{"id":15300,"date":"2020-01-30T16:02:39","date_gmt":"2020-01-30T15:02:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15300"},"modified":"2020-03-05T17:09:24","modified_gmt":"2020-03-05T16:09:24","slug":"udo-der-erste-fussgaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15300","title":{"rendered":"UDO \u2013 der erste Fu\u00dfg\u00e4nger"},"content":{"rendered":"<p><em>Sensationsfund \u201eDanuvius guggenmosi\u201c der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert<\/em><\/p>\n<p>Das Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen MUT zeigt erstmals eine Kabinettausstellung zu den spektakul\u00e4ren Neufunden des \u00e4ltesten aufrecht gehenden Menschenaffen. <!--more-->Unter dem Titel \u201eUDO \u2013 der erste Fu\u00dfg\u00e4nger\u201c wird der Sensationsfund \u201eDanuvius guggenmosi\u201c zum ersten Mal der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert: Anhand der Rekonstruktion des Skeletts des m\u00e4nnlichen Individuums Udo liefert die Schau einen hautnahen Blick auf einen Fund, der international Furore machte und bisherige Hypothesen zur Evolution des aufrechten Gangs infragestellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-15301\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Fussgaenger_Udo_Fossilien_Danuvius_Foto_Christoph-Jaeckle.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Fussgaenger_Udo_Fossilien_Danuvius_Foto_Christoph-Jaeckle.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Fussgaenger_Udo_Fossilien_Danuvius_Foto_Christoph-Jaeckle-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Fussgaenger_Udo_Fossilien_Danuvius_Foto_Christoph-Jaeckle-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Die Fossilien des Danuvius sind fast 12.000.000 Jahre alt. (Foto: Christoph Jaeckle)<\/em><\/span><\/p>\n<p>So wurde etwa vermutet, dass die Zweibeinigkeit ihren Ursprung bei Vierf\u00fc\u00dfern hat, die einen Gro\u00dfteil ihrer Fu\u00dfsohlen aufsetzten, \u00e4hnlich wie heutige Meerkatzen. Andere sahen in schwinghangelnden Vierf\u00fc\u00dfern mit Kn\u00f6chelgang, \u00e4hnlich heutigen Schimpansen, die letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe. \u00c4hnelte dieser nach bisherigen Theorien vor sechs bis sieben Millionen Jahren in Afrika lebende Vorfahr tats\u00e4chlich einem Schimpansen? Um die verschiedenen Hypothesen zur Entstehung des aufrechten Gangs der Menschen testen zu k\u00f6nnen, fehlten bislang fossile Belege.<\/p>\n<p>Die neuen Funde in der ehemaligen Ziegelei \u201eHammerschmiede\u201c bei Pforzen im Landkreis Ostallg\u00e4u widersprechen nun bisherigen Vorstellungen und lassen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang vor \u00fcber 12 Millionen Jahren in B\u00e4umen entwickelte. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass Danuvius als Ausgangspunkt sowohl f\u00fcr den aufrechten, terrestrischen Gang als auch f\u00fcr das vierf\u00fc\u00dfige Klettern angesehen werden kann. Gem\u00e4\u00df dieser neuen Hypothese w\u00e4re Danuvius guggenmosi funktionell ein bisher unbekanntes Bindeglied von Mensch und Menschenaffe \u2013 ein missing link.<\/p>\n<hr \/>\n<h2>Neuer Vorfahr des Menschen in Europa entdeckt<\/h2>\n<p><strong>Bislang unbekannte Primatenart lebte vor fast zw\u00f6lf Millionen Jahren in S\u00fcddeutschland \u2013 Aufrechter Gang entwickelte sich offenbar deutlich fr\u00fcher als bisher angenommen.<\/strong><\/p>\n<p>Der aufrechte Gang und die gemeinsamen Vorfahren des Menschen und der Menschenaffen haben sich m\u00f6glicherweise nicht in Afrika, sondern in Europa entwickelt. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam um Professorin Madelaine B\u00f6hme vom Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen in einer am Mittwoch im Fachmagazin Nature ver\u00f6ffentlichten Studie. B\u00f6hme hat in S\u00fcddeutschland Fossilien einer bislang unbekannten Primatenart entdeckt: Die versteinerten \u00dcberreste des Danuvius guggenmosi, der vor 11,62 Millionen Jahren lebte, lassen den Schluss zu, dass er sich sowohl auf zwei Beinen als auch kletternd fortbewegen konnte. Die F\u00e4higkeit, aufrecht zu gehen, gilt als zentrales Merkmal von Menschen.<br \/>\nF\u00fcr die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Menschenaffen bereits vor rund zw\u00f6lf Millionen Jahren \u00fcber die F\u00e4higkeit verf\u00fcgten, auf zwei Beinen zu gehen. Das w\u00e4re doppelt so alt wie bisher vermutet: Die bislang \u00e4ltesten Belege f\u00fcr den aufrechten Gang sind sechs Millionen Jahre alt und stammen von der Insel Kreta und aus Kenia. \u201eDie Funde aus S\u00fcddeutschland sind ein Meilenstein der Pal\u00e4oanthropologie, denn sie stellen unsere bisherige Sichtweise auf die Evolution der gro\u00dfen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage\u201c, sagte B\u00f6hme. An der Studie waren neben der Forscherin der Universit\u00e4t T\u00fcbingen weitere Wissenschaftler aus Bulgarien, Deutschland, Kanada und den USA beteiligt.<br \/>\nSeit Darwin wird die fr\u00fche Evolution des Menschen und seiner Cousins, der gro\u00dfen Menschenaffen, intensiv diskutiert. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Ursprung der menschlichen F\u00e4higkeit, sich auf zwei Beinen fortzubewegen. Entwickelte sich diese aus einer vierbeinigen Fortbewegung \u00e4hnlich der Meerkatzen oder bei Affen, die sich hangelnd fortbewegten wie Orang-Utans, oder aus dem so genannten Kn\u00f6chelgang der Schimpansen und Gorillas? F\u00fcr die zahlreichen Hypothesen der vergangenen 150 Jahre fehlen oft fossile Beweise.<br \/>\nDie Fossilien von Danuvius guggenmosi wurden zwischen 2015 und 2018 entdeckt. B\u00f6hme und ihr Team bargen aus der Tongrube \u201eHammerschmiede\u201c im Landkreis Ostallg\u00e4u mehr als 15.000 fossile Wirbeltierknochen. Der Lebensraum von Danuvius waren feuchte und bewaldete \u00d6kosysteme, die vor etwa 12 Millionen Jahren in S\u00fcddeutschland vorherrschten. Die Fossilfunde konnte das Team mindestens vier Individuen zuordnen. Das am besten erhaltene Skelett eines m\u00e4nnlichen Danuvius verf\u00fcgt \u00fcber Proportionen, die einem Bonobo \u00e4hneln. Dank vollst\u00e4ndig erhaltener Arm- und Beinknochen, Wirbel, Finger- und Zehenknochen lie\u00df sich rekonstruieren, wie sich Danuvius fortbewegte. \u201eZum ersten Mal konnten wir mehrere funktionell wichtige Gelenke \u2012 darunter Ellbogen, H\u00fcfte, Knie und Sprunggelenk \u2012 in einem einzigen fossilen Skelett dieses Alters untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt B\u00f6hme. \u201eZu unserem Erstaunen \u00e4hnelten einige Knochen mehr dem Menschen als dem Menschenaffen.\u201c<\/p>\n<p>Nach den Ergebnissen der Forscherinnen und Forscher konnte Danuvius auf zwei Beinen gehen, aber auch klettern wie ein Menschenaffe. Den Rumpf hielt er durch eine S-f\u00f6rmig gebogene Wirbels\u00e4ule aufrecht. K\u00f6rperbau, K\u00f6rperhaltung und Fortbewegungsweise sind f\u00fcr einen Primaten bislang einzigartig. \u201eDanuvius kombinierte die von den hinteren Gliedma\u00dfen dominierte Zweibeinigkeit mit dem von den vorderen Gliedma\u00dfen dominierten Klettern&#8220;, erkl\u00e4rte Professor David Begun von der University of Toronto. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich der aufrechte Gang des Menschen in B\u00e4umen und vor \u00fcber 12 Millionen Jahren entwickelte. \u201eIm Gegensatz zu sp\u00e4teren Menschen hatte Danuvius eine kr\u00e4ftige, abgespreizte gro\u00dfe Zehe, mit der er gro\u00dfe und kleine \u00c4ste sicher greifen konnte&#8220;, erg\u00e4nzte Professor Nikolai Spassov, von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften.<br \/>\nDie Fossilien zeigen, dass Danuvius etwa einen Meter gro\u00df war. Die Weibchen d\u00fcrften gerade mal 18 Kilogramm gewogen haben, weniger als die heutigen Menschenaffen. Das M\u00e4nnchen bewegte sich mit gesch\u00e4tzten 31 Kilogramm am unteren Ende des Gewichts heutiger Menschenaffen. Der Brustkorb war flach und breit und die Lendenwirbels\u00e4ule verl\u00e4ngert, wodurch Danuvius effektiv seinen K\u00f6rperschwerpunkt \u00fcber der gestreckten H\u00fcfte und Knien halten konnte. Die Knochen lassen auf mehrere Schl\u00fcsselmerkmale menschlicher Zweibeinigkeit schlie\u00dfen, wie zum Beispiel eine X-Stellung der Beine.<br \/>\nGest\u00fctzt werden diese Ergebnisse durch eine weitere, k\u00fcrzlich im Journal of Human Evolution erschienene Studie zu einem zehn Millionen Jahre alten Beckenknochen aus Ungarn. \u201eAuch dieses Fossil deutet darauf hin, dass sich die europ\u00e4ischen Vorfahren der afrikanischen Menschenaffen und des Menschen von den heute lebenden Gorillas und Schimpansen unterschieden&#8220;, sagte David Begun, der auch an der Erforschung des ungarischen Fossils beteiligt war. \u201eDie Vorfahren, die wir mit den heute in Afrika lebenden Menschenaffen teilen, waren so einzigartig wie wir es heute sind.\u201c Ihr K\u00f6rperbau gibt wichtige Hinweise darauf, von welchem Ausgangspunkt sich afrikanische Menschenaffen und Mensch auseinander entwickelten\u201c, so die \u00dcberzeugung der Forscher.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Der Fundort \u2013 Einblick in die fr\u00fche menschliche Evolution<\/strong><\/p>\n<p>In der ehemaligen Ziegelei \u201eHammerschmiede\u201c entdeckte der (inzwischen verstorbene) Hobbyarch\u00e4ologe Sigulf Guggenmos 1972 die ersten Fossilien \u2013 ihm zu Ehren tr\u00e4gt die neue Menschenaffenart den Namen Danuvius guggenmosi. Wissenschaftliche Grabungen f\u00fchren die Universit\u00e4t T\u00fcbingen und das Senckenberg Center f\u00fcr Menschliche Evolution und Pal\u00e4oumwelt unter Leitung von Prof. Dr. Madelaine B\u00f6hme seit 2011 durch. Seit 2017 werden die Grabungen im Rahmen eines Citizen Science Projekts von Ehrenamtlichen unterst\u00fctzt. Rund 15.000 Fossilien von bisher 115 Wirbeltier-Arten konnten geborgen werden, darunter Fische, Riesensalamander, Schildkr\u00f6ten, V\u00f6gel, Elefanten und die weltweit \u00e4ltesten Pandas. Vor fast 12 Millionen Jahren lebten sie hier in offenen Waldlanschaften, Fl\u00fcssen und T\u00fcmpeln in einem warm-subtropischen Klima.<br \/>\n\u201eDie bedeutenden Funde von fossilen Wirbeltieren, vor allem von \u00fcber 12 Millionen Jahre alten Hominiden, bei Pforzen ist eine Weltsensation. Das heutige Ostallg\u00e4u ist eine der Wiegen der Menschheit. Der Landkreis wird alles unternehmen, um die Pal\u00e4ontologen bei ihrer Arbeit zu unterst\u00fctzen und die notwendigen Schritte zum Schutz der Fundstelle einleiten\u201c, sagt Landr\u00e4tin Maria Rita Zinnecker.<br \/>\nAuch in Zukunft sollen in der Tongrube Hammerschmiede, die sich in Privatbesitz befindet, Grabungen durchgef\u00fchrt werden. Dies soll jeweils in enger Kooperation mit dem Eigent\u00fcmer und Betreiber der Grube geschehen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Publikationen:<\/strong><\/p>\n<p>Madelaine B\u00f6hme, Nikolai Spassov, Jochen Fuss, Adrian Tr\u00f6scher, Andrew S. Deane, J\u00e9r\u00f4me Prieto, Uwe Kirscher, Thomas Lechner &amp; David R. Begun. A new Miocene ape and locomotion in the ancestor of great apes and humans. Nature <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41586-019-1731-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41586-019-1731-0<\/a> (2019).<br \/>\nCarol V. Ward, Ashley S. Hammond, J. Michael Plavcan, David R. Begun. A late Miocene hominid partial pelvis from Hungary. Journal of Human Evolution. <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0047248419300685?via%3Dihub\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0047248419300685?via%3Dihub<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>WEBcode 201477<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sensationsfund \u201eDanuvius guggenmosi\u201c der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert Das Museum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen MUT zeigt erstmals eine Kabinettausstellung zu den spektakul\u00e4ren Neufunden des \u00e4ltesten aufrecht gehenden Menschenaffen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15301,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-15300","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15300"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15303,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15300\/revisions\/15303"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15301"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}