{"id":12471,"date":"2018-03-27T05:22:00","date_gmt":"2018-03-27T03:22:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12471"},"modified":"2018-12-19T11:21:56","modified_gmt":"2018-12-19T10:21:56","slug":"weltstadt-der-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12471","title":{"rendered":"Weltstadt der Antike"},"content":{"rendered":"<p><em>Geschichte: Heuneburg \u2013 antike Metropole an der Alb.<\/em><\/p>\n<p>Wei\u00df leuchteten die Stadtmauern am Fu\u00dfe der Alb in die griechische Geschichtsschreibung hinein.\u00a0Ein pr\u00e4chtiges Freilichtmuseum widmet sich heute dieser ersten namentlich bekannten Stadt im L\u00e4ndle.<!--more--><\/p>\n<p>Um einen Bergsporn hoch \u00fcber dem Donauufer schlang sich eine Stadtmauer, etwa 600 Meter lang. Zw\u00f6lf Wacht\u00fcrme ragten empor, die ein f\u00fcr Feinde unsichtbarer Wehrgang verband. Einzig zwei Tore boten ein Durchkommen. Blendend wei\u00df get\u00fcncht strahlte sie ins Alb-Vorland hinaus. Unwillk\u00fcrlich formten die Lippen des Reisenden den Namen dieser wundersamen H\u00f6henstadt: \u201ePyrene\u201d, heute als Heuneburg bekannt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12472\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_061.jpg\" alt=\"Heuneburg_061\" width=\"320\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_061.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_061-160x124.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_061-150x116.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Dieses Pyrene, heute zwischen Ulm und Sigmaringen gelegen, mag ein Traumziel der Antike gewesen sein, denn kein geringerer als der griechische Historiker Herodot schrieb \u00fcber sie: \u201eDer Istros (Donau) entspringt bei den Kelten und ihrer Stadt Pyrene.\u201c Man hat entlang der jungen Donau keine andere antike Metropole gefunden, also musste es jene Siedlung auf dem Bergeskeil der Alb sein, nahe Hundersingen.<\/p>\n<p>Der 2867 Kilometer lange Lauf der Donau, der gar nicht weit seiner Schwarzwaldquellen auch die Schw\u00e4bische Alb ber\u00fchrt, durchzieht als Lebensader unseren Kontinent. Das war schon so zur fr\u00fchen Eisenzeit, etwa 2600 vor der neuen Zeitrechnung. Damals gestaltete sich das Reisen auf Booten leichter als in Karren \u00fcber Land. Trotzdem kam auch ein Flussreisender durch wilde Gegenden, war er nun Soldat, Fl\u00fcchtling oder H\u00e4ndler, der Amphoren aus Griechenland, Wein aus dem heutigen S\u00fcdfrankreich, Salz aus den Alpen oder Gefl\u00fcgel\u00a0aus dem Vorderen Orient transportierte. Er durchquerte riesige Weiten, enge Felst\u00e4ler und Moore. Hatte er es aber geschafft mit schwerem Ruderschlag an den S\u00fcdrand des Gebirges, das heute \u201eSchw\u00e4bische Alb&#8220; hei\u00dft, hob sich sein Blick einem glei\u00dfenden Bild entgegen, das ganz einmalig war.<\/p>\n<p>Heraklits historische Betrachtungen beziehen sich auf Beschreibungen von Hekataios von Milet, der 560 vor Christus das Weltgeschehen erlebte und somit, wenn auch aus dem fernen S\u00fcden, die Hochzeiten der Heuneburg-F\u00fcrsten. Auf der Heuneburg brannten Rennfeuer zur Gewinnung von Eisen. Aus Pyro, dem griechischen Wort f\u00fcr Feuer, lie\u00dfe sich Herodots \u201ePyrene&#8220; ableiten.<\/p>\n<p>Schon zur Bronzezeit ragte eine H\u00f6hensiedlung hier auf dem strategisch g\u00fcnstigen Hochplateau \u00fcber der Donau. F\u00fcnf Mauern aus verschiedenen Epochen fanden Arch\u00e4ologen, vier davon im \u00fcblichen Stil der Pfostenschlitzmauer. Die Bl\u00fctezeit der H\u00f6henstadt datierten sie ab 600 vor Christi. Allein die monumentale Bauart der Mauer l\u00e4sst diese Vermutung zu. Eine einfache Pfostenschlitzmauer, wie sie sich Jahrhunderte sp\u00e4ter noch am Heidengraben auf der Mittleren Alb bei Grabenstetten bew\u00e4hrte, h\u00e4tte durchaus als Schutz gen\u00fcgt. Doch die F\u00fcrsten wollten ihren Reichtum inszenieren. Sie errichteten die Mauer auf einem monstr\u00f6sen drei Meter breiten Sockel. Ebenfalls drei Meter in die H\u00f6he nun schichteten die Arbeiter tausende luftgetrocknete Lehmziegel. Dieser aufwendige, vom S\u00fcden kopierte Bau\u00adstil widerstand dem rauen Alb-Klima kaum. Weshalb eine m\u00e4rchenhaft anmutende wei\u00dfe Kalkschicht die Lehmziegelkonstruktion sch\u00fctzen sollte. Die sonnenhelle Stadtmauer strahlte sich in die Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p>\r\n\t\t\t\t\t\n\r\n\t\t\t\t\t<!-- START UNITE GALLERY LITE 1.7.56 -->\r\n\t\t\t\t\t\r\n\t\t\t\t\n\t\t\t<div id='unitegallery_3_1' class='unite-gallery' style='margin:0px auto;'>\n\t\t\t\t\n\n\t\t\t\t\t\t<img alt=\"Beide Museen ge\u00f6ffnet ab 1. April bis  5. November 2017. Info: www.Heuneburg.de\"\n\t\t\t\t\t\t     src=\"\" data-image=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040.jpg\"\n\t\t\t\t\t\t     data-thumb=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040-160x107.jpg\"\n\t\t\t\t\t\t     title=\"\"\n\t\t\t\t\t\t     style=\"display:none\">\n\n\t\t\t\t\t\t<img alt=\"Geschichte kompakt: Im Freilichtmuseum Heuneburg leben die Kelten weiter.\"\n\t\t\t\t\t\t     src=\"\" data-image=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_009-1.jpg\"\n\t\t\t\t\t\t     data-thumb=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_009-1-160x107.jpg\"\n\t\t\t\t\t\t     title=\"\"\n\t\t\t\t\t\t     style=\"display:none\">\n\t\t\t<\/div>\n\n\t\t\t<script type='text\/javascript'>\n\t\t\t\twindow.onload = function(e) {\n\t\t\t\t\tif(typeof ugCheckForErrors == \"undefined\"){\n\t\t\t\t\t\tdocument.getElementById(\"unitegallery_3_1\").innerHTML = \"<span style='color:red'>Unite Gallery Error - gallery js and css files not included in the footer. 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So wie eine Schlagader Sauerstoff transportiert, lieferte die Donau per Schiff den Gro\u00dfherren ihr n\u00f6tiges Lebenselexier \u2013 allerlei Exotisches f\u00fcr ihren ausschweifenden Daseins-Stil.<\/p>\n<p>Einen Gegenwert musste es doch gegeben haben, den Pyrene in den Kreislauf des Europahandels beisteuerte? Arch\u00e4ologen vermuten, es k\u00f6nne P\u00f6kelfleisch gewesen sein. Ganz sicher war Kunsthandwerk im Spiel, das Bronze und Zinn zu Schmuck veredelte. In dieser Mega-Stadt herrschte eine strenge soziale Hierarchie. Oben die F\u00fcrsten, deren Prunk Jahrtausende sp\u00e4ter aus den Gr\u00e4bern auftauchen sollte. Doch kein Reichtum ohne Armut \u2013 die F\u00fcrsten hielten ihre Untertanen in festem Griff. So bezahlten sie als Fronarbeiter\u00a0 an dieser geschichts\u00adpr\u00e4chtigen Mauer mit Schwei\u00df und bisweilen ihrem Leben.<\/p>\n<p>Doch wo sind die Gr\u00e4ber dieser Menschen? Keiner wird sie mehr finden. Daf\u00fcr aber die der F\u00fcrsten. Erstaunlich: Unter den Oberh\u00e4uptern waren auch Frauen. Bei Ausgrabungen im Grabh\u00fcgelfeld Bettelb\u00fchl fand man 2005 \u00dcberreste eines dreij\u00e4hrigen M\u00e4dchens, das wertvollen Goldschmuck trug. Eine fr\u00fch verstorbene Thronfolgerin? Das F\u00fcrstinnengrab, das im Jahre 2010 gehoben wurde, zeigte endg\u00fcltig: Nicht nur M\u00e4nner hatten das Sagen.<\/p>\n<p>Doch in jeder Hochkultur ruht schon den Keim seines Untergangs. 200 Jahre sp\u00e4ter brannte die Heuneburg lichterloh. Ein dramatisches Kriegsereignis? Oder wurde die Albrandstadt aufgegeben, weil Rohstoffe im Hunsr\u00fcck und der Eifel weit leichter gewonnen werden?<\/p>\n<p>Noch bis ins fr\u00fche Mittelalter diente der Bergeskeil ab und an als Ort f\u00fcr ein Festung, dann verwilderte des Gel\u00e4nde. Nur in den D\u00f6rfern rundum hielt sich \u00fcber Jahrhunderte die Legende von einem \u201eF\u00fcrsten aus der Fremde&#8220;, der einst da oben geherrscht haben soll. F\u00fcr alles Fremde standen seit dem Mittelalter die Hunnen, der Volksmund formte daraus \u201eHeuen&#8220;. So mutierte das keltische Pyrene zur Heuneburg. 1950 begannen systematische Ausgrabungen, man entdeckte Reste einer Stadtmauer. Die F\u00fcrstenpracht und die Kunstfertigkeit der fr\u00fchkeltischen Handwerker jedoch brachte erst die j\u00fcngere Zeit ans Licht, als man die Grabh\u00fcgel rundum untersuchte.<\/p>\n<p>Um das Gestern anschaulich ins Heute zu holen, erstrahlt seit 1997 auf dem Bergsporn wieder das Blendend wei\u00df. Mit 80 Meter Mauer gr\u00fc\u00dft das Freilichtmuseums Heuneburg. Sie ist originalgetreu rekonstruiert, so wie ein F\u00fcrstenhaus, Wohnhaus, Werkstattgeb\u00e4ude und Speicher. 2016 registrierte das Museum stolze 23000 Besucher. Die Heimat liegt wohl derzeit im Trend. Vielleicht, weil Weltreisen nie einfacher war als heute. So suchen Gro\u00df und Klein die Distanz zum Allt\u00e4glichen nicht in Kilometern gemessen, sondern in Jahrtausenden. So gesehen liegt die Traumstadt der Antike am Fu\u00dfe der Schw\u00e4bischen Alb weiter entfernt als alle Ballerm\u00e4nner dieser Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Text und Foto: Marco Heinz<\/em><\/p>\n<blockquote>\n<h3><span style=\"color: #ff6600;\">Zeitreise: Heuneburg \u2013 2600 Jahre mussten vergehen<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12474\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040.jpg\" alt=\"Heuneburg_040\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Heuneburg_040-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Zwei Museen zeigen heute die faszinierende Welt der Kelten zur fr\u00fchen Eisenzeit. In der 1783 erbauten Zehntscheuer zeigt das Heuneburg-Museum originale Funde der Arch\u00e4ologen und visualisiert multimedial die Mensch von damals. 2017 gibt es eine Sonderausstellung zum Thema Keltische Streitwagen. Zwei Kilometer entfernt fasziniert das Freilichtmuseum Heuneburg, ein Gutteil von Pyrene, der ersten namentlich bekannten Stadt unseres Landes ist hier rekonstruiert. Der Besucher taucht beim Gang \u00fcber die Wehrmauer, durchs Langhaus der F\u00fcrsten, entlang der Speicher und Wohnh\u00e4user taucht der Besucher ganz unmittelbar in die faszinierende Welt von damals. Mittels arch\u00e4ologischer Experimente sp\u00fcren auch Kinder, wie das Leben ihrer Vorfahren war.<\/p>\n<p>Ein acht Kilometer langer Wanderweg zwischen den beiden Museen entlang der Grabh\u00fcgelketten informiert \u00fcber die Arbeit der Arch\u00e4ologen und rundet den Erlebnistag Pyrene ab.<\/p>\n<p>Beide Museen ge\u00f6ffnet ab 1. April bis 5. November 2017. Info: <a href=\"http:\/\/www.Heuneburg.de\" target=\"_blank\">www.Heuneburg.de<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Sph\u00e4re-Ausgabe 2\/2017; \u00a0S. 30-31<\/p>\n<p>WEBcode 17230<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte: Heuneburg \u2013 antike Metropole an der Alb. 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