{"id":18386,"date":"2023-01-01T18:53:24","date_gmt":"2023-01-01T17:53:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18386"},"modified":"2023-02-13T19:01:05","modified_gmt":"2023-02-13T18:01:05","slug":"underdog-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18386","title":{"rendered":"Underdog 2023"},"content":{"rendered":"<p><em>Eisvogel zum Heimlichtuer des Jahres 2023 gek\u00fcrt<\/em><\/p>\n<p>Wie ein blauer Blitz schie\u00dft er \u00fcbers Wasser, der Eisvogel (Alcedo atthis). F\u00fcr viele ist der farbenpr\u00e4chtige Vogel keine unbekannte Art. Dennoch ist er ein Heimlichtuer par excellence, <!--more-->denn man bekommt den blau-gl\u00e4nzenden Vogel nur selten zu Gesicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18388\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eisvogel-Weibchen-mit-Krebs_Foto_Herwig-Winter.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eisvogel-Weibchen-mit-Krebs_Foto_Herwig-Winter.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eisvogel-Weibchen-mit-Krebs_Foto_Herwig-Winter-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eisvogel-Weibchen-mit-Krebs_Foto_Herwig-Winter-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/Eisvogel-Weibchen-mit-Krebs_Foto_Herwig-Winter-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Foto: Herwig Winter; Eisvogel-Weibchen mit Krebs<\/em><\/span><\/p>\n<p>BUND Baden-W\u00fcrttemberg und BUND Hessen k\u00fcren zum dritten Mal gemeinsam eine besondere Tierart, die oft falsch eingesch\u00e4tzt wird. F\u00fcr 2023 fiel die Wahl auf den Eisvogel, der zwar optisch auff\u00e4llig, aber schwer zu finden ist.<\/p>\n<p>Mit bis zu 40 Kilometer pro Stunde fliegen Eisv\u00f6gel dicht \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che und verraten sich nur durch ihre markanten \u201eziii\u201c-Rufe. Dass man die heimische Vogelart so selten sieht, h\u00e4ngt auch mit dem Verschwinden seines nat\u00fcrlichen Lebensraums zusammen. Bach- und Flussbegradigungen haben dem Eisvogel die Brutm\u00f6glichkeiten genommen. Die Gew\u00e4sserverschmutzung tr\u00e4gt dar\u00fcber hinaus zu seiner Gef\u00e4hrdung bei. In Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg steht der schillernde Vogel bereits auf der Vorwarnliste, weil in den vergangenen 50 bis 150 Jahren ein deutlicher R\u00fcckgang zu verzeichnen war.<\/p>\n<blockquote><p>Bedrohte Sch\u00f6nheit \u2013 BUND in Baden-W\u00fcrttemberg und in Hessen k\u00fcren zum dritten Mal einen untersch\u00e4tzten Underdog der Natur \u2013 den Eisvogel. Sein unverwechselbar elegantes und zerbrechliches \u00c4u\u00dferes t\u00e4uscht in einigen Punkten \u2013 denn der Eisvogel h\u00e4lt einige \u00dcberraschungen bereit.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Fliegender Edelstein<\/strong><\/p>\n<p>Unverkennbar ist das Federkleid des rund 18 cm gro\u00dfen Vogels. In der Sonne funkelt es hellblau, weshalb der Eisvogel auch als \u201eFliegender Edelstein\u201c bezeichnet wird. Das Gefieder an Bauch, um die Augen und auf den Wangen ist in einem rostigen Orange gef\u00e4rbt, w\u00e4hrend die R\u00fcckenfedern und Fl\u00fcgel in Blaut\u00f6nen schimmern. An der Kehle und am Hals sind die Federn wie durch einen Pinselstrich wei\u00df gef\u00e4rbt. Anders als bei vielen Vogelarten unterscheiden sich m\u00e4nnliche und weibliche Tiere nicht signifikant in ihrer Optik. Der einzige Unterschied ist die Farbe des unteren Schnabels, der bei den Weibchen r\u00f6tlich gef\u00e4rbt ist.<\/p>\n<p><strong>Beutefang im Sturzflug<\/strong><\/p>\n<p>Eisv\u00f6gel f\u00fchlen sich an klaren und lebendigen Gew\u00e4ssern wohl. Denn ihr Speiseplan besteht aus Fischen, Kaulquappen und sogar wehrhaften Krebsen. Sie sind bekannt f\u00fcr ihren pr\u00e4zisen Beutefang. Das spiegelt sich in ihrem englischen Namen \u00bbkingfisher\u00ab (K\u00f6nigsfischer) wider. Von einem Ast aus beobachten die Tiere ihre Beute aufmerksam. Haben sie ein \u201eOpfer\u201c ins Visier gefasst, schwebt der Eisvogel mit kontrollierten Fl\u00fcgelschl\u00e4gen wie ein Helikopter \u00fcber der Wasseroberfl\u00e4che und schnappt nach einem rasanten Sturzflug zu: Blitzschnell taucht der zielsichere J\u00e4ger kopf\u00fcber unter Wasser \u2013 bis zu 60 cm tief. Wenige Sekunden sp\u00e4ter schnellt er mit der Beute in seinem langen Schnabel wieder aus dem Wasser und landet auf dem n\u00e4chsten Ast. Seinen Fang schl\u00e4gt er dort zun\u00e4chst bewusstlos, bevor er ihn am St\u00fcck mit dem Kopf voran herunterschluckt.<\/p>\n<p><strong>Wasser ist sein Element, aber nur in fl\u00fcssiger Form<\/strong><\/p>\n<p>Der Name des Eisvogels ist irref\u00fchrend, denn anhaltender Frost kann ihm zum Verh\u00e4ngnis werden. Geschlossene Eisdecken in den Lebensr\u00e4umen f\u00fchren nicht selten zum Hungertod. Dem K\u00e4ltewinter 1962\/1963 d\u00fcrften rund 90 Prozent der Population in Hessen zum Opfer gefallen sein. Auch in Baden-W\u00fcrttemberg kommt es im Winter immer wieder zu Verlusten bei den Eisv\u00f6geln, obwohl sie hier meist am Oberrhein leben, wo das Klima milder ist. F\u00fcr die Jagd ben\u00f6tigt der Eisvogel generell ruhige Gew\u00e4sser mit klarer Sicht. Die schnell flie\u00dfenden, begradigten Gew\u00e4sser sind sehr ung\u00fcnstig f\u00fcr sein \u00dcberleben. Unwetter, die zu Wellengang und Wassertr\u00fcbung f\u00fchren, oder Pollen auf der Wasseroberfl\u00e4che erschweren ihm die Jagd.<\/p>\n<p><strong>Liebe geht durch den Magen<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere V\u00f6gel die Paarungszeit mit imposanten Balzt\u00e4nzen zelebrieren, geht es bei den Eisv\u00f6geln kulinarisch zu. Das M\u00e4nnchen umwirbt seine Herzensdame mit frischem Fisch, den er ihr mit einer kleinen Verbeugung \u00fcbergibt. Sie verschlingt das Geschenk an einem St\u00fcck und der Ehebund ist beschlossen. W\u00e4hrend des Nestbaus f\u00fcttert er seine Auserw\u00e4hlte fortw\u00e4hrend, wodurch ihre Paarungsbereitschaft zunimmt und die Beziehung gefestigt wird. Nach dem Liebesakt dauert es nur einen Tag, bis sie das erste Ei legt. Sechs bis acht Eier legen Eisvogel-Weibchen im Schnitt pro Brut. Zwischen M\u00e4rz und September kommt es \u00fcblicherweise zwei bis drei Mal zur Brut. Die hohe Nachwuchsrate ist dringend erforderlich, denn etwa 70 Prozent der Altv\u00f6gel sterben w\u00e4hrend eines Jahres.<\/p>\n<p><strong>Kinderstube: Au\u00dfen hui, innen Pfui<\/strong><\/p>\n<p>Eisv\u00f6gel sind H\u00f6hlenbr\u00fcter und brauchen daf\u00fcr naturnahe Fl\u00fcsse, B\u00e4che, Baggerseen oder Teiche mit ausgepr\u00e4gten Ufern aus Steilw\u00e4nden. Die Elterntiere graben einen Brutkessel tief in die Steilw\u00e4nde. Die sogenannte Brutr\u00f6hre hat ein leichtes Gef\u00e4lle, denn die Jungv\u00f6gel spritzen ihren Kot einfach in Richtung Ausgang. Zum F\u00fcttern m\u00fcssen die Eltern sich zuerst durch die mit Exkrementen bespritzten Brutr\u00f6hren k\u00e4mpfen und nehmen danach als erstes ein reinigendes Bad. Bewohnte Bruth\u00f6hlen erkennt man am Kot, der nach drau\u00dfen l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Elternzeit gekl\u00e4rt<\/strong><\/p>\n<p>Das Eisvogelpaar baut die Bruth\u00f6hle gemeinsam, wechselt sich beim Br\u00fcten der Eier, F\u00fcttern und W\u00e4rmen des zun\u00e4chst nackten Nachwuchses ab. Sind die Jungv\u00f6gel fl\u00fcgge, bereitet das Eisvogel-Weibchen die Brutr\u00f6hre f\u00fcr die n\u00e4chste Brut vor. Das Eisvogel-M\u00e4nnchen k\u00fcmmert sich um die erste Brut, lockt sie vom Nest weg und lehrt sie das Jagen. Sobald die n\u00e4chste Brut da ist, verjagen die Eltern ihre eigenen Kinder aus dem Revier. Die jungen Eisv\u00f6gel m\u00fcssen sich dann auf die Suche nach einem eigenen Revier machen, die durch Flussbegradigungen, zu wenig geeigneten Brutw\u00e4nden und verschmutzte Gew\u00e4sser erschwert wird. Unsere \u201eFliegenden Edelsteine\u201c sind deshalb ein Indikator f\u00fcr naturnahe Fl\u00fcsse und B\u00e4che. Diese gilt es zu erhalten und zu vermehren, um das \u00dcberleben des Eisvogels und vieler weiterer Arten zu sichern.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><em>Hintergrund:<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Pottwale sehen Ger\u00e4usche, Jesus-Echsen laufen \u00fcber das Wasser und es gibt Spinnen, die ein Lasso um ihre Beute schwingen k\u00f6nnen \u2013 aber auch unsere heimische Natur steckt voller Arten mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen F\u00e4higkeiten. Oft sind es unauff\u00e4llige, unscheinbare Lebewesen, deren Besonderheiten man erst beim genauen Hinsehen wahrnimmt. Der BUND Hessen und BUND Baden-W\u00fcrttemberg k\u00fcren zum dritten Mal gemeinsam den Heimlichtuer des Jahres. 2021 fiel die Wahl auf das Gl\u00fchw\u00fcrmchen, 2022 auf den Ameisenl\u00f6wen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Weitere Heimlichtuer:<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Heimlichtuer des Jahres 2021 \u2013 <a href=\"https:\/\/presse-bw.bund.net\/go\/3\/56Q6O4WF-56OZVJ4M-4R15TU5F-1E7M3MF.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">das Gl\u00fchw\u00fcrmchen<\/a><\/em><br \/>\n<em>Heimlichtuer des Jahres 2022 &#8211; <a href=\"https:\/\/presse-bw.bund.net\/go\/3\/56Q6O4WF-56OZVJ4M-56OZVK4F-TR715SW.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">der Ameisenl\u00f6we<\/a><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\">WEBcode 231065<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eisvogel zum Heimlichtuer des Jahres 2023 gek\u00fcrt Wie ein blauer Blitz schie\u00dft er \u00fcbers Wasser, der Eisvogel (Alcedo atthis). 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