{"id":20421,"date":"2026-04-07T19:00:37","date_gmt":"2026-04-07T17:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=20421"},"modified":"2026-06-24T09:18:36","modified_gmt":"2026-06-24T07:18:36","slug":"biber-spart-geld-nicht-die-buerokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=20421","title":{"rendered":"Biber spart Geld, nicht die B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p><em>Tag des Bibers: NABU BaW\u00fc w\u00e4hlt Biber zum Mitarbeiter des Jahrhunderts<\/em><\/p>\n<p>Der flei\u00dfige Nager revitalisiere kleine Flie\u00dfgew\u00e4ssern schneller, g\u00fcnstiger, unb\u00fcrokratischer als jede technische Ma\u00dfnahme \u2013 wenn man ihn nur lie\u00dfe. Aus einer<!--more--> in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse errechnet der NABU f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser zweiter Ordnung in Baden-W\u00fcrttemberg \u201ehochgerechnet Kostenvorteile in Milliardenh\u00f6he.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20419\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Biber_NABU_BW_Bernhard-Schubert.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Biber_NABU_BW_Bernhard-Schubert.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Biber_NABU_BW_Bernhard-Schubert-160x85.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Biber_NABU_BW_Bernhard-Schubert-150x79.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/> <span style=\"color: #808080;\"><em>Foto: NABU BW, Bernhard-Schubert<\/em><\/span><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte es als versp\u00e4teten Aprilscherz verstehen, es ist aber durchaus ernst gemeint: Zum Welttag des Bibers am 7. April k\u00fcrt der NABU Baden-W\u00fcrttemberg den Biber zum Mitarbeiter des Jahrhunderts. Anlass ist eine neue Untersuchung, die zeigt: Der Biber (Castor fiber) vollzieht, insbesondere an kleinen Flie\u00dfgew\u00e4ssern, zentrale Aufgaben der Gew\u00e4sserrevitalisierung schneller, g\u00fcnstiger und unb\u00fcrokratischer als jede technische Ma\u00dfnahme \u2013 wenn man ihn machen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle wei\u00df um die Qualit\u00e4ten des gr\u00f6\u00dften Nagetieres Europas: \u201eBiber sind wahre Landschaftsarchitekten. Wo sie am Werk sind, steigt der Artenreichtum enorm. Das zeigen wissenschaftliche Studien aus der ganzen Welt. Sehr viele Tier- und Pflanzenarten profitieren von Biberlandschaften, darunter Libellen, V\u00f6gel, Fische, Flederm\u00e4use, Amphibien, kleine Wasserlebewesen und nicht zuletzt wir Menschen. Biber stabilisieren den Wasserhaushalt in der Landschaft, d\u00e4mpfen Hochwasserspitzen, halten N\u00e4hrstoffe wie Nitrat zur\u00fcck und verbessern die Wasserqualit\u00e4t der Flie\u00dfgew\u00e4sser. Der Biber ist sogar ein Verb\u00fcndeter im Klimaschutz, seine Auen wirken als nat\u00fcrliche CO2-Senken.\u201c<\/p>\n<p><strong>Dank Biber schneller und g\u00fcnstiger renaturieren<\/strong><br \/>\nAm Beispiel eines 1,2 Kilometer langen Gew\u00e4sserabschnitts des Bampfen bei Baindt im Landkreis Ravensburg zeigt die vom NABU in Auftrag gegebene Kosten-Nutzen-Analyse, dass die vielf\u00e4ltigen Biberleistungen f\u00fcr Natur und Mensch nur mit erheblichem Aufwand zu ersetzen w\u00e4ren. Hier haben Biber aus einer unattraktiven Gew\u00e4sserrinne durch das Bauen von D\u00e4mmen eine strukturreiche Auenlandschaft erschaffen. Das Beispiel Bampfen zeigt f\u00fcr den Autor der Analyse, Landschaftsarchitekt Michael Bolender: \u201eDer Biber hat hier mosaikartige Lebensraumstrukturen und andere \u00d6kosystemdienstleistungen geschaffen, wie wir Menschen sie, unabh\u00e4ngig von den hohen Kosten, in einer derartigen Geschwindigkeit nicht herstellen k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Planung, Genehmigungen und Bau vergleichbarer Ma\u00dfnahmen w\u00fcrden \u00fcber 100.000 Euro kosten und viele Jahre in Anspruch nehmen, zuz\u00fcglich j\u00e4hrlicher Instandhaltungskosten von rund 5.600 \u20ac im Fall Bampfen. \u201eBezogen auf die rund 36.000 Kilometer Flie\u00dfgew\u00e4sser zweiter Ordnung im Zust\u00e4ndigkeitsbereich der baden-w\u00fcrttembergischen Kommunen ergeben sich durch den Biber hochgerechnet Kostenvorteile in Milliardenh\u00f6he.\u201c F\u00fcr das Bibermanagement wird hier j\u00e4hrlich mit 3.700 Euro nur ein Bruchteil anf\u00e4llt.<\/p>\n<p><strong>NABU fordert Perspektivwechsel zugunsten des Bibers<\/strong><br \/>\nAngesichts der dringenden Notwendigkeit, bei Klimaschutz und Klimawandelanpassung sowie beim Erhalt der Artenvielfalt schneller voranzukommen, fordert Enssle einen Perspektivwechsel: \u201eDer Biber arbeitet ohne Antrag, Ausschreibung oder Rechnung. Gerade in Zeiten knapper Kassen und wachsender Klimarisiken sollten wir diese Leistung anerkennen und viel st\u00e4rker f\u00fcr uns nutzen. W\u00e4hrend alle von B\u00fcrokratieabbau und Planungsbeschleunigung reden, setzt der Biber einfach um.\u201c Der NABU ist \u00fcberzeugt: Ohne Biber wird die Wiederherstellung der Flusslandschaften in so kurzer Zeit nicht gelingen. \u201eB\u00fcrokratie abbauen, Planung beschleunigen, Geld sparen und dabei noch die Natur sch\u00fctzen \u2013 der Biber zeigt, wie\u2019s geht. Ein Biberdamm ist in einer Nacht gebaut, Renaturierungsprojekte dauern meist Jahre. M\u00fcssten wir Menschen alles selbst planen und umsetzen, was der Biber macht, w\u00fcrde es wohl ein Jahrhundert dauern und einige Milliarden Euro kosten. Daher k\u00f6nnen wir es uns schlicht nicht leisten, auf die Leistungen des Bibers zu verzichten. Natur sch\u00fctzen, Klimafolgen abmildern und gleichzeitig \u00f6ffentliche Mittel effizient einsetzen \u2013 das gelingt mit dem Biber\u201c, findet Enssle und schlussfolgert: \u201eEr ist damit ein entscheidender Verb\u00fcndeter, um die Ziele der europ\u00e4ischen Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen und unsere Flie\u00dfgew\u00e4sser wieder in einen \u201aguten \u00f6kologischen Zustand\u2018 zu bringen \u2013 wie es die EU-Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 vorsieht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Konflikte konstruktiv l\u00f6sen<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20309\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Biber-IMG_0979.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Biber-IMG_0979.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Biber-IMG_0979-160x120.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Biber-IMG_0979-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Durch den Bau von Biberd\u00e4mmen kann es auch zu Konflikten kommen, beispielsweise wenn landwirtschaftliche Nutzfl\u00e4chen \u00fcberflutet oder Stra\u00dfen- und Bahnd\u00e4mme untergraben werden. Diese lassen sich jedoch viel nachhaltiger durch gezieltes Management l\u00f6sen als durch pauschale Absch\u00fcsse, betont NABU-Artenschutzreferentin Alexandra Ickes: \u201eStatt Schnellsch\u00fcssen, wie der neuen Biberverordnung, braucht es mehr Fl\u00e4chen f\u00fcr Gew\u00e4sserentwicklung und das gezielte Bibermanagement, das sich bew\u00e4hrt hat.\u201c Wo es ernsthafte Probleme gebe, w\u00fcrden bereits heute Biberd\u00e4mme reguliert und wichtige Infrastrukturen gesch\u00fctzt, wie Gleise, Stra\u00dfen und Bauten, etwa durch Gittermatten, oder wertvolle B\u00e4ume durch Drahthosen. \u201eAbsch\u00fcsse bringen nichts. Die Reviere werden schnell durch neue Biber besetzt. Sowohl die Kosten-Nutzen-Analyse als auch weitere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die durch den Biber verursachten Kosten deutlich niedriger sind als sein Nutzen f\u00fcr uns Menschen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Aus Sicht des NABU braucht die neue Landesregierung beim Biber daher einen anderen Blick \u2013 weg vom Biber als sogenanntes Problemtier, hin zum wichtigen Partner f\u00fcr Naturschutz, Klimaanpassung und \u00f6kologische Gew\u00e4sserentwicklung. Dass diese Forderungen auch einen breiten R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung haben, zeigt die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung der Landtagspetition von NABU und BUND zum Schutz des Bibers: Binnen sechs Wochen zeichneten mehr als 14.300 Menschen die \u201e<a href=\"https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/news\/2026\/maerz\/37060.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Biber-Petition<\/a>\u201c mit \u2013 die h\u00f6chste Beteiligung, seit es m\u00f6glich ist Landtagspetitionen online mitzuzeichnen.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>Hintergrund<\/strong><\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Kosten-Nutzen-Analyse: Erstellt vom Landschaftsplanungsb\u00fcro Bolender im Auftrag des NABU Baden-W\u00fcrttemberg. Vergleich zweier Szenarien: Leistungen des Bibers bei der Neugestaltung eines Abschnitts des Flusses Bampfen (Szenario A) im Vergleich zur technischen Erstellung (Szenario B).<\/li>\n<li>Kostenersparnis: W\u00e4hrend im Szenario B bereits f\u00fcr Vermessung, Baustelleneinrichtung, Erd-\/Wasserbau, Dammbauwerke, Strukturierung und Pflege erhebliche Einmal- und Folgekosten bilanziert werden (rund 109.000 Euro einmalig, 5.600 Euro j\u00e4hrlich), sind im Szenario A gro\u00dfe Teile dieser Leistungen durch Biberaktivit\u00e4t abgedeckt. F\u00fcr Bibermanagement, Konfliktpr\u00e4vention, punktuelle Sicherungsma\u00dfnahmen sowie Monitoring werden 3.700 Euro j\u00e4hrlich veranschlagt. Ein Nutzungsausfall wird aufgrund der breiten Gew\u00e4sserrandstreifen nicht berechnet.<\/li>\n<li>Qualit\u00e4ts- und Zeitvorteil: Durch Biberaktivit\u00e4ten entstehen Habitatstrukturen und Retentionsr\u00e4ume h\u00e4ufig in kurzer Zeit standortangepasst. Eine technische Gew\u00e4sserrevitalisierung hat einen langen Planungs- und Genehmigungsvorlauf von etwa f\u00fcnf Jahren.<\/li>\n<li>Link zur <a href=\"https:\/\/medienbibliothek.nabu.de\/folder\/797657\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kosten-Nutzen-Analyse Biber<\/a> und zu einer Zusammenfassung<\/li>\n<li>Hintergrundinfos zum <a href=\"https:\/\/baden-wuerttemberg.nabu.de\/tiere-und-pflanzen\/saeugetiere\/nagetiere\/biber.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Biber<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: right;\">WEBcode 262076<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tag des Bibers: NABU BaW\u00fc w\u00e4hlt Biber zum Mitarbeiter des Jahrhunderts Der flei\u00dfige Nager revitalisiere kleine Flie\u00dfgew\u00e4ssern schneller, g\u00fcnstiger, unb\u00fcrokratischer als jede technische Ma\u00dfnahme \u2013 wenn man ihn nur lie\u00dfe. 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