{"id":17808,"date":"2022-01-05T19:34:10","date_gmt":"2022-01-05T18:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17808"},"modified":"2022-03-05T19:37:49","modified_gmt":"2022-03-05T18:37:49","slug":"nitrat-im-grundwasser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=17808","title":{"rendered":"Nitrat im Grundwasser"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Viertel der Messstellen \u00fcberschreiten in 2020 den EU-Grenzwert<\/em><\/p>\n<p>Ein Viertel der 665 Nitrat-Messstellen in Deutschland \u00fcberschritten in 2020 den in der EU-Grundwasserrichtlinie 2006\/118\/EG (GWRL) f\u00fcr Grundwasser europaweit einheitlich festgelegten Schwellenwert von 50 mg Nitrat je Liter. <!--more-->Damit hat sich die Anzahl der \u00dcberschreitungen an den Messpunkten gegen\u00fcber dem Vorjahr zwar weiter verbessert ( -7 Prozent), aber es gibt auch neue H\u00f6chstwerte zu beklagen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10412\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/moessingen_3_fuerstensteig_wasser_brunnen_trinken_3BFW4556.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/moessingen_3_fuerstensteig_wasser_brunnen_trinken_3BFW4556.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/moessingen_3_fuerstensteig_wasser_brunnen_trinken_3BFW4556-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/moessingen_3_fuerstensteig_wasser_brunnen_trinken_3BFW4556-150x99.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Proplanta &#8211; Das Informationszentrum f\u00fcr die Landwirtschaft hat die aktuellsten Daten von 2020 jetzt ausgewertet und die Entwicklung der Nitratbelastung im Grundwasser auf einer interaktiven Karte visualisiert. S\u00e4mtliche Messwerte stehen nun f\u00fcr den Zeitraum 2016-2020 zum Abruf bereit und zeigen zudem die regionalen Entwicklungen auf.<\/p>\n<p>Absoluter Spitzenreiter in 2020 ist mit einem Nitratwert von 247,91 mg\/l der Kreis Viersen (Nordrhein-Westfalen), gefolgt vom Landkreis Bad D\u00fcrkheim (Rheinland-Pfalz) mit 204 mg\/l, die kreisfreie Stadt Wolfsburg (Niedersachsen) mit 181,50 mg\/l und der Landkreis L\u00fcchow-Dannenberg (Niedersachsen) mit 133,77 mg\/l. Mit einem Nitrat-Messwert von 127,68 mg\/l weist der Landkreis Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) im 5-Jahresvergleich einen Rekordwert auf. Verglichen mit 2017 (41,66 mg\/l) hat sich der Nitratgehalt im Grundwasser mehr als verdreifacht. Insgesamt wurden an 166 Messstellen \u00dcberschreitungen festgestellt. Einen stark r\u00fcckl\u00e4ufigen Wert verzeichnete hingegen der Landkreis Bergstra\u00dfe (-45 Prozent) in Hessen sowie Borken (-30 Prozent) in Nordrhein-Westfalen.<\/p>\n<p>Die Ursache f\u00fcr den positiven Trend seit dem letzten Nitratbericht in 2020 ist insbesondere auf die Weiterentwicklung des Grundwassermessnetzes zur\u00fcckzuf\u00fchren. W\u00e4hrend das alte Nitrat-Messnetz sich noch auf Messstellen bezog, die bereits stark mit Nitrat belastet waren und zudem bis 2012 lediglich 162 Probestellen umfasste, besteht das aktuelle Messnetz f\u00fcr das Grundwassermonitoring des Umweltbundesamts (UBA) aus nunmehr 696 G\u00fctemessstellen.<\/p>\n<p>Die Berichterstattung zur EU-Nitratrichtlinie erfolgt alle vier Jahre &#8211; letztmals im Jahr 2020 &#8211; und gibt Auskunft, in welchem Umfang Deutschland diese Richtlinie umgesetzt hat und wie stark die im Zusammenhang mit der Nitratrichtlinie ergriffenen Ma\u00dfnahmen zu einer Reduzierung der Nitratbelastung des Grundwassers aus der Landwirtschaft gef\u00fchrt haben. Sofern Werte im Grundwasser \u00fcberschritten werden, sind fristgerechte Gegenma\u00dfnahmen zur Reduzierung der Eintr\u00e4ge einzuleiten. Ansonsten drohen Deutschland horrende Strafzahlungen in H\u00f6he von 857.000 Euro t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Mit dem Urteil vom 21. Juni 2018 stellte der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) fest, dass Deutschland die Nitrat-Richtlinie verletzt hatte. Der Versto\u00df lag darin, dass die Bundesrepublik im September 2014 keine weiteren zus\u00e4tzlichen Ma\u00dfnahmen oder verst\u00e4rkte Aktionen zum Schutz der Gew\u00e4sser vor Verunreinigung durch Nitrat aus der Landwirtschaft ergriffen habe, obwohl deutlich gewesen sei, dass die bis dahin ergriffenen Ma\u00dfnahmen nicht ausreichend waren.<\/p>\n<p>Wegen des andauernden Versto\u00dfes erhielt Deutschland gem\u00e4\u00df Artikel 260 des Vertrags von Lissabon seitens der EU-Kommission am 25. Juli 2019 ein Mahnschreiben zur Umsetzung des EuGH-Urteils. Bereits 2013 leitete die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik ein und verurteilte diese schlie\u00dflich, da die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie zum Schutz des Grundwassers vor Nitrateintr\u00e4gen nicht ausreichend umgesetzt wurden. Nach erneuter Strafandrohung durch die EU-Kommission musste die 2017 verabschiedete D\u00fcngeverordnung nachgebessert werden.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2020 konnten jedoch die Strafzahlungen aufgrund einer umfassenden D\u00fcngenovellierung nochmals in letzter Minute abgewendet werden. Mit der am 1. Mai 2020 in Kraft getretenen D\u00fcngeverordnung (D\u00fcV), dem ge\u00e4nderten Paragraph 38a WHG zur Begr\u00fcnung von Randstreifen an Gew\u00e4ssern (\u00c4nderung am 30. Juni 2020 in Kraft getreten) und der allgemeinen Verwaltungsvorschrift (AVV) des Bundes zur D\u00fcV (3. November 2020) ist Deutschland nun einen gro\u00dfen Schritt vorangekommen, die Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie endlich einzuhalten.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Corona-Pandemie wurde mit der EU-Kommission vereinbart, dass die vorgesehene Neuausweisung der sogenannten roten Gebiete (besonders mit Nitrat belastet) nach bundeseinheitlichen Kriterien bis Ende des Jahres zu erfolgen haben und die neuen, strengeren Regeln in den roten Gebieten erst ab dem 1. Januar 2021 greifen sollen.<\/p>\n<p>Anfang 2021 \u00e4u\u00dferten nieders\u00e4chsische Landwirte ihren Unmut \u00fcber die einschneidende, neue D\u00fcngeverordnung, da sie Zweifel an korrekt funktionierenden Grundwasser-Messstellen in ihrer Region h\u00e4tten. Der Nieders\u00e4chsische Landesbetrieb f\u00fcr Wasserwirtschaft und Naturschutz (NLWKN) dementierte jedoch diesen Vorwurf. Die aus Sicht der Landwirte fachlich schlecht begr\u00fcndete Ausweisung der roten Gebiete, die erhebliche Beschr\u00e4nkungen beim D\u00fcngen zur Folge haben, n\u00e4mlich 20 % unter Bedarf (d.h. 170 kg\/ ha N organischer D\u00fcnger gilt pro Schlag als Obergrenze), ist Ursache der bis heute anhaltenden Klagewelle und Proteste.<\/p>\n<p>Umweltverb\u00e4nde \u00fcbten 2021 anl\u00e4sslich der geplanten Landesd\u00fcngeverordnung in Niedersachsen scharfe Kritik. Die in der Verordnung vorgesehene Gebietsausweisung sei in dieser Form nicht mit den Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie vereinbar. Sie bem\u00e4ngelten vor allem die Verkleinerung der roten Gebiete von urspr\u00fcnglich 60 Prozent der Landesfl\u00e4che auf 39 Prozent in 2020 und 30 Prozent im Januar 2021. Aufgrund heftiger Bauernproteste sei es sogar zu einer weiteren Reduzierung auf 24,5 Prozent gekommen. Auch in vielen anderen Bundesl\u00e4ndern verh\u00e4lt es sich analog.<\/p>\n<p>Indes ist in einem Musterverfahren das Oberverwaltungsgericht (OVG) Greifswald die D\u00fcngeverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern am 05.11.2021 gekippt worden. Wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns hatte das OVG die Verhandlung zun\u00e4chst verschoben. Klagende Landwirte bem\u00e4ngelten diesmal u.a. eine Messstelle in unmittelbarer N\u00e4he eines Kl\u00e4rwerks, statt auf dem Feld. Da das Gerichtsurteil laut dem Landwirtschaftsministerium aber noch aussteht, ist eine Revision auch noch nicht zugelassen. Insofern kann das Land sobald das Urteil rechtskr\u00e4ftig ist mittels Nichtzulassungsbeschwerde dagegen vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen.<\/p>\n<p>Eine steigende Nitratbelastung im Grundwasser schl\u00e4gt sich besonders in der Trinkwasserqualit\u00e4t und den Trinkwasserpreisen nieder, da die Aufbereitung von verschmutztem Grundwasser durch G\u00fclle &amp; Co. deutlich aufwendiger und damit teurer wird. Bis zu 60 Prozent k\u00f6nnten die Preise nach Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nach oben schnellen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/www.proplanta.de\/karten\/nitratbelastung_grundwasser-uebersichtskarte17032021.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nitratbelastung im Grundwasser 2016-2020 &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">WEBcode 221054<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Viertel der Messstellen \u00fcberschreiten in 2020 den EU-Grenzwert Ein Viertel der 665 Nitrat-Messstellen in Deutschland \u00fcberschritten in 2020 den in der EU-Grundwasserrichtlinie 2006\/118\/EG (GWRL) f\u00fcr Grundwasser europaweit einheitlich festgelegten Schwellenwert von 50 mg Nitrat je Liter.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10412,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-17808","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17808"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17812,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17808\/revisions\/17812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}