{"id":12598,"date":"2017-07-28T17:11:45","date_gmt":"2017-07-28T15:11:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12598"},"modified":"2017-07-28T17:14:26","modified_gmt":"2017-07-28T15:14:26","slug":"12598","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=12598","title":{"rendered":"Perlen auf der Alb"},"content":{"rendered":"<p><em>Perlenfunde aus Eiszeith\u00f6hlen dr\u00fcckten Gruppenidentit\u00e4t aus<\/em><\/p>\n<p>Universit\u00e4t T\u00fcbingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren pr\u00e4sentieren 42.000 Jahre alten Schmuck<!--more--> aus Mammutelfenbein: Herstellung und Tragen waren wohl nur auf der Schw\u00e4bischen Alb Tradition.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-12599\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schmuck_Foto_Hildegard_Jensen_Uni_Tuebingen.jpg\" alt=\"Schmuck_Foto_Hildegard_Jensen_Uni_Tuebingen\" width=\"285\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schmuck_Foto_Hildegard_Jensen_Uni_Tuebingen.jpg 285w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schmuck_Foto_Hildegard_Jensen_Uni_Tuebingen-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schmuck_Foto_Hildegard_Jensen_Uni_Tuebingen-150x99.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #808080;\">Die dreifach durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein wurden bisher nur im Hohle Fels gefunden. (Foto: Hildegard Jensen \/ Universit\u00e4t T\u00fcbingen)<\/span><\/em><\/p>\n<p>Schon vor 42.000 Jahren nutzten Menschen Schmuck als Ausdruck von Gruppenidentit\u00e4t. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und des\u00a0Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment\u00a0(HEP) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen haben in den Weltkulturerbe-H\u00f6hlen des Achtals und Lonetals Perlen aus Mammutelfenbein gefunden, die in ihrer Machart bislang ausschlie\u00dflich auf der Schw\u00e4bischen Alb vorkommen. Am Fundort Hohle Fels bei Schelklingen im Achtal wurden zudem Perlenformen ausgegraben, die g\u00e4nzlich einmalig f\u00fcr diese H\u00f6hle zu sein scheinen. Professor Nicholas Conard und sein Team pr\u00e4sentierten am Freitag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) neue Schmuckfunde aus den Grabungsarbeiten \u2012 mit 40 Schmuckst\u00fccken ist die Anzahl der Funde ungew\u00f6hnlich hoch.<\/p>\n<p>Conard ist zugleich wissenschaftlicher Direktor des urmu, der Schmuck ist dort ab sofort als \u201eFund des Jahres 2017\u201c zu sehen. Eine wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung dazu erschien am 28. Juli in den Arch\u00e4ologischen Ausgrabungen Baden-W\u00fcrttemberg, herausgegeben vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Die arch\u00e4ologischen Ausgrabungen im Hohle Fels bei Schelklingen liefern j\u00e4hrlich faszinierende Fundst\u00fccke aus der J\u00fcngeren Altsteinzeit. Aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind, wurden im vergangenen Jahr wieder zahlreiche Schmuckst\u00fccke ausgegraben. \u201eDiese Schmuckst\u00fccke sind wichtig f\u00fcr die Entwicklung unserer Art: neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die fr\u00fchesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein.<\/p>\n<p>Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben \u2013 eventuell als Ausdruck einer Konkurrenz-Situation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltver\u00e4nderungen in dieser Zeit\u201c, sagte Nicholas Conard. \u201eUnd wir k\u00f6nnen sogar R\u00fcckschl\u00fcsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen w\u00e4hrend dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen.\u201c<\/p>\n<p>So haben die Grabungsteams der Universit\u00e4t T\u00fcbingen in den H\u00f6hlen des Achtals wie auch des Lonetals \u00fcber die Jahre hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen. Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteinger\u00e4t oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen St\u00fcck. In ihrer Herstellungsart kommen sie ausschlie\u00dflich auf der Schw\u00e4bischen Alb vor. Zudem sind die Schmuckst\u00fccke aus den schw\u00e4bischen H\u00f6hlen der bislang \u00e4lteste Nachweis f\u00fcr die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit. Noch spezieller sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der \u00e4ltesten aurignacienzeitlichen Schichten des Hohle Fels im Achtal. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden \u00e4u\u00dferen L\u00f6cher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp ist nur vom Fundort Hohle Fels bekannt und besitzt derzeit keine Parallelen zu anderen Funden.<\/p>\n<p>Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schw\u00e4bischen Alb bekannt sind, zeigt f\u00fcr die Wissenschaftler, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentit\u00e4t waren. \u201eDiese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden; dieser Perlentyp war offensichtlich f\u00fcr die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt\u201c, sagt Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin und Mitarbeiterin des Senckenberg Centre HEP. Zudem tr\u00e4ten die Perlen \u00fcber einen Zeitraum von 6.000 Jahren auf: \u201eDas bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNeben den fig\u00fcrlichen Kunstwerken und Musikinstrumenten ist die Entwicklung des Schmucks als pers\u00f6nliches und gesellschaftliches Ausdrucksmittel ein wichtiges Element der kulturellen Entwicklung vor 40.000 Jahren. Die Bandbreite von Materialien und Formen wird bei uns im Museum vorgestellt\u201c, sagt Dr. Stefanie K\u00f6lbl, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren.<\/p>\n<p>Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren (urmu) liegt in unmittelbarer N\u00e4he der Schw\u00e4bischen Steinzeith\u00f6hlen, die von der Unesco am 9. Juli 2017 zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Als Museum f\u00fcr Altsteinzeit in Baden-W\u00fcrttemberg und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen stellt das urmu das eiszeitliche Leben am Rand der Schw\u00e4bischen Alb vor 40.000 Jahren vor. H\u00f6hepunkte sind die \u00e4lteste Kunst und die \u00e4ltesten Musikinstrumente der Menschheit mit Originalfunden aus der Region. Prominentestes Exponat ist das Original der \u201eVenus vom Hohle Fels\u201c.<\/p>\n<p>Weitere Originalfundst\u00fccke aus den H\u00f6hlen zeigen neben dem Urgeschichtlichen Museum (<a href=\"http:\/\/www.urmu.de\" target=\"_blank\">www.urmu.de<\/a>) das Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen MUT (<a href=\"https:\/\/www.unimuseum.uni-tuebingen.de\" target=\"_blank\">https:\/\/www.unimuseum.uni-tuebingen.de<\/a>), der Arch\u00e4opark Vogelherd bei Niederstotzingen (<a href=\"http:\/\/www.archaeopark-vogelherd.de\" target=\"_blank\">www.archaeopark-vogelherd.de<\/a>\/Niederstotzingen) das Landesmuseum W\u00fcrttemberg und das Museum Ulm (<a href=\"http:\/\/www.museum-ulm.de\" target=\"_blank\">www.museum-ulm.de<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Perlenfunde aus Eiszeith\u00f6hlen dr\u00fcckten Gruppenidentit\u00e4t aus Universit\u00e4t T\u00fcbingen und Urgeschichtliches Museum Blaubeuren pr\u00e4sentieren 42.000 Jahre alten Schmuck<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12599,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-12598","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12598"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12601,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12598\/revisions\/12601"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}