{"id":7595,"date":"2014-07-10T09:23:23","date_gmt":"2014-07-10T07:23:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7595"},"modified":"2013-04-10T09:30:01","modified_gmt":"2013-04-10T07:30:01","slug":"mensch-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7595","title":{"rendered":"Mensch &#8211; das Leben"},"content":{"rendered":"<p>Festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen sp\u00fcrt Markus Mayer aus Bad Urach-Wittlingen t\u00e4glich bei der Arbeit (Foto). Seine H\u00e4nde greifen nach den Wurzeln und nicht nach den Sternen. Er geh\u00f6rt zu jenen Bauern auf der Alb, die Regionalit\u00e4t ehrlich leben. Er verkauft seine Fleisch-Produkte im Hofladen und auf den Wochenm\u00e4rkten <!--more-->der Kleinst\u00e4dte im Tal. Solchen Menschen, wie auch der Alb-Natur selbst, sind Spekulationsblasen g\u00e4nzlich fremd. Es erntet nur, wer beizeiten s\u00e4t. Die Finanzkrise best\u00e4tigt, dass dieses \u00dcberlebensprinzip immer Bestand hat.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7598\" title=\"Bauer_Traktor_Lachen_84FB6713\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Traktor_Lachen_84FB6713.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Traktor_Lachen_84FB6713.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Traktor_Lachen_84FB6713-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Traktor_Lachen_84FB6713-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><em>Wir haben es geschafft:\u00a0Markus Mayer und seine Frau Maria halten ihre Schweine auf Stroh, betreiben einen von Ausfl\u00fcglern gut besuchten Hofladen, steuern mit ihrem mobilen Verkaufslaster die Wochenm\u00e4rkte der Albt\u00e4ler an und haben das eigene Dach \u00fcberm Kopf, das\u00a0zudem viel Energie von der Sonne liefert. (Foto: Sonnenhof Wittlingen- Bad Urach)<\/em><\/span><\/p>\n<p>Denn: Wer der Mutter Erde mehr nimmt, als sie gibt, steht nach gerade mal einem halben Jahrhundert mit dem R\u00fccken zur Wand. Globalisierung, Energiewende, W\u00e4hrungsunion \u2013 nur zehn Jahre lang konnte der Euro als stabiler Wert f\u00fcr harte H\u00e4ndearbeit bestehen. Heute herrscht Angst: Kann ich meine Schulden f\u00fcrs H\u00e4usle zahlen, wie sicher ist der Arbeitsplatz? Was ist mein Erspartes als Rente am Lebens\u00adabend noch wert? Hier ist verlassen, wer sich auf andere verl\u00e4sst. Ausweg: R\u00fcckbesinnung auf die eigenen Kr\u00e4fte. Da wiederum liegt das typische Albleben krisensicher im Trend. Ein eigenes Dach \u00fcberm Kopf geh\u00f6rt in den Albd\u00f6rfern zum Grundwohlstand. Dies macht unabh\u00e4ngig von Mietwucher wie er in St\u00e4dten grassiert, ausgel\u00f6st durch die Gier der Spekulanten.<\/p>\n<p>Hatte noch in den 60er-Jahren fast jeder seine f\u00fcnf K\u00fche im Haus, die Miste davor und dahinter im Garten Gem\u00fcse, Kartoffeln und Kr\u00e4uter, so mischt sich heute zunehmend st\u00e4dtische Luxus\u00e4sthetik ins Dorf\u00adidyll. Festungen aus blickdichten, asiatischen Thujahecken ersetzen heimische Str\u00e4ucher, die Insekten und V\u00f6geln Platz zum Leben bieten k\u00f6nnten. Toter Rasen gr\u00fcnt auf englisch korrektes Golfplatzniveau gestutzt. Trotzdem \u2013 die Krautgartenkultur ist noch nicht verschwunden \u2013 sie ruht in einer Art Winter- oder besser Wohlstandsschlaf. Denn Oma und Opa schleppen immer noch die Gie\u00dfkanne zu den Salatk\u00f6pfen hinterm Haus, oder zum dorfeigenen Krautgarten\u00adareal.<\/p>\n<p>Kopftuch und Kittelschurz, staubige Cordh\u00fcte und Arbeitshose sind hier immer noch Ausdruck eines von gro\u00dfer Antriebskraft strotzender Lebensintelligenz. In Krisenzeiten lie\u00dfe sich diese schnell reanimieren. Die Zeit daf\u00fcr scheint reif. Korruption, Gro\u00dfbauprojektskandal, Banken-Betrug, Lebensmittelpanscher, Schlamperei in Altersheimen, Organh\u00e4ndler in Krankenh\u00e4usern n\u00e4hren den Wunsch nach mehr Menschlichkeit. Und wo hoffen sie diese zu finden? Auf dem Land, auf der Schw\u00e4bischen Alb, wo die knorrige Faust lieber in die Erde greift, als mit Superlativen zu prahlen und vom gro\u00dfen Tun nur zu reden.<\/p>\n<p>Die Alb beherbergt viele dieser autarken Macher. Noch h\u00e4ngen sie nicht entm\u00fcndigt im sozialen Netz, in dem von Wahlperiode zu Wahlperiode nach parteipolitischem Gusto \u00fcber die Lebenswerte entschieden wird. Kindertagesst\u00e4tten nein, morgen ja, Turbo-Abi nein, morgen ja \u2013 und was wird aus der Rente? Albfamilien kennen diese Sorgen auch. Aber \u2013 nicht nur bei der Kartoffelernte stehen S\u00f6hne, T\u00f6chter und Enkel auf dem Roderer zusammengeschwei\u00dft als Team, sondern auch beim \u00c4lterwerden sorgt dieser effektive Sozialverband und deren familieninterner Generationenvertrag f\u00fcr ein sorgenfreieres, erf\u00fclltes Albleben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7597\" title=\"Bauer_Saat_Acker_3BFW6091\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Saat_Acker_3BFW6091.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Saat_Acker_3BFW6091.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Saat_Acker_3BFW6091-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Bauer_Saat_Acker_3BFW6091-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Eigenst\u00e4ndigkeit auf der Alb:\u00a0<\/span>Schw\u00e4bische Alb ist chic, so w\u00fcnschen es sich heute schrille Marketing-Strategen. Lifestyle \u2013 nein danke. Die Alb ist auch ohne hippe Slogans sch\u00f6n.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">Leben von der Alb:<\/span>\u00a0Wer selbst s\u00e4t, wei\u00df, was er erntet. Dies ist heute der einzige Garant f\u00fcr gesunde Nahrung. Pferdefleisch, Bio\u00adeier-Schwindel und Futterskandal sollten eigentlich endlich wach r\u00fctteln.<\/p>\n<p><span style=\"color: #808000;\">\u00c4lter werden mit der Alb:\u00a0<\/span>Holz hacken, Unkraut j\u00e4ten \u2013 das h\u00e4lt fit. Falls die Gesundheit doch nicht mehr will, gibt\u00b4s ja noch die Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2013, Seite 14<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Festen Boden unter den F\u00fc\u00dfen sp\u00fcrt Markus Mayer aus Bad Urach-Wittlingen t\u00e4glich bei der Arbeit (Foto). Seine H\u00e4nde greifen nach den Wurzeln und nicht nach den Sternen. 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