{"id":14945,"date":"2019-10-14T12:54:14","date_gmt":"2019-10-14T10:54:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=14945"},"modified":"2019-10-08T12:59:39","modified_gmt":"2019-10-08T10:59:39","slug":"das-leid-der-letzten-mammuts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=14945","title":{"rendered":"Das Leid der letzten Mammuts"},"content":{"rendered":"<p><em>Wie den letzten Mammuts eine einsame Insel zum Verh\u00e4ngnis wurde<\/em><\/p>\n<p>Ein isolierter Lebensraum, Wetterextreme und die m\u00f6gliche Ankunft der Menschen f\u00fchrten vermutlich vor 4.000 Jahren zum Aussterben der Pflanzenfresser.<!--more--><br \/>\nDie letzten Wollhaarmammuts lebten auf der Wrangelinsel im arktischen Ozean und starben vor 4.000 Jahren innerhalb k\u00fcrzester Zeit aus. Ein internationales Forschungsteam der Universit\u00e4ten T\u00fcbingen und Helsinki sowie der Russischen Akademie der Wissenschaften hat nun das Szenario rekonstruiert, das zu ihrem Aussterben gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte. Das Forschungsteam geht davon aus, dass eine Kombination aus der isolierten Insellage und extremen Wetterereignissen sowie die Ausbreitung der Urmenschen f\u00fcr das Verschwinden der Mammuts verantwortlich sind. Professor Herv\u00e9 Bocherens und Dr. Doroth\u00e9e Drucker vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) der Universit\u00e4t T\u00fcbingen waren an der Studie beteiligt, die in der Fachzeitschrift Quaternary Science Reviews ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>Mammuts waren w\u00e4hrend der letzten Eiszeit, vor etwa 100.000 bis 15.000 Jahren, auf der Nordhalbkugel von Spanien bis Alaska weit verbreitet. Aufgrund der Klimaerw\u00e4rmung, die vor 15.000 Jahren begann, verkleinerte sich ihr Lebensraum auf Nordsibirien und Alaska. Auf der Wrangelinsel wurden einige Mammuts durch den steigenden Meeresspiegel vom Festland abgeschnitten. Diese Population \u00fcberlebte um mehrere tausend Jahre l\u00e4nger als ihre Verwandten auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>Das Forschungsteam aus Deutschland, Finnland und Russland untersuchte die Isotopenzusammensetzung von Kohlenstoff, Stickstoff, Schwefel und Strontium von mehr als 170 Mammutknochen und -z\u00e4hnen aus Nordsibirien, Alaska, dem Yukon und der Wrangelinsel. Die Funde waren zwischen 40.000 und 4.000 Jahre alt. Ziel war es, m\u00f6gliche Ver\u00e4nderungen der Ern\u00e4hrung und des Lebensraums der Mammuts zu dokumentieren, um St\u00f6rungen in der Umwelt belegen zu k\u00f6nnen. Danach \u00e4nderten sich die Kollagen-Kohlenstoff- und Stickstoffisotopenzusammensetzungen der Mammuts von der Wrangelinsel w\u00e4hrend der Klimaerw\u00e4rmung vor rund 10.000 Jahren nicht. Die Werte blieben stabil, bis die Mammuts verschwanden \u2013 anscheinend mitten aus unver\u00e4ndert g\u00fcnstigen Lebensbedingungen.<\/p>\n<p>Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den Erkenntnissen \u00fcber Wollhaarmammuts aus der ukrainisch-russischen Ebene, die vor 15.000 Jahren ausstarben, und zu den Mammuts der Insel Saint-Paul in Alaska, die vor 5.600 Jahren verschwanden. In beiden F\u00e4llen zeigten die letzten Vertreter dieser Populationen deutliche Ver\u00e4nderungen in ihrer Isotopenzusammensetzung. Dies weist auf eine Ver\u00e4nderung ihrer Umwelt kurz vor dem lokalen Aussterben hin.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere DNA-Studien weisen darauf hin, dass der Fettstoffwechsel der Mammuts auf der Wrangelinsel durch Mutationen beeintr\u00e4chtigt wurde. Bocherens und sein Team fanden einen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Wrangelinsel-Mammuts und ihren sibirischen Vorg\u00e4ngern: Bestimmte Kohlenstoffisotopenwerte offenbarten Unterschiede in den Fetten und Kohlenhydraten, von denen sich die Mammuts ern\u00e4hrten. \u201eWir nehmen an, dass die sibirischen Mammuts eher von ihren Fettreserven zehrten, um die extrem harten Eiszeitwinter zu \u00fcberstehen. Die Mammuts von der Wrangelinsel lebten hingegen unter milderen Bedingungen, sie brauchten keine Fettreserven\u201c, sagt die Teamleiterin Dr. Laura Arppe vom Finnischen Museum f\u00fcr Naturgeschichte an der Universit\u00e4t Helsinki. Zudem wiesen die Knochen Schwefel- und Strontiumwerte auf, die darauf hindeuteten, dass das Grundgestein zum Ende der Mammutpopulation st\u00e4rker verwitterte. Dies k\u00f6nnte sich auf die Qualit\u00e4t des Trinkwassers ausgewirkt haben.<\/p>\n<p>Warum also verschwanden die letzten Wollhaarmammuts so pl\u00f6tzlich? Die Forscher vermuten, dass sie durch kurzfristige Ereignisse ausgestorben sind. Zum Beispiel k\u00f6nnten extreme Wetterereignisse wie Regenf\u00e4lle auf Schnee dazu gef\u00fchrt haben, dass der Boden von einer dicken Eisschicht bedeckt wurde, sodass die Tiere nicht gen\u00fcgend Nahrung fanden. Solche Szenarien h\u00e4tten einen dramatischen Populationsr\u00fcckgang zur Folge, der schlie\u00dflich bis zum Aussterben gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte. \u201eEs ist vorstellbar, dass die Population, die vielleicht durch genetische Mutationen und schlechte Trinkwasserqualit\u00e4t geschw\u00e4cht war, durch Einwirkung von extremen Wetterbedingungen ausgestorben ist\u201c, sagt Bocherens. Ein weiterer m\u00f6glicher Faktor k\u00f6nnte die Ausbreitung der Menschen gewesen sein. Die fr\u00fchesten arch\u00e4ologischen Zeugnisse von Menschen auf der Wrangelinsel sind nur wenige hundert Jahre j\u00fcnger als der j\u00fcngste Mammutknochen. Die Chance, Spuren der Jagd durch Menschen auf die Mammuts zu finden, ist sehr gering. Die M\u00f6glichkeit, dass auch Menschen zum Aussterben der Mammuts beigetragen haben, kann dennoch nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Diese Studie zeigt, warum isolierte kleine Populationen gro\u00dfer S\u00e4ugetiere besonders gef\u00e4hrdet sind, durch extreme Umwelteinfl\u00fcsse oder menschliches Verhalten auszusterben. Die Erhaltung von gro\u00dfen, nicht voneinander isolierten Populationen kann helfen, das Aussterben von Tierarten zu verhindern. Dies ist eine wichtige Erkenntnis im Hinblick auf den Artenschutz.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Publikation:<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #808080;\"><em>Arppe, L., Karhu, J.A., Vartanyan, S., Etu-Sihvola, H., Drucker, D.G., Bocherens, H., 2019. Thriving or surviving? The isotopic record of the Wrangel Island woolly mammoth population. Quaternary Science Reviews 222, 105884. https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.quascirev.2019.105884<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie den letzten Mammuts eine einsame Insel zum Verh\u00e4ngnis wurde Ein isolierter Lebensraum, Wetterextreme und die m\u00f6gliche Ankunft der Menschen f\u00fchrten vermutlich vor 4.000 Jahren zum Aussterben der Pflanzenfresser.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-14945","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14945","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14945"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14945\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14946,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14945\/revisions\/14946"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14945"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14945"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14945"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}