{"id":1604,"date":"2010-12-27T06:05:42","date_gmt":"2010-12-27T05:05:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=1604"},"modified":"2010-12-24T11:08:45","modified_gmt":"2010-12-24T10:08:45","slug":"wer-sind-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=1604","title":{"rendered":"Wer sind  wir?"},"content":{"rendered":"<p><em>Weder Neandertaler noch moderner Mensch<\/em><\/p>\n<p>Analyse eines 30.000 Jahre alten Fingerknochens aus Sibirien liefert neue Erkenntnisse \u00fcber die Urspr\u00fcnge des modernen Men-schen &#8211; unter Beteiligung der Universit\u00e4t T\u00fcbingen<\/p>\n<p>Die Sequenzierung des Kerngenoms aus einem uralten in einer sibirischen H\u00f6hle gefundenen Fingerknochen ergibt, dass <!--more-->die H\u00f6hlenbewohner weder Neandertaler noch moderne Menschen waren. Zu dem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Svante P\u00e4\u00e4bo vom Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig, das diese Arbeit jetzt in &#8222;Nature&#8220; ver\u00f6ffentlichte, geh\u00f6rt auch Dr. Johannes Krause, Juniorprofessor an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Das Team sequenzierte das Kerngenom aus dem wenigstens 30.000 Jahre alten Fingerknochen eines ausgestorbenen Urmenschen, der von Arch\u00e4ologen der Russischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 2008 in der Denisova-H\u00f6hle im s\u00fcdlichen Sibirien ausgegraben wurde.<\/p>\n<p>Anfang dieses Jahres hatte das Forscherteam bereits herausgefunden, dass die mitochondriale DNA aus dem Fingerknochen eine ungew\u00f6hnliche Sequenz aufwies und m\u00f6glicherweise von einem bisher nicht beschriebenen Urmenschen stammte. Mithilfe der am Neandertalergenom entwickelten Techniken sequenzierten die Forscher nun das Kerngenom aus dem Knochen, d.h. die gesamte Erbinformation aus dem Zellkern einer Zelle. Sie fanden heraus, dass das Individuum, dem der Fingerknochen geh\u00f6rte, weiblich war und einer Gruppe von Urmenschen angeh\u00f6rte, die eine gemeinsame Herkunft mit dem Neandertaler teilte, danach aber einen anderen evolution\u00e4ren Weg beschritt. Diese neue Urmenschenform nennen die Forscher Denisova-Mensch. Im Gegensatz zu den Neandertalern trugen die Denisova-Menschen keine Gene zu allen heute lebenden Nicht-Afrikanern bei. Sie teilten jedoch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von genetischen Varianten mit heute auf Papua Neuguinea lebenden Populationen, was nahe legt, dass es zwischen dem Denisova-Menschen und den Vorfahren der Melanesier zu einer Vermischung gekommen ist.<\/p>\n<p>David Reich, der an der Harvard Medical School forscht und die populationsgenetische Analyse leitete, sagt: &#8222;Die Tatsache, dass die Denisova-Menschen in S\u00fcdsibirien entdeckt wurden, aber zum Erbmaterial heute lebender menschlicher Populationen in Neuguinea beigetragen haben, zeigt, dass die Denisova-Menschen w\u00e4hrend des Pleistoz\u00e4ns in Asien weit verbreitet gewesen sein m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n<p>Svante P\u00e4\u00e4bo vom Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie merkt an: &#8222;Kombiniert mit der Genomsequenz des Neandertalers, zeigt uns das Denisova-Genom ein komplexes Bild genetischer Interaktionen zwischen unseren Vorfahren und anderen Urmenschengruppen.&#8220;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem untersuchten die Forscher einen Denisova-Zahn, der in derselben H\u00f6hle in Sibirien ausgegraben wurde und dessen Morphologie und \u00e4u\u00dfere Beschaffenheit sich von der eines Neandertalerzahnes und des Zahnes eines modernen Menschen unterscheidet, denen sehr viel \u00e4lterer Urmenschenformen aber \u00e4hnelt. Johannes Krause, Professor f\u00fcr Pal\u00e4ogenetik an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen: &#8222;Dieser Zahn weist fast die gleiche DNA wie der Fingerknochen auf. Er erm\u00f6glicht es uns, morphologische und genetische Informationen miteinander in Verbindung zu bringen.&#8220; Johannes Krause wechselte im Sommer vom Max-Planck-Institut in Leipzig an die Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Er setzt dort die Erforschung der Urmenschen-DNA fort und hat sich auf die Analyse von fr\u00fchen mo-dernen Menschen spezialisiert, wie den Cro-Magnon Menschen, den ersten Europ\u00e4ern.<\/p>\n<p>Finanzielle Unterst\u00fctzung erfuhr die Studie durch die Max-Planck-Gesellschaft, die Krekeler-Stiftung, die National Institutes of Health (USA) und die National Science Foundation (USA).<\/p>\n<p><strong>Die Originalver\u00f6ffentlichung:<\/strong><\/p>\n<p>David Reich, Richard E. Green, Martin Kircher, Johannes Krause, Nick Patterson, Eric Y. Durand, Bence Viola, Adrian W. Briggs, Udo Stenzel, Philip L. F. Johnson, Tomislav Maricic, Jeffrey M. Good, Tomas Marques-Bonet, Can Alkan, Qiaomei Fu, Swapan Mallick, Heng Li, Matthias Meyer, Evan E. Eichler, Mark Stoneking, Michael Richards, Sahra Talamo, Michael V. Shunkov, Anatoli P. Derevianko, Jean-Jacques Hublin, Janet Kelso, Montgomery Slatkin, Svante P\u00e4\u00e4bo: Genetic histo-ry of an archaic hominin group from Denisova Cave in Siberia<\/p>\n<p>Nature, 23. Dezember 2010, doi:10.1038\/nature09710<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weder Neandertaler noch moderner Mensch Analyse eines 30.000 Jahre alten Fingerknochens aus Sibirien liefert neue Erkenntnisse \u00fcber die Urspr\u00fcnge des modernen Men-schen &#8211; unter Beteiligung der Universit\u00e4t T\u00fcbingen Die Sequenzierung des Kerngenoms aus einem uralten in einer sibirischen H\u00f6hle gefundenen Fingerknochen ergibt, dass<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1604","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1604"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1605,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1604\/revisions\/1605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}