{"id":7414,"date":"2019-03-25T12:47:27","date_gmt":"2019-03-25T11:47:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7414"},"modified":"2019-03-12T11:24:29","modified_gmt":"2019-03-12T10:24:29","slug":"naturtheater-hayingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7414","title":{"rendered":"Naturtheater Hayingen"},"content":{"rendered":"<p><em>Alb &amp; Kultur:\u00a0Theater in einsamer Natur<\/em><\/p>\n<p><strong>In den sp\u00e4ten vierziger Jahren war es keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, dass auf der abgelegenen\u00a0S\u00fcdostalb ein hochkreatives Freilufttheater entsteht. \u00dcber eine Million Menschen haben seither das Naturtheater Hayingen besucht.<!--more--><\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-7417\" title=\"Hayingen_Naturtheater_Quelle\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Hayingen_Naturtheater_Quelle-214x320.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Hayingen_Naturtheater_Quelle-214x320.jpg 214w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Hayingen_Naturtheater_Quelle-107x160.jpg 107w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Hayingen_Naturtheater_Quelle-93x140.jpg 93w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/Hayingen_Naturtheater_Quelle.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/>\u00a0<em><span style=\"color: #888888;\">Foto: Naturtheater Hayingen<\/span><\/em><\/p>\n<p>Hayingen, am s\u00fcdlichen Tor zur Biosph\u00e4ren-Alb wird umtanzt vom Reigen der Natur. Lachende B\u00e4chlein springen aus Karstquellen und rauschen dem ehrw\u00fcrdigen Kloster Zwiefalten entgegen. Gewaltige Felsformationen werfen ihren Schatten in den Wald, bevor der Blick sich \u00f6ffnet zu einer der sch\u00f6nsten Wacholderheiden der Alb. Zur anderen Seite des st\u00e4dtebaulichen Kleinods auf freier H\u00f6he f\u00e4llt das Gel\u00e4nde ab, m\u00fcndet in der wilden Stein- und Burgenwelt des gro\u00dfen Lautertals. An diesem Abhang reiht sich in die Perlen der Natur ein Hort der Kultur: Das Hayinger Naturtheater ist weit \u00fcber die Alb hinaus bekannt.<\/p>\n<p>Hier spielen, tanzen und singen Menschen auf h\u00f6chstem Niveau. J\u00e4hrlich pilgern rund 16000 Besucher zur Idylle des Geb\u00e4ude- und B\u00fchnen-Ensembles mitten im dunklen Wald, das sich so in die Alblandschaft einf\u00fcgt, als sei es immer schon da gewesen. Das Umfeld voller Karstgestein, Wald und Heide hilft der Regie, den Schauspielern und Beleuchtern, unvergessliche Abende kunstvoll zu inszenieren.<\/p>\n<p>In den sp\u00e4ten vierziger Jahren war es keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, dass hier auf der abgelegenen S\u00fcdalb ein hochkreatives, gut besuchtes Freilufttheater das Licht der Alb erblickt. Das Leben war noch gepr\u00e4gt von den Traumata des Krieges, von Hunger und Mangel an allen G\u00fctern des Alltags. Es war aber auch eine Zeit des Mutes, des kreativen Aufbruchs. Manche Idee entwickelte wie Samen zarte Triebe, deren Bl\u00fcten uns noch heute erfreuen: So sinnierten schon 1947 die Hayinger \u00fcber ein Naturtheater, das ihr 700-Jahre-Jubil\u00e4umsfest kr\u00f6nen sollte. Martin Schleker Senior schrieb die ersten St\u00fccke f\u00fcr das noch junge Theater. Sein Heimatspiel \u201eDie Orgelmacher\u201c setzten die Laiendarsteller zur Er\u00f6ffnung des Hayinger Naturtheaters am 19. Juni auf der B\u00fchne h\u00f6chst professionell um. Der Erfolg \u00fcbertraf alle Erwartungen und das Naturtheater gewann an Fahrt. Bis in die siebziger Jahre schrieb Schleker etwa 20 St\u00fccke, fast j\u00e4hrlich stand ein neues zur Urauff\u00fchrung an. Sp\u00e4ter \u00fcbernahm dessen Sohn Martin Schleker junior, der schon seit den Sechzigern Regie f\u00fchrte, die Rolle des Autors. Der deutschlandweit renommierte Schauspieler galt als gute Seele des Theaters. In seinem Buch \u201eDer Schneckenf\u00e4nger\u201c schildert er eindrucksvoll die Schwernisse des Neubeginns, aber auch die kreative Kraft des Aufbruchs der Nachkriegsjahre und wie man sich auch ohne Reicht\u00fcmer viele Freuden macht.<\/p>\n<p>So spielt sich das Naturtheater in diesem Sommer bereits in seine 64. Saison. Von kleinen Entt\u00e4uschungen und Krisen abgesehen, die im Kulturbetrieb nicht ausbleiben k\u00f6nnen, lief in Hayingen alles glatt. Die Zuschauerzahlen von der Gr\u00fcndung bis heute \u00fcberschreiten l\u00e4ngst die Millionengrenze. Das einzigartige Ambiente im dichten Hayinger Wald ist allergr\u00f6\u00dften Teils das Ergebnis ehrenamtlichen Einsatzes. Etwa hundert begeisterte Schaffer halten den Betrieb am Laufen. Neben Schauspielern sind immer auch N\u00e4herinnen, B\u00fchnenbauer und Requisisteure gefragt. Ebenso stellt die Pflege der vierbeinigen Darsteller eine gewisse Herausforderung. Schlie\u00dflich traben in Hayingen echte Pferde \u00fcber die B\u00fchne und keine Attrappen. W\u00e4hrend einer Auff\u00fchrung kam es sogar zur Geburt eines Lammes \u2013 f\u00fcr Mitwirkende und Publikum v\u00f6llig unerwartet.<\/p>\n<p>Hier spielt das richtige Leben, das Theater pr\u00e4gt den Hayinger Freigeist. Darum packte Sohn Martin Schleker schon fr\u00fch das B\u00fchnenfieber. Als 14-j\u00e4hriger schl\u00fcpfte er in sein erstes Rollenspiel: \u201eEin toller Job, ein guter Job\u201c, schw\u00e4rmt Schleker. Und wie hoch war die Gage? \u201eEine Rote und ne Flasche Limonade.\u201c<\/p>\n<p>Wer glaubt, solch Freude am brotlosen Tun gibt heute der von seichten Ablenkungen erschlafften Konsumgeneration keinen ultimativen Kick, der irrt. Das beweisen auch 2013 die vielen Ehren\u00ad\u00e4mtler aus Hayingen und Umgebung. Die \u00c4lbler sprechen mit ihrer lokalen Arbeit durchaus \u00fcberregionales Publikum an. Marc-Philipp Knorr, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, ebenfalls ehrenamtlich, skizziert das Einzugsgebiet vom Enzkreis \u00fcber den mittleren Neckar zur Ostalb bis hin zum Bodensee. Auch bayrische und badische Freunde h\u00e4tten die urschw\u00e4bischen Theaterdialoge schon genossen \u2013 und verstanden. Schon Philosoph Martin Heidegger wusste: \u201eDer Dialekt ist Sprache der Mutter und Mutter der Sprache.\u201c<\/p>\n<p>Die Hayinger Theaterschaffenden haben bewiesen, dass auch klassische Stoffe, etwa vom gro\u00dfen Shakespeare, auf Schw\u00e4bisch nicht provinziell wirken, sondern weltm\u00e4nnisch an neuer Farbe und Ausdruck gewinnen. Aber auch regionales Geschehen wird vom Naturtheater in Szene gesetzt \u2013 aktuelle wie historisch Ereignisse. Martin Schlekers St\u00fcck \u201eDer \u00c4lblerk\u00f6nig von Hayingen\u201c begeisterte seine Zuschauer ebenso wie das f\u00fcrs Theater bearbeite Steinzeitepos \u201eRulamann\u201c von Weinland.<\/p>\n<p>Heute leitet J\u00fcrg Schlachter als Regisseur und Autor das Theater-Ensemble. Uli B\u00fchl komponiert zu den St\u00fccken den musikalischen Rahmen. \u201eDer geh\u00f6rt schon zum Inventar\u201c, freut sich Marc-Philipp Knorr \u00fcber B\u00fchls Taktgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Doch plagen den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hin und wieder auch Krisen. Das liebe Geld: GEMA-Geb\u00fchren, Druckkosten f\u00fcr Brosch\u00fcren, Futterkosten f\u00fcr Tiere. Manchmal f\u00fchlt er sich \u201eabgezockt\u201c, wie er formuliert. Schlie\u00dflich machen wir das alle aus Spa\u00df an der Freude. Auch b\u00fcrokratische H\u00fcrden \u00e4rgern den Kulturschaffenden wie auch der Gedanke an die subventionierte Gro\u00dfstadtkonkurrenz. \u201eWenn bei denen dem Regisseur etwas nicht gef\u00e4llt, wird mal schnell das B\u00fchnenbild getauscht \u2013 was kostet die Welt? Zwar geh\u00f6ren auch wir der Stadt, m\u00fcssen aber mit den Eintrittsgeldern wirtschaften.&#8220; Zum Gl\u00fcck wei\u00df Knorr in Robert Riehle einen &#8222;supertollen B\u00fcrgermeister&#8220; hinter sich, der auch in Zeiten knapper Gemeindekassen Theater nicht vergisst.<\/p>\n<p>So konnte 2005 das Theater barrierefrei umgebaut werden \u2013 999 bequeme Schalensitze sind nun komplett \u00fcberdacht, was nun Auff\u00fchrungen bei schlecht Wetter erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Hayinger spielen zwei St\u00fccke pro Saison \u2013 f\u00fcr Erwachsene und Kinder. Dieses familienfreundliche Konzept wird sehr gut angenommen. So blickt Knorr zuversichtlich der neuen Spielzeit entgegen. Ab dem 23. Juni 2013 unterh\u00e4lt J\u00fcrg Schlachters \u201e\u00c4lles wa du wit\u201c, frei nach Shakespeares Kom\u00f6die \u201eAlles was du willst\u201c die Gro\u00dfen. Lachen d\u00fcrfen die Kleinen \u00fcber Carlo Collodis \u201ePinocchio\u201c, der seine freche Holznase diesmal in die frische Albluft bei Hayingen reckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #993300;\">Sph\u00e4re-Wissen: Naturtheater-Szene auf der Schw\u00e4bischen Alb\u00a0Hayingen:<\/span><\/h3>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>Spielzeit ab 23. Juni 2013, 2 St\u00fccke pro Jahr, Infos und Eintrittskarten unter <a href=\"http:\/\/www.Naturtheater-Hayingen.de\" target=\"_blank\">www.Naturtheater-Hayingen.de<\/a><\/li>\n<li>Naturtheater Reutlingen: Spielzeit ab 15. 6. 2013, mehrere St\u00fccke, <a href=\"http:\/\/www.naturtheater-reutlingen.de\" target=\"_blank\">www.naturtheater-reutlingen.de<\/a><\/li>\n<li>Gr\u00f6tzingen Aichtal: Spielzeit ab 8. Juni 2013, 2 St\u00fccke pro Jahr, <a href=\"http:\/\/www.naturtheater-groetzingen.de\" target=\"_blank\">www.naturtheater-groetzingen.de<\/a><\/li>\n<li>Waldb\u00fchne Sigmaringendorf: Spielzeit ab 15. Juni 2013, 2 St\u00fccke, <a href=\"http:\/\/www.waldbuehne.de\" target=\"_blank\">www.waldbuehne.de<\/a><\/li>\n<li>Naturb\u00fchne Steint\u00e4le Fridingen: Spielzeit 14. Juni 2013, 2 St\u00fccke j\u00e4hrlich, <a href=\"http:\/\/www.steintaele.de\" target=\"_blank\">www.steintaele.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #993300;\"><strong>Buchtipp:<\/strong><\/span> Martin Schleker jun. hat zwei B\u00fccher geschrieben, die in wunderbaren Miniaturen das Leben auf der Alb in der Nachkriegszeit zeichnen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: left;\">\n<li>\u201eDer Schneckenf\u00e4nger \u2013 wie ein \u00c4lbler doch noch Schauspieler wurde\u201c ISBN_13: 978-3-87107<\/li>\n<li>\u201eDas Vespert\u00e4schle \u2013 eine Jugend, meine Jugend\u201c\u00a0ISBN 13: 978-3-87407-580-0<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: left;\">Beide vom Silberburgverlag T\u00fcbingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #808080;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2013, Seite 36<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alb &amp; Kultur:\u00a0Theater in einsamer Natur In den sp\u00e4ten vierziger Jahren war es keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, dass auf der abgelegenen\u00a0S\u00fcdostalb ein hochkreatives Freilufttheater entsteht. \u00dcber eine Million Menschen haben seither das Naturtheater Hayingen besucht.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7417,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,22],"tags":[],"class_list":["post-7414","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kultur","category-printausgabe-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7414"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14471,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7414\/revisions\/14471"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}