{"id":20635,"date":"2025-10-19T10:05:25","date_gmt":"2025-10-19T08:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=20635"},"modified":"2026-10-19T10:47:11","modified_gmt":"2026-10-19T08:47:11","slug":"ortsportrait-donnstetten-1250-jahre-albgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=20635","title":{"rendered":"Ortsportrait Donnstetten \u2013 1250 Jahre Albgeschichte"},"content":{"rendered":"<p><!--more-->\t\t<div id=\"maps-marker-pro-f8666cd7\" class=\"maps-marker-pro\" style=\"width: 100%;\">\n\t\t\t<div id=\"mmp-map-wrap-f8666cd7\" class=\"mmp-map-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-panel-f8666cd7\" class=\"mmp-panel\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"mmp-map-f8666cd7\" class=\"mmp-map\" style=\"height: 400px;\"><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #808000;\">Das Dach der Alb<br \/>\n<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Seit 1250 Jahren ist die Existenz Donnstettens verbrieft. Doch zwischen heute und gestern liegen nicht Jahre, sondern Welten.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: 0px initial initial;\" title=\"pdf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" width=\"39\" height=\"18\" \/><em><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Ortsportrait_Donnstetten_Sphaere-Verlag.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Print runterladen<\/a><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20637\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-3BFW6658.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-3BFW6658.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-3BFW6658-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-3BFW6658-481x320.jpg 481w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-3BFW6658-150x100.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Langsam kratzt der G\u00e4nsekiel \u00fcber das Pergament. Aus dem hohlen Schaft der Feder flie\u00dft dicke Tinte: \u201e776.\u201c Dies ist das Jahr, in dem ein Geistlicher des s\u00fcdhessischen Klosters Lorsch f\u00fcr die Nachwelt die Existenz des Albd\u00f6rfleins Donnstetten auf ewig verbriefte \u2013 vor 1250 Jahren unter dem Namen \u201eTunnesstate\u201c bekannt.<br \/>\n1250 Jahre? Wie haben die Donnstetter einst gelebt, wenn schon die nur 200 Jahre alten zeitgen\u00f6ssischen Berichte das Albd\u00f6rflein beschreiben, als l\u00e4ge es auf einem anderen Stern? Oberamtsschreiber Johann von Memminger portr\u00e4tierte 1831 diesen Ort, Zitat*: \u201eIn keinem Alp\u00adorte war die Noth in beiden Jahren 1816 und 17 so gro\u00df.\u201c Denn ein Jahr zuvor schoss gewaltig hei\u00dfe Asche des Vulkans Tambora in Indonesien in die Stratosph\u00e4re und verdunkelte mithin auch Europa. Folge: Extreme K\u00e4lte und Hagel \u00fcber mehrere Jahre verringerten die Ernteertr\u00e4ge und die fr\u00fchen Wintereinbr\u00fcche auf der Alb begruben den kargen Rest bisweilen unter Schnee. Damals h\u00e4tten Einwohner sich zu den unnat\u00fcrlichsten Nahrungen gefl\u00fcchtet, schrieb Memminger.<br \/>\nDoch die Donnstetter trotzten mit Flei\u00df und Sparsamkeit diesem kargen Gebirge dennoch ein St\u00fcck bescheidenes Leben ab. Auch wenn es auf der \u201erauhen Alp\u201c, wie es Zeitzeuge Memminger formulierte, kaum Obstb\u00e4ume g\u00e4be, daf\u00fcr aber frostige Morgenk\u00e4lte selbst im Sommer \u2013 dann f\u00fchren die Bauern eben geduldig ihre Ernte zwei bis drei Wochen sp\u00e4ter ein als im Tal.<br \/>\nAngesichts der Dramatik wirkt die Fotografie 100 Jahre sp\u00e4ter von Donnstettens Ortsmitte vergleichsweise idyllisch (Foto unten). H\u00fcle, Postkutsche, Brunnen. In diesem anheimelnden Ortsbild verharrten Albd\u00f6rfer weitere 50 Jahre. Drinnen hinter den Haust\u00fcren und drau\u00dfen auf den Feldern aber erstrahlte langsam, ganz langsam auch hier oben etwas Glanz des allgemein aufkeimenden Wohlstands.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20638\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1910-Donnstetten-CC0-Metz-Verlag_Tuebingen.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1910-Donnstetten-CC0-Metz-Verlag_Tuebingen.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1910-Donnstetten-CC0-Metz-Verlag_Tuebingen-160x101.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/1910-Donnstetten-CC0-Metz-Verlag_Tuebingen-150x95.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Donnstetter H\u00fcle 1910: Noch diente die H\u00fcle als Tr\u00e4nke f\u00fcrs Vieh. Sauberes Quellwasser kam noch per Ochsenkarren vom Tal herauf. (Foto: Metz-Verlag T\u00fcbingen, CC0)<\/em><\/span><\/p>\n<p>Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft im 19. Jahrhundert und der Einf\u00fchrung des Stickstoffd\u00fcngers besserte sich im Dorf die Lage wie \u00fcberhaupt auf der gesamten Schw\u00e4bischen Alb. Der Ertrag auf den Feldern stieg, Maschinen erleichterten die Arbeit. So hatten die Bauern von Weide- auf Stallhaltung umgestellt, sie m\u00e4hten die Wiesen und trockneten das Gras zu Heu, um es f\u00fcr den Winter einzulagern. Die typischen Wohnh\u00e4user mit Bruchsteinfundament und Fachwerk bis unters Dach wuchsen um Stall und Scheune. Gesteigerte Milch- und Fleischproduktion verbesserten das Einkommen und die Ern\u00e4hrungssituation.<br \/>\n1915 knipsten die ersten Donnstetter elektrisches Licht in ihrer Wohnstube an. 1921 drehten sie den Wasserhahn auf. Das auf der trockenen Alb wertvollste Lebensmittel wird fortan aus dem Ermstal heraufgepumpt. Auch griff die Industrialisierung nach den einsamen Albh\u00f6hen. Es gab sogar Pl\u00e4ne, Donnstetten an zwei Eisenbahnlinien anzuschlie\u00dfen: Die von Amstetten nach Laichingen war im Gespr\u00e4ch, ebenso die von Kirchheim nach Lenningen.<br \/>\nUnd heute? Keine Schiene weit und breit, daf\u00fcr aber zwei Bundeshauptverkehrsachsen: Die B28 und die B465. Auf diesen Routen sehnen sich heute wie ges\u00adtern die St\u00e4dter an Wochen\u00adenden zur Idylle der Donnstetter Alb herauf. Dieses Verlangen nach frischer Albluft befeuerten damals nicht nur die schwarzen Schwaden aus Schornsteinen kohlebetriebener Dampfmaschinen, sondern es ebnete 1888 auch die Gr\u00fcndung des Schw\u00e4bischen Albvereins, des \u00e4ltesten Wanderclubs Deutschlands, die Pfade ins Gebirge nach Donnstetten als hochgelegene Endstation. Dieses Gipfelgl\u00fcck machte die begehbare Aussichts\u00adplatt\u00adform eines ausgedienten Vermessungsger\u00fcsts ab 1899 greifbar \u2013 der heutige R\u00f6mersteinturm.<br \/>\nEbenso feierte der Wintersport an diesem idyllischen Flecken seine Premiere: Der Startschuss des ersten Skiwettkampfs hallte 1906 \u00fcber Donnstettens tief verschneite H\u00e4nge. Heute noch rattern vier B\u00fcgelskilifte quasi als Hommage an die heute heitere Freude mit dem in alten Zeiten oft verfluchten Schnee.<br \/>\nAm 2. August 2026 nun feierte die Gemeinde stolz ihre 1250-j\u00e4hrige Geschichte. Doch ist sie noch \u00e4lter. S\u00fcd\u00f6stlich des Ortes konnte ein r\u00f6misches Kastell dokumentiert werden, namens Clarenna. Der \u00f6stliche Teil des Alblimes von Donnstetten bis Heidenheim markierte bis 122 neuer Zeitrechnung die Au\u00dfengrenze des r\u00f6mischen Reichs. Auch entdeckte man Spuren eines r\u00f6misches Badhauses und einen r\u00f6mischen Brunnen nahe der St. Georgskirche.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20640\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-St-Georgskirche-15-Jahrhundert-IMG_3098.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-St-Georgskirche-15-Jahrhundert-IMG_3098.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-St-Georgskirche-15-Jahrhundert-IMG_3098-160x120.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-St-Georgskirche-15-Jahrhundert-IMG_3098-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>St. Georgskirche, 15. Jahrhundert: 1595 z\u00e4hlte der Gemeinde\u00adpfarrer 379 Einwohner, 1831 notierte der Oberamtsschreiber Memminger 668 Personen. Laut Z\u00e4hlung 2024 leben, wirtschaften und genie\u00dfen heute 1072 Donnstetter ihr Dorf. Ein R\u00f6merbrunnen (nicht im Bild) bezeugt die Siedlung schon im ersten Jahrhundert.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Nach den R\u00f6mern siedelten die Alemannen im Donnstetter Maarkessel. Wasser war auf der Alb schon immer rar. Regen verschwand viel zu schnell in Kl\u00fcften des Karstgesteins. Der Basalt alter Vulkankrater jedoch h\u00e4lt es in sogenannten H\u00fclen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Nun schlie\u00dft sich der Kreis dieser heil- und leidvollen Geschichte abermals in einem schriftlichen Dokument: dem Heimatbuch Donnstetten 2026. Zwar ist es nicht mit Tinte und G\u00e4nsefeder verfasst, doch gedruckt auf geduldigem Papier. Wer wei\u00df, vielleicht nimmt es die Nachwelt zur Hand \u2013 wom\u00f6glich in 1250 Jahren?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-20639\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-Huele-IMG_3109.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-Huele-IMG_3109.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-Huele-IMG_3109-160x120.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Donnstetten-Huele-IMG_3109-150x113.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><em>Donnstetter H\u00fcle 2026: Viele Ortschaften sch\u00fctteten H\u00fclen zu. Donnstetten reaktivierte seinen urspr\u00fcnglichen Lebensmittelpunkt.<\/em><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><strong>Neues Heimatbuch 2026:<\/strong><br \/>\nDonnstettens Geschichte auf 200 Seiten, ab Dezember 2026 in allen R\u00f6mersteiner Rat\u00adh\u00e4usern erh\u00e4ltlich.<\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: 0px initial initial;\" title=\"pdf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" width=\"39\" height=\"18\" \/>PDF-Download: <\/em><em><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Ortsportrait_Donnstetten_Sphaere-Verlag.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Print-Artikel runterladen<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 3\/2026, Seite 38-39<br \/>\n<\/em><\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":20637,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,54,22],"tags":[],"class_list":["post-20635","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ortsportrait","category-printausgabe-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20635"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20645,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20635\/revisions\/20645"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/20637"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}