{"id":6814,"date":"2009-12-18T10:20:57","date_gmt":"2009-12-18T09:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6814"},"modified":"2012-12-19T14:26:41","modified_gmt":"2012-12-19T13:26:41","slug":"grun-wird-salonfahig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6814","title":{"rendered":"Gr\u00fcn wird salonf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"<p><em>Gesellschaft: Biosph\u00e4rengebiet hei\u00dft Lebensraum. Wie nah ist die Alb am Ideal?<\/em><\/p>\n<p><strong>Politische Gestaltung spiegelt die Meinung der B\u00fcrger. Die Meinung der B\u00fcrger orientiert sich an Gesetzen der Natur \u2013 so sollte es sein. Welch ein Paradies, was f\u00fcr ein St\u00fcck Biosph\u00e4re.\u00a0Doch wie nah ist die Schw\u00e4bische Alb tats\u00e4chlich an diesem Ideal?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6816\" title=\"bauer_640px_3BFW6102\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/bauer_640px_3BFW6102.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/bauer_640px_3BFW6102.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/bauer_640px_3BFW6102-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/bauer_640px_3BFW6102-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/bauer_640px_3BFW6102-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p>Energie sparen, Roter Milan, Kernzone, Landschaftsschutz \u2013 gr\u00fcne Themen fanden in der Bev\u00f6lkerung und auch bei Lokalpolitikern lange Zeit wenig Resonanz. Auf der Alb lebte man nutzwertorientiert. Man holte Bruchholz aus dem Wald und verstand nicht, warum nun das gute Brennholz in den Kernzonen einfach liegen bleiben soll. Wer jahrelang dem kargen Albboden m\u00fchsam<\/p>\n<p>etwas Frucht abtrotzte, hatte keine Zeit \u00fcber R\u00fcckzugsgebiete und bedrohte Tierarten nachzudenken. Doch alles h\u00e4ngt zusammen \u2013 die Heimat, die Wacholderheide, die Streuobstwiese, das alte Fachwerkhaus, der Bauernladen, die regionalen Erzeugnisse. Die Seelenlosigkeit der am Profit ausgerichteten Globalisierung r\u00fcckt die Suche nach Identifikation in den Mittelpunkt. Im Gleichschritt mit dem Naturschutz finden die Menschen im Biosph\u00e4rengebiet nun ihren eigenen Weg zur\u00fcck zur schon immer lebenswerten Schw\u00e4bischen Alb. Denn: Das Wertegef\u00fchl f\u00fcr eine intakte Heimat und Natur ist nicht gekoppelt an Aktienkurse und am DAX. Weder Finanzkrise noch Inflation k\u00f6nnen die Sch\u00e4tze der Alb entwerten.<\/p>\n<div id=\"attachment_1405\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1405\" class=\"size-medium wp-image-1405\" title=\"sumpfdotterblume_schwebflie\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/sumpfdotterblume_schwebflie-160x110.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/sumpfdotterblume_schwebflie-160x110.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/sumpfdotterblume_schwebflie-140x96.jpg 140w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/sumpfdotterblume_schwebflie.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><p id=\"caption-attachment-1405\" class=\"wp-caption-text\">Greifbare Ergebnisse: Um die Schw\u00e4bische Alb als besonderen Lebensraum zu bewahren, nehmen Politiker viel Geld in die Hand. Das Regierungspr\u00e4sidium T\u00fcbingen stellt f\u00fcr Pflegema\u00dfnahmen j\u00e4hrlich 70000 Euro bereit, der Landkreis Reutlingen 140000 Euro<\/p><\/div>\n<p>Politische Gestaltung spiegelt die Meinung der B\u00fcrger. Die Meinung der B\u00fcrger orientiert sich an Gesetzen der Natur \u2013 so sollte es sein. Welch ein Paradies, was f\u00fcr ein St\u00fcck Biosph\u00e4re?<\/p>\n<p>Doch wie nah ist die Schw\u00e4bische Alb tats\u00e4chlich an diesem Ideal? Haben die letzten f\u00fcnf Jahre Entwicklung zu einem der weltweit 500 UNESCO-zertifizierten Modellregionen Spuren im Denken und Handeln hinterlassen? Sch\u00f6n w\u00e4r\u00b4s, denn unser Planet, die Republik, das L\u00e4ndle braucht dringend eine alternative Wertekultur sowie neue Lebensmodelle. Sulzige Polkappen, marode Atomm\u00fclllager und verschuldete Banken sind derzeit keineswegs ein Zeichen von Darwin&#8217;scher St\u00e4rke. Da kommt den Querdenkern ein Modellprojekt wie das Biosph\u00e4rengebiet gerade recht.<\/p>\n<p>Dieser seit 2009 von der UNESCO geadelte Lebensraum ist zwar von Politikerhand geschaffen, doch schon jetzt zeigt sich: Auch das Biosph\u00e4rengebiet macht Politik und nicht nur die Politik macht Biosph\u00e4rengebiet. Dies durften die Menschen hier, wie auch die vier etablierten Naturschutzverb\u00e4nde (SAV, NABU, BUND, BNAN) in den vergangenen f\u00fcnf Jahren erfahren. Beispiel regenerative Energie: Noch vor dem Abzug des letzten Soldaten auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz in M\u00fcnsingen im Jahre 2005 waren kommunale Entscheidungen in Sachen Heizung und W\u00e4rmed\u00e4mmung stark an der Belastung der Haushaltskassen orientiert. Sogar Elektroheizer mit Nachtstrom standen in der einen oder anderen Gemeinderatssitzung zur Diskussion. Heute dagegen ist ein wahrer Wettlauf der Kommunen entbrannt, wer denn die gr\u00f6\u00dfte Hackschnitzelheizung hinter seinem Schulgeb\u00e4ude baut, wer die meisten Solaranlagen auf seinen D\u00e4chern z\u00e4hlt. Sogar auf das verteufelte Windrad bl\u00e4st biosph\u00e4renweit R\u00fcckenwind. Grund: Das Gro\u00dfschutzgebiet holt energiepolitische Debatten und Argumente vor die eigene Haust\u00fcr. So wurden energetische Sanierungen in den Rat\u00adh\u00e4usern pl\u00f6tzlich Chefsache. Denn: Mit zugigen Fenstern kann heute keiner biosph\u00e4rengr\u00fcnes Profil gewinnen. Daf\u00fcr aber mit Engagement. Deshalb widmet sich der BUND Neckar-Alb dem Energiethema besonders intensiv. Barbara Lupp, Regionalgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin, formuliert: \u201eUnser Ziel ist es, eine Vollversorgung der Alb mit erneuerbaren Energien bis 2040 zu erreichen.\u201c<\/p>\n<p>Grasgr\u00fcn ist bei den St\u00e4dtern in: Nicht nur die Ausfl\u00fcgler suchen in Scharen das naturbelassene Pastell der Schafweiden, auch hochrangige Landespolitiker pendeln sp\u00fcrbar \u00f6fter zwischen leuchtend gr\u00fcnen Buchen hinauf auf das Dach der Alb. Sanfter Tourismus, Naturschutz, regionale Produkte, Streuobstwiesen, nachhaltiges Wirtschaften \u2013 das sind die Themen wof\u00fcr sie werben. Die Aufmerksamkeit und \u00d6ffentlichkeit der UNESCO-Weihen erhellt einerseits politisches Handeln, anderseits unterstreicht die Pr\u00e4senz der Regierungsprominenz die Bedeutsamkeit der UNESCO-Alb, was letztlich Menschen und Lokalpolitiker zu einem gr\u00fcnen Gesinnungswandel bewegt.<\/p>\n<div id=\"attachment_1402\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1402\" class=\"size-medium wp-image-1402\" title=\"streuobst_apfel_baum\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/streuobst_apfel_baum-160x122.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"122\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/streuobst_apfel_baum-160x122.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/streuobst_apfel_baum-140x107.jpg 140w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/streuobst_apfel_baum.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><p id=\"caption-attachment-1402\" class=\"wp-caption-text\">Strahlkraft: Vermarktungsm\u00f6glichkeiten von landwirtschaftlichen Produkten haben sich verbessert. Paradebeispiel Streuobst. Die Dettinger Rosstriebkellerei lancierte Produktinnovationen am laufenden Band.<\/p><\/div>\n<p>Das war nicht immer so. Am Synonym f\u00fcr das Biosph\u00e4rengebiet, dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz, entbrannten noch vor f\u00fcnf Jahren hitzige Diskussionen um die Nachnutzung. Die \u00fcber 100 Jahre konservierte, von Sch\u00e4fern gepr\u00e4gte, unzerschnittene Kulturlandschaft war in Gefahr. Lupp erinnert sich: \u201eDie Ank\u00fcndigung des Abzugs der Bundeswehr nach \u00fcber 100 Jahren Man\u00f6verbetrieb wurde von vielen Menschen als existenzielle Bedrohung angesehen. Der Truppen\u00fcbungsplatz war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der d\u00fcnn besiedelten Region. Unmittelbar nach Ank\u00fcndigung des Abzugs wurden viele Vorschl\u00e4ge entwickelt, was mit dem \u201efrei\u201c werdenden Gel\u00e4nde angefangen werden k\u00f6nnte. Die Palette reichte vom Bau einer Autorennstrecke \u00fcber Ansiedlung eines Freizeitparks und Gewerbeansiedlungen bis zum Bau einer Stra\u00dfe quer durch den Platz als Anbindung an die Autobahn Stuttgart-M\u00fcnchen.\u201c Folge: Letztere Idee l\u00f6ste heftige Debatten und Leserbriefschlachten aus, die den Raum M\u00fcnsingen mobilisierten, wie schon lange kein Thema zuvor. Und heute: Nach f\u00fcnf Jahren Biosph\u00e4re w\u00fcrde kaum einer der Beteiligten diese Gedanken ernsthaft diskutieren. Biosph\u00e4re macht gr\u00fcne Gedanken salonf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Da will die ausnahmslos wirtschaftliche Nutzung der Ringstra\u00dfe im ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz f\u00fcr Testfahrten der Automobilindustrie so gar nicht zum Image eines Biosph\u00e4rengebietes passen \u2013 touristische Nutzung bleibt ausdr\u00fccklich unerw\u00fcnscht. Nat\u00fcrlich \u2013 Firmen wie Liebherr brauchen Erprobungsstra\u00dfen f\u00fcr die Entwicklung der Lastkr\u00e4ne. Doch ist man nicht zugleich Nachbar einer Region? Deshalb haben wie selbstverst\u00e4ndlich beispielsweise die Radvereine rund um den Platz sich schon fr\u00fch um eine m\u00f6gliche Nutzung der knapp 40-Kilometer langen, am Wochen\u00adende fast verkehrsfreien Traumstra\u00dfe f\u00fcr sportive Jugendarbeit bem\u00fcht. Doch au\u00dfer Erkl\u00e4rungsversuchen mit einem massiven Aufgebot an Verbotsschildern und harten Geldstrafen f\u00fcr \u201eSchwarzradler\u201c ohne Ausnahmegenehmigungsschein, bereicherten nur wenig erhellende Argumente die Diskussion. Dabei g\u00e4be es aus naturschutzfachlicher Sicht gar nichts einzuwenden, bewertet Lupp die Situation und erg\u00e4nzt, \u201esofern die Ringstra\u00dfenbesucher den Weg nicht in gesch\u00fctzte Bereiche verlassen.\u201c Eine \u00d6ffnung h\u00e4lt sie aber derzeit f\u00fcr nicht realistisch, solange keine Betreuung des Gebietes durch Ranger organisiert ist. Warum also dann die Verbote? Versicherungstechnische Gr\u00fcnde, hei\u00dft es offiziell. Inoffiziell: \u201eNur keine Begehrlichkeiten wecken, die Angst vor der ganzen Hand als Folge des ber\u00fchmten kleinen Fingers ist wohl gro\u00df.<\/p>\n<p>Doch die Biosph\u00e4re orientiert sich nicht am bequemen Minimalkonsens. Daf\u00fcr sorgen schon die UNESCO-Statuten: Wie in der Schule wird regelm\u00e4\u00dfig, alle zehn Jahre gepr\u00fcft. Hat die Schw\u00e4bische Alb ihre Hausaufgaben nicht gemacht, so wird die UNESCO-Lizenz entzogen \u2013 Klassenziel nicht erreicht. Prominentes Beispiel: Der Naturpark Bayerischer Wald darf sich seit 2006 nicht mehr Biosph\u00e4renreservat nennen. Aufgrund erheblicher Widerst\u00e4nde der Bev\u00f6lkerung war keine Ausweisung einer von der UNESCO geforderten Entwicklungszone m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Insofern ist eine gewisse Ungeduld gerade bei den Naturschutzverb\u00e4nden der Alb verst\u00e4ndlich. Zwar freuen sie sich \u00fcber die nach f\u00fcnf Jahren hohe Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung, auch habe die Vermarktung von regionalen Produkten zugenommen, skizziert Wolfgang Riedel vom Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN). Doch trotz Biosph\u00e4rengastronomie und neuen Schw\u00e4bische Alb-Labels (siehe Seite 18) diag\u00adnostiziert Riedel noch Handlungsbedarf: \u201eWir haben den Eindruck, dass bei den Akteuren in Bezug auf die Naturschutzarbeit nur die These gilt, \u201eNaturschutz durch Nutzung\u201c. Hier profitiert zwar sowohl die Natur als auch der Mensch. Aber dies reicht jedoch nach unserer Erfahrung nicht aus. Wir brauchen auch Naturschutz durch pers\u00f6nlichen Einsatz. Es w\u00e4re wichtig, f\u00fcr Landschafts- und Naturschutzgebiete in Pflegezonen ein Biotopmanagement einzurichten.\u201c<\/p>\n<p>Weiter w\u00fcnscht sich Riedel, dass bei der Forst- und Landwirtschaft in den Pflegezonen die \u00d6kologie und nicht allein die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht. Nur dadurch k\u00f6nne f\u00fcr das Biosph\u00e4rengebiet eine Nachhaltigkeit entstehen.<\/p>\n<p>Nachhaltigkeit ist auch Pflichtprogramm des Verbandes, der sehr eng mit dem Gro\u00dfschutzgebiet verbunden ist: Dem NABU mitunter sei es zu verdanken, dass es die Biosph\u00e4re \u00fcberhaupt gibt, erinnert sich Helmut Attinger, seines Zeichens Vorsitzender bei NABU M\u00fcnsingen. \u201eWeil der Schw\u00e4bische Albverein vor rund 12 Jahren einen Naturpark \u00fcber die gesamte Alb geplant hatte, fielen f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter die Bem\u00fchungen des NABU um eine auf die Mittlere Alb beschr\u00e4nkte Gebietskulisse auf fruchtbaren Boden.\u201c Attinger sieht im Biosph\u00e4rengebiet eine Schutzkulisse f\u00fcr besondere Biotope, wie die Hangbuchenw\u00e4lder oder die Magerrasen. \u201eIm Verbund erm\u00f6glicht die Vernetzung der Kernzonen einen gro\u00dfr\u00e4umigen Schutz von bestimmten Arten. Dies geht nur zusammen mit der Bev\u00f6lkerung, den F\u00f6rstern und den Sch\u00e4fern\u201c, freut sich Attinger, wie diese Idee unterschiedliche Berufsgruppen, Interessensgruppen, ja sogar Parteien und Landkreise vereint. Verschiedene Labels k\u00f6nnen zu Vermarktungsvorteilen von Produkten aus der Region f\u00fchren. Gastronomie, Landwirtschaft und einige Handwerksbetriebe k\u00f6nnen unmittelbar davon profitieren (siehe auch S. 18). F\u00fcr Attinger geht mit den Kernzonen ein lange gehegter Traum in Erf\u00fcllung. Da sie ausschlie\u00dflich aus Bannw\u00e4ldern bestehen, \u201ewerden diese in etwa 100 bis 200 Jahren richtige Urw\u00e4lder sein.\u201c<\/p>\n<p>So lange Zeitr\u00e4ume \u00fcberdauerten weder unsere Staatssysteme, noch weniger einzelne Politikerkarrieren \u2013 aber der Schw\u00e4bische Alb Verein (SAV). Am 13. August 1888 wurde er in Plochingen gegr\u00fcndet, derzeit z\u00e4hlt er 108000 Mitglieder. Doch trotz dieser Meinungskraft f\u00fchlt Ermsgauvorsitzender G\u00fcnter Walter den Naturschutz im Wirtschaftsleben der Alb nicht optimal verankert. Deshalb hofft er, dass sein Verein im Biosph\u00e4rengebiet die Gelegenheit erh\u00e4lt, noch mehr als bisher zu wirken. Er will dem Besucher den schonenden Umgang mit der Natur aufzeigen. Denn die Natur und deren Gesetze diktieren idealerweise unser Handeln und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Schon das Reutlinger Landratsamt wirbt f\u00fcr die vielen Projektf\u00f6rderungen stets mit dem Leitspruch \u201evon unten nach oben\u201c. Wobei unklar ist, wer oben steht: Die Natur oder der Mensch oder deren Volksvertreter als Spiegel der Volksmeinung? Im Zweifel k\u00f6nnte sich die Augenh\u00f6he als niveauvoller Um\u00adgang etablieren \u2013 ebenfalls als Modellprojekt f\u00fcr aktuell in Misskredit geratene politische Handlungs- und Entscheidungskultur.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1403 alignnone\" title=\"Baum_Hangschluchtwald\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Baum_Hangschluchtwald.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"237\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Baum_Hangschluchtwald.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Baum_Hangschluchtwald-160x118.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Baum_Hangschluchtwald-140x103.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #888888;\">Erfahrung schafft Bewusstsein: Die Waldfl\u00e4chen spielen in den Kernzonen nicht nur f\u00fcr die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt eine wichtige Rolle. Ein Bannwald kann auch den Blick der Menschen f\u00fcr die Zusammenh\u00e4nge in der Umwelt sch\u00e4rfen \u2013 auch wenn diese absolut gesch\u00fctzten Zonen nur drei Prozent des Biosph\u00e4rengebiets ausmachen. Zum Vergleich: In Baden-W\u00fcrttemberg gibt es nur 0,25 Prozent Bannwaldfl\u00e4chen. Ein wenig Urwaldgef\u00fchle vermittelt schon heute die Trailfinger Schlucht (Seeburg). Das \u00e4lteste Bannwaldgebiet aus dem Jahr 1932 finden wir am \u201eN\u00e4gelesfelsen\u201c (Bad Urach).<\/span><\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff6600;\">Projektbeispiel: Vorleben statt reden \u2013 so wird Naturschutz begreifbar<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1167\" title=\"wacholder_IMG_7030\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/wacholder_IMG_7030-150x150.jpg\" alt=\"Wacholder Detailkfoto Pflanze\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/wacholder_IMG_7030-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/wacholder_IMG_7030-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>Das unverzichtbare Engagement der Naturschutzverb\u00e4nde und -Vereine bereichert zum einen die gesellschaftliche Diskussion, zum anderen regt es zum Nachmachen, zum Mitmachen und Nachdenken an. Als herausragend gilt das \u00f6ffentlichkeitswirksame Projekt Biosph\u00e4renmobil. F\u00fcr Informationsveranstaltungen kann das mit Videopr\u00e4sentationen und f\u00fcr Kinder interessanten Lehrspielen best\u00fcckte Fahrzeug angefragt werden.<\/p>\n<p>Im Stillen dagegen wirkt das Projekt des BUND. In seinem Auftrag werden Wildbienen kartiert und auch der Bestand der zweitgr\u00f6\u00dften Tiergruppe erfasst \u2013 die der Ameisen. Dabei entdeckte Dr. Wolfgang M\u00fcnch auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz die aus Norddeutschland stammende Knotige Moorameise, eine hierzulande unbekannte Art.<\/p>\n<p>Anders die bunten Blumenmeere vor den Albgemeinden. Fr\u00f6hlich leutchtend, machen sie weithin sichtbar auf sich aufmerksam. Sie sind das Verdienst des 2009 gegr\u00fcndeten Vereins Blumenwiesen-Alb.<\/p>\n<p>Aktionismus in Niedergundelfingen: Hier hat das Ziegenfieber den Ort erfasst. Die Wacholderheiden sind den B\u00fcrgern so ans Herz gewachsen, dass fast jeder ein bis zwei Tiere der 30-k\u00f6pfigen Herde be\u00adtreut. Ziegen halten die Fl\u00e4che frei \u2013 anders als Schafe knabbern sie auch am unliebsamen Buschwerk.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff6600;\">Natur aktiv: Verb\u00e4nde und Vereine engagieren sich<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1408\" title=\"koeberle_streuobst_apfel_ka\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/koeberle_streuobst_apfel_ka-150x145.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"145\" \/>Um eine Modellregion wie das Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4bische Alb zu formen, sitzen Politiker, B\u00fcrgermeister und Naturschutzverb\u00e4nden an einem Tisch. Ideen werden formuliert, Leitziele in Stellungnahmen formuliert und Menschen motiviert. Nicht nur Politiker wie Landwirtschaftsminister Rudolf K\u00f6berle (Foto) richten das Wort an die Menschen auf der Schw\u00e4bischen Alb. Auch die Internetportale der Natursch\u00fctzer werben und informieren. Welcher Verband viel zum Biosph\u00e4rengebiet zu sagen hat, zeigt ein kurzer Google-Test:\u00a0 Schlagworte \u201eName des Verbandes\u201c in Kombination mit \u201eBiosph\u00e4re-Alb\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>NABU<\/strong>:<\/span> Der NABU M\u00fcnsingen-Mittlere Alb z\u00e4hlt \u00fcber 700 Mitglieder. Der NABU gr\u00fcndet sich auf dem Deutschen Bund f\u00fcr Vogelschutz. Daher der Schwerpunkt Vogelschutz, er hat sich aber ausgedehnt auf die Bereiche Arten- und Biotopschutz. Inzwischen ist es der mitgliedsst\u00e4rkste Naturschutz-Verband in Deutschland. Schwerpunkte im Biosph\u00e4rengebiet (BSG): \u00d6ffentlichkeitsarbeit durch naturkundliche F\u00fchrungen und Aktionen f\u00fcr Jung und Alt. Vorzeigeprojekte im BSG gehen zum Teil auf den NABU zur\u00fcck, wie die Kulturlandschaftsf\u00fchrer Alb-Guides. Auch die Ausbildung der Guides auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz (Tr\u00dcPL) hat der NABU gepr\u00e4gt. Die Biosph\u00e4ren-Botschafter sind eine Weiterentwicklung dieser Guides. Auch das Biosph\u00e4renmobil, das f\u00fcr das Schutzgebiet wirbt, hatte der NABU gesponsert. Die Alb-Entdecker, eine GPS-Tour \u00fcber den Gomadinger Sternberg, n\u00fctzt das moderne interaktive Medium, um Kinder f\u00fcr die Natur zu begeistern.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>BUND<\/strong><\/span>: Im Einzugsgebiet der Biosph\u00e4re z\u00e4hlt der BUND RV Neckar-Alb rund 2500 Mitglieder. Arbeitsschwerpunkt im BSG sind der Erhalt von Streuobstwiesen, Renaturierung von Gew\u00e4ssern, Amphibienschutz, Stellungnahmen zu Eingriffsplanungen. Aktuelle Projekte in enger Kooperation mit den anderen Naturschutzverb\u00e4nden sind: fachgerechte und zukunftsf\u00e4hige Entwicklung des BSG, Abgrenzung und Zonierung des Gebietes, Schutz und Erweiterung der Kernzonen, Weiterentwicklung des BSG zu einer Klimaschutzregion, Lobby- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Studie zur Verwertung von Landschaftspflegeresth\u00f6lzern im BSG, Studie zur Vielfalt der Wildbienenarten auf dem ehemaligen Tr\u00dcPL M\u00fcnsingen mit Handlungsempfehlungen f\u00fcr Wildbienen und ihre Lebensr\u00e4ume.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>SAV<\/strong><\/span>: Der Schw\u00e4bische Albverein wurde am 13. August 1888 in Plochingen gegr\u00fcndet. Mitgliederstand: 108 000, davon 6000 im Ermsgau. Paten betreuen 22 Wanderheime und 28 T\u00fcrme. Ehrenamtliche SAV-Wegewarte unterhalten 24000 Kilometer Wanderwegenetz. Die Vereinsphilosophie fu\u00dft auf drei S\u00e4ulen: Natur, Heimat, Wandern. Ohne das Engagement des SAV w\u00e4ren die eindrucksvollen T\u00fcrme des ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatzes abgerissen worden.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff6600;\"><strong>BNAN<\/strong><\/span>: Der Bund Naturschutz Alb-Neckar e. V. (Hauptsitz in Reutlingen, 1400 Mitglieder) wurde 1973 als Alternative zur Naturschutzarbeit des Schw\u00e4bischen Albvereins gegr\u00fcndet. Der BNAN setzt sich vor allem f\u00fcr eine vielseitige Kulturlandschaft ein. Er engagiert sich f\u00fcr alle wild wachsenden Pflanzenarten und frei lebenden Tierarten und ihrer Biotope sowie f\u00fcr die Schaffung von Ersatzbiotopen. Auch werden Grundst\u00fccke erworben, wie naturbelassene Flachland- und Bergwiesen, Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Feuchtgebiete und naturnahe Waldbereiche (168 Hektar eigene, 30 Hektar gepachtete Grundst\u00fccke).<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #ff6600;\">Modellzone: Die UNESCO sch\u00fctzt unser Erbe<\/span><\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1406\" title=\"roter_MIlan\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan.gif\" alt=\"\" width=\"121\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan.gif 121w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan-112x140.gif 112w\" sizes=\"auto, (max-width: 121px) 100vw, 121px\" \/>Rund 500 Biosph\u00e4renreservate weltweit sind von der UNESCO anerkannt (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization). 15 Biosph\u00e4renreservate befinden sich in Deutschland, neben 14 National- und \u00fcber 100 Naturparke. Das Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4bische Alb geh\u00f6rt seit dem 26. Mai 2009 dazu. Nationalparke sch\u00fctzen das Naturerbe urspr\u00fcnglicher \u00d6kosysteme (h\u00f6chs\u00adter Schutzstatus). Biosph\u00e4renreservate sind gro\u00dfr\u00e4umige Schutzgebiete, die aus repr\u00e4sentativen Bereichen an Natur- und Kulturlandschaften bestehen. Hier sollen beispielhaft umweltvertr\u00e4gliche Lebens- und Nutzungskonzepte entwickelt werden. Naturparke sind Kulturlandschaften, die sich besonders f\u00fcr die Erholung eignen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesellschaft: Biosph\u00e4rengebiet hei\u00dft Lebensraum. Wie nah ist die Alb am Ideal? Politische Gestaltung spiegelt die Meinung der B\u00fcrger. Die Meinung der B\u00fcrger orientiert sich an Gesetzen der Natur \u2013 so sollte es sein. Welch ein Paradies, was f\u00fcr ein St\u00fcck Biosph\u00e4re.\u00a0Doch wie nah ist die Schw\u00e4bische Alb tats\u00e4chlich an diesem Ideal? 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