{"id":3083,"date":"2019-01-06T12:00:09","date_gmt":"2019-01-06T11:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=3083"},"modified":"2018-12-19T11:24:09","modified_gmt":"2018-12-19T10:24:09","slug":"reisen-anno-dazumal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=3083","title":{"rendered":"Reisen anno dazumal"},"content":{"rendered":"<p><em>Geschichte &amp; Personen<\/em><\/p>\n<p>Die Schw\u00e4bische Alb hat schon fr\u00fch feinsinnige Gem\u00fcter begeistert und inspiriert. Wilhelm Hauffs Roman \u201eLichtenstein\u201c gar hat Lebenswege skizziert. Sph\u00e4re-Autor Marco Heinz sprach mit einem fast 100-j\u00e4hrigen Freund der blauen Mauer.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3086\" title=\"pfullingen-Prospekt-bearbei\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pfullingen-Prospekt-bearbei-149x160.jpg\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pfullingen-Prospekt-bearbei-149x160.jpg 149w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pfullingen-Prospekt-bearbei-130x140.jpg 130w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/pfullingen-Prospekt-bearbei.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 149px) 100vw, 149px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: 0px initial initial;\" title=\"pdf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" width=\"39\" height=\"18\" \/><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Tourismus_anno_dazumal_Sphaere_2_2011.pdf\" target=\"_blank\"><em>Print runterladen<\/em><\/a><\/p>\n<p>Ein alter Herr trat ans Panoramafenster. Gebeugt, aber klaren Auges zeigte er zur Kette der Albberge und rief: \u201eDer Lichtenstein!&#8220; Ein winziger Punkt war das ferne Schloss am Horizont. Aber diesem Herrn hatte sich seine Lage tief ins Herz gebrannt, so mitrei\u00dfend war die Geschichte, die ihn mit dem \u201eLichtenstein&#8220; verband.<\/p>\n<p>Im Zweiten Weltkrieg ging er durch das Inferno des Russlandfeldzuges. Nach einer Verwundung bei Smolensk endete seine Kriegsodyssee in einem franz\u00f6sischen Gefangenenlager. Die Heimat in den Sudeten wusste er f\u00fcr immer verloren. Er durfte sich der deutschsprachigen Bibliothek eines Offiziers bedienen und fand darin den Roman \u201eLichtenstein&#8220; von Wilhelm Hauff. Vom Schwabenland wusste er noch kaum etwas, aber jetzt las er Dinge, die ihn fesselten. Die Historie W\u00fcrttembergs ist nicht weniger faszinierend, belehrte der Dichter seinen Leser, seine Landschaften sind nicht weniger spektakul\u00e4r, auch seine M\u00e4dchen nicht weniger lieblich, als jene Schottlands, wo die Phantasie der Literaten zu Hauffs Zeiten (1801-1826) der Mode nach weilte. Hauffs Botschaft ist gerade in dem jungen Biosph\u00e4rengebiet aktuell: Lerne die Sch\u00f6nheit der Heimat lieben!<\/p>\n<p>Unser Herr tat es ausf\u00fchrlich, nachdem er nach Scharnhausen auf den Fildern entlassen wurde. Die Alb stand am Horizont. Es lockte der Lichtenstein, nach Hauffs Beschreibung auf den Felsen gebaut. Sobald die Lebensumst\u00e4nde es zulie\u00dfen, fuhr er mit seiner Frau da hinaus \u2013 eine Tortur auf klobigen Fahrr\u00e4dern, ohne Training. Diese Menschen hatten Hunger nach Leben. Welch Zauber war die friedliche Reise zum verspielten Schloss, nach der H\u00f6lle, aus der sie kamen. Der Herr wurde beinahe 100 Jahre alt und verga\u00df sie nie, diese Reise auf die Alb. Und \u00fcber Schwaben wusste er viel, bis zuletzt. Hier hatte er sich wahrhaft heimisch gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Die Neugierde auf die Alb hatte schon mehr als anderthalb Jahrhunderte zuvor dem T\u00fcbinger Theologiestudenten Friedrich A. K\u00f6hler den Wanderstock in die Hand gedr\u00fcckt, um zu Fu\u00df nach Ulm zu ziehen. Als fr\u00fcher Pionier schildert er in seinem Bericht (\u201eEine Albreise im Jahre 1790&#8243;) die Merkw\u00fcrdigkeiten der \u201eWirthenbergischen Alpen&#8220;. K\u00f6hler schenkt uns tiefe Einblicke ins herbe Leben im damals weltabgewandten Gebirge. Er erz\u00e4hlt von Wildsch\u00e4den, von Kot auf den Stra\u00dfen, vom Vorteil G\u00e4chingens, eine frische Quelle statt einer brackigen H\u00fcle zu haben, von Alkoholikern, aber auch von Freiheit und stillem Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Das Reisen im gro\u00dfen Stil haben uns die Engl\u00e4nder gelehrt. Vom 18. Jahrhundert an machte der Adel Urlaub in der Ferne, mit Beginn der Industrialisierung zunehmend auch der Mittelstand. Man zog in Fuhrwerken, zu Fu\u00df oder per Schiff durch die Lande. In Deutschland folgten sie zumeist dem romantischen Rhein. Noch blieb die Schw\u00e4bische Alb am Wegrand liegen. Die fortschreitende technische Entwicklung im Buchdruck aber machte es m\u00f6glich, Landschaften durch Stahlstich und Lithographie optisch auch in die deutschen Wohnzimmer zu vermitteln. In seiner 1837 fertig gestellten \u201eWanderung durch Schwaben\u201c griff auch der Dichter und Lehrer Gustav Schwab darauf zur\u00fcck. Er w\u00fcrzte seinen Bildband, der sich auch ausf\u00fchrlich mit der Alb befasst, mit allerhand Information \u00fcber Geographie und Geologie, vermischt mit dichterisch, romantischen Einleitungen. Immerhin war er mit seinem Reisef\u00fchrer dem ber\u00fchmten Baedecker noch eineinhalb Jahrzehnte voraus. Darstellungen in Wort und Bild von Lichtenstein und Hohenzollern waren in jener Zeit schon anderweitig bekannt. In der Sammlung \u201eRomantische Reise durch das alte Deutschland&#8220; 1969 als Lizenzausgabe des Hamburger Verlages Rolf M\u00fcller erschienen, tauchen sie wieder auf.<\/p>\n<p>In der Oberamtsbeschreibung Pfullingen von 1824 wird dem potentiellen Albwanderer in liebevollen Details die Sch\u00f6nheit der Umgebung schmackhaft gemacht. In den Archivtexten von 1893 lesen wir dann: \u201eDer Pfingstmontag ist ein gro\u00dfer Festtag f\u00fcr das ganze Oberamt. Da wallfahrten Tausende aus ganz Schwaben zu Fu\u00df und zu Wagen \u00fcber die Wanne und den Wackerstein nach der ber\u00fchmten Nebelh\u00f6hle.&#8220; Ab 1824 sind im Stadtarchiv Pfullingen Konzessionen f\u00fcr Gastronomie und \u00dcbernachtungsbetriebe \u00fcberliefert. Die Sportel (Genehmigungsgeb\u00fchr) f\u00fcr die heute nicht mehr existente Gastwirtschaft \u201eHirsch&#8220; betrug um 1900 120 Mark.<\/p>\n<p>1888 riefen im Plochinger Gasthof \u201eWaldhorn&#8220; 12 Vertreter von sieben \u201eVersch\u00f6nerungsvereinen&#8220; den \u201eSchw\u00e4bischen Albverein&#8220; ins Leben. Schon ein Jahr sp\u00e4ter begann der Verein systematisch die Alb zu kartografieren, schlug Wegweiser an und schuf neue Wanderwege. Auf Grundlage zweier Hauptwanderwege erwuchs ein Wegenetz, das heute ganze 23000 Kilometer umfasst. 29 Aussichtst\u00fcrme und 22 Wanderheime entstanden auf der Alb und im weiteren Umland.<\/p>\n<p>Die seinerzeit atemberaubende Erfindung der Eisenbahn trug einen Gutteil zur Entwicklung des Tourismus als bedeutenden Faktor in Gesch\u00e4fts- und Gesellschaftsleben bei. 1892 fuhr der ers\u00adte Zug von Reutlingen nach Honau. Schon ein Jahr sp\u00e4ter wurde die Strecke \u00fcber Kleinengstingen nach M\u00fcnsingen verl\u00e4ngert. 1901 folgten dann noch Teilst\u00fccke nach Schelklingen und Gammertingen. Noch als im Zuge der Weltwirtschaftskrise Ende der Zwanziger-Jahre vor Pfullingens Toren die Papierfabrik schloss, k\u00e4mpfte die Stadt, leider vergeb\u00adlich, um den Erhalt der auch touristisch so wichtigen Haltestelle vor jener Konkursfabrik.<\/p>\n<p>Selbst in der Zeit des Wirtschaftswunders, als VW K\u00e4fer in Heeresst\u00e4rke \u00fcber den Brenner ins Land der Fiat 500 rollten, blieb die Alb nicht abseits liegen. Die Stadt Pfullingen warb bereits ab 1954 wieder mit Farbprospekten f\u00fcr ihre sch\u00f6ne Umgebung (Foto oben). Die allsonnt\u00e4glichen Autostaus in den T\u00e4lern von Erms und Echaz waren legend\u00e4r. In halblangen Cordhosen und karierten Hemden, oft gekr\u00f6nt von Tirolerh\u00fcten, zog der St\u00e4dter \u00fcber die Albhochfl\u00e4che.<\/p>\n<p>In unseren Tagen ist das Image des Wanderns zum Gl\u00fcck entstaubt. Die Freiheit, die wir gewannen, in \u00fcber sechs Jahrzehnten, seit unser Herr zum Lichtenstein radelte, erlaubt es uns, fast grenzenlos in die entferntesten Winkel der Erde zu streifen. Sollten wir aber deshalb die Sch\u00f6nheit der Alb vergessen, die unseren Herrn ein Leben lang faszinierte? Nein, im Gegenteil, das Biosph\u00e4rengebiet, als von der UNESCO ausgezeichneter Modell-Lebensraum, sch\u00e4rft den Blick f\u00fcr die Heimat, f\u00fcr erhabene Stille in den Kernzonen, f\u00fcr die Tierwelt und die zahlreichen Spuren urzeitlicher Bewohner.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #808000;\">Reisebeschreibungen: Fr\u00fcher Tourismus auf der Alb<\/span><\/h3>\n<p>Die Wahrnehmung und das Reiseverhalten der Menschen wandelt sich. Die Sch\u00f6nheit der Alb, vom jungen Dichter Hauff erstmals in hohen T\u00f6nen besungen, ist zeitlos. Schon fr\u00fch bereisten viele Literaten unsere Schw\u00e4bische Alb und haben mit ihren publizierten Beschreibungen ein scharfes Bild \u00fcber die Landschaft und das Leben hier oben mit Worten skizziert.<\/p>\n<p><strong>Sph\u00e4re hat f\u00fcr Sie interessante Ver\u00f6ffentlichungen zusammengestellt<\/strong>.<\/p>\n<ol>\n<li>\u201eLichtenstein&#8220; von Wilhelm Hauff, Reclam Verlag,\u00a0ISBN 978-3-15-000085-4<\/li>\n<li>\u201eWanderung durch Schwaben&#8220; von Gustav Schwab, Bleicher Verlag,\u00a0ISBN 3-88350-335-5<\/li>\n<li>\u201eEine Albreise im Jahre 1790&#8243; von Friedrich A. K\u00f6hler,\u00a0ISBN 3-89151-001-2, nicht im Buchhandel, aber auf Amazon.de<\/li>\n<li>\u201eRomantische Reise durch das alte Deutschland\u201c,\u00a0Lizenzausgabe des Verlages Rolf M\u00fcller Hamburg 1969,\u00a0ohne ISBN, ebenfalls auf Amazon.de<\/li>\n<\/ol>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"pdf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" width=\"39\" height=\"18\" \/><em>PDF-Download: <a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Tourismus_anno_dazumal_Sphaere_2_2011.pdf\" target=\"_blank\"><em>Print-Artikel runterladen<\/em><\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 2\/2011, Seite 16-17<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">WEBcode 173131<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte &amp; Personen Die Schw\u00e4bische Alb hat schon fr\u00fch feinsinnige Gem\u00fcter begeistert und inspiriert. 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