{"id":18101,"date":"2022-09-10T20:14:30","date_gmt":"2022-09-10T18:14:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18101"},"modified":"2022-10-17T20:24:52","modified_gmt":"2022-10-17T18:24:52","slug":"200-mio-jahre-alter-alb-dino-identifiziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18101","title":{"rendered":"Neuer 200 Mio Jahre alter Alb-Dino"},"content":{"rendered":"<p><em>Bislang unbekannte Dinosaurier-Art von der Schw\u00e4bischen Alb identifiziert<\/em><br \/>\n<em>\u00a0<\/em><br \/>\nPal\u00e4ontologen klassifizieren einen seit 100 Jahren bekannten Saurier-Fund von der Schw\u00e4bischen Alb neu. Die Versteinerungen aus der Sammlung der Universit\u00e4t T\u00fcbingen <!--more-->waren bislang als Plateosaurier interpretiert worden. Bei der erneuten Analyse eines 1922 in Trossingen gefundenen Skeletts entdeckten die Wissenschaftler, dass es sich um eine unbekannte Art handelt: nun \u201eTuebingosaurus maierfritzorum\u201c benannt zu Ehren zweier deutschen Zoologen und der Universit\u00e4tsstadt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18100\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Dinosaurier_Rekonstruktion_Marcus-Burkhardt.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Dinosaurier_Rekonstruktion_Marcus-Burkhardt.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Dinosaurier_Rekonstruktion_Marcus-Burkhardt-160x118.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Dinosaurier_Rekonstruktion_Marcus-Burkhardt-150x111.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Abbildung: Rekonstruktion des Tuebingosaurus maierfritzorum in sumpfigem Gebiet \u2013 so k\u00f6nnte sich die Todessituation abgespielt haben. Knochen des hier angreifenden Raubsauriers Teratosaurus wurde ebenfalls in Trossingen gefunden. Belegt ist jedoch nur, dass Tuebingosaurus auf die rechte Seite fiel. Witterungsspuren zeigen, dass die Knochen der linken K\u00f6rperseite vermutlich mehrere Jahre an der Oberfl\u00e4che lagen. Zeichnung: Marcus Burkhardt.<\/em><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pal\u00e4ontologen<\/strong> des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen haben eine bislang unbekannte Dinosaurier-Gattung und -Art entdeckt. Tuebingosaurus maierfritzorum lebte vor etwa 203 bis 211 Millionen Jahren im Bereich der heutigen Schw\u00e4bischen Alb und war ein Pflanzenfresser. Die neue Art zeigt \u00c4hnlichkeit mit den gro\u00dfen Langhalssauriern (Sauropoden) und wurde bei der erneuten Untersuchung von bereits bekannten Dinosaurierknochen identifiziert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Vertebrate Zoology ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Die Versteinerungen, die Teil der T\u00fcbinger Pal\u00e4ontologischen Sammlung sind, waren in der Vergangenheit als \u00dcberreste von Plateosauriern interpretiert worden. In einem gro\u00df angelegten Projekt hatten die Wissenschaftler Dr. Omar Rafael Regalado Fernandez und PD Dr. Ingmar Werneburg s\u00e4mtliche in T\u00fcbingen gelagerte Dinosaurierknochen neu untersucht. Sie stammen zu einem Gro\u00dfteil aus einem Steinbruch bei Trossingen am Rande der Schw\u00e4bischen Alb, wo seit dem 19. Jahrhundert zahlreiche Knochen von Dinosauriern gefunden und oft als Plateosaurier klassifiziert wurden.<\/p>\n<p>Nach wie vor unstrittig ist, dass diese Dinosauriergruppe vor etwa 200 Millionen Jahren in Teilen Europas sehr h\u00e4ufig vorkam. Heutigen Pal\u00e4ontologen ist allerdings auch bewusst, dass es bei der taxonomischen Einordnung in der Vergangenheit oft zu Ungenauigkeiten kam, weshalb manche Funde vorschnell in die Gattung der Plateosaurier aufgenommen wurden.<\/p>\n<p>Bei der erneuten Analyse eines 1922 in Trossingen gefundenen Skeletts, von dem vor allem der hintere Teil des K\u00f6rpers erhalten ist, stellten Regalado Fernandez und Werneburg fest, dass viele Knochen nicht denen eines typischen Plateosauriers entsprachen. So wies das Teilskelett unter anderem eine breitere und kr\u00e4ftiger gebaute H\u00fcfte mit verschmolzenen Kreuzbeinwirbeln sowie ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe und robuste Langknochen auf \u2013 beides spricht f\u00fcr eine Fortbewegung auf vier Beinen. Dies steht im Gegensatz zu den Plateosauriern, die den langhalsigen Sauropoden aus dem Jura zwar auch \u00e4hnelten, sich aber vermutlich noch auf zwei Beinen fortbewegten.<\/p>\n<p>Nach einem eingehenden Vergleich aller anatomischen Merkmale ordneten die Wissenschaftler das aus Trossingen stammende Teilskelett neu im Dinosaurier-Stammbaum ein und stellten fest, dass sie eine bislang unbekannte Art und Gattung entdeckt hatten. Tuebingosaurus maierfritzorum war mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit schon ein Vierbeiner und demnach viel enger mit den sp\u00e4ter erscheinenden, gro\u00dfen Sauropoden wie beispielsweise Brachiosaurus oder Diplodocus verwandt als mit den Plateosauriern. Das umgebende Sedimentgestein und die Erhaltung der Knochen sprechen daf\u00fcr, dass der gefundene Tuebingosaurus in einem sumpfigen Gebiet versank und zu Tode kam. Die Knochen der linken K\u00f6rperseite waren vermutlich einige Jahre lang an der Oberfl\u00e4che der Witterung ausgesetzt.<\/p>\n<p>\u201eSein Gattungsname, Tuebingosaurus, ist eine Hommage an unsere sch\u00f6ne Universit\u00e4tsstadt und ihre Bewohner\u201c, sagt Werneburg. Mit dem dazugeh\u00f6rigen Artnamen maierfritzorum ehre man wiederum die beiden deutschen Zoologen Professor Wolfgang Maier aus T\u00fcbingen sowie Professor Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Die neue Art wurde nun in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Vertebrate Zoology der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung beschrieben, die gleichzeitig als Festschrift Wolfgang Maier zum 80. Geburtstag gewidmet ist.<\/p>\n<p>Insgesamt konnten die Wissenschaftler in ihrem Projekt zeigen, dass die fr\u00fchen europ\u00e4ischen Dinosaurier sehr viel diverser waren als bisher angenommen. Die Einzelteile des Skeletts von Tuebingosaurus maierfritzorum, die bislang getrennt gelagert wurden, sind nun wieder zusammengef\u00fchrt und k\u00f6nnen derzeit in zwei gro\u00dfen Vitrinen besichtigt werden. In der Pal\u00e4ontologischen Sammlung in T\u00fcbingen sind, neben Tausenden anderer Sch\u00e4tze, auch zwei vollst\u00e4ndige Plateosaurier aus Trossingen, Teilskelette von zwei Sauropoden und ein Stegosaurier aus Tansania zu bestaunen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\">WEBcode 223064<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bislang unbekannte Dinosaurier-Art von der Schw\u00e4bischen Alb identifiziert \u00a0 Pal\u00e4ontologen klassifizieren einen seit 100 Jahren bekannten Saurier-Fund von der Schw\u00e4bischen Alb neu. 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