{"id":19873,"date":"2025-08-01T12:13:06","date_gmt":"2025-08-01T10:13:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=19873"},"modified":"2025-10-22T13:02:52","modified_gmt":"2025-10-22T11:02:52","slug":"zeitalter-des-mammutelfenbeins-ausgerufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=19873","title":{"rendered":"Zeitalter des Mammutelfenbeins"},"content":{"rendered":"<p><em>Gr\u00f6\u00dftes altsteinzeitliches Werkzeug in Alb-H\u00f6hle gefunden<\/em><\/p>\n<p>24,7 Zentimeter lang, Umfang 10,4 Zentimetern, 168 Gramm schwer \u2013 dies sind die Ma\u00dfe des bislang gr\u00f6\u00dften formbearbeiteten Elfenbeinger\u00e4ts, geborgen aus der Albh\u00f6hle Hohle Fels, nahe Schelklingen. Forscher sprechen nun vom \u201eZeitalter des Mammutelfenbeins\u201c. <!--more-->Das Team um Professor Nicholas Conard von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen pr\u00e4sentierte diesen Mei\u00dfel als \u201eFund des Jahres\u201c im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Der Fund ist auf 39000 Jahren vor heute datiert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-19872\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Urmu-Mammutelfenbeinmeissel_A-Blanco-Lapaz_SHEP-Tuebingen.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Urmu-Mammutelfenbeinmeissel_A-Blanco-Lapaz_SHEP-Tuebingen.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Urmu-Mammutelfenbeinmeissel_A-Blanco-Lapaz_SHEP-Tuebingen-122x160.jpg 122w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Urmu-Mammutelfenbeinmeissel_A-Blanco-Lapaz_SHEP-Tuebingen-244x320.jpg 244w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Urmu-Mammutelfenbeinmeissel_A-Blanco-Lapaz_SHEP-Tuebingen-114x150.jpg 114w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Foto: Vier Ansichten des Elfenbein-Mei\u00dfels \/ A. Blanco-Lapaz, SHEP T\u00fcbingen<\/em><\/span><\/p>\n<p>Gro\u00dfe Epochen der Menschheitsgeschichte tragen ihre Namen aufgrund in dieser Zeit vorherrschender Materialien: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Jetzt sprechen T\u00fcbinger Arch\u00e4ologinnen und Arch\u00e4ologen vom \u201eZeitalter des Mammutelfenbeins\u201c und meinen damit jene Zeit, als vor 40.000 Jahren die ersten anatomisch modernen Menschen auf der Schw\u00e4bischen Alb ankamen. Anlass sind gro\u00dfe Ger\u00e4tschaften, die im UNESCO-Welterbegebiet \u201eH\u00f6hlen und Eiszeitkunst der Schw\u00e4bischen Alb\u201c geborgen wurden. Mit einer L\u00e4nge von 24,7 Zentimetern, einem Maximalumfang von 10,4 Zentimetern und einem Gewicht von 168 Gramm haben sie nun das bislang gr\u00f6\u00dfte rundum formbearbeitete Elfenbeinger\u00e4t aus dem Hohle Fels, nahe Schelklingen, geborgen. Das Team um Professor Nicholas Conard vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen deutet das Objekt als ein gro\u00dfes Werkzeug unbekannter Funktion, das in einen Mei\u00dfel umgearbeitet worden war. \u201eDer Fund ist datiert auf 39.000 Jahren vor heute und entspricht einem bedeutenden Beleg f\u00fcr die ungew\u00f6hnlich h\u00e4ufige und vielf\u00e4ltige Nutzung von Mammutelfenbein bei den ersten modernen Menschen im Oberen Donauraum\u201c, sagte Professor Conard bei der Pr\u00e4sentation des St\u00fccks als \u201eFund des Jahres\u201c am Donnerstag im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu).<\/p>\n<p>\u201eDie Frauenfigurine vom Hohle Fels, die Mammutelfenbeinfl\u00f6te aus dem Gei\u00dfenkl\u00f6sterle, die kleine Mammutfigur aus dem Vogelherd \u2013 sie sind ber\u00fchmt, weil sie zu den \u00e4ltesten Kunstwerken und Musikinstrumenten z\u00e4hlen. Am Anfang der J\u00fcngeren Altsteinzeit war Mammutelfenbein das bevorzugte Material f\u00fcr praktische Werkzeuge und Kunst\u201c, sagt Conard.<\/p>\n<p>Schon bei Grabungen im Jahr 2019 waren drei Elfenbeinmei\u00dfel mit einer L\u00e4nge zwischen 14 und 22 Zentimetern aus dem Hohle Fels geborgen worden. Der Frage, wie und wozu die Mei\u00dfel gefertigt und genutzt wurden, ist Dr. Sibylle Wolf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SHEP, gemeinsam mit einem Arch\u00e4ologieteam experimentell und analytisch nachgegangen: Vor dem Schnitzen von Kunst- oder Schmuckobjekten mussten die Menschen kleinere Elfenbeinst\u00fccke aus dem Sto\u00dfzahn eines Mammuts gewinnen und h\u00e4ufig auch spalten \u2013 das ist mit keilf\u00f6rmigen Elfenbeinwerkzeugen sehr gut m\u00f6glich. \u201eDieser Werkstoff ist hart und flexibel genug\u201c, erkl\u00e4rt Wolf. Solche Elfenbeinmei\u00dfel nutzten sich jedoch im handwerklichen Gebrauch rasch ab. Die Werkzeuge waren wahrscheinlich nicht \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume in Gebrauch, sie wurden aber aufwendig gefertigt oder nach Bedarf umgearbeitet, erl\u00e4utert Wolf weiter, \u201edas zeichnet die Menschen auf der Schw\u00e4bischen Alb zu dieser Zeit aus: Sie verf\u00fcgten hier \u00fcber eine immense Menge an Elfenbein, sie hatten eine klare Vorstellung davon, was sie daraus herstellen wollten, sie hatten die manuellen F\u00e4higkeiten dazu \u2212 und sie haben das geradezu exzessiv genutzt f\u00fcr Werkzeuge und Waffen, f\u00fcr figurative Kunst und Musikinstrumente sowie f\u00fcr pers\u00f6nliche Schmuckst\u00fccke.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Zu sehen ist das Elfenbeinobjekt von nun an als Fund des Jahres in einer Kabinettausstellung bis 9. November 2025 im Blaubeurer urmu.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eDer Fund f\u00fcgt sich perfekt in unsere Pr\u00e4sentation des Anbeginns menschlichen Kulturschaffens ein\u201c, meint Dr. Stefanie K\u00f6lbl, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin im urmu, \u201ewir staunen hier etwa dar\u00fcber, dass die Menschen damals gut hundert Stunden in die Fertigung einer Mammutelfenbeinfl\u00f6te investiert haben m\u00fcssen. Der diesj\u00e4hrige Fund des Jahres macht diese geistige und handwerkliche Leistung aber noch beeindruckender: Denn er f\u00fchrt uns vor Augen, dass vorab f\u00fcr die Herstellung oder Aufbereitung der daf\u00fcr notwendigen Werkzeuge sicher mindestens ebenfalls so viel Arbeit aufgewendet werden musste.\u201c<\/p>\n<h2><span style=\"color: #008000;\">Sph\u00e4re-Wissen<\/span><\/h2>\n<blockquote><p>Das urmu liegt inmitten der Steinzeith\u00f6hlen, die von der UNESCO 2017 zum Welterbe \u201eH\u00f6hlen und Eiszeitkunst der Schw\u00e4bischen Alb\u201c ernannt wurden. Das Museum f\u00fcr altsteinzeitliche Kunst und Musik in Baden-W\u00fcrttemberg und Forschungsmuseum der Universit\u00e4t T\u00fcbingen erkl\u00e4rt das eiszeitliche Leben der J\u00e4ger und Sammler am Rand der Schw\u00e4bischen Alb vor 40.000 Jahren. H\u00f6hepunkte sind die \u00e4lteste Kunst und die \u00e4ltesten Musikinstrumente der Menschheit mit<br \/>\nOriginalfunden aus der Region. Prominenteste Exponate sind die Originale der \u201eVenus vom Hohle Fels\u201c und des \u201eMammuts vom Vogelherd\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #808080;\">WEBcode 253078<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00f6\u00dftes altsteinzeitliches Werkzeug in Alb-H\u00f6hle gefunden 24,7 Zentimeter lang, Umfang 10,4 Zentimetern, 168 Gramm schwer \u2013 dies sind die Ma\u00dfe des bislang gr\u00f6\u00dften formbearbeiteten Elfenbeinger\u00e4ts, geborgen aus der Albh\u00f6hle Hohle Fels, nahe Schelklingen. Forscher sprechen nun vom \u201eZeitalter des Mammutelfenbeins\u201c.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":19872,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-19873","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19873","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=19873"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19873\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19877,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/19873\/revisions\/19877"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/19872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=19873"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=19873"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=19873"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}