{"id":12422,"date":"2017-06-13T16:02:37","date_gmt":"2017-06-13T14:02:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12422"},"modified":"2017-06-13T16:04:36","modified_gmt":"2017-06-13T14:04:36","slug":"wir-sind-aelter-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12422","title":{"rendered":"Wir sind \u00e4lter als gedacht"},"content":{"rendered":"<p><em>Pal\u00e4oanthropologie \u2013 die ersten unserer Art: Der\u00a0Homo sapiens\u00a0ist \u00e4lter als gedacht.<\/em><\/p>\n<p><strong>Forscher entdecken in Marokko die bislang \u00e4ltesten Fossilien anatomisch moderner Menschen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Neue Fossilien und Steinwerkzeuge aus der Fundstelle Djebel Irhoud (Marokko) belegen den Ursprung des heutigen Menschen vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Diese Fossilien sind rund 100.000 Jahre \u00e4lter als die \u00e4ltesten bislang bekannten\u00a0Homo sapiens-Funde und dokumentieren, dass bereits vor rund 300.000 Jahren wichtige Ver\u00e4nderungen im Aussehen und Verhalten des modernen Menschen in ganz Afrika stattgefunden haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_12423\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12423\" class=\"wp-image-12423 size-full\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Jebel_Irhoud_Composite_Foss.jpg\" alt=\"Der \u00e4lteste Homo sapiens. Zwei Ansichten einer Computer-Rekonstruktion des \u00e4ltesten bekannten Homo sa- piens vom Djebel Irhoud (Marokko). Die Funde sind auf 300 000 Jahre datiert und zeigen einen modernen Gesichtssch\u00e4del, aber einen archaisch anmutenden Gehirnsch\u00e4del. Die Gestalt des Gehirns (blau), und m\u00f6g- licherweise auch die Funktion des Gehirns, evolviert innerhalb von Homo sapiens. Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0).\" width=\"320\" height=\"153\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Jebel_Irhoud_Composite_Foss.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Jebel_Irhoud_Composite_Foss-160x77.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Jebel_Irhoud_Composite_Foss-150x72.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><p id=\"caption-attachment-12423\" class=\"wp-caption-text\"><strong>Der \u00e4lteste Homo sapiens: <\/strong>Zwei Ansichten einer Computer-Rekonstruktion des \u00e4ltesten bekannten Homo sa- piens vom Djebel Irhoud (Marokko). Die Funde sind auf 300 000 Jahre datiert und zeigen einen modernen Gesichtssch\u00e4del, aber einen archaisch anmutenden Gehirnsch\u00e4del. Die Gestalt des Gehirns (blau), und m\u00f6glicherweise auch die Funktion des Gehirns, evolviert innerhalb von Homo sapiens. <em>Bildquelle: Philipp Gunz, MPI EVA Leipzig (Lizenz CC-BY-SA 2.0)<\/em><\/p><\/div>\n<p>Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Professor Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie (Leipzig) und Dr. Abdelouaded Ben-Ncer vom Nationalen Institut f\u00fcr Arch\u00e4ologie (INSAP, Rabat, Marokko), an dem auch Professorin Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen beteiligt war, hat bei arch\u00e4ologischen Ausgrabungen am Djebel Irhoud (Marokko) fossile Knochen des\u00a0Homo sapiens\u00a0sowie Tierknochen und Steinwerkzeuge entdeckt und analysiert. Die Funde sind rund 300.000 Jahre alt und damit die \u00e4ltesten sicher datierten fossilen Belege unserer eigenen Art \u2013 100.000 Jahre \u00e4lter als die bis dato \u00e4ltesten\u00a0Homo sapiens-Funde in \u00c4thiopien. Zwei Artikel in der Fachzeitschrift\u00a0Nature\u00a0vom 8. Juni 2017 (Hublin et al. 2017 und Richter et al. 2017) beschreiben eine komplexe Evolution des modernen Menschen auf dem gesamten afrikanischen Kontinent.<\/p>\n<p>Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die \u00e4ltesten bisher bekannten\u00a0Homo sapiens-Fossilien stammen aus \u00c4thiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, Herto wird auf 160.000 Jahre datiert. Die meisten Forscher gingen deshalb davon aus, dass alle heute lebenden Menschen von einer Population abstammen, die vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika lebte. \u201eWir dachten lange Zeit, dass die Wiege der Menschheit vor etwa 200.000 Jahren irgendwo in Ostafrika lag\u201c, erkl\u00e4rt der Leipziger Pal\u00e4oanthropologe Jean-Jacques Hublin. \u201eUnsere Daten zeigen aber, dass\u00a0Homo sapiens\u00a0bereits vor etwa 300.000 Jahren auf dem gesamten Kontinent zu finden war. Lange bevor der moderne Mensch Afrika verlie\u00df, hat er sich bereits innerhalb Afrikas ausgebreitet.\u201c<\/p>\n<p>Die Fundstelle von Djebel Irhoud in Marokko ist bereits seit den 1960er Jahren f\u00fcr menschliche Fossilien und Steinwerkzeuge bekannt. Die Interpretation dieser Funde wurde allerdings durch eine unsichere Datierung erschwert. Neue Ausgrabungen seit dem Jahr 2004 f\u00fchrten zur Entdeckung weiterer Skelett-Reste des\u00a0Homo sapiens\u00a0(die Anzahl der Fossilien wuchs so von urspr\u00fcnglich 6 auf 22 an). Die Funde von Djebel Irhoud umfassen die versteinerten menschlichen \u00dcberreste von Sch\u00e4deln, Unterkiefern, Z\u00e4hnen, und Langknochen von mindestens f\u00fcnf Individuen und dokumentieren eine fr\u00fche Phase der menschlichen Evolution. Das Team um den Geochronologie-Experten Daniel Richter vom Max-Planck-Institut in Leipzig (jetzt bei Freiberg Instruments GmbH) bestimmte das Alter erhitzter Feuersteine aus den arch\u00e4ologischen Fundschichten mithilfe der sogenannten Thermolumineszenzmethode auf rund 300.000 Jahre. Daniel Richter erkl\u00e4rt: \u201eGut datierte Fundstellen aus dieser Zeit sind in Afrika au\u00dfergew\u00f6hnlich selten. In Djebel Irhoud hatten wir Gl\u00fcck, dass so viele Steinwerkzeuge erhitzt worden waren. Deshalb konnten wir die Thermolumineszenzmethode anwenden, um die Fundschichten genau zu datieren\u201c.<\/p>\n<p>\u201eDiese Analysen und neuen Funde, vor allem die neu erhobene, sehr alte Datierung der Fundst\u00e4tte Irhoud, zeigen, wie weit die Abstammungslinie der modernen Menschen zur\u00fcckgeht. Sie weisen auch darauf hin, dass die Forschung bisher vielen Regionen, die wichtig f\u00fcr die menschliche Evolution gewesen sein k\u00f6nnten, zu wenig Beachtung geschenkt hat. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass viele Populationen vom ganzen afrikanischen Kontinent an der Geschichte unserer Vorfahren beteiligt waren\u201c, sagt Katerina Harvati. Die T\u00fcbinger Wissenschaftlerin hat in dem Projekt die Analyse der \u00e4u\u00dferen Anatomie der Sch\u00e4del von der Fundst\u00e4tte Irhoud \u00fcbernommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pal\u00e4oanthropologie \u2013 die ersten unserer Art: Der\u00a0Homo sapiens\u00a0ist \u00e4lter als gedacht. 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