{"id":15606,"date":"2020-07-27T10:44:53","date_gmt":"2020-07-27T08:44:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15606"},"modified":"2020-07-27T10:44:54","modified_gmt":"2020-07-27T08:44:54","slug":"mensch-hilft-fuchs-auf-die-spruenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=15606","title":{"rendered":"Mensch hilft Fuchs auf die Spr\u00fcnge"},"content":{"rendered":"<p><em>Forschung: Haben schon die H\u00f6hlenmenschen die Tierwelt beeinflusst?<\/em><\/p>\n<p>Sag\u2018 mir, was der Fuchs fra\u00df, und ich sage dir, wie der Mensch zu ihm stand. Forschungsteam untersucht, was Knochen des Kulturfolgers \u00fcber sein Lebensumfeld vor rund 40.000 Jahren verraten.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-12572\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Vogelherd_Hoehle_Lonetal_3BFW7953.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Vogelherd_Hoehle_Lonetal_3BFW7953.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Vogelherd_Hoehle_Lonetal_3BFW7953-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Vogelherd_Hoehle_Lonetal_3BFW7953-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>F\u00fcchse passten sich schon vor 40.000 Jahren an Menschen an und \u00e4nderten ihr Nahrungsspektrum. Diese Entwicklung fiel mit dem Auftreten des modernen Menschen in S\u00fcdwestdeutschland zusammen, als die H\u00f6hlen der Schw\u00e4bischen Alb st\u00e4rker genutzt wurden. Die haupts\u00e4chliche Ern\u00e4hrungsweise des Fuchses und seine Beziehungen zum Menschen untersuchte ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen f\u00fcr den Zeitraum vor 42.000 bis 32.000 Jahren. Daf\u00fcr haben die Teammitglieder Chris Baumann, Professor Herv\u00e9 Bocherens, Dr. Doroth\u00e9e Drucker und Professor Nicholas Conard Isotopenanalysen von Fuchsknochen aus verschiedenen Fundstellen S\u00fcdwestdeutschlands, mehreren H\u00f6hlen auf der Schw\u00e4bischen Alb, herangezogen. Neben den F\u00fcchsen, die in der N\u00e4he von Menschen lebten, gab es auch solche, die unabh\u00e4ngig waren und selbst auf die Jagd gingen oder sich an der Beute gro\u00dfer Raubtiere bedienten. Die Ergebnisse hat das Forschungsteam in der Fachzeitschrift PlosONE ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Menschen nahmen schon fr\u00fch Einfluss auf ihre Umwelt. So wird vermutet, dass sie durch ihr Jagdverhalten im sp\u00e4ten Pleistoz\u00e4n das Aussterben gro\u00dfer Pflanzenfresser mit verursachten. \u201eWir haben nun untersucht, ob die Jagdaktivit\u00e4ten der Menschen manchen Tierarten auch Vorteile verschafft haben k\u00f6nnten\u201c, sagt Chris Baumann. Urspr\u00fcnglich h\u00e4tten Rotfuchs und Polarfuchs (Vulpes vulpes und Vulpes lagopus) haupts\u00e4chlich von der Jagd auf kleine S\u00e4ugetiere gelebt. \u201eSo war es im Mittelpal\u00e4olithikum vor mehr als 42.000 Jahren\u201c, sagt der Wissenschaftler. \u201eDas war in S\u00fcdwestdeutschland die Zeit der Neandertaler, und die Schw\u00e4bische Alb war kaum besiedelt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Eine neue \u00f6kologische Nische<\/strong><\/p>\n<p>Als seit dem Jungpal\u00e4olithikum, in den Kulturperioden des Aurignacien (42.000 bis 34.000 Jahre vor heute) und Gravettian (34.000 bis 30.000 Jahre vor heute) der moderne Mensch in die Region einwanderte und die H\u00f6hlen auf der Schw\u00e4bischen Alb st\u00e4rker genutzt wurden, ergab sich f\u00fcr die F\u00fcchse eine neue \u00f6kologische Nische. \u201eDie Daten aus den Isotopenanalysen der Fuchsknochen deuten darauf hin, dass sich die Nahrungszusammensetzung etlicher Tiere \u00e4nderte. Wir gehen davon aus, dass diese F\u00fcchse sich nun \u00fcberwiegend von Fleischabf\u00e4llen ern\u00e4hrten, die Menschen hinterlassen hatten, oder vielleicht sogar von ihnen gef\u00fcttert wurden\u201c, sagt Herv\u00e9 Bocherens. Dabei handelte es sich um Fleisch von gro\u00dfen Tieren, die die F\u00fcchse nicht selbst erbeuten konnten wie Mammuts und Rentiere.<\/p>\n<p>\u201eDie Menschen brachten erlegte Rentiere im Ganzen in ihre H\u00f6hlen. Dagegen wurden die riesigen Mammuts vor Ort zerlegt, dort wo sie get\u00f6tet wurden\u201c, erkl\u00e4rt Baumann. Die F\u00fcchse nutzten wahrscheinlich beides als Nahrungsquelle. Sie seien sehr flexibel und stellten sich schnell auf das am leichtesten zu erreichende Futter ein. Auch heute sei bei F\u00fcchsen zu beobachten, dass sie sich in der N\u00e4he von menschlichen Siedlungen \u00fcberwiegend von Abf\u00e4llen ern\u00e4hrten. Umgekehrt seien in der Vogelherd-H\u00f6hle bei Niederstotzingen im Lonetal Unterkiefer von F\u00fcchsen mit Schnittspuren aus dem Jungpal\u00e4olithikum gefunden worden, die zeigten, dass Menschen Fleisch und Fell der F\u00fcchse nutzten.<\/p>\n<p><strong>Hund, Fuchs und Wolf<\/strong><\/p>\n<p>In einer vorhergehenden Publikation hatte das Forschungsteam das Nahrungsspektrum von Hund, Fuchs und Wolf im Zeitraum zwischen 17.000 und 13.000 Jahren vor heute, der Kulturperiode des Magdalenien, von mehreren Fundst\u00e4tten in S\u00fcdwestdeutschland und der Schweiz untersucht. \u201eDie W\u00f6lfe ern\u00e4hrten sich von einem weiten Spektrum von Beutetieren, w\u00e4hrend Hunde bei ihrem Futter von Menschen abhingen\u201c, fasst Baumann die Ergebnisse zusammen. Die meisten F\u00fcchse besetzten eine eigene \u00f6kologische Nische und ern\u00e4hrten sich von kleinen S\u00e4ugetieren. \u201eEs gab jedoch einen Rotfuchs, der ein \u00e4hnliches Nahrungsspektrum hatte wie die Hunde. Er lebte in der N\u00e4he von Menschen, wie heutige F\u00fcchse in den St\u00e4dten.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Publikationen:<\/em><br \/>\n<em>Chris Baumann, Herv\u00e9 Bocherens, Doroth\u00e9e G. Drucker, Nicholas J. Conard: Fox dietary ecology as a tracer of human impact on Pleistocene ecosystems. PlosONE, <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pone.0235692\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pone.0235692<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Chris Baumann, Britt M. Starkovich, Doroth\u00e9e G. Drucker, Susanne C. M\u00fcnzel, Nicholas J. Conard, Herv\u00e9 Bocherens: Dietary niche partitioning among Magdalenian canids in southwestern Germany and Switzerland. Quaternary Science Reviews, Volume 227, 1. Januar 2020; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.quascirev.2019.106032\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.quascirev.2019.106032<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschung: Haben schon die H\u00f6hlenmenschen die Tierwelt beeinflusst? Sag\u2018 mir, was der Fuchs fra\u00df, und ich sage dir, wie der Mensch zu ihm stand. 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