{"id":16351,"date":"2021-03-15T12:23:04","date_gmt":"2021-03-15T11:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16351"},"modified":"2021-03-10T09:32:38","modified_gmt":"2021-03-10T08:32:38","slug":"bio-teppiche-braucht-das-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16351","title":{"rendered":"Bio-Teppiche braucht das Land"},"content":{"rendered":"<p><em>Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion<\/em><\/p>\n<p>T\u00fcbinger Forschungsteam untersucht, wie nat\u00fcrliche \u201eTeppiche\u201c B\u00f6den gegen das Wegschwemmen durch Regen sch\u00fctzen.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2461\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/zainingen_acker_IMG_0693.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/zainingen_acker_IMG_0693.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/zainingen_acker_IMG_0693-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/zainingen_acker_IMG_0693-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Durch Erosion gehen j\u00e4hrlich weltweit Milliarden von Tonnen an wertvollem Boden verloren, vieles davon lagert sich in Gew\u00e4ssern ab, die dadurch versanden oder verschlammen. Die in Deutschland gemessenen Bodenverluste reichen von 1,4 bis 3,2 Tonnen pro Hektar und Jahr, bei Extremwetter k\u00f6nnen es bis zu f\u00fcnfzig Tonnen sein. Einen Schutzschirm gegen die Erosion bieten biologische Bodenkrusten, wie ein Forschungsprojekt von Geowissenschaftlern an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen zeigt. Diese nat\u00fcrlichen \u201eTeppiche\u201c bestehen aus Bakterien, Moosen, Flechten, Pilzen und anderen Organismen, die Erdpartikel zu zusammenh\u00e4ngenden Schichten verbinden.<\/p>\n<p>Biokrusten sind nur wenige Millimeter dick, aber sie stabilisieren die Bodenoberfl\u00e4che und sch\u00fctzen sie gegen den Abtrag durch Regen und Wind. Bislang wurden sie vor allem in trockenen Regionen erforscht, wo sie wegen ihrer Speicherf\u00e4higkeit f\u00fcr den Wasserhaushalt und als Schutz gegen Winderosion sowie als Staubfang besonders wichtig sind. Unter Leitung von Dr. Steffen Seitz vom Lehrstuhl f\u00fcr Bodenkunde und Geomorphologie untersuchten die T\u00fcbinger Wissenschaftler im baden-w\u00fcrttembergischen Naturpark Sch\u00f6nbuch bei Stuttgart die Entwicklung biologischer Bodenkrusten auf kurz zuvor befahrenen \u201eR\u00fcckegassen\u201c.<\/p>\n<p>Solche Schneisen, die durch Holzerntemaschinen entstehen, bilden zusammen mit Forstwegen und abgeholzten Fl\u00e4chen bevorzugte Habitate f\u00fcr Biokrusten. Zwar verursachen sie eine St\u00f6rung des Waldbodens, aber sie haben den Vorteil, dass sich die forstwirtschaftlichen Eingriffe auf vorher festgelegte Strecken konzentrieren und die dazwischen liegenden Waldfl\u00e4chen gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Das T\u00fcbinger Team ma\u00df ein Jahr lang zu unterschiedlichen Jahreszeiten in den R\u00fcckegassen und an anderen Gel\u00e4ndepunkten die Bodenzusammensetzung und f\u00fchrte Experimente mit Regensimulatoren durch. Die Ergebnisse belegen, wie wichtig Biokrusten f\u00fcr den Erhalt des Bodens sind: \u201eDie Bodenerosion in den R\u00fcckegassen ist im Durchschnitt \u00fcber alle Standorte und Messzeiten dreizehn Mal h\u00f6her als im ungest\u00f6rten Waldboden\u201c, sagt Professor Thomas Scholten, der das Projekt am Lehrstuhl f\u00fcr Bodenkunde und Geomorphologie betreut. Doch gleichzeitig habe sich gezeigt, \u00fcber welche Schutzmechanismen der Waldboden verf\u00fcge. \u201eSo siedelten sich in den R\u00fcckegassen schon bald, nachdem sie nicht mehr befahren wurden, biologische Bodenkrusten an, die die Erosion reduzieren.\u201c<\/p>\n<p>Diese entwickelten sich abh\u00e4ngig vom Standort sehr unterschiedlich, vor allem die Moose, die eine besonders wichtige Rolle f\u00fcr den Erosionsschutz spielen: Ihr Anteil an den Krustengemeinschaften lag je nach Messpunkt zwischen f\u00fcnf und f\u00fcnfzig Prozent. Auch die Vielfalt der beteiligten Moosarten schwankte stark, bedingt vor allem durch bodenchemische Unterschiede. Je gr\u00f6\u00dfer die Vielfalt der beteiligten Arten, desto besser war im Allgemeinen der Erosionsschutz, den die Biokrusten boten. Es zeigte sich auch, dass sie eine Grundlage f\u00fcr weiteres Pflanzenwachstum darstellen: In den Sommermonaten wurden viele Biokrusten auf den R\u00fcckegassen durch h\u00f6here Vegetation wie Binsen, Gr\u00e4ser oder Baumkeimlinge abgel\u00f6st, die ebenfalls einen guten Erosionsschutz darstellen.<\/p>\n<p>In einem weiteren Experiment in Kooperation mit dem Stuttgarter Unternehmen Reinhold Hummel brachten die Wissenschaftler in einigen R\u00fcckegassen Moosmatten einer im Gew\u00e4chshaus angezogenen Moosart aus. Sie kann nicht nur viel Wasser speichern, sondern erwies sich unter 24 getesteten Moosarten auch als die wuchsfreudigste und widerstandsf\u00e4higste. Da sie sich au\u00dferdem wie Rollrasen aufbringen l\u00e4sst, eignet sie sich besonders f\u00fcr den praktischen Umweltschutz. Die meisten dieser Moosmatten im Naturpark Sch\u00f6nbuch sind nach nunmehr einem Jahr eingewurzelt. \u201eUnsere bislang gewonnenen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Biokrusten sich gut zur Reparatur und Stabilisierung von Oberfl\u00e4chen eignen. Das gilt nicht nur f\u00fcr Waldb\u00f6den, auch Bergbaulandschaften oder B\u00f6schungen sind m\u00f6gliche Einsatzgebiete\u201c, so Thomas Scholten.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #808080;\">WEBcode #211046<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biologische Bodenkrusten bremsen Erosion<\/p>\n<p>T\u00fcbinger Forschungsteam untersucht, wie nat\u00fcrliche \u201eTeppiche\u201c B\u00f6den gegen das Wegschwemmen durch Regen sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2461,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-16351","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16351"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16351\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16423,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16351\/revisions\/16423"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2461"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}