Abstammungslinie der Schimpansen gespielt haben, sagt B\u00f6hme. Sie nennt ihre Hypothese eine \u201eNorth Side Story\u201c\u00a0\u2012 in Analogie zu Yves Coppens These, die als \u201eEast Side Story\u201c\u00a0bekannt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4ltester Vormensch lebte m\u00f6glicherweise in Europa. 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