{"id":13655,"date":"2018-10-21T19:07:55","date_gmt":"2018-10-21T17:07:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=13655"},"modified":"2018-10-23T14:23:49","modified_gmt":"2018-10-23T12:23:49","slug":"770-stunden-sonnenschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=13655","title":{"rendered":"770 Stunden Sonnenschein"},"content":{"rendered":"<p><em>Gottesanbeterinnen gesichtet \u2013 Vorboten des Klimawandels<\/em><\/p>\n<p>Der Sommer 2018 geh\u00f6rt mit etwa 770 Stunden zu den drei sonnenscheinreichsten seit Beginn von Messungen 1951. Im Supersommer 2003 waren es 793 Stunden. Deshalb auch f\u00fchlen sich heuer besonders w\u00e4rmeliebende Arten sogar im Gebirge des Nationalpark Schwarzwald wohl. <!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-13656\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gottesanbeterin_IMG_5231.jpg\" alt=\"gottesanbeterin_IMG_5231\" width=\"320\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gottesanbeterin_IMG_5231.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gottesanbeterin_IMG_5231-160x127.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/gottesanbeterin_IMG_5231-150x119.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Beispiel die fleischfressende Gottesanbeterin (Foto). Sie wurde schon zweimal in diesem Sp\u00e4tsommer im Schutzgebiet gesichtet. \u201eSie kann hier als eine Botin der Klimaerw\u00e4rmung gelten\u201c, erkl\u00e4rt J\u00f6rn Buse, Experte f\u00fcr Biodiversit\u00e4t. Gleichzeitig wird es bisher typischen Gebirgsarten wie Zitronenzeisig und Alpen-Ringdrossel im Schwarzwald zu hei\u00df. Sie verschwinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fliegende Boten der Klimaerw\u00e4rmung\u00a0im Nationalpark Schwarzwald<\/strong><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Gottesanbeterin, eine Fangschrecke, kann als eine Botin der Klimaerw\u00e4rmung gelten \u2013 und ist in diesem Sp\u00e4tsommer erstmals im Nationalpark Schwarzwald gesichtet worden. \u201eDie Gottesanbeterin gilt als besonders w\u00e4rmeliebend, der Nationalpark ist daher traditionell sicher nicht der passende Lebensraum\u201c, erkl\u00e4rt J\u00f6rn Buse, Experte f\u00fcr Invertebraten und Biodiversit\u00e4t im Schutzgebiet.<\/p>\n<p>Der Sommer 2018 \u2013 mit der langen Hitzeperiode Ende Juli bis Anfang August \u2013 war nach dem Rekordjahr 2003 der zweitw\u00e4rmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. \u201eInsekten reagieren sehr schnell auf diese Situation und begr\u00fcnden neue Populationen in bisher f\u00fcr sie nicht geeigneten Lebensr\u00e4umen und Regionen\u201c, sagt Buse. So war es f\u00fcr ihn nicht ganz \u00fcberraschend, dass die Europ\u00e4ische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) im Nationalpark auftauchte. \u201eWir haben sie an zwei unterschiedlichen Orten entdeckt, unter anderem am Lotharpfad\u201c, erz\u00e4hlt der Sachbereichsleiter.<\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr die verst\u00e4rkte Ausbreitung ist die Zunahme klimatisch geeigneter Lebensr\u00e4ume. \u201eUnd extreme Temperaturereignisse im Rahmen des Klimawandels beg\u00fcnstigen die Entstehung solcher Lebensr\u00e4ume\u201c, sagt J\u00f6rn Buse. In Baden-W\u00fcrttemberg hat sich die fleischfressende Fangschrecke bereits \u00fcber die Rheinebene von S\u00fcdbaden bis an den s\u00fcdlichen Odenwald sowie in einem kleinen Gebiet s\u00fcdlich von Heilbronn ausgebreitet. Weitere Einzelfunde im \u00fcbrigen Baden-W\u00fcrttemberg sind wahrscheinlich auf Verschleppung zur\u00fcck zu f\u00fchren. In den Hochlagen des Schwarzwaldes gab es bis dato keine Nachweise. \u201eDie nun gesichteten Tiere entstammen sicherlich den dauerhaften Vorkommen bei Oberkirch und im Achertal\u201c, sagt Buse.<\/p>\n<p>Durch den \u00fcberdurchschnittlich warmen Sommer gab es auch Erstnachweise anderer w\u00e4rmeliebender Insektenarten, wie beispielsweise des vom Aussterben bedrohten Dungk\u00e4fers Coprimorphus scrutator auf den Weidefl\u00e4chen am Schliffkopf und auf den von Heckrindern beweideten Grinden. \u201eDie Art z\u00e4hlt mit weniger als zehn Nachweisen in Deutschland zu den absoluten Rarit\u00e4ten\u201c betont Buse, der die Dungk\u00e4ferfauna im Nationalpark seit zwei Jahren intensiv untersucht. Auch bei den Schmetterlingen konnten die Forscherinnen und Forscher sehr w\u00e4rmeliebende Arten wie Schwalbenschwanz, Gro\u00dfes Eichenkarmin und Mittlerer Weinschw\u00e4rmer in den Hochlagen des Nationalparks beobachten.<\/p>\n<p>\u201eBei den V\u00f6geln k\u00f6nnen wir schon seit einigen Jahren eine deutliche Zunahme w\u00e4rmeliebender Arten zu beobachten\u201c, sagt Marc F\u00f6rschler, Fachbereichsleiter f\u00fcr \u00d6kologisches Monitoring, Forschung und Artenschutz im Nationalpark. So ziehen beispielsweise inzwischen jedes Jahr im Fr\u00fchjahr und Herbst w\u00e4rmeliebende Bienenfresser \u00fcber den Schwarzwald. \u201eUnd im Sommer hat oberhalb des Ruhesteins zum zweiten Mal in Folge ein Iberischer Zilpzalp ihr Lied gesungen; das ist eine sonst mediterrane Vogelart\u201c, erz\u00e4hlt F\u00f6rschler. \u201eGleichzeitig verschwinden leider nach und nach aber auch die bisher typischen Gebirgsarten wie Zitronenzeisig und Alpen-Ringdrossel aus dem Schwarzwald. Ihnen wird es in den Sommermonaten zunehmend zu hei\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Wie verschiedene Studien zeigen, hat die Klimaerw\u00e4rmung bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die hiesigen Lebensr\u00e4ume und die darin lebenden Arten. Im Schwarzwald sind diese Auswirkungen aufgrund der gro\u00dfen H\u00f6henunterschiede im Vergleich zum Rheintal sehr gut zu untersuchen. \u201eEines unserer Forschungsziele im Nationalpark ist es daher auch, die durch die Klimaerw\u00e4rmung ausgel\u00f6sten Prozesse zu erfassen, um so die lokalen Auswirkungen des Klimawandels besser verstehen zu k\u00f6nnen\u201c sagt Marc F\u00f6rschler.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff6600;\">Sph\u00e4re-Wissen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Gottesanbeterin war das Insekt des Jahres 2017. Die Ausbreitungsf\u00e4higkeit der Art scheint temperaturabh\u00e4ngig und durch die Verf\u00fcgbarkeit von Beute (haupts\u00e4chlich Insekten) gesteuert zu sein. Ist letztere sehr hoch, fliegen die Tiere nur geringe Distanzen. Zwei Wochen nach der letzten Larvalh\u00e4utung (August\/September) sind die Fangschrecken geschlechtsreif und legen zwei bis drei Tage nach der Paarung ihre Eier in Eipaketen, sogenannten Ootheken, ab. Im Herbst sind Gottesanbeterinnen daher \u00f6fter als sonst zu sehen. Dauerhafte Populationen sind derzeit aus den Hochlagen des Schwarzwaldes aufgrund der winterlichen Fr\u00f6ste, die die Eipakete zerst\u00f6ren, nicht vorstellbar. Trotzdem wird angenommen, dass sich die Gottesanbeterin in Mitteleuropa, bedingt durch die prognostizierte klimatische Erw\u00e4rmung, weiter nach Norden und auch in Gebirgslagen ausbreiten wird. Die erwachsenen Gottesanbeterinnen sterben hier \u00fcbrigens beim ersten Frost. Nur die Eipakete \u00fcberwintern gut gesch\u00fctzt bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr.<\/p>\n<p>Weitere Informationen zur Gottesanbeterin und die Ausbreitung\u00a0in Baden-W\u00fcrttemberg finden sich auf der Website der <a href=\"https:\/\/www.lubw.baden-wuerttemberg.de\/natur-und-landschaft\/meldeplattformen#gottesanbeterin\" target=\"_blank\">Landesanstalt f\u00fcr Umwelt Baden-W\u00fcrttemberg<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">WEBcode #183464<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gottesanbeterinnen gesichtet \u2013 Vorboten des Klimawandels Der Sommer 2018 geh\u00f6rt mit etwa 770 Stunden zu den drei sonnenscheinreichsten seit Beginn von Messungen 1951. Im Supersommer 2003 waren es 793 Stunden. 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