{"id":18013,"date":"2025-11-28T12:03:16","date_gmt":"2025-11-28T11:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18013"},"modified":"2025-12-05T10:27:20","modified_gmt":"2025-12-05T09:27:20","slug":"hochzeit-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18013","title":{"rendered":"Hochzeit feiern"},"content":{"rendered":"<p><em>Tradition &amp; Handwerk: Wenn Fensterbauer 300-mal t\u00e4glich Hochzeit feiern<\/em><\/p>\n<p><strong>Fenster holen das Drau\u00dfen rein \u2013 die Sonne, das Panorama, die Farben der Jahreszeit. Fr\u00fcher erhellten nur kleine Mauer\u00f6ffnungen den Raum, daf\u00fcr war man mehr drau\u00dfen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18022\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0884.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0884.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0884-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0884-481x320.jpg 481w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0884-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Wer heiratet, besiegelt den einmaligen Bund f\u00fcrs Leben. Ein Fensterbauer allerdings feiert pausenlos Hochzeit \u2013 bis zu 300-mal t\u00e4glich. Schreinermeister Helmut Kehm l\u00f6st das Paradoxon auf: Wenn Fensterrahmen und -Fl\u00fcgel wie im Foto unten vereint werden, spricht seine Gilde von Hochzeit. Fortan sind die Fr\u00fcchte einer alten Handwerks\u00adtradition auf ewig vereint.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18023\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0910.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0910.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0910-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_3BFW0910-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Hochzeit feiern: hei\u00dft das Zusammenf\u00fcgen von Fensterfl\u00fcgel und Rahmen.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Damit dieser Bund f\u00fcrs H\u00e4usleleben nicht durch Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel fr\u00fchzeitig die Scheidung sucht, setzt Kehms Arbeitgeber \u201eKneer S\u00fcdfenster\u201c mit Sitz in Wes\u00adterheim auf maximale Rohstoff- und Verarbeitungsqualit\u00e4t. Diese Firma schreibt Fenstergeschichte. Hat sie doch die technische Entwicklung vom einfach verglasten Bauernfenster hin zu mit Argongas gef\u00fcllten, zum Teil \u00fcber 100 Kilogramm schweren Dreifachglas-Panoramascheiben nicht nur begleitet, sondern gepr\u00e4gt. Der damals 24-j\u00e4hrige Alois Kneer gr\u00fcndete 1932 eine Bau- und M\u00f6belschreinerei in seinem 18 Quadratmeter kleinen Zimmer im Elternhaus. Eine Zimmert\u00fcr inklusive Einbau kostete seinerzeit 17 Mark, ein Doppelfenster 15 Mark. Um der K\u00e4lte der harten Albwinter zu trotzen, h\u00e4ngten die Bauern ab Herbst f\u00fcr die n\u00e4chsten sechs Monate vor\u00fcbergehend zus\u00e4tzlich Vorfenster in die Mauer\u00f6ffnungen. Das zwischen den beiden Fenstern gro\u00dfz\u00fcgige Luftpolster d\u00e4mmte schon recht ordentlich.<\/p>\n<p>Kneers Betrieb florierte. 1936 zog die Firma in eine richtige Werkstatt um. Nach dem Krieg kurbelte die freie Marktwirtschaft den H\u00e4uslebau m\u00e4chtig an. Ab 1958 konzentrierte sich Kneer ausschlie\u00dflich auf den Fensterbau. Heute besch\u00e4ftigt die Firmengruppe Kneer-S\u00fcdfens\u00adter rund 700 Mitarbeiter in drei Werken. T\u00e4glich verlassen etwa 1600 Fenster und 50 Haust\u00fcren die Produktionsst\u00e4tten. Und trotzdem: Es gibt immer noch Werkstattbereiche, da wird von Hand gehobelt und geschliffen \u2013 wie fr\u00fcher (historisches Foto ganz unten).<\/p>\n<p>So unterschiedlich wie Hochzeitspaare \u00fcberhaupt sein k\u00f6nnen, fordern heute die Gestaltungs- und Kundenw\u00fcnsche die Flexibilit\u00e4t des Fensterbauers maximal. Rund, klein, gro\u00df, mehrteilig oder am St\u00fcck. Klassisch mit Holzrahmen, preiswert in Kunststoffausf\u00fchrung oder hochwertig in Holz-Aluminium f\u00fcr die k\u00fchle \u00c4sthetik von Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4uden mit thermisch getrenntem Aluminium, das ebenfalls h\u00f6chste W\u00e4rmed\u00e4mmung verspricht. Bald jedes Fenster verl\u00e4sst als Einzelanfertigung das Werk in Westerheim. Auf Lager wird nichts produziert. \u201eKommt eine besonders aufwendige Bestellung mit optischen und technischen Extradetails, sitzt der Kunde meist in Russland\u201d, erz\u00e4hlt Kehm, w\u00e4hrend er auf ein teures Rundbogenfenster zeigt. \u201eSchon alleine f\u00fcr die Herstellung der Radien ben\u00f6tigen wir fast so lange wie f\u00fcr ein ganzes Standardfenster.\u201d Jedes Land, jede Kultur pflegt seine Vorlieben. Der Globus kennt keine Grenzen, folgerichtig muss, wer auf dem Weltmarkt mitspielen will, grenzenlos vielf\u00e4ltige Fenster und T\u00fcren bieten.<\/p>\n<p>Freilich dominieren CNC-gesteuerte Anlagen das Tagesgesch\u00e4ft. Doch immer noch liegen in Westerheim auf den Werkb\u00e4nken der Kollegen Hammer, S\u00e4ge, Schraubendreher und Zollstock griffbereit. Moderne Fenster holen gro\u00dfz\u00fcgig das Drau\u00dfen rein, w\u00e4hrend sie K\u00e4lte oder Hitze effektiv aussperren. Wer fr\u00fcher tags\u00fcber viel an der frischen Luft arbeitete, kuschelte sich des abends ein in seiner kleinen wohligen Stube \u2013 genug geschaut, Vorhang zu, das Fenster spielte auf dem Land eine untergeordnete Rolle. Heute dagegen verschanzt sich die Arbeitswelt hinter Industriemauern oder in vollklimatisierten Gro\u00dfraumb\u00fcros mit Aussicht auf Stellw\u00e4nde. Die Sehnsucht nach authentischen Naturbildern, Ger\u00fcchen, Wolkenspielen m\u00fcssen dann st\u00fcndliche Wetterberichte imitieren oder Panoramafenster hinter vollverglasten Winterg\u00e4rten holen das Drau\u00dfen ins Haus. Wer sich dies nicht leisten kann, muss sich mit der Welt des Flachbildschirms begn\u00fcgen \u2013 dem k\u00fcnstlichen Fenster zur Welt.<\/p>\n<p>Da sich das Leben im sp\u00e4ten Mittelalter vor der T\u00fcr mit dem Lauf der Sonne synchronisierte, dienten Mauer\u00f6ffnungen vorrangig der Bel\u00fcftung, sie spendeten etwas fahles Licht. Waren sie doch mit gegerbter und ge\u00f6lter Tierhaut oder Leinen gegen Zugluft verschlossen. Erst 1904 konnten Scheiben nahezu in beliebige Dimensionen gezogen werden. Flachscheiben der Antike waren auf einer Seite stets rau und tr\u00fcb, da fl\u00fcssiges Glas in Sandformen gegossen wurde. Im Mittelalter schleuderte man fl\u00fcssige Glaskugeln. Bis zu 1,2 Meter durchmessende, kreisrunde Scheiben entstanden.<\/p>\n<p>Die im Althochdeutschen Augentor genannten Mauer\u00f6ffnungen entwickelten sich erst sp\u00e4t zu einem eigenst\u00e4ndigen Gesch\u00e4ft. In den 1950er-Jahren entstand der Fens\u00adterbau aus dem Tischler- und Glaserhandwerk. Kurios: Bis 1926 erhob Frankreich eine T\u00fcr- und Fenstersteuer und lie\u00df so seine B\u00fcrger im Dunkeln hocken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18020\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_historische_Werkstatt.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_historische_Werkstatt.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_historische_Werkstatt-160x110.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Kneer_Fenster_historische_Werkstatt-150x103.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Wie vor 100 Jahren: Im Fensterbauhandwerk hat sich wenig ge\u00e4ndert. Die Scheiben wurden dicker, die Rahmenprofile m\u00e4chtiger. T\u00e4glich verlassen etwa 1600 Fenster und 50 Haust\u00fcren die Produktionsst\u00e4tten von Kneer S\u00fcdfenster. Und trotzdem: Es gibt immer noch Werkstattbereiche, da wird von Hand gehobelt, gedrechselt, geschliffen \u2013 wie fr\u00fcher.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"pdf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" width=\"39\" height=\"18\" \/>PDF-Download: <\/em><em><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Fensterbau_Kneer_Sphaere-Verlag.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Print-Artikel runterladen<\/a><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 3\/2018, Seite 06-07<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">WEBcode #22317<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tradition &#038; Handwerk: Wenn Fensterbauer 300-mal t\u00e4glich Hochzeit feiern<\/p>\n<p>Fenster holen das Drau\u00dfen rein \u2013 die Sonne, das Panorama, die Farben der Jahreszeit. 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