{"id":6871,"date":"2009-12-19T09:53:26","date_gmt":"2009-12-19T08:53:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6871"},"modified":"2012-12-19T13:16:55","modified_gmt":"2012-12-19T12:16:55","slug":"chronologie-biosphare-schwabische-alb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6871","title":{"rendered":"Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4b. Alb"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #ff6600;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6871\"><span style=\"color: #ff6600;\">UNESCO-Anerkennung<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #888888;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6888\"><span style=\"color: #888888;\">&gt;&gt; Blindg\u00e4nger und Biotope<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #888888;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6890\"><span style=\"color: #888888;\">&gt;&gt;\u00a0Kernzone<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #888888;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6893\"><span style=\"color: #888888;\">&gt;&gt; Modellzone<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/li>\n<li><span class=\"Apple-style-span\" style=\"color: #888888;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6909\"><span style=\"color: #888888;\">&gt;&gt; Chronologie<\/span><\/a><\/strong><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #888888;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=6921\"><span style=\"color: #888888;\">&gt;&gt; Podcast: Zeitdokument<\/span><\/a><\/strong><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/interaktive_karte\/PDFpool\/media\/podcast_logo_klein.jpg\" alt=\"Podcast SPH\u00c4RE-Audio\" width=\"39\" height=\"18\" align=\"absmiddle\" \/><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Geschichte: UNESCO-Anerkennung Biosph\u00e4rengebiet<!--more--><\/em><\/p>\n<p><strong>Wird die Biosph\u00e4re ein \u00dcberflieger? Die blitzschnelle UNESCO-Anerkennung zumindest treibt die Alb wie eine Gewitterthermik den Segelsportler zu wahren H\u00f6henfl\u00fcgen. Nicht zuletzt deshalb g\u00f6nnte sich der Minister\u00adpr\u00e4sident G\u00fcnter Oettinger am 26. Juni die Vogelperspektive. Zur feierlichen \u00dcbergabe der UNESCO-Urkunde segelte er mit dem Grand Prix Vizeweltmeister Uli Schwenk direkt ins Alte Lager M\u00fcnsingen ein.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6875\" title=\"Segelflug_oettinger_IMG_2256\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Segelflug_oettinger_IMG_2256.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Segelflug_oettinger_IMG_2256.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Segelflug_oettinger_IMG_2256-106x160.jpg 106w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Segelflug_oettinger_IMG_2256-213x320.jpg 213w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Segelflug_oettinger_IMG_2256-93x140.jpg 93w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p>Der letzte Soldat schl\u00e4gt die T\u00fcr ins Schloss. Ein steriles Klack hallt den dunklen Flur hinunter. Verloren h\u00e4ngt ein einzelnes Kalenderblatt halb abgerissen an der kahlen Wand der Kommandantur: 31. Dezember 2005 \u2013 dieses Datum besiegelt das Ende eines harten Regiments. Der Truppen\u00fcbungsplatz geh\u00f6rt auf Ewig der Vergangenheit an.<\/p>\n<p>Gleichzeitig aber markiert dieser Tag einen Neuanfang \u2013 die Geburtsstunde des Biosph\u00e4rengebietes Schw\u00e4bische Alb. \u00dcber 100 Jahre dominierte das Milit\u00e4r den kargen Landstrich um den Truppen\u00fcbungsplatz M\u00fcnsingen herum. Die Reichsarmee, die Franzosen und die Bundeswehr hinterlie\u00dfen Spuren und tonnenweise Munition. Und pl\u00f6tzlich: Der eisige Silvesterwind treibt statt Kanonendonner nur noch leise den Schnee \u00fcber das erstarrte Land. Doch dieser schwerm\u00fctige Abschied ist zugleich ein farbenfroher Anfang. Denn: So wie unter Totholz neues Leben ans Licht dr\u00e4ngt, schaffte das Vakuum durch den Abzug der Truppen Raum f\u00fcr Visionen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6872\" title=\"Urach_3BFW1545\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Urach_3BFW1545.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Urach_3BFW1545.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Urach_3BFW1545-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Urach_3BFW1545-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/Urach_3BFW1545-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"color: #ff6600;\">Foto Hohen Urach:<\/span> Typisch Schw\u00e4bische Alb \u2013 bis zu 400 Meter st\u00fcrzt die Hochfl\u00e4che wie hier ins Ermstal hinab. H\u00e4rter kann der Kontrast kaum sein. An dieser markanten Hangkante gehen die Hitze der Ballungsgebiete und die K\u00fchle des kargen Hochlands auf Tuchf\u00fchlung. Genau dieser faszinierende Kontrast war es, der dem UNESCO-Antrag die thematische Ausrichtung gab. Der urbane Charakter gilt als Alleinstellungsmerkmal unter den 15 nationalen Biosph\u00e4renreservaten. Das Spannungsfeld zwischen Natur und Mensch, Wirtschaften und Sch\u00fctzen soll das Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4bische Alb als Modellregion beispielhaft l\u00f6sen.<\/span><\/em><\/p>\n<p>Die Alb ist sch\u00f6n und lebenswert, dieses einmalige Natur- und Sozialgef\u00fcge soll UNESCO-Biosph\u00e4renreservat werden, so beschloss es Ministerpr\u00e4sident G\u00fcnter Oettinger in seiner Regierungserkl\u00e4rung zum Amtsantritt im April 2005. Eine halbe Dekade sp\u00e4ter schon, am 26. Juni 2009, fliegt der Landesvater mit einem historischen Segelflieger (Foto oben) ins Alte Lager ein. Er nimmt feierlich im glanzvoll geschm\u00fcckten alten Offizierscasino die UNESCO-Urkunde f\u00fcr die Anerkennung der Schw\u00e4bischen Alb als Biosph\u00e4renreservat entgegen. Die erste Etappe ist geschafft.<\/p>\n<p>Wer bei einem richtigen Stadt-Marathon mit tausenden Mitstreitern ins Ziel l\u00e4uft, vergisst schnell, dass nur eine Promille der Menschen in der Republik \u00fcberhaupt in der Lage ist, solch eine stolze Distanz \u00fcber 42 Kilometer zu rennen. \u00c4hnlich selbstverst\u00e4ndlich wirkte der Zieleinlauf der Schw\u00e4bischen Alb samt Siegerehrung mit UNESCO-Urkunde. Dabei geh\u00f6rt die Schw\u00e4bische Alb zu den wenigen auserkorenen Schutzgebieten der Erde. Deutlich weniger als ein Promille der Globusfl\u00e4che ist mit diesem G\u00fctesiegel gesegnet. Momentan hat die UNESCO 500 Regionen diese Weihen gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Wie Marathonis nach der Zielgeraden drehten leichtf\u00fc\u00dfig die Biosph\u00e4renwettk\u00e4mpfer Oettinger, der Minister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und L\u00e4ndlichen Raum Peter Hauk und Landrat Thomas Reumann mit engagierten Reden ihre Ehrenrunden vor fast 300 geladenen G\u00e4sten. Scheinbar spielerisch gelang dieser Etappensieg, doch wie f\u00fcr einen richtigen Marathon erforderte die Vorbereitung gewaltige Anstrengungen.<\/p>\n<p>Landrat Reumann erinnert sich nur zu gut an den sportlichen Ehrgeiz, den sein Amt im Hochsommer 2005 entwickelte. Den Startschuss gab Oettinger, das Landratsamt \u00fcbernahm den Staffelstab. Gleichzeitig aber spielten die Reutlinger die Rolle des Coachs. Also musste Reumann wie im richtigen Profisport erst einmal eine Leistungsdiagnose erstellen. Im Politikerdeutsch auch Machbarkeitsstudie genannt. Reumann und Co-Trainer Hans-J\u00fcrgen Stede, alias Erster Landesbeamter, mussten ordentlich schwitzen. \u201eSchaffen wir im Landkreis, die Mindestforderung der UNESCO von 30.000 Hektar auszuweisen?\u201c, bringt Reumann die Gretchenfrage auf den Punkt. Oettinger hatte es eilig, sehr eilig. Finden sich gen\u00fcgend Fl\u00e4chen, die als Kernzonen taugen? Drei Prozent der gesamten Biosph\u00e4re m\u00fcssen vom Menschen unber\u00fchrt sein, Wirtschaften und Eingriffe sind verboten. Hier sei die Natur einziger Herr der Dinge, so will es die UNESCO. Aber eben jene nutzungsfreien Waldgebiete treffen die Gemeinden empfindlich. Die Einnahmen durch Holzverkauf entlasten gerade heute den angespannten Haushalt merklich.<\/p>\n<p>Binnen nur sechs Wochen lagen die Expertisen auf dem Tisch. Die m\u00f6glichen Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen waren ausgesp\u00e4ht, die Eckdaten der UNESCO-Anforderungen abgeklopft. Am Ende stand ein erfreuliches Fazit: Die Alb hat sehr wohl das Zeug f\u00fcr die Weltliga der Biosph\u00e4renreservate.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6885\" title=\"truppenuebungsplatz_IMG_4196\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/truppenuebungsplatz_IMG_4196.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/truppenuebungsplatz_IMG_4196.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/truppenuebungsplatz_IMG_4196-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/truppenuebungsplatz_IMG_4196-479x320.jpg 479w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/truppenuebungsplatz_IMG_4196-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #ff6600;\">Foto ehemaliger Truppen\u00fcbungsplatz:<\/span> <span style=\"color: #999999;\">Biosph\u00e4renreservat \u2013 Der Mensch hat diesen scheinbar wilden Lebensraum geschaffen. Auf dem Truppen\u00fcbungsplatz waren es die Panzer <em>\u00a0(Foto unten)<\/em>\u00a0und Schafe, in den lieblichen T\u00e4lern die Streuobstbauern.<\/span><\/em><\/p>\n<p>Bei dem Wettlauf mit der Zeit \u201egab uns die frischgebackene Verwaltungsreform geh\u00f6rigen R\u00fcckenwind\u201c, erl\u00e4utert Reumann den unerwarteten Start-Ziel-Sieg. Denn seit der Reform gestaltet sich Verwaltung wie ein Marathonl\u00e4ufer rank und schlank. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen, alle \u00c4mter befinden sich nun unter einem Dach.<\/p>\n<p>Virtuell reichte Reumanns starker Arm sogar bis aufs Dach der Alb. Denn mit einer ordentlichen Portion Sportsgeist beseelt, konnte er die drei B\u00fcrgermeister der St\u00e4dte und Gemeinden rund um den ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz als Pacemaker f\u00fcr die Biosph\u00e4ren-Idee gewinnen. M\u00fcnsingens B\u00fcgermeister Mike M\u00fcnzing trainierte ohnehin schon seit 1998 auf dem Parcour der Biosph\u00e4re. Michael Donth, R\u00f6mersteins B\u00fcrgermeister und Markus Ewald, seinerzeit Rathauschef in Bad Urach, aber r\u00fcckten das Pilotprojekt mit ihren positiven Gemeinderatsbeschl\u00fcssen in den gr\u00fcnen Bereich. Ihre Argumentationslinien und deren optimistisches Auftreten bereitete ein fruchtbares Klima f\u00fcr die folgenden politischen Diskussionen in den weiteren Gemeinden des geplanten Gebietes.<\/p>\n<p>Sehr bewegt wurde \u00fcber die Fragen der Finanzierung und Kernzonen gestritten. Bedenken, die sich aus den f\u00fcr die Landwirtschaft erlebten Einschr\u00e4nkungen durch die Auflagen von Natura 2000 n\u00e4hrten, pr\u00e4gten die skeptische Gesinnung. In St\u00e4dten und Gemeinden wie Laichingen und Mehrstetten zeigten sich die Volksvertreter deshalb resistent gegen die sp\u00fcrbare Euphorie, die sich in der geplanten Biosph\u00e4re regte. Heute ragt daher beispielsweise die Gemarkung der Skeptiker aus Mehrstetten wie das ber\u00fchmte gallische Dorf quasi als Niemandsland bis weit ins Herz der Biosph\u00e4re. Besonders Gastwirte sind dar\u00fcber nicht gl\u00fccklich. Froh, doch dabei zu sein, sind heute Ge\u00admeinden wie Dettingen Erms, die seinerzeit wegen nicht gekl\u00e4rter Zonierungsfragen rebellierten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6886\" title=\"IMG_1682\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/IMG_1682.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/IMG_1682.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/IMG_1682-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/IMG_1682-479x320.jpg 479w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/IMG_1682-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #ff6600;\">Foto Ermstal, Bad Urach:<\/span> <span style=\"color: #999999;\">Wildwuchs \u2013 Hangschluchtw\u00e4lder waren immer schon m\u00fchsam zu bewirtschaften. Die eingeschr\u00e4nkte Nutzung f\u00f6rderte die Entwicklung seltener Waldgesellschaften.\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p>Aber genau dieser Prozess der Freiwilligkeit, der politischen Diskussion war gewollt. Diese Verankerung im Bewusstsein der Menschen vor Ort hat die UNESCO-Anerkennung beg\u00fcnstigt. \u201e\u00dcberzeugen und begeistern\u201c, dies war das Motto. Drum zog 2007 Dr. Wolf Hammann, seinerzeit Abteilung Umwelt im Regierungspr\u00e4sidium T\u00fcbingen, von Gemeinderat zu Gemeinderat, von Stadtrat zu Stadtrat. Seinen Beinamen, Mister Biosph\u00e4re, verdankt er seinem hartn\u00e4ckig engagierten Werben f\u00fcr dieses Pilotprojekt w\u00e4hrend der hei\u00dfesten Phase. Auch Stede fuhr ins Land hinaus. So schw\u00e4rmt er von einer seiner Startveranstaltungen im Oktober 2005, dem Info-Abend in R\u00f6merstein: \u201eDie Halle war voll, 250 Besucher. Da wusste ich, hier geht was\u201c, blickt Stede zur\u00fcck. Zur Erinnerung: R\u00f6merstein war direkt vom Soldatenbetrieb betroffen. L\u00e4rm, eingeschr\u00e4nkte Bewegungsfreiheit \u2013 das M\u00fcnsinger Hardt kappte die Lebenswege. Ja sogar eine Granate krachte in den 50er-Jahren ins Zaininger Schulhaus hinein. Und eben jene hart an der Grenze zum ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz geh\u00f6ren heute zu den Motoren der Idee. Ob Gastwirte, Landwirte oder der B\u00fcrgermeister \u2013 diese kleine knapp 3500 Seelen-Gemeinde hat jetzt schon viele Biosph\u00e4ren-motivierte Projekte iniziiert. Beispiel: Das offizielle Biosph\u00e4renl\u00e4dle betreibt die R\u00f6mersteiner Metzgerei Schwenkedel, das erste Biosph\u00e4renmenue servierte dort das Gasthaus L\u00f6wen, den Dinkelanbau forcieren hiesige Landwirte und jetzt aktuell experimentiert der R\u00f6mersteiner Traugott G\u00f6tz mit dem 8000 Jahre alten Urkorn Emmer. Nicht zuletzt entstehen diese Zeilen des ersten und einzigen Biosph\u00e4ren-Hochglanzmagzins auf der Alb im SPH\u00c4RE-Verlag R\u00f6merstein.<\/p>\n<p>Land, Leute, Wirtschaft, Tier und Pflanze \u2013 in keinem Biosph\u00e4rengebiet der Welt sind sich Ballungsgebiet und Natur so nah. \u201eEinzig das Reservat Wienerwald um die \u00f6sterreichische Bundeshauptstadt herum zeigen eine \u00e4hnlich hohe Bev\u00f6lkerungsdichte\u201c, erkl\u00e4rt Reumann das Thema Urbanit\u00e4t und das Motto f\u00fcr den erfolgreichen UNESCO-Antrag. Hier Shopping-Tourismus Metzingen, dort das leise Pl\u00e4tschern der Lauterquelle, hier die dunklen wilden Hangschluchtw\u00e4lder, dort die lichten und melancholischen Wachol\u00adderheiden, dies ist eine Herausforderung und auch der Reiz f\u00fcr die UNESCO, solch ein Pilotprojekt in die Weltliga der Schutzgebiete aufzunehmen.<\/p>\n<p>In klassischen Naturlandschaften leben maximal 2000 bis 3000 Menschen, wie beispielsweise im Biosph\u00e4renreservat Gro\u00dfes Walsertal (\u00d6sterreich). Im frisch gebackenen UNESCO-Biosph\u00e4rengebiet Schw\u00e4bische Alb aber tummeln sich satte 173000 B\u00fcrger. Sie m\u00fcssen wohnen und arbeiten. Das Leitmotiv \u201eSch\u00fctzen durch N\u00fctzen\u201c, soll hier zu einer gelebten Gestalt finden, zu einer neuen Gemeinschaft, ja sogar von Teamgeist spricht Reumann begeistert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6881\" title=\"Bauer_3BFW6086\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bauer_3BFW6086.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"341\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bauer_3BFW6086.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bauer_3BFW6086-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bauer_3BFW6086-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Bauer_3BFW6086-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><em><span style=\"color: #ff6600;\">Foto Landwirtschaft bei St. Johann:<\/span> Sch\u00fctzen durch N\u00fctzen \u2013 in der Biosph\u00e4re ist das Landwirtschaften ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht \u2013 der Mensch ist Teil der Natur. Hier soll nicht die K\u00e4seglocke walten, sondern verfeinertes Bewusstsein und \u00f6kologischer Sachverstand.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Darum erinnert er sich gerne an den 3. Juni 2005, an den \u201ePoint\u00ad of no Return\u201c, wie er im Interview mit dem SPH\u00c4RE-Magazin seinen pers\u00f6nlichen Startschuss beschreibt: Nach einem der ersten Biosph\u00e4rentermine im Regierungspr\u00e4sidium T\u00fcbingen treten er und die drei B\u00fcrgermeister M\u00fcnzing, Donth und Ewald auf die Stra\u00dfe. Das Ziel war formuliert, Oettinger hatte die Marschrichtung vorgegeben. Was nun? Go. Keiner wollte jetzt zum Tagesgesch\u00e4ft \u00fcbergehen. Der Moment war f\u00fcr Reumann zu bedeutsam. Sie schlenderten gemeinsam gegen\u00fcber ins Cafe und bestellten sich ein Eis.<\/p>\n<p>Eigentlich ist Politik ein k\u00fchles Gesch\u00e4ft. Parteien, Fraktionen und Lobbyisten lassen f\u00fcr gew\u00f6hnlich wenig Raum f\u00fcr so etwas wie Mannschaftsgeist. Der allerdings war in dieser Stunde sp\u00fcrbar pr\u00e4sent. Die Zeit war reif, die einzelnen Kircht\u00fcrme m\u00fcssen zu tragenden S\u00e4ulen einer \u00fcbergeordneten Dachkonstruktion verwandelt werden. Die Biosph\u00e4re unter der Bauleitung der UNESCO war nun f\u00fcr Reumann beschlossene Sache.<\/p>\n<p>Nur knapp ein Jahr sp\u00e4ter wurde aus dem Plan Realit\u00e4t. Grund: Der Truppen\u00fcbungsplatz war f\u00fcr Besucher, und Bewohner ab April 2006 offen \u2013 jeder durfte in die Tabuzone rein. Die Vision einer beispielhaften Modellregion im Westentaschenformat war nun leibhaftig erfahrbar. Gleichwohl diese einzigartige Vorzeigenatur nur rund 6700 Hektar des heute insgesamt 85269 Hektar m\u00e4chtigen Biosph\u00e4rengebietes darstellt, avancierte dieses von Panzern und zehntausenden von Schafen gepr\u00e4gte wilde Land zum Motor f\u00fcr die Biosph\u00e4ren-Idee. Funk, Fernsehen, ehemalige Soldaten, Liebhaber der Alb \u2013 jeder wollte das sehen, was 100 Jahre weggeschlossen war. Alleine im Jahr 2008 f\u00fchrten die sogenannten Tr\u00dcb-Guides 20000 Besucher zu Fu\u00df und Bus \u00fcber den Platz. Mit den Individualwanderern, so sch\u00e4tzt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Biosph\u00e4renteams Petra Bernert, werden es ein Vielfaches an Besuchern gewesen sein.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6877\" title=\"Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298.jpg 640w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298-479x320.jpg 479w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Rad_wandern_weidbuche_IMG_8298-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\"><em><span style=\"color: #ff6600;\">Foto Wacholderheide bei Pfullingen:<\/span> Generationenvertrag \u2013 die Wertsch\u00e4tzung und -sch\u00f6pfung der Natur sichert die Zukunft unserer Kinder.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Diese unerwartete Resonanz macht stolz, stiftet Identit\u00e4t in der Biosph\u00e4re, die von Metzingen bis Ehingen reicht und von Westerheim bis Pfullingen. Aber dieses neue Wir-Gef\u00fchl beg\u00fcnstigt auch den Wettkampfgeist. Interessensgruppen des Naturschutzes und die Menschen vor Ort diskutieren hei\u00df. Diese Meinungsvielfalt bereichert die Sicht der Dinge: Welche Wege auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz soll man \u00f6ffnen, welche bleiben von Besuchern verschont? Warum d\u00fcrfen LKWs auf die Panzerringstra\u00dfe, aber beispielsweise die Radler nicht? Sollen oder d\u00fcrfen die J\u00e4ger in Kernzonen schie\u00dfen? Darf man im Bannwald wan\u00addern oder nicht? Ganz aktuell: Ist ein geplantes Ritterland bei M\u00fcnsingen biosph\u00e4rentauglich (siehe Seite 36)? Die Meinungen dar\u00fcber gehen weit auseinander, gerade diese Vielfalt der Stimmungsbilder aber belebt die Region.<\/p>\n<p>Biosph\u00e4renpionier Mike M\u00fcnzing erinnert sich lebhaft an die Diskussion im Jahre 1998 als er mit dem NABU-Landesverband zu einem Symposium nach M\u00fcnsingen einlud unter dem Arbeitstitel \u201eModellregion Biosph\u00e4renreservat Mittlere Schw\u00e4bische Alb\u201c. Der Gedankenansatz, \u201eArbeitspl\u00e4tze durch Naturschutz\u201c, sorgte f\u00fcr kontroverse Diskussionen, ein gemeinsamer Nenner war nicht in Sicht, erinnert sich M\u00fcnzing an die Meinungslager. Den Denkansto\u00df gab Markus R\u00f6sler, der im Rahmen einer Doktorarbeit schon ab 1992 \u00fcber das heutige Pilotprojekt nicht nur philosophierte, sondern gar druckreif formulierte. Im Jahr 2001 ver\u00f6ffentlichte er die an der TU Berlin eingereichte Dissertation als 390 Seiten starken W\u00e4lzer. Somit geht das Jahr 1992 als Stunde Null der Biosph\u00e4renzeitrechnung in die Geschichte der Schw\u00e4bischen Alb ein und nicht der letzte Soldat.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte: UNESCO-Anerkennung Biosph\u00e4rengebiet<\/p>\n<p>Wird die Biosph\u00e4re ein \u00dcberflieger? Die blitzschnelle UNESCO-Anerkennung zumindest treibt die Alb wie eine Gewitterthermik den Segelsportler zu wahren H\u00f6henfl\u00fcgen. Nicht zuletzt deshalb g\u00f6nnte sich der Minister\u00adpr\u00e4sident G\u00fcnter Oettinger am 26. Juni die Vogelperspektive. Zur feierlichen \u00dcbergabe der UNESCO-Urkunde segelte er mit dem Grand Prix Vizeweltmeister Uli Schwenk direkt ins Alte Lager M\u00fcnsingen ein.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6875,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[71],"tags":[],"class_list":["post-6871","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-app-edition-modellhaft-leben-biospharenreservat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6871"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6871\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6874,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6871\/revisions\/6874"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}