{"id":7608,"date":"2015-12-09T15:09:32","date_gmt":"2015-12-09T14:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7608"},"modified":"2015-10-26T12:40:43","modified_gmt":"2015-10-26T11:40:43","slug":"natur-die-einsamkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7608","title":{"rendered":"Natur &#8211; die Einsamkeit"},"content":{"rendered":"<p>Raus in die Natur \u2013 welche Natur? Unsere W\u00e4lder sind wie die Kornfelder zur maximalen Ausbeute maschinentauglich gestutzt, begradigt und vom gefr\u00e4\u00dfigen Wildgetier ges\u00e4ubert und entleert. Wald ist nicht Wald und schon gar nicht <!--more-->als Fichtenmonokultur. Wer von uns hat schon mal einen Urwald gesehen? Die Misch\u00adw\u00e4lder auf der Alb zumindest besitzen Ur-Potential. Deren k\u00fcnftigen Baumriesen allerdings werden erst die Kinderaugen unserer Kinder mehr erahnen k\u00f6nnen als leibhaftig sehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7591\" title=\"Winter_baum_84FB8547\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Winter_baum_84FB8547.jpg\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Winter_baum_84FB8547.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Winter_baum_84FB8547-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Winter_baum_84FB8547-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><em>Wild auf Wald:\u00a0Immerhin \u2013 die Schw\u00e4bische Alb leidet nicht unter der Fichtenmonotonie eines Schwarzwaldes. Doch richtig alt werden die Alb-Buchen auch nicht.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Denn: Eine m\u00e4chtige Buche wird stolze 300 Jahre alt und misst im Umfang bis zu unglaubliche f\u00fcnf Meter. In unseren Baumplantagen aber \u00fcberleben die Buchen nicht einmal den statistischen Durchschnittsmensch. Wer betagte Holzgenossen mit \u00fcber 50 Zentimetern Durchmesser finden will, muss suchen \u2013 selbst im Biosph\u00e4rengebiet der Schw\u00e4bischen Alb (siehe Winterfoto rechts). Denn ein Schutzgebiet, das erst seit 2009 besteht, macht noch lange keine wilde Natur. Zumal bis vor den Stichtag der UNESCO-Anerkennung die eine oder andere Gemeinde aus ihrer k\u00fcnftigen Urwald-Kernzonen noch schnell Holz machte, dass die Erntemaschinen gl\u00fchten.<\/p>\n<p>Das war nicht immer so. Noch vor 500 Jahren verbarrikadierte dichter Urwald die Gebiete zwischen den wenigen Siedlungen auf der Alb. Das Nachbardorf kannte man nur vom H\u00f6rensagen, Wege gab\u00b4s kaum. Arm waren die \u00c4lbler, denn das kostbare Wasser zerrann im por\u00f6sen Karstgestein. Zisternen und H\u00fclen sammelten in den D\u00f6rfern das kostbare Nass.<\/p>\n<p>Das heute charakteristische Bild dieses Karstgebirges \u2013 ein Mosaik aus Wald und Grasl\u00e4ndern \u2013 geht auf die j\u00fcngere Tradition der Schafhaltung und Waldbeweidung zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die lichten Hutew\u00e4lder mit ihren charakteristischen vielst\u00e4mmigen Baumriesen \u2013 auch Weidbuchen genannt \u2013 pr\u00e4gen noch heute das urige Landschaftsbild des ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatzes M\u00fcnsingen (sehenswert). Ab dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert diente der Wald als Weide f\u00fcr K\u00fche und Schafe das ganze Jahr. Selbst Schweine trieben die Bauern in den Forst, seinerzeit zur Eichelmast. Weil die Tiere die nachwachsenden B\u00e4ume fra\u00dfen, entstanden lichte W\u00e4lder, die bisweilen ganz verschwanden. Einen kulturhistorisch wertvollen Anschauungsbeitrag leistet sich die Albgemeinde Deggingen im Oberen Filstal (Nordalb). Seit Ende 2007 ist auf 16 Hektar des Gemeindewaldes die historische Nutzungsform wieder erlaubt. Ein lichtdurchfluteter Hutewald gibt seltenen K\u00e4fern und Insekten wieder wertvollen Lebensraum. Zu diesem Zweck beweidet ein Degginger Sch\u00e4fer regelm\u00e4\u00dfig diesen Hutewald mit seiner Herde. Eine historische Schweinehut dagegen k\u00f6nnen Interessierte auf der S\u00fcdalb bestaunen \u2013 im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen.<\/p>\n<p>Den Schafherden verdankt die Alb auch seine lieblichen Wacholderheiden wie beispielsweise die Eichhalde bei Buttenhausen im Lautertal. Sie sind allerdings selten geworden in dem Ma\u00dfe, wie die Sch\u00e4ferei sich nicht mehr rentiert. Aus den Heidefl\u00e4chen entstand intensives Gr\u00fcnland oder gar Ackerfl\u00e4chen. Die Silberdistel als Wahrzeichen des Biosph\u00e4rengbietes soll den \u00f6kologischen Wert dieser Heiden ins Bewusstsein r\u00fccken.<\/p>\n<p>Heute bedecken 211000 Hektar Wald die Alb, wobei der Nadelbaumanteil laut Forstliche Forschungsanstalt Baden-W\u00fcrttemberg zwischen 1978 und 1998 von 49 Prozent auf 38 zur\u00fcckging. Der Laubbaumanteil betr\u00e4gt 47 Prozent, darunter die Buche mit 39 Prozent. Viele der unwirtschaftlichen Hangschluchtw\u00e4lder wurden gem\u00e4\u00df UNESCO-Forderungen als gesch\u00fctzte Kernzonen ausgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2013, Seite 16<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raus in die Natur \u2013 welche Natur? Unsere W\u00e4lder sind wie die Kornfelder zur maximalen Ausbeute maschinentauglich gestutzt, begradigt und vom gefr\u00e4\u00dfigen Wildgetier ges\u00e4ubert und entleert. 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