{"id":16358,"date":"2021-02-04T09:13:45","date_gmt":"2021-02-04T08:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16358"},"modified":"2021-03-10T09:39:12","modified_gmt":"2021-03-10T08:39:12","slug":"zehn-jahre-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16358","title":{"rendered":"Zehn Jahre Fukushima"},"content":{"rendered":"<p><em>Notfallschutz in Deutschland erheblich ausgeweitet<\/em><\/p>\n<p>Am 11. M\u00e4rz 2011 f\u00fchrte ein au\u00dfergew\u00f6hnlich starkes Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami zum Reaktorungl\u00fcck von Fukushima. In den darauffolgenden Wochen gelangten erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe in die Umwelt.<!--more--><\/p>\n<p>Zehn Jahre nach Fukushima sind die Folgen der Katastrophe immer noch sp\u00fcrbar. Als Folge wurde der Notfallschutz in Deutschland erheblich ausgeweitet, teilte das Bundesamts f\u00fcr Strahlenschutz (BfS) mit.<\/p>\n<div id=\"attachment_2640\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2640\" class=\"size-full wp-image-2640\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/neckarwestheim_atom_kernkraft.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/neckarwestheim_atom_kernkraft.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/neckarwestheim_atom_kernkraft-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/neckarwestheim_atom_kernkraft-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><p id=\"caption-attachment-2640\" class=\"wp-caption-text\">Reaktorkatastrophe in Japan beeinflusst nicht nur Atompolitik (Foto Kernkraftwerk Neckarwestheim, Laufzeit bis 31. 12. 2022).<\/p><\/div>\n<p>Die Reaktorkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima vor zehn Jahren hat betr\u00e4chtliche Auswirkungen f\u00fcr Mensch und Umwelt gehabt. Rund 300 Quadratkilometer in der Region Fukushima sind weiterhin Sperrgebiet und d\u00fcrfen nur eingeschr\u00e4nkt betreten werden. Viele Menschen leiden unter den Folgen, zu denen insbesondere auch psychische Belastungen z\u00e4hlen. Au\u00dferhalb des Sperrgebiets ist die zus\u00e4tzliche Strahlenbelastung internationalen Angaben zufolge allerdings deutlich gesunken und damit wird sie 2021 auf einem Niveau wie die nat\u00fcrliche Strahlenbelastung in Deutschland sein. Das BfS hat die aktuelle Situation in Japan anhand international verf\u00fcgbarer Daten bewertet und die Ergebnisse am Dienstag vorgestellt.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sidentin des BfS, Inge Paulini, betonte: \u201eAuch wenn au\u00dferhalb der Sperrgebiete wieder ein weitgehend normales Leben m\u00f6glich ist, wirken die Folgen der Katastrophe bis heute und noch lange weiter nach. Direkt durch die Strahlung verursachte Krankheiten sind zwar bislang nicht aufgetreten, zahlreiche Menschen sind allerdings infolge der Evakuierung verstorben oder leiden immer noch an psychischen Erkrankungen. Und immer noch ist das Sperrgebiet ungef\u00e4hr so gro\u00df wie die Stadt M\u00fcnchen.\u201d<\/p>\n<p><strong>Langzeitwirkungen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung als Forschungsthema f\u00fcr kommende Jahre<\/strong><br \/>\nWer sich heute au\u00dferhalb des Sperrgebiets aufh\u00e4lt, muss sich keine Sorgen um seine Gesundheit machen. Doch manche Auswirkungen auf die Gesundheit der dortigen Bev\u00f6lkerung lassen sich auch heute noch nicht abschlie\u00dfend erfassen. Insbesondere bei Krebserkrankungen, die mit ionisierender Strahlung in Verbindung stehen, dauert es oft viele Jahre, bis sie tats\u00e4chlich auftreten. Deshalb kann auch weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass in den kommenden Jahren doch noch Erkrankungen als direkte Folge des Reaktorunfalls auftreten.<br \/>\nDas BfS war in den vergangenen Jahren an der Erstellung von Berichten zu den Auswirkungen des Reaktorunfalls in Fukushima f\u00fcr den Wissenschaftlichen Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung (UNSCEAR) beteiligt. Der neueste UNSCEAR-Bericht wird noch in diesem Fr\u00fchjahr erwartet.<\/p>\n<p><strong>Neue Themen f\u00fcr Strahlenschutz und Notfallplanung, auch in Deutschland<\/strong><br \/>\nIn den vergangenen zehn Jahren nach dem Reaktorungl\u00fcck hat auch Deutschland Konsequenzen f\u00fcr den Notfallschutz gezogen. Paulini betonte: \u201eDas Ungl\u00fcck im japanischen Fukushima hat gezeigt, dass Kernkraft selbst f\u00fcr hochentwickelte Industriegesellschaften ein besonders hohes Risiko darstellt. Deshalb m\u00fcssen wir im Vorfeld alles tun, um bestm\u00f6glich vorbereitet zu sein. In Deutschland ist der Notfallschutz f\u00fcr Unf\u00e4lle oder Ereignisse mit Freisetzungen von radioaktiven Stoffen deshalb nach Fukushima grundlegend neu aufgestellt worden.\u201d<br \/>\nDas BfS hat hier einen wesentlichen Beitrag geleistet. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums hatte die Strahlenschutzkommission (SSK) bereits fr\u00fchzeitig die Erkenntnisse aus dem Reaktorunfall in Fukushima analysiert und Empfehlungen f\u00fcr die Weiterentwicklung des Notfallschutzes in Deutschland erarbeitet. Das BfS f\u00fchrte in diesem Zusammenhang umfangreiche repr\u00e4sentative Ausbreitungsrechnungen f\u00fcr deutsche Kernkraftwerke durch und kam zu dem Ergebnis, dass die Gebiete um die Kernkraftwerke, in denen Schutzma\u00dfnahmen konkret vorgeplant waren, ausgeweitet werden sollten, um die Bev\u00f6lkerung besser zu sch\u00fctzen. Entsprechend wurden diese sogenannten Planungsradien dann auch angepasst.<br \/>\nAuch die Verteilung von Jodtabletten zur Jodblockade der Schilddr\u00fcse wurde neu geregelt. Wird nach einem nuklearen Vorfall radioaktives Jod frei, kann die Einnahme von hochdosierten nicht radioaktiven Jodtabletten verhindern, dass es sich in der Schilddr\u00fcse anreichert. Unter Federf\u00fchrung des BfS sind 2020 die Best\u00e4nde deutschlandweit erneuert, erheblich aufgestockt und an die Bundesl\u00e4nder verteilt worden.<br \/>\nDas neue Strahlenschutzgesetz sieht au\u00dferdem die Einrichtung des Radiologischen Lagezentrums des Bundes (RLZ) vor, welches unter der Leitung des Bundesumweltministeriums koordinierende Aufgaben zur Krisenreaktion bei \u00fcberregionalen radiologischen Notf\u00e4llen hat. Das BfS ist im RLZ insbesondere f\u00fcr die Analyse und Bewertung der radiologischen Lage zust\u00e4ndig und erstellt ein sogenanntes radiologisches Lagebild, um im Krisenfall Informationen und Prognosen f\u00fcr die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rden bei Bund und L\u00e4ndern bereitzustellen. Dieses bildet die wichtigste Grundlage f\u00fcr weitere Entscheidungen.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Factsheet 10 Jahre nach Fukushima: Radiologische Lage heute<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong>Deposition\/Ablagerung\/Umweltkontamination:<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Sperrzone (sogenannte Difficult-to-Return Zone) sind die B\u00f6den in Japan inzwischen kaum noch radioaktiv belastet. So ist der Anteil von C\u00e4sium-137 in den letzten Jahren aufgrund von nat\u00fcrlichem Zerfall und Dekontaminationsma\u00dfnahmen deutlich zur\u00fcckgegangen, beinahe alle anderen Radionuklide sind inzwischen zerfallen. Insgesamt lagern in Japan heute noch 1,6 Petabecquerel C\u00e4sium-137 im Boden \u2013 ungef\u00e4hr doppelt so viel wie in Deutschland unmittelbar nach dem Reaktorungl\u00fcck von Tschernobyl. Besonders konzentriert sich dies in der Sperrzone, wo das Betreten daher nur mit schriftlicher Genehmigung erlaubt ist. Dort, wo auf der japanischen Landmasse 2011 die meiste Radioaktivit\u00e4t abgelagert wurde, sind die Werte immer noch so hoch, dass eine zus\u00e4tzliche Strahlenbelastung von mehr als 20 Millisievert pro Jahr auftreten kann. In den Freiwasserzonen der K\u00fcstengew\u00e4sser sind die Konzentrationen von C\u00e4sium-137 bereits 2013 wieder auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung gesunken, die mit den Werten vor dem Unfall vergleichbar ist. Nur in der unmittelbaren Umgebung des Kernkraftwerks k\u00f6nnen die Meeressedimente und Fische, die den Meeresboden bewohnen, noch hoch mit C\u00e4sium-137 belastet sein.<\/p>\n<p><strong>Dosis\/Dosisleistung:<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des Sperrgebiets ist die zus\u00e4tzliche Strahlenbelastung, der die Bev\u00f6lkerung ausgesetzt ist, deutlich zur\u00fcckgegangen. So liegen die mittleren effektiven Jahresdosen, die zus\u00e4tzlich durch den Unfall verursacht wurden, in der Pr\u00e4fektur Fukushima unter 0,5 Millisievert und im restlichen Japan unter 0,1 Millisievert. In den urspr\u00fcnglichen Evakuierungsgebieten, in die die Bev\u00f6lkerung wieder zur\u00fcckkehren konnte, betr\u00e4gt die zus\u00e4tzliche Strahlenbelastung in 2021 voraussichtlich weniger als 2,6 Millisievert\u00a0 pro Jahr und wird damit vergleichbar mit der durchschnittlichen, j\u00e4hrlichen und nat\u00fcrlichen Strahlenbelastung pro Person in Deutschland sein. Aber: Im verbliebenen Sperrgebiet kann die zus\u00e4tzliche Dosis an bestimmten Orten immer noch mehr als 20 Millisievert pro Jahr betragen.<\/p>\n<p><strong>Dekontaminationsma\u00dfnahmen:<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Sperrgebiete sind inzwischen H\u00e4user, G\u00e4rten, Stra\u00dfen, Schulen, Kinderg\u00e4rten sowie \u00f6ffentliche Parks weitgehend dekontaminiert. In Gegenden, die dekontaminiert wurden, verringerte sich die Strahlenbelastung teilweise um 20 bis 80 Prozent. Dies zeigt sich zum Beispiel in Fukushima City, wo diese von etwa 3 Mikrosievert pro Stunde in 2011 auf derzeit etwa 0,11 Mikrosievert pro Stunde zur\u00fcckgegangen ist. Grund daf\u00fcr sind sowohl der radioaktive Zerfall der abgelagerten Stoffe als auch Dekontaminationsma\u00dfnahmen. Zudem wurde ein Gro\u00dfteil der radioaktiven Kontaminationen inzwischen witterungsbedingt abgewaschen oder ist tiefer in den Boden eingedrungen.<\/p>\n<p><strong>Lebensmittel:<\/strong><\/p>\n<p>Lebensmittel aus Japan und der Region Fukushima k\u00f6nnen heute unbedenklich verzehrt werden. Dies liegt zum einen daran, dass unmittelbar nach dem Unfall Programme zur \u00dcberwachung der Radioaktivit\u00e4t in Lebensmitteln gestartet wurden. Zum anderen waren Lebensmittel deutlich weniger stark radioaktiv belastet als nach dem Unfall in Tschernobyl. In den st\u00e4rker betroffenen Gebieten Japans k\u00f6nnen Wildpilze und Wildschweine erh\u00f6hte Messwerte aufweisen \u2013 \u00e4hnlich wie in Deutschland infolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl. Neueren wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge liegt die zus\u00e4tzliche Dosis durch kontaminierte Nahrung in der Pr\u00e4fektur Fukushima aber bei weniger als 0,01 Millisievert im Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland erh\u00e4lt jede Person im Jahresdurchschnitt eine Dosis von etwa 0,3 Millisievert durch die Aufnahme von nat\u00fcrlicher Radioaktivit\u00e4t mit der Nahrung.<\/p>\n<p><strong>Gesundheitsfolgen: <\/strong><\/p>\n<p>Direkte Strahlenkrankheiten infolge des Reaktorungl\u00fccks sind bis heute nicht aufgetreten. Allerdings haben insbesondere Krebserkrankungen oftmals lange Latenzzeiten. Deshalb kann auch weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass sich in einigen Jahren entsprechende Erkrankungen in der Bev\u00f6lkerung als direkte Folge des Reaktorunfalls entwickeln. Hinzu kommt, dass mehr als 50 \u00e4ltere und kranke Menschen infolge der durch die Evakuierung ausgebliebenen medizinischen Versorgung verstorben sind. Viele Evakuierte leiden zudem immer noch an psychischen Erkrankungen. Mehr als 2000 Todesf\u00e4lle werden inzwischen allein in der Pr\u00e4fektur Fukushima als langfristige Folge der Evakuierung angesehen (\u201edisaster-related deaths\u201c). Insgesamt hat sich gezeigt, dass gesellschaftliche Auswirkungen und individuelle psychische Folgen von Katastrophen st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen und auch in die konkreten Planungen f\u00fcr den radiologischen Notfallschutz einbezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz\u2028<\/strong><\/p>\n<p>Das Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz (BfS) arbeitet f\u00fcr den Schutz des Menschen und der Umwelt vor Sch\u00e4den durch Strahlung. Das BfS informiert die Bev\u00f6lkerung und ber\u00e4t die Bundesregierung in allen Fragen des Strahlenschutzes. Die \u00fcber 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewerten Strahlenrisiken, \u00fcberwachen die Umweltradioaktivit\u00e4t, unterst\u00fctzen aktiv im radiologischen Notfallschutz und nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, darunter im medizinischen und beruflichen Strahlenschutz. Ultraviolette Strahlung und strahlenrelevante Aspekte der Digitalisierung und Energiewende sind weitere Arbeitsfelder. Als wissenschaftlich-technische Bundesoberbeh\u00f6rde betreibt das BfS Forschung und ist mit nationalen und internationalen Fachleuten vernetzt. Weitere Informationen unter <a href=\"http:\/\/www.bfs.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.bfs.de<\/a><\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>WEBcode #2110410<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Notfallschutz in Deutschland erheblich ausgeweitet<\/p>\n<p>Am 11. M\u00e4rz 2011 f\u00fchrte ein au\u00dfergew\u00f6hnlich starkes Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami zum Reaktorungl\u00fcck von Fukushima. 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