{"id":18680,"date":"2023-07-27T11:47:33","date_gmt":"2023-07-27T09:47:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18680"},"modified":"2023-10-13T12:03:58","modified_gmt":"2023-10-13T10:03:58","slug":"20-jahre-pferd-nun-ein-baer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=18680","title":{"rendered":"20 Jahre Pferd, nun ein B\u00e4r?"},"content":{"rendered":"<p><em>Fund des Jahres im urmu Blaubeuren zu sehen<\/em><\/p>\n<p>Der 1999 gefundene 35000 Jahre alte geschnitzte Elfenbein-Kopf aus der Welterbe-H\u00f6hle Hohle Fels wurde als Pferdefigur interpretiert. Doch der j\u00fcngst gefundene dazu passende K\u00f6rper l\u00e4sst nun einen B\u00e4ren oder L\u00f6wen erkennen.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-18681\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Hohle_Fels_Elfenbeinfigur_Baer_Loewe_kein_Pferd_Uni-Tuebingen_Ria_Litzenberg.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Hohle_Fels_Elfenbeinfigur_Baer_Loewe_kein_Pferd_Uni-Tuebingen_Ria_Litzenberg.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Hohle_Fels_Elfenbeinfigur_Baer_Loewe_kein_Pferd_Uni-Tuebingen_Ria_Litzenberg-160x97.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Hohle_Fels_Elfenbeinfigur_Baer_Loewe_kein_Pferd_Uni-Tuebingen_Ria_Litzenberg-150x91.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>J\u00fcngster H\u00f6hlenfund erfordert Neubewertung: Doch kein Pferd \u2013 vielleicht ein B\u00e4r oder L\u00f6we.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Bei Ausgrabungen in der Welterbe-H\u00f6hle Hohle Fels auf der Schw\u00e4bischen Alb nahe Schelklingen haben Arch\u00e4ologen j\u00fcngst ein Fragment einer sorgf\u00e4ltig geschnitzten Elfenbeinfigurine geborgen, das einem der bekanntesten Eiszeitkunstwerke ein neues \u00c4u\u00dferes verleiht: Das Figurenfragment hat sich als St\u00fcck eines K\u00f6rpers entpuppt, das perfekt an einen bereits vor mehr als 20 Jahren gefundenen Tierfigurenkopf passt. Der 1999 geborgene Kopf war als erste im Hohle Fels gefundene Elfenbeinfigurine ber\u00fchmt geworden und bislang als Teil einer Pferdefigur interpretiert worden.<\/p>\n<p>Diese Bewertung stellt das Team von Professor Nicholas Conard aus der Abteilung Urgeschichte und Quart\u00e4r\u00f6kologie der Universit\u00e4t T\u00fcbingen nun in Frage: \u201eWir k\u00f6nnen die dargestellte Tierart immer noch nicht sicher bestimmen, aber es k\u00f6nnte ein H\u00f6hlenl\u00f6we oder ein H\u00f6hlenb\u00e4r sein\u201c, sagte Professor Conard bei einer Pressekonferenz zum \u201eFund des Jahres\u201c am Donnerstag. Eine wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichung zu der Figur, deren Teile in Schichten der altsteinzeitlichen Kultur des Aurignacien geborgen wurden und die vor 35.000 Jahren geschnitzt worden war, erscheint in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Arch\u00e4ologische Ausgrabungen in Baden-W\u00fcrttemberg, herausgegeben vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p>Professor Conard selbst h\u00e4lt das Kunstwerk aus der j\u00fcngeren Altsteinzeit f\u00fcr eine B\u00e4renfigur: \u201eDie Figurine hat nun einen massigen K\u00f6rper, zeigt den typisch ausgepr\u00e4gten B\u00e4renbuckel in Schulterh\u00f6he und pr\u00e4sentiert sich in einer K\u00f6rperhaltung, die den trottenden Gang eines B\u00e4ren nachahmen k\u00f6nnte.\u201c Es gebe aber auch Kollegen, die der Figur anatomische und physiognomische Eigenschaften eines H\u00f6hlenl\u00f6wen zuschrieben, r\u00e4umt Professor Conard ein: \u201eEs ist keineswegs immer einfach, eiszeitliche Darstellungen verbindlich zu bestimmen, besonders wenn sie so bruchst\u00fcckhaft erhalten sind. Daher bleibt es sinnvoll, in den kommenden Jahren besonders aufmerksam nach den fehlenden Teilen dieses Tiers zu suchen.\u201c<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist die Tierfigur mittlerweile aus f\u00fcnf Fundfragmenten zusammengesetzt, die in unterschiedlichen Grabungsjahren geborgen wurden: Auf den 1999 gefundenen Kopf, der im Halsbereich abgebrochen war, konnte kurz darauf unter den Elfenbeinfunden ein kleines St\u00fcck der Backe identifiziert und angepasst werden. So wurde der Fund gut zwanzig Jahre lang im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>Das neue Fragment<\/strong><\/span><br \/>\nDer aktuelle Elfenbeinfund, der 3,99 Zentimeter lang, 2,49 Zentimeter hoch und 0,55 Zentimeter dick ist und auf einer Seite mit mehreren feinen, bewusst gravierten Linienmustern versehen ist, wurde kurz nach der Ausgrabung als rechte Schulter und Brustkorb des Tieres erkannt und angef\u00fcgt. Dies lie\u00df die Forscher unter den zahlreichen Elfenbeinfunden aus dem Hohle Fels nach weiteren Teilen der Figurine suchen. Mit Erfolg: Ein weiterer kleiner Teil der rechten K\u00f6rperseite konnte anhand seiner Gravuren ausfindig gemacht werden. Dieser kleine, an die Figur angesetzte Rumpfteil tr\u00e4gt wie die anderen St\u00fccke sehr feine Linien in der gleichen Ausf\u00fchrung, die eindeutig beweisen, dass die Zusammensetzungen stimmig sind. Sehr wahrscheinlich geh\u00f6rt \u00fcberdies noch ein weiteres Fragment zu der Figur: Es k\u00f6nnte ein Teil des linken Vorderbeines sein, welches aber nicht mit dem restlichen K\u00f6rper unmittelbar verbunden werden kann.<\/p>\n<p>Die erg\u00e4nzte Elfenbeinfigurine ist nun wieder ins urmu zur\u00fcckgekehrt, wo sie f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ausgestellt wird. \u201eDiese Figur zeigt uns und unseren Besuchern, wie keine andere, dass die arch\u00e4ologische Arbeit niemals abgeschlossen ist\u201c, sagt Dr. Stefanie K\u00f6lbl, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren (urmu), das zugleich Zweigmuseum des Arch\u00e4ologischen Landesmuseums und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen ist. So werden im Nachbargeb\u00e4ude des Museums die Funde aus dem Hohle Fels in kleinteiligster Arbeit ausgelesen. \u201eEs ist faszinierend, die Ausgr\u00e4ber dort mit Lupe und Pinzette bei ihrer Arbeit zu sehen\u201c, meint Dr. K\u00f6lbl, \u201eund noch faszinierender, dabei festzustellen, dass \u00fcber diese lange, lange Zeit irgendwie nichts verloren zu gehen scheint, und wir hoffen d\u00fcrfen, diese Figur irgendwann vervollst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeith\u00f6hlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe \u201eH\u00f6hlen und Eiszeitkunst der Schw\u00e4bischen Alb\u201c ernannt wurden. Das Museum f\u00fcr altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-W\u00fcrttemberg und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen erkl\u00e4rt das eiszeitliche Leben der J\u00e4ger und Sammler am Rand der Schw\u00e4bischen Alb vor 40.000 Jahren. Prominentestes Exponat ist das Original der \u201eVenus vom Hohle Fels\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #808080;\">WEBcode 223077<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fund des Jahres im urmu Blaubeuren zu sehen Der 1999 gefundene 35000 Jahre alte geschnitzte Elfenbein-Kopf aus der Welterbe-H\u00f6hle Hohle Fels wurde als Pferdefigur interpretiert. 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