{"id":15604,"date":"2020-07-24T10:46:45","date_gmt":"2020-07-24T08:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15604"},"modified":"2020-07-24T10:46:47","modified_gmt":"2020-07-24T08:46:47","slug":"fund-des-jahres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15604","title":{"rendered":"Fund des Jahres"},"content":{"rendered":"<p><em>Arch\u00e4ologie: Werkzeug-Satz aus Elfenbei<\/em>n<\/p>\n<p>Mei\u00dfel aus Mammutsto\u00dfz\u00e4hnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt \u2013 Arch\u00e4ologen der Universit\u00e4t T\u00fcbingen pr\u00e4sentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren neue Funde.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1784\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/HF_Venus_Foto-Jensen-Uni-Tu.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/HF_Venus_Foto-Jensen-Uni-Tu.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/HF_Venus_Foto-Jensen-Uni-Tu-160x150.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/HF_Venus_Foto-Jensen-Uni-Tu-140x131.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><br \/>\nDer Hohle Fels am Rande der Schw\u00e4bischen Alb war in der j\u00fcngeren Altsteinzeit eine bedeutsame Elfenbeinwerkstatt: Gro\u00dfe Mengen an Sp\u00e4nen und Splittern von Mammutsto\u00dfz\u00e4hnen, aber auch spektakul\u00e4re Schnitzarbeiten wie die weltber\u00fchmte Venus (Foto oben) wurden in der H\u00f6hle geborgen. Neue Funde k\u00f6nnten nun genaueren Aufschluss dar\u00fcber geben, welche Werkzeugtechniken die Menschen vor 38.000 Jahren anwandten: Professor Nicholas Conard und Dr. Sibylle Wolf vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen pr\u00e4sentierten am Montag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren drei Mei\u00dfel aus Mammutelfenbein, die vermutlich unterschiedlichen handwerklichen Zwecken dienten. Die Fundst\u00fccke werden im Jahrbuch \u201eArch\u00e4ologische Ausgrabungen in Baden-W\u00fcrttemberg 2019\u201c des Landesamts f\u00fcr Denkmalpflege vorgestellt, das diese Woche erscheint.<\/p>\n<p>\u201eWir konnten in den vergangenen Jahren schon gelegentlich solche Gegenst\u00e4nde aus Knochen, Geweih oder Elfenbein ausgraben und sie als Werkzeug bestimmen\u201c, sagt Conard. \u201eEine solche Konzentration dieser Werkzeuge haben wir jedoch noch nie entdeckt \u2013 es ist ein regelrechter Werkzeug-Satz.\u201c<\/p>\n<p>Die Funde aus dem Jahr 2019 sind zwischen 14 und 22 Zentimetern lang, bis zu vier Zentimeter breit und wurden vor mehr als 38.000 Jahren aus den h\u00e4rtesten Teilen von Mammutsto\u00dfz\u00e4hnen gefertigt. Die drei konisch flach zulaufenden Elfenbeinst\u00e4be zeigen deutliche Absplitterungen und Ausfransungen an den Enden, die eine intensive Nutzung als Werkzeug belegen. \u201eWir sprechen hier wegen der charakteristischen Form der Funde von Mei\u00dfeln\u201c, erkl\u00e4rt Conard, \u201etats\u00e4chlich aber muss in weiteren Analysen und Experimenten nachvollzogen werden, welche Funktionen die Werkzeuge tats\u00e4chlich hatten. Wie es aussieht, wurden sie als Multifunktionswerkzeuge benutzt, um unterschiedliche organische Materialien wie Elfenbein, Holz, Knochen oder Geweih zu bearbeiten.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Sibylle Wolf, wissenschaftliche Koordinatorin des Senckenberg Centre SHEP und Elfenbeinexpertin im Team Conards, hat die Fundst\u00fccke unter dem Mikroskop begutachtet und kommt zu dem Schluss, dass sie zun\u00e4chst als Spitze und sp\u00e4ter umgearbeitet als Mei\u00dfel, Keil, St\u00f6\u00dfel und Schlagwerkzeug genutzt worden sein k\u00f6nnten. \u201eDie Abnutzungen sprechen daf\u00fcr, dass die Werkzeuge mit gro\u00dfer Wucht eingesetzt wurden\u201c, sagt Wolf. \u201eDenkbar w\u00e4re, dass einerseits mit dem schlanken Ende Materialien gespalten wurden und dass andererseits das dicke Ende als Schlagwerkzeug oder eine Art St\u00f6\u00dfel diente, etwa um andere Materialien zu zerkleinern.\u201c<\/p>\n<p>Die Werkzeuge werden als \u201eFund des Jahres\u201c bis Anfang Januar 2021 im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) gezeigt, dessen wissenschaftlicher Direktor Conard ist. \u201eDiese Funde geben uns eine bessere Vorstellung von den handwerklichen Prozessen der Eiszeit und damit auch davon, wie die eiszeitlichen Kunstwerke entstanden\u201c, sagt Dr. Stefanie K\u00f6lbl, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des urmu. \u201eDie Werkzeuge f\u00fchren uns einmal mehr vor Augen, welch technische Meisterleistungen die Menschen damals erbrachten \u2013 ganz ohne elektrische S\u00e4gen, Bohrer oder Fr\u00e4sen.\u201c<\/p>\n<p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeith\u00f6hlen, die von der UNESCO im Juli 2017 zum Welterbe \u201eH\u00f6hlen und Eiszeitkunst der Schw\u00e4bischen Alb\u201c ernannt wurden. Das Museum f\u00fcr altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-W\u00fcrttemberg und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen erkl\u00e4rt das eiszeitliche Leben der J\u00e4ger und Sammler am Rand der Schw\u00e4bischen Alb vor 40.000 Jahren. Prominentestes Exponat ist das Original der \u201eVenus vom Hohle Fels\u201c. (<a href=\"http:\/\/www.urmu.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.urmu.de<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arch\u00e4ologie: Werkzeug-Satz aus Elfenbein Mei\u00dfel aus Mammutsto\u00dfz\u00e4hnen wurden vor 38.000 Jahren multifunktional eingesetzt \u2013 Arch\u00e4ologen der Universit\u00e4t T\u00fcbingen pr\u00e4sentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren neue Funde.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":12572,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-15604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15604"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15605,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15604\/revisions\/15605"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12572"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}