{"id":16544,"date":"2021-03-29T12:04:18","date_gmt":"2021-03-29T10:04:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16544"},"modified":"2021-03-29T12:07:26","modified_gmt":"2021-03-29T10:07:26","slug":"affen-erfinden-das-rad-immer-wieder-neu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=16544","title":{"rendered":"Affen erfinden das Rad immer neu"},"content":{"rendered":"<p><em>Menschenaffen ihre Verhaltensmuster in jeder Generation neu erlernen m\u00fcsse<\/em>n<\/p>\n<p>Forschungsteam der Universit\u00e4t T\u00fcbingen weist nach: Menschenaffen geben ihre Verhaltensweisen nicht an die n\u00e4chste Generation weiter. <!--more-->Sie kopieren das Wissen ihrer Artgenossen nicht, sondern lernen es in jeder Generation neu \u2013 im Gegensatz zum Menschen. Dies zeigt eine Studie von Dr. Alba Motes-Rodrigo und Dr. Claudio Tennie von der Arbeitsgruppe \u201eWerkzeuge und Kultur bei fr\u00fchen Homininen\u201c der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. \u201eAffen sind darauf angewiesen, das sprichw\u00f6rtliche Rad immer wieder neu zu erfinden. Die Form des Rades \u00e4ndert sich dabei aber nicht\u201c, erkl\u00e4rt Tennie.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4389\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/rennrad_motorrad_tour_IMG_3946.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/rennrad_motorrad_tour_IMG_3946.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/rennrad_motorrad_tour_IMG_3946-106x160.jpg 106w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/rennrad_motorrad_tour_IMG_3946-93x140.jpg 93w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Das Team aus dem Fachbereich \u00c4ltere Urgeschichte und Quart\u00e4r\u00f6kologie suchte in allen ver\u00f6ffentlichten Berichten \u00fcber Menschenaffen nach Aussagen \u00fcber lokal einzigartige Verhaltensmuster, wie zum Beispiel \u00fcber Schimpansen, die Bl\u00e4tter als L\u00f6ffel zum Wassertrinken einsetzten. Anschlie\u00dfend wurden diese systematisch auf Richtigkeit untersucht. Auf diese Weise wurde auf indirektem Wege \u00fcberpr\u00fcft, ob Menschenaffenkulturen auf den gleichen Mechanismen wie menschliche Kulturen aufgebaut sind. Die Studie wurde im Fachmagazin Biological Reviews ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>In der menschlichen Kultur werden Verhaltensweisen dadurch erlernt, dass Menschen sich gegenseitig beobachten und kopieren. So wird wertvolles Wissen an die n\u00e4chste Generation weitergegeben. Hierbei werden Verhaltensweisen oft leicht abgewandelt, denn Menschen machen beim Kopieren Fehler oder f\u00fcgen selbst Aspekte hinzu. Auf diese Weise ver\u00e4ndert sich menschliche Kultur von Generation zu Generation. Alba Motes vergleicht dies mit dem Spiel \u201eStille Post\u201c, bei dem ein Spieler seinem Nachbarn einen Begriff ins Ohr fl\u00fcstert. Der Begriff wird von Mitspieler zu Mitspieler weitergegeben, was durch H\u00f6rfehler am Ende h\u00e4ufig zu einem anderen Begriff f\u00fchrt als dem Ursprungswort.<\/p>\n<p>Wann genau die Mechanismen des Kopierens, die der menschlichen Kultur zugrunde liegen, entstanden sind, wird kontrovers diskutiert. Eine These besagt, dass die F\u00e4higkeit, Verhalten zu kopieren, schon Millionen von Jahren zur\u00fcckreicht und dass auch Menschenaffen einander kopieren. Eine andere These geht davon aus, dass Menschenaffen und auch viele Vorfahren der Menschen einander nicht kopieren.<\/p>\n<p>Alba Motes-Rodrigo und Claudio Tennie suchten mit einer neuen Herangehensweise nach Beweisen f\u00fcr den Prozess des Kopierens bei Menschenaffen. Sie versuchten, Verhaltensweisen in Affenpopulationen zu identifizieren, die Ver\u00e4nderungen von Generation zu Generation durchlaufen haben. \u201eBeruht das Verhalten der Menschenaffen wirklich auf Nachahmung, wie es bei Menschen der Fall ist, w\u00fcrden wir erwarten, dass sich ihr Auftreten kulturell ver\u00e4ndert hat und es deshalb inzwischen einzelne Verhaltensweisen geben m\u00fcsste, die nur auf eine Population an einem Ort beschr\u00e4nkt sind\u201c, erkl\u00e4rt Motes.<\/p>\n<p>Das Team suchte deshalb nach regional einzigartigen Verhaltensmustern von Menschenaffen, sowohl in allen ver\u00f6ffentlichten Berichten \u00fcber Menschenaffen sowie in Gespr\u00e4chen mit Experten f\u00fcr Menschenaffen. Ihr Ergebnis: Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Verhaltensweisen von Menschenaffen ist nicht regional begrenzt. Aus hunderten Verhaltensmustern konnten lediglich drei nicht andernorts nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse zeigen dem Forschungsteam zufolge, dass die Kultur der Affen durch andere Lernmechanismen aufrechterhalten wird als die menschliche Kultur. Im Gegensatz zum Menschen kopieren sich Affen nicht gegenseitig, sondern erf\u00e4nden jede ihrer Verhaltensweisen in jeder Population und in jeder Generation immer wieder neu. \u201eDabei werden sie lediglich durch andere zu diesen Neuerfindungen angeregt, ohne dass die jeweilige Form der Verhaltensweise kopiert wird. Diese Erkenntnis erscheint \u00fcberraschend, wird aber von neuesten Studien der vergleichenden Kognitionswissenschaften gest\u00fctzt\u201c, sagt Tennie. In diesen Untersuchungen kopierten Menschenaffen nur dann neue Verhaltensweisen, wenn sie vorher durch Menschen auf Verhaltenskopien trainiert worden waren.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Publikation:<br \/>\nAlba Motes-Rodrigo and Claudio Tennie: The Method of Local Restriction: in search of potential great ape culture-dependent forms. Biological Reviews, DOI 10.1111\/brv.12710<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Menschenaffen ihre Verhaltensmuster in jeder Generation neu erlernen m\u00fcssen Forschungsteam der Universit\u00e4t T\u00fcbingen weist nach: Menschenaffen geben ihre Verhaltensweisen nicht an die n\u00e4chste Generation weiter.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4389,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-16544","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16544"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16546,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16544\/revisions\/16546"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}