{"id":17240,"date":"2025-11-22T12:37:17","date_gmt":"2025-11-22T11:37:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17240"},"modified":"2025-12-05T10:27:03","modified_gmt":"2025-12-05T09:27:03","slug":"eiskalt-erwischt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17240","title":{"rendered":"Eiskalt erwischt"},"content":{"rendered":"<p><em>Tradition &amp; Handwerk: K\u00e4ltepol im Rinnental liefert zuverl\u00e4ssig Temperaturrekorde<\/em><\/p>\n<p>13. Januar 1987 \u2013 der Live-Ticker im Wetterbericht des ARD-Fernsehens hievt die Alb\u00adge\u00admeinde Engstingen urpl\u00f6tzlich ins Rampenlicht: minus 32 Grad, K\u00e4lterekord.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-15344\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Hummel_Wetterstation.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Hummel_Wetterstation.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Hummel_Wetterstation-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Hummel_Wetterstation-481x320.jpg 481w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Hummel_Wetterstation-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Kalt, k\u00e4lter am k\u00e4ltesten: Auf der Suche nach dem Temperatur-Superlativ stapft Klimatologe Roland Hummel \u00fcber fremde Wiesen, untersucht k\u00fchle W\u00e4l\u00adder und T\u00e4ler der Kuppenalb rund um Engstingen und Sonnenb\u00fchl, legt im Umkreis von 10 Kilometern Thermometer aus. Morgens nach dem Nachtdienst in der Flugwetterwarte Stuttgart sammelt er die Thermometer ein, notiert, vergleicht. 1998, am Ende dieser 12-monatigen Versuchsreihe steht im Gro\u00dfen Rinnental eine neue Klimasta\u00adtion \u2013 seine Klimastation (Foto oben).<\/p>\n<p>Dass Sonnenb\u00fchl seither eine ber\u00fchmte Wetterh\u00fctte besitzt, ist nicht alleine Hummels Verdienst. \u201eEin K\u00e4lte-Freak aus Essen war der Anlass nach rekordverd\u00e4chtig eisigen Stellen zu suchen\u201c, erinnert sich der Klimatologe und grinst. Der 1987 nur zuf\u00e4llig ins TV-Programm gerutschte Rekordwert von minus 32 Grad aus Hummels Messungen an seinem Wohnort Gro\u00dfengstingen, brachte die K\u00e4ltewelle ins Rollen. Was war passiert? \u201eAls damals das Thermometer am Flughafen Stuttgart auf minus 25 Grad fiel, rief der SWR dort an. Der Reporter schnappte meine beil\u00e4ufige Bemerkung zu einem Kollegen auf, dass ich zu Hause minus 32 Grad gemessen hatte. Schnell war die Temperatursensation formuliert, auch wenn der Wert keinen offiziellen Status besa\u00df\u201c, erinnert sich der Wettermann an den TV-Paukenschlag, der jenen Rekord-J\u00e4ger aus Essen wach r\u00fcttelte: \u201eZwei Tage sp\u00e4ter klingelte mein Telefon. Er vermutete hinter meinen Messdaten Deutschlands neuen K\u00e4ltepol und schlug vor, ich solle mei\u00adne Umgebung nach noch k\u00e4lteren Bedingungen absuchen.\u201c Hummel wurde f\u00fcndig und der Essener behielt recht: Sonnenb\u00fchl, Rinnental. Dort fiel das Thermometer noch weiter ab \u2013 mit ihm allerdings auch das Stimmungs\u00adbarometer der Albgemeinde. Denn Sonnenb\u00fchl gleich Sonne, gleich sonnenverw\u00f6hnter Hotspot, der mit wohli\u00adger W\u00e4rme punkten will, aber nicht mit einem frostigen K\u00e4ltepol.<\/p>\n<p>30 Jahre sind seither vergangen, Hummels Klimastation inzwischen akzeptiert und viel besucht. Denn der selbst\u00e4ndige Unternehmer, der als Wetterring 2000+ firmiert, kehrt mit seinen Daten gleichzeitig das sonnige Gem\u00fct der 775 Meter hoch gelegenen Gemeinde zweifelsfrei hervor: Die Sonnenb\u00fchler n\u00e4mlich freuen sich \u00fcber die meisten Sonnenstunden in ganz Baden-W\u00fcrttemberg, weswegen die Temperaturen schnell in die H\u00f6he klettern. Im idyllischen Rinnental jedoch \u2013 und das macht den Ort so besonders und ber\u00fchmt \u2013 sacken sie selbst im Sommer genauso schnell wieder ab, bis auf minus f\u00fcnf Grad.Wie ist das m\u00f6glich? \u201eBei wolkenlosem Himmel gibt es sogenannte Strahlungsn\u00e4chte, in denen die Luft ihre W\u00e4rme ungehin\u00addert abgeben kann\u201c, erkl\u00e4rt der 63-j\u00e4hrige Wetterexperte. Die Topographie des Trocken\u00adtals verst\u00e4rkt dieses Naturph\u00e4nomen: In Strahlungsn\u00e4chten sinkt die schwere, kalte Luft zu Boden, sammelt sich in Senken zu K\u00e4lteseen, die nicht abflie\u00dfen k\u00f6nnen. Minus 33,7 Grad im Dezember 2014 markiert den Rekordwert seiner Station. \u201eWeil die Ab- als auch Einstrahlung hoch ist, kann man hier deutschlandweit die gr\u00f6\u00dften Tem\u00adperatur\u00adunterschiede messen\u201d, erkl\u00e4rt der Klimatologe die extremen Tagesschwankungen von bis zu 30 Grad. Dieses Ph\u00e4nomen thematisiert seit 2006 der Sonnenb\u00fchler Klimaweg. Auf neun Kilometern bringen Schautafeln Geologie, Naturraum sowie Wetter und Klima in Zusammenhang.<\/p>\n<p>Mittlerweile sch\u00f6pft Hummel aus einem gigan\u00adtischen Datenfundus. Nicht nur die Werte aus seiner eige\u00adnen 30-j\u00e4hrigen Messreihe im Rinnental stehen in seinem Archiv, sondern auch die Aufzeichnungen der vergleichbaren Station in M\u00fcnsingen nochmals 30 Jahre zuvor. Wetterdaten professionell und systematisch zu erfassen, begann man 1781 in Bayern. Seit 1881 berechnen Statistiker f\u00fcr Deutschland monatliche Temperaturmittelwerte. \u201eDie Klimaerw\u00e4rmung ist unbestritten\u201c, betont Hummel die Faktenlage. \u201eFr\u00fcher hatten wir ein eher kontinentales Klima, das h\u00e4ufiger von kalten Ostwinden gepr\u00e4gt war. Heute bekommen wir durch mehr Westluft verst\u00e4rkt die atlantische Wetterk\u00fcche zu sp\u00fcren: Feuchte, warme Luft, die im Sommer mehr Gewitter produziert.\u201c Noch vor 80 Jahren habe es von zehn Alb-Wintern acht \u201egute\u201c, also kalte und zwei \u201eschlechte\u201c, w\u00e4rmere gegeben. Heute sei es genau anders rum. Das best\u00e4tigen auch die Bodenmessungen (Foto): \u201eHeute geht der Frost selten bis 30 Zentime\u00adter tief, fr\u00fcher waren\u2019s bei wenig Schnee gelegentlich 60 bis 80.\u201c<\/p>\n<p>Doch reicht der Blick des Klimatologen \u00fcbers Rinnen\u00adtal hinaus. Bei Recherchen im Archiv des Schw\u00e4bischen Albvereins in Stuttgart entdeckte er folgende Aufzeichnun\u00adgen von der Mittleren Alb: \u201e1910, die Alpen 90 Mal gesehen. 1940, nur an 30 Tagen.\u201c Und heute? Die Berg\u00adkette gr\u00fc\u00dft gerade mal an 10 Tagen zur Alb her\u00fcber. Der Dreck in der Luft sei schuld, \u00e4rgert sich Hummel und fordert ein gesundes Klima \u2013 Greta Thunberg l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. \u201eDie Zeit ist reif f\u00fcr Ver\u00e4nderun\u00adgen, die Politiker und wir alle sollten begriffen haben\u201c, hofft der Wettermann optimistisch.<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-15343\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Wetterstation.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Wetterstation.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Wetterstation-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl_Wetterstation-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #808080;\">Aus Not wird Tugend: <\/span><\/em>Noch vor Jahren sorgte es f\u00fcr Missstimmung, dass die sonnigste Region f\u00fcr K\u00e4lte\u00adrekord\u00adwerte herhalten musste. Doch die TV-Popularit\u00e4t verlieh Sonnenb\u00fchl einen wenn auch frostigen Glanz. Heute f\u00fchrt Klimatologe Roland Hummel zur Wetterstation und \u00fcber den Klimaweg, der das Naturph\u00e4nomen am K\u00e4ltepol im Rinnental anschaulich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-15341\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl-Eis_Wasser_Pfuetze.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl-Eis_Wasser_Pfuetze.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl-Eis_Wasser_Pfuetze-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Klimaweg_Sonnenbuehl-Eis_Wasser_Pfuetze-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Gefrorene Pf\u00fctzen im Sommer: <\/em><\/span>An sonnigen Tagen heizen sich die trockenen B\u00f6den des Karstgebirges in Mulden besonders stark auf. Der steppenartige, verdunstungsarme Magerrasen vermag kaum zu k\u00fchlen. Deshalb kann die Strahlungsw\u00e4rme des Rinnentals ganz sch\u00f6n schwei\u00dftreibend sein. Im Winter dagegen, falls wolkenlos und windstill, k\u00fchlt diese Tallage besonders stark ab. Die K\u00e4lte flie\u00dft \u00fcber die H\u00e4nge ins Tal und sammelt sich in den sogenannten Strahlungsn\u00e4chten zu einem Kaltluftsee.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #808080;\">WEBcode 21310<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tradition &#038; Handwerk: Der Wettermann \u2013 K\u00e4ltepol im Rinnental liefert zuverl\u00e4ssig Temperaturrekorde<\/p>\n<p>13. Januar 1987 \u2013 der Live-Ticker im Wetterbericht des ARD-Fernsehens hievt die Alb\u00adge\u00admeinde Engstingen urpl\u00f6tzlich ins Rampenlicht: minus 32 Grad, K\u00e4lterekord.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15344,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-17240","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-tradition-handwerk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17240"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17240\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20078,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17240\/revisions\/20078"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}