{"id":17184,"date":"2021-07-05T10:04:40","date_gmt":"2021-07-05T08:04:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17184"},"modified":"2021-07-05T10:05:24","modified_gmt":"2021-07-05T08:05:24","slug":"die-innere-schoenheit-des-hagelkorns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17184","title":{"rendered":"Die innere Sch\u00f6nheit des Hagelkorns"},"content":{"rendered":"<p><em>K\u00f6rner aus dem verheerenden T\u00fcbinger Unwetter von 2013 analysiert: Studie verbildlicht innere Kristallstruktur von Hagelk\u00f6rnern<\/em><\/p>\n<p>Hagelst\u00fcrme im S\u00fcdwesten Deutschlands l\u00f6sten k\u00fcrzlich Erinnerungen an das verheerende Unwetter von 2013 aus. Damals wurden<!--more--> in Baden-W\u00fcrttemberg Sch\u00e4den in Milliardenh\u00f6he angerichtet, die Sch\u00e4den aus den j\u00fcngsten Unwettern werden derzeit noch erhoben. Bei allem \u00c4rger, den Hagelk\u00f6rner f\u00fcr Menschen bedeuten, besitzen sie jedoch gleichzeitig eine bislang unbekannte \u201einnere Sch\u00f6nheit\u201c: Die T\u00fcbinger Geowissenschaftler Professor Paul Bons und Dr. Catherine Bauer haben in einer Studie erstmals ihre Kristallstruktur sichtbar gemacht. Sie hatten daf\u00fcr K\u00f6rner des T\u00fcbinger Sturms von 2013 gesammelt und im Labor mit modernsten Methoden analysiert. Neben \u00e4sthetisch ansprechenden Bildern, die so noch nie erstellt wurden, liefert dies auch Erkenntnisse zum Aufbau und m\u00f6glichen Schadenspotential von Hagelk\u00f6rnern. Die Ergebnisse wurden k\u00fcrzlich im Fachmagazin Journal of Glaciology ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-17185\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Hagelkorn_Maurine-Montagnat_Paul-Bons.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Hagelkorn_Maurine-Montagnat_Paul-Bons.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Hagelkorn_Maurine-Montagnat_Paul-Bons-160x152.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Hagelkorn_Maurine-Montagnat_Paul-Bons-150x143.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Hagelkorn aus dem Franz\u00f6sischen Viertel in T\u00fcbingen: Der \u201eAutomated Ice Texture Analyser\u201c zeigt die innere Kristallstruktur. Jede Farbe repr\u00e4sentiert die individuelle kristallographische Orientierung des einzelnen Eiskristalls. Es ist zu sehen, dass das Hagelkorn vier Wachstumsstufen durchlaufen hat. Abbildung: Maurine Montagnat\/Paul Bons<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>Paul Bons und Catherine Bauer forschen beide unter anderem zum Thema \u201eEis\u201c, beispielsweise in Gr\u00f6nland. Im T\u00fcbinger Hagelsturm von 2013 reagierten sie umgehend und sammelten Hagelk\u00f6rner ein. \u201eWir haben diese bei minus 32 Grad gelagert\u201c, erkl\u00e4rt Bons. \u201eEisproben sollten immer unter minus 28 Grad gelagert sein, sonst kann sich die innere Struktur innerhalb von Wochen ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Studie arbeitete er mit der Glaziologin Dr. Maurine Montagnat von der Universit\u00e4t Grenoble, Frankreich, zusammen. Ihr Team sektionierte die T\u00fcbinger Hagelk\u00f6rner zusammen mit weiteren aus S\u00fcdwestfrankreich und machte mit einem \u201eAutomated Ice Texture Analyser\u201c deren innere Kristallstruktur &#8211; die Textur &#8211; sichtbar.<\/p>\n<p>Die entstandenen Bilder zeigen die Struktur der Kristalle im Hagelkorn in verschiedenen Farben und offenbaren faszinierende Muster und eine Sch\u00f6nheit, die dem Auge normalerweise verborgen bleibt. Jedes Hagelkorn weist dabei eine individuelle Struktur auf.<\/p>\n<p>Hagelk\u00f6rner entstehen aus Regentropfen, die durch Aufwinde in Gewitterwolken in gro\u00dfe H\u00f6hen von 12.000 Metern und mehr transportiert werden und dort gefrieren. Im Fall nach unten wachsen sie \u2012 abh\u00e4ngig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit \u2013 weiter, indem immer neue Kristallschichten anfrieren. Diese Prozedur kann sich mehrmals wiederholen: Aufwinde tragen die Eisk\u00f6rner nach oben in die k\u00e4lteren Schichten, durch ihr Gewicht fallen sie wieder nach unten. Je heftiger das Gewitter, desto h\u00f6her ist die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende gro\u00dfe Hagelk\u00f6rner auf der Erde ankommen.<\/p>\n<p>Erst moderne Methoden machten es m\u00f6glich, die Wachstumsstadien und komplexen Wachstumsmechanismen von Hagelk\u00f6rnern viel detaillierter zu untersuchen, sagt Bons. \u201eSo k\u00f6nnen wir die Entstehung von Hagelk\u00f6rnern besser verstehen und vielleicht auch besser vorhersagen, welche Sch\u00e4den sie anrichten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Publikation:<\/strong><br \/>\nMontagnat M, Bourcier M, Philip A, Bons PD, Bauer CC, Deconinck P, Hereil P (2021). Texturcharakterisierung einiger gro\u00dfer Hagelk\u00f6rner mit einer automatisierten Technik. Journal of Glaciology 1-15. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1017\/jog.2021.66\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1017\/jog.2021.66<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rner aus dem verheerenden T\u00fcbinger Unwetter von 2013 analysiert: Studie verbildlicht innere Kristallstruktur von Hagelk\u00f6rnern Hagelst\u00fcrme im S\u00fcdwesten Deutschlands l\u00f6sten k\u00fcrzlich Erinnerungen an das verheerende Unwetter von 2013 aus. 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