{"id":6856,"date":"2009-12-10T08:33:14","date_gmt":"2009-12-10T07:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6856"},"modified":"2012-12-19T12:50:49","modified_gmt":"2012-12-19T11:50:49","slug":"natur-ins-glas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6856","title":{"rendered":"Natur ins Glas"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>Forschung: Biosph\u00e4rengebiet als Wissenschaftsprojekt<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><strong>Millionen schwere Langzeitforschung auf der Alb: Erstmalig in Deutschland untersuchen Wissenschaftler gro\u00dffl\u00e4chig den Einfluss des Menschen auf die Artenvielfalt in Wiese, Feld und Wald.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6858\" title=\"Bio_div_aufmacher\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bio_div_aufmacher.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bio_div_aufmacher.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bio_div_aufmacher-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bio_div_aufmacher-478x320.jpg 478w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Bio_div_aufmacher-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Ein Computer-Raster \u00fcberzieht das Biosph\u00e4rengebiet. Graue Punkte im 200-Meter-Abstand unterteilen die Flurkarte in winzige Segmente. Schlie\u00dflich projiziert der Rechner das Raster auf das Luftbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die positionierten Planquadrate helfen, die Landschaft in unterschiedliche Lebensr\u00e4ume einzuteilen und dienen der Vorbereitung eines gigantischen, in Deutschland noch nie da gewesenen Langzeitforschungsprojekts. Wissenschaftler untersuchen eine 100 Quadratkilometer gro\u00dfe Fl\u00e4che von Dottingen bis Magolsheim und Buttenhausen bis Zainingen im Biosph\u00e4rengebiet auf der Alb.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eWir sehen das Projekt als einmalige Chance\u201c, beginnt Dr. Elisabeth Kalko, Professorin der Universit\u00e4t Ulm, ihre Einf\u00fchrung in das Gro\u00dfprojekt. Acht Millionen Euro l\u00e4sst sich die Deutsche Forschungsgesellschaft die \u00d6kologische Langzeitforschung in drei Gebieten Deutschlands kosten. Unter der Federf\u00fchrung von Dr. Markus Fischer, Professor der Universit\u00e4t in Jena, arbeiten Wissenschaftler aus vier Universit\u00e4ten und einem Institut am Aufbau des Projekts. Unter die Lupe nehmen sie neben dem Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4bische Alb \u00e4hnliche Lebensraumtypen im Biosph\u00e4renreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg und den Nationalpark Hainich in Th\u00fcringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eIm Untersuchungsgebiet auf der Alb w\u00e4hlen wir auf der Grundlage der Rasterpunkte die Fl\u00e4chen aus, in denen ab Ende 2007 Biologen Experimente durchf\u00fchren werden\u201d, beschreibt Dr. Konstans Wells von der Uni Ulm seine koordinativen Aufgaben. Zu diesem Zweck hat ein f\u00fcnfk\u00f6pfiges Forscherteam R\u00e4ume im Alten Lager des ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatzes M\u00fcnsingen angemietet. \u201eDie Untersuchungen werden Aufschluss geben, welchen Einfluss die Landnutzung auf die Artenvielfalt in der Landschaft hat und welche Folgen sich daraus ergeben\u201c, erkl\u00e4rt die Leiterin des Projekts.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eBiodiversit\u00e4tsforschung auf Langzeituntersuchungsfl\u00e4ch\u00aden\u201c, hei\u00dft der weltweite Trend in der \u00f6kologischen Forschung. In den USA sind diese langfristigen Forschungsplattformen gang und g\u00e4be. Wissenschaftler in Deutschland betreten dagegen Neuland, liefern aber durch die geplanten Experimentierfl\u00e4chen ein neues Konzept. Das Gro\u00dfprojekt hat jeden Grashalm, jede Heuschrecke bis hin zu Molek\u00fclen als kleinste Bausteine im \u00d6kosystem im Fokus. Allerdings nicht isoliert, sondern im Gesamtgef\u00fcge der Natur. Zun\u00e4chst hilft das Computer-Raster im Gel\u00e4nde 1000 Untersuchungspunkte festzulegen. 100 von ihnen w\u00e4hlen Biologen als Freiluftlabor aus, als so genannte Exploratorien. Auf vier mal vier Meter gro\u00dfen Wiesenfl\u00e4chen beispielsweise wollen die Wissenschaftler durch ver\u00e4nderte M\u00e4hzyklen oder variierende D\u00fcngung herausfinden, ob sich die dadurch \u00e4ndernde Artenvielfalt eine Erh\u00f6hung des Gr\u00fcn\u00adertrags bewirken kann. D\u00fcngung f\u00f6rdert einzelne Arten, die andere Kr\u00e4uter verdr\u00e4ngen. Folge: die Wiese verarmt. Bienengesumm und Schmetterlingsflattern erlebt der Wanderer nur in Wiesen in denen viele verschiedene Kr\u00e4uter bl\u00fchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">\u201eDurch die Streuung der Forschungsplattform in Deutschland erhalten wir zudem die M\u00f6glichkeit Untersuchungen zu vergleichen\u201c, erkl\u00e4rt Kalko. Denn Wald ist nicht gleich Wald. Im Hainich wachsen Buchen auf L\u00f6s-B\u00f6den, in der Schorfheide auf sandigem Untergrund, auf der Schw\u00e4bischen Alb auf Kalkverwitterungsb\u00f6den. \u201eDas hat beispielsweise Auswirkung auf den Wasserabfluss, der ma\u00dfgebend f\u00fcr den N\u00e4hrstoffgehalt ist\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Wells die Zusammenh\u00e4nge. Ein Faktor von vielen, der neben der menschlichen Nutzung \u00fcber Jahrhunderte gro\u00dfe Unterschiede in der Artenzusammensetzung von Flora und Fauna bewirkt und schlie\u00dflich unterschiedliche Landschaften hervorbringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Doch geht das Langzeitforschungsprojekt, das \u00fcber drei Jahre von der DFG gef\u00f6rdert wird, weit \u00fcber die Bestandsaufnahme hinaus. \u201eDas Erstellen von roten Listen gef\u00e4hrdeter Tierarten reicht nicht aus\u201c, wei\u00df Kalko. Sie m\u00f6chte die Zusammenh\u00e4nge verst\u00e4ndlich machen. Warum lohnt es, Artenvielfalt zu erhalten?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6857\" title=\"Milan_montage_IMG_4561\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Milan_montage_IMG_4561.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Milan_montage_IMG_4561.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Milan_montage_IMG_4561-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Milan_montage_IMG_4561-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Milan_montage_IMG_4561-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Flugk\u00fcnstler: Der Rotmilan f\u00fchlt sich wohl in der abwechslungsreichen Kulturlandschaft auf der Alb.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Den ersten Meilenstein zur L\u00f6sung dieser Frage wird das Team um Kalko und Wells Ende n\u00e4chsten Jahres gesetzt haben. Die Testfelder werden ausgew\u00e4hlt und markiert sein mit versenkten Metallk\u00f6pfen, die die Wissenschaftler mit Hilfe von GPS-Ger\u00e4ten orten. 50 Wie\u00ad\u00ad\u00ad\u00adsen-Experimentierfl\u00e4chen \u00e0 4 qm verteilt auf 10 Nutzungs\u00adarten wie etwa Magerrasen, Wirtschafts- oder Fettwiese und 50 Wald-Exploratorien \u00e0 30 qm stehen f\u00fcr Versuche bereit. Um sie werden sich Fakult\u00e4ten aus ganz Deutschland bewerben.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Beispiel Lebensraum Baum, k\u00f6nnten durch Ausschlussexperimente Insektenfresser wie V\u00f6gel und Flederm\u00e4use durch Netze von Einzelb\u00e4umen fern gehalten werden. Wie wirkt sich der vermehrte Blattfra\u00df auf die Vitalit\u00e4t des Baumes und den Fruchtertrag aus? Oder was tr\u00e4gt der Mensch zur Artenvielfalt bei?<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Eine ganze Menge. \u201eDer Mensch schafft Biodiversit\u00e4t\u201c, betonen die beiden Wissenschaftler. Ohne Bewirtschaftung w\u00e4re unsere vielf\u00e4ltige Kulturlandschaft nicht entstanden. Es g\u00e4be nur Wald, so weit das Auge reicht. Menschlichen Ursprung haben auch die Feldgeh\u00f6lze, die das Ackerland gliedern. Auf Lesesteinriegeln, die die Landwirte \u00fcber Jahre anh\u00e4uften, haben sich Wei\u00df\u00ad\u00addorn, Feldahorn und Schlehe angesiedelt. Ein Lebensraum, der V\u00f6geln Schutz und Nahrung bietet. Sie revanchieren sich daf\u00fcr durch eifriges Picken als Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Kreis schlie\u00dft sich. Das Verstehen der Zusammenh\u00e4nge weckt Interesse an der Natur und hilft, den Wert der Artenvielfalt als \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Faktor zu erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Altes Lager als Forschungsstation<\/em><\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #ff6600;\">Experimente<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6859\" title=\"Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275-479x320.jpg 479w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Altes_Lager_Biosphaerenzentrum_IMG_4275-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Seit November 2006 nutzt ein f\u00fcnfk\u00f6pfiges Forscherteam der Uni Ulm ein kleines B\u00fcro im Alten Lager des ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatzes f\u00fcr die Biodiversit\u00e4tsforschung im Biosph\u00e4rengebiet. Es dient als Basis f\u00fcr die Feldforschung und Informationsplattform f\u00fcr die B\u00fcrger. Die Wissenschaftler planen Informationsabende und Ausstellungen zum Forschungsprojekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lauscht man den Visionen der Experten, versprechen die langfristig angelegten Experimente spannende Fragestellungen: Wie wirkt sich die Klimaerw\u00e4rmung auf der Alb aus? Wie verschiebt sich das Verbreitungsgebiet von Infektionskrankheiten (Borreliose durch Zeckenstich) durch Ver\u00e4nderungen in der Vegetation? Erh\u00f6ht die Artenvielfalt einer Wiese den Gr\u00fcnertrag?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschung: Biosph\u00e4rengebiet als Wissenschaftsprojekt<\/p>\n<p>Millionen schwere Langzeitforschung auf der Alb: Erstmalig in Deutschland untersuchen Wissenschaftler gro\u00dffl\u00e4chig den Einfluss des Menschen auf die Artenvielfalt in Wiese, Feld und Wald.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6858,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[71],"tags":[],"class_list":["post-6856","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-app-edition-modellhaft-leben-biospharenreservat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6856"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6856\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6861,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6856\/revisions\/6861"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}