{"id":4181,"date":"2025-08-24T14:13:59","date_gmt":"2025-08-24T12:13:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=4181"},"modified":"2025-09-22T09:38:13","modified_gmt":"2025-09-22T07:38:13","slug":"automobil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=4181","title":{"rendered":"Automobil"},"content":{"rendered":"<p><em>Geschichte &amp; Personen:\u00a0Das L\u00e4ndle der Dichter und Denker<\/em><\/p>\n<p><strong>Was w\u00e4re, wenn Freigeister wie Gustav Werner oder Wilhelm Maybach heute lebten? W\u00e4re dann die geplante Modellregion Biosph\u00e4rengebiet schon heute kompromisslose Realit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"pdf\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" width=\"39\" height=\"18\" \/>PDF-Download:\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/werner_maybach_sphaere.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Print-Artikel runterladen<\/a><\/em><!--more--><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4184\" title=\"maybachMAYBACH_AUTO_AUS-BUC\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH_AUTO_AUS-BUC.jpg\" width=\"320\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH_AUTO_AUS-BUC.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH_AUTO_AUS-BUC-160x143.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH_AUTO_AUS-BUC-140x125.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Zwischen den herbsch\u00f6nen H\u00f6hen der Schw\u00e4bischen Alb, den gr\u00fcn leuchtenden W\u00e4ldern und Fluren des Unterlandes und den in der Sonne lachenden Reben an Neckar, Rems und Zaber war es trotz aller Herrlichkeit der Landschaft nicht immer leicht zu leben. In so manchem Jahrhundert f\u00fchlte der W\u00fcrttemberger oft am eigenen Leib, was Hunger und Not bedeuten. Man konnte in vielerlei Hinsicht sagen, W\u00fcrttemberg war Entwicklungsland.<\/p>\n<p>Ein Jahrhundert aber, das neunzehnte, sollte weit mehr ver\u00e4ndern, als fast 3000 Jahre Kulturgeschichte zuvor. Das Besondere daran: Der heutige Gro\u00dfraum Biosph\u00e4rengebiet und dessen S\u00f6hne hatten einen gewaltigen Anteil daran. Namen wie Maybach und Werner stellten unser Leben und Denken auf den Kopf. So legte beispielsweise Wilhelm Maybach in Reutlingen gemeinsam mit Pers\u00f6nlichkeiten wie Benz und Daimler den Grundstein f\u00fcr den Siegeszug des Automobils. Gustav Werner zementierte als verantwortungsvoller Gro\u00dffabrikant das Fundament f\u00fcr die Ideen und Gedanken zur Sozialen Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>Ausgehend von den britischen Inseln grollte ein schicksalsschwerer Sturm durch Europa, der nach Stahl und Feuer roch \u2013 die Industriealisierung. Deutschland, die junge Kraft im Herzen des Kontinents wurde erst nach der Reichsgr\u00fcndung 1871 so richtig davon erfasst. Von da brandete die Woge der Moderne in unfassbarer Geschwindigkeit \u00fcbers Land und brach sich auch an der schroffen Alb. Rohstoffe wurden in kaum vorstellbaren Mengen gef\u00f6rdert, Gro\u00dffabriken entstanden. Jahrhunderte alte Berufsbilder zerfielen \u2013 die arbeitsteiligen Industrieprozesse schufen neue. Eisenbahnen ratterten mit immer h\u00f6herer Geschwindigkeit \u00fcber die Stahlstr\u00e4nge. Statt beim Bauern oder Kleinhandwerker verdienten jetzt die Menschen zu Zehntausenden in gigantischen Fabriken ihr Geld.<\/p>\n<p>In diesem Sog wirbelte sich W\u00fcrttemberg, nun Bundesstaat im Kaiserreich, vom Entwicklungsland zum Vorreiter der industriellen Revolution. T\u00fcftler und progressive Geister am Strande des Neckars bewiesen Weitsicht, die unsere Welt ver\u00e4ndern sollte. Viele Entwicklungen sahen sie voraus, sie zeichneten Pl\u00e4ne und schraubten Prototypen Tag und Nacht. Die schw\u00e4bischen Erfinder jener Tage sicherten sich somit die Poleposition, bereit f\u00fcr den Tag X. F\u00fcr jenen Tag, wo das Kapital seine Renditen-Chancen wittern wird.<\/p>\n<p>Einer der revolution\u00e4ren Denker, dessen Schornsteine den Reutlingern kr\u00e4ftig einheizte, stammt aus dem sch\u00f6nen Zwiefalten. Am 12. M\u00e4rz 1809 erblickte Gustav Werner das Licht der Welt. Dessen soziale Ideen waren seiner Zeit um viele Jahrzehnte voraus. Noch heute existieren seine Strukturen und Netzwerke zwischen industrieller Produktivit\u00e4t und sozialer Verantwortung unter dem Dach der Bruderhaus-Diakonie. Er besa\u00df kleinere Werkst\u00e4tten und eine Maschinenfabrik in Reutlingen, eine M\u00f6belmanufaktur und ein Papierwerk in Dettingen Erms.<\/p>\n<p>Werner besuchte von 1823-27 das evangelische Seminar in Maulbronn und studierte1827-32 im T\u00fcbinger Stift, wie so viele prominente W\u00fcrttemberger, beispielsweise Hegel oder H\u00f6lderlin. Auf seinen sp\u00e4teren Predigtreisen traf ihn die Realit\u00e4t der Industrialisierung mit voller Wucht. Die moderne Epoche verheizte die Schwachen zwischen Kohle und Stahl. Werner sammelte Spenden: Christliche Werte sollten im Spannungsfeld des Radikalkapitalismus nicht untergehen. Er gr\u00fcndete in Reutlingen ein \u201eRettungshaus&#8220; in dem 1848 schon 80 Waisenkinder eine Bleibe fanden.<\/p>\n<p>Der Mensch, so erkannte Werner, definiert sich zum gr\u00f6\u00dften Teil \u00fcber seine Arbeit. So schuf er ein einmaliges Geflecht aus Fabriken, Dienstleistungsbetrieben und Landwirtschaft, um auch den Hilfsbed\u00fcrftigen, Behinderten, Waisen und Alten Besch\u00e4ftigung und Sinn zu geben.<\/p>\n<p>Man schrieb das Jahr 1856, als ein sp\u00e4ter mal weltber\u00fchmter T\u00fcftler in Werners \u201eHaus Gotteshilfe&#8220; in Reutlingen F\u00fcrsorge fand: Der zehnj\u00e4hrige Wilhelm Maybach hatte seine Eltern verloren \u2013 jener Maybach, der 1882 als Konstrukteur des ersten schnelllaufenden Benzinmotors die Voraussetzung schuf zur serienm\u00e4\u00dfigen Herstellung des Automobils.<\/p>\n<p>Der junge Maybach sollte eigentlich als Konditorlehrling anfangen, doch Werner erkannte dessen technisches Talent und verschaffte ihm eine Ausbildung in der Maschinenfabrik des Bruderhauses. In seiner Freizeit zeichnete Maybach eifrig. Technische Entw\u00fcrfe und Darstellungen wie beispielsweise des Bruderhauses vor dem Hintergrund der nahen Alb. Er verstand es, mit seltenem handwerklichen Geschick, seine Entw\u00fcrfe Wirklichkeit werden zu lassen. Er war eine Hochbegabung, das erkannte man in Reutlingen sehr wohl. Dass aber sein Genius auch die Welt ver\u00e4ndern k\u00f6nnte, das vermochte nur ein \u00e4hnliches Genie zu entdecken.<\/p>\n<p>Es geschah, dass ausgerechnet der in Schorndorf geborene Konstrukteur Gottlieb Daimler (1834-1900) neuer Leiter der Wernerschen Maschinenfabrik werden sollte. Der genaue Ablauf der ers\u00adten Begegnung ist nicht \u00fcberliefert, aber irgendwann erkannten sie sich, der 17-j\u00e4hrige Maybach und der 29-j\u00e4hrige Daimler, als gleichgesinnt Begabte. Eine \u00fcber 30 Jahre kaum unterbrochene berufliche Partnerschaft entstand. Am Aufstieg W\u00fcrttembergs zum f\u00fchrenden Industrieland ist das dynamische Duo Daimler und Maybach nicht alleine beteiligt, aber ein L\u00f6wenanteil ist schon deren Verdienst.<\/p>\n<p>Maybach, der sich ein Leben lang an die 13 pr\u00e4genden Jahre im Reutlinger Bruderhaus erinnerte, folgte Gottlieb Daimler ein Jahr nach dessen Weggang 1869 in die Maschinenfabrik nach Karlsruhe und 1872 in die Gasmotorenfabrik Deutz bei K\u00f6ln. Hier gingen die beiden ein B\u00fcndnis mit dem Entwickler Nikolaus Otto ein. Maybach war immerhin schon Leiter des Konstrukteurb\u00fcros. 1882 folgte die Selbst\u00e4ndigkeit Gottlieb Daimlers im ber\u00fchmt gewordenen Cannstatter Gew\u00e4chshaus, das zu seiner Werkstatt mutierte. Nach einem Jahr der Trennung holte er den kongenialen Maybach wieder in seinen Betrieb. Viele Jahre des Probierens, des Zweifelns, der Angst vor Pleite und Spott waren vergangen, als sich endlich der Erfolg einstellte.<\/p>\n<p>1901, nach dem Tode Daimlers, entwickelte Maybach den ers\u00adten Mercedes Rennwagen. Auf dem Pariser Autosalon verlieh man ihm den Titel \u201eK\u00f6nig der Konstrukteure&#8220;. Da wusste wohl keiner mehr, dass seine Weltkarriere einst vor der T\u00fcre des Reutlinger Bruderhauses begann \u2013 am Fu\u00dfe der Schw\u00e4bischen Alb, direkt vor den Toren der heutigen Biosph\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Von Marco Heinz<\/em><\/p>\n<h3><span style=\"color: #800000;\">Z\u00fcndende Idee: Schwaben ver\u00e4ndern die Welt<\/span><\/h3>\n<p>Was der Erfinderdrang Wilhelm Maybachs und Gottlieb Daimlers der Welt hinterlie\u00df, liest sich wie ein technisches Lexikon jener Jahre:<\/p>\n<ul>\n<li>1883 erster schnell laufender Benzinmotor<\/li>\n<li>1885 Reitrad mit Motor<\/li>\n<li>1886 Motorboot und Motorkutsche (quasi Erfindung des Autos,\u00a0da vierr\u00e4drig (Foto), der konkurrierende Entwurf des\u00a0Mannheimers Karl Benz war dreir\u00e4drig)<\/li>\n<li>1887 Draisine und Triebwagen mit Motor<\/li>\n<li>1888 Luftschiffmotor und Stra\u00dfenbahnen<\/li>\n<li>1896 Motorlastwagen<\/li>\n<li>1897 erstes Motortaxiunternehmen<\/li>\n<li>1898 erste Motor-Omnibuslinie<\/li>\n<\/ul>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4185\" title=\"maybachMAYBACH\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH-107x160.jpg\" width=\"107\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH-107x160.jpg 107w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH-94x140.jpg 94w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/maybachMAYBACH.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><\/p>\n<p>Erstes Auto: Daimler und Maybach (Foto rechts) erreichten mit ihrem 1,5 PS starken Motor in der Vierrad-Kutsche (Foto links) 16 Kilometer pro Stunde.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"pdf\" alt=\"PDF-Download: Print-Artikel runterladen\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/pdf.gif\" width=\"39\" height=\"18\" \/>PDF-Download:\u00a0<\/em><em><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/werner_maybach_sphaere.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Print-Artikel runterladen<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><\/em><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 3\/2011, Seite 23-33<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte &#038; Personen: Das L\u00e4ndle der Dichter und Denker<\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn Freigeister wie Gustav Werner oder Wilhelm Maybach heute lebten? 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