{"id":7648,"date":"2014-09-12T11:09:09","date_gmt":"2014-09-12T09:09:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7648"},"modified":"2025-12-05T10:39:55","modified_gmt":"2025-12-05T09:39:55","slug":"ein-leben-in-albnatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7648","title":{"rendered":"Ein Leben in Albnatur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>Landleben: Tierische Landschaftsarchitekten pr\u00e4gen die \u00c4sthetik der Schw\u00e4bischen Alb<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Das Schaf gilt als das Gesicht der Schw\u00e4bischen Alb. Dessen Fressgewohnheit gestaltete die markante Heidelandschaft dieses Gebirges. <!--more-->Ab dem sp\u00e4ten Mittelalter sicherte die Wolle der Tiere das \u00dcberleben auf dem Land. Die Wandersch\u00e4ferei aber begr\u00fcndete auch den industriellen Aufschwung im Tal. Textilzentren entstanden am Nordrand der Alb.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7649\" title=\"Schafe_IMG_4969\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4969.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4969.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4969-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4969-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Die Abendsonne streift die Wipfel der Buchen auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz M\u00fcnsingen. Lange Schatten stehen im Kontrast zum gold schimmernden Licht. Ged\u00e4mpftes Bl\u00f6ken von 600 Mutterschafen und 350 L\u00e4mmern erf\u00fcllt die schwere Abendluft nach einem warmen Fr\u00fchlingstag.<\/p>\n<p>Zwei H\u00fctehunde treiben wild bellend die Herde zusammen. Die tierischen Landschaftsarchitekten der Schw\u00e4bischen Alb begeben sich nach ihrer Wanderung nun zur Ruhe. Der Sch\u00e4fer pflockt einen mobilen Zaun, der die Herde auf dem Pferchacker zusammendr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Prozedur wiederholt sich jeden Tag schon seit mehreren hundert Jahren. Fressen, wandern und wieder fressen. Auf den wenig ertrag\u00adreichen, aber w\u00fcrzigen Kalkmagerweiden der Alb f\u00fchlen sich Schafe wohl. Auch halten sie den Wald in Zaum, denn gerne naschen sie an Bl\u00e4ttern und jungen Trieben. G\u00e4b\u00b4s die Schafe nicht, g\u00e4b\u00b4s nur Wald. Die \u00fcber 30000 Tiere auf dem alten Milit\u00e4rgel\u00e4nde halten dort die Steppen frei. Es sieht dort aus wie fr\u00fcher. Die Wandersch\u00e4ferei konservierte im Herzen des Biosph\u00e4renreservates ein Landschaftsbild, das f\u00fcr Menschen vor 100 Jahren allt\u00e4glich war. Der Milit\u00e4rbetrieb bis 2005 verbot Ackerbau \u2013 das 6700 Hektar gro\u00dfe Areal blieb von Flurbereinigung und den Folgen intensivierter Landwirtschaft verschont: Endlose Weiten, keine begradigten, begrenzten Waldr\u00e4nder, stattdessen lockern wild versprengte Baumgruppen das fahlgr\u00fcne Heideland auf. Streng nach Planquadraten asphaltierte und geschotterte St\u00f6rungslinien sind diesem selten sch\u00f6nen Gel\u00e4nde fremd. Diese Landschaftskunst ist den Albsch\u00e4fern und deren gen\u00fcgsamen Wolltieren geschuldet.<\/p>\n<p>Schafe sind in der Tat nicht anspruchsvoll, einzig Wacholder, Enzianarten und stachelige Gesellen wie Disteln oder Giftpflanzen wie Zypressen-Wolfsmilch verschm\u00e4hen sie. Diese \u00dcberlebensk\u00fcnstler geben als markante Pflanzengesellschaft dem rauherben Heideland ihr Gesicht. Wacholderheiden genie\u00dfen heute Schutz und bilden als seltenes Biotop wertvollen Lebensraum f\u00fcr viele Insekten und V\u00f6gel.<\/p>\n<p>Diese typische Kulturlandschaft dieses spr\u00f6den Karstgebirges geht also sprichw\u00f6rtlich durch den Magen: Durch den Magen der Schafe einerseits und anderseits durch den Magen jener \u00c4lbler, die einen bewussten Umgang mit hochwertigen Lebensmitteln hegen und pflegen. Der Genuss von heimischem Lammfleisch gestaltet das Landschaftsbild der Alb, bef\u00f6rdert die wenig rentable Sch\u00e4ferei, aber auch die eigene Gesundheit. Das in Folge der naturnahen Tierhaltung durchaus ein naturnahes Lebensmittel entsteht, ist allerdings bislang nur dem querdenkenden Genussmensch bewusst. Der Rest isst, wie er immer isst: Viel Rind und noch mehr Schwein. In Zahlen: Schaf- und Ziegenfleisch verzehrt die Bev\u00f6lkerung 0,6 Kilogramm pro Kopf, Rind und Kalb 9 Kilogramm und Schwein satte 39 Kilogramm. Dabei ist das Risiko von R\u00fcckst\u00e4nden aus Tierarzneimitteln im Lammfleisch geringer als bei anderen Fleischsorten aus der Massentierhaltung. Denn: Schafe auf der Weide leiden weniger unter Stress als die vielen Schweine im Stall. L\u00e4mmer und Schafe aus traditioneller H\u00fctehaltung erfreuen sich daher einer h\u00f6heren Vitalit\u00e4t. Das Fleisch von Schafen, die auf Magerrasen und Wacholderheiden mit vielen Kr\u00e4utern weiden, sind schmackhafter und auch ges\u00fcnder. Doch gibt es Ausnahmen, bisweilen haben L\u00e4mmer nie das Sonnenlicht gesehen. Deshalb scheuen Sie sich nicht, beim Metzger nach der Sch\u00e4ferei, deren Haltung und Futterquellen zu fragen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-7651\" title=\"Schafe_IMG_4973\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4973-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4973-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_4973-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-7650\" title=\"Schafe_IMG_2060\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_2060-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_2060-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Schafe_IMG_2060-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-268\" title=\"84FB0449_Schaf\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB0449-150x150.jpg\" alt=\"Sch\u00e4ferei auf der Alb _Schaf\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB0449-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB0449-92x92.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/p>\n<p>Doch steigt das Image der Schafe nur und somit der Lammfleischkonsum, wenn Umdenken von vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen flankiert wird. Beispielhaft hierf\u00fcr gilt das Qualit\u00e4tssiegel Ostalblamm. Der Landkreis Heidenheim initiierte 2004 ein Marketing-Projekt, das Verbrauchern Qualit\u00e4t garantieren soll: Die Marke Ostalblamm steht f\u00fcr traditionelle H\u00fcteschafhaltung zur Pflege wertvoller Wacholderheiden, artgerechte Tierhaltung, Futtermittel aus der Region ohne gentechnisch ver\u00e4nderte Bestandteile, ausgezeichnete Fleischqualit\u00e4t von jungen Schlachttieren mit feinem aromatisch-mildem Geschmack und Herkunftsgarantie.<\/p>\n<p>Doch auch traditionelle Veranstaltungen rund ums Schaf r\u00fccken das \u00e4lteste Nutztier des Menschen im Bewusstsein zurecht. Alle zwei Jahre &#8211; und zwar in den Jahren mit den ungeraden Zahlen &#8211; feiert Urach seinen Sch\u00e4ferlauf, in diesem Jahr am 13. Juli. Der Heidenheim Sch\u00e4ferlauf fand mangels Organisatoren zum letzten Mal 2008 statt. Daf\u00fcr hat M\u00fcnsingen 2010 den Schafauftrieb ins Leben gerufen. Als Huldigung f\u00fcr einen wertvollen Berufsstand feiert M\u00fcnsingen den Schaftrieb des Stadtsch\u00e4fer Stotz von seinen St\u00e4llen auf die Gruorner Sommerweiden auf dem ehemaligen Truppen\u00fcbungsplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #993300;\"><strong>Sch\u00e4feridylle: Viel Herz bei der Arbeit f\u00fcr wenig Lohn<\/strong><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-270 alignleft\" title=\"84FB9598\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB9598.jpg\" alt=\"Sch\u00e4ferei auf der Alb _Schaf\" width=\"160\" height=\"107\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB9598.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/84FB9598-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><em>Schafschur: Eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Scherkolonne schafft 800 Schafe am Tag. Fr\u00fcher stapelten sie die Wolle vorsichtig als ganzes Vlies. Heute stopft und stampft man Wolle einfach in den Sack.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Der Schein tr\u00fcgt. So malerisch Herdenszenen anmuten, so hart verdient der Sch\u00e4fer sein Brot. Der Tag ist lang, wenn\u00b4s einem in den Kragen regnet. Man muss immer da sein \u2013 365 Tage im Jahr. Im Winter von vier Uhr in der Fr\u00fch bis neun Uhr am Abend, im Sommer von f\u00fcnf bis zehn Uhr nachts. Mit Wolle und Milch ist nichts verdient und auch die Fleischproduktion mit nur rund 50 Euro pro Muttertier f\u00fcllt die Haushaltskasse kaum. Deshalb bessert die EU die Einkommen der Sch\u00e4fer mit bis zu 40 Prozent auf. Wenn wir immer nur billig kaufen, m\u00fcssen die Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger eben per Subvention die n\u00f6tige Landschaftspflege bezahlen. Das Agrarministerium errechnet einen durchschnittlichen Gewinn pro Betrieb von 27500 Euro. Das ergibt weniger als f\u00fcnf Euro pro Arbeitsstunde. Alleine in den letzten zehn Jahren ging deshalb die Zahl der Sch\u00e4fer und Schafe in Baden-W\u00fcrttemberg um 28 Prozent zur\u00fcck. Heute weiden im L\u00e4ndle nur noch 221300 Schafe, davon rund 100000 auf der Alb. Fr\u00fcher lebten die Sch\u00e4fer von der Wolle, heute ist sie meist nur Abfallprodukt.<\/p>\n<p>Dies l\u00e4sst sich \u00e4ndern. Davon ist Veronika Kraiser \u00fcberzeugt. In ihrer Textilfirma Flomax in G\u00e4chingen denkt die kreative Modedesignerin nicht nur in ausgefallenen Mustern, sondern auch in exotischen Materialien. Kraiser verarbeitet hochwertige Wolle von Albmerino-Schafen. Im Stadtsch\u00e4fer Stotz aus M\u00fcnsingen fand die G\u00e4chingerin einen Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2013, Seite 28<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tradition &#038; Handwerk: Tierische Landschaftsarchitekten pr\u00e4gen die \u00c4sthetik der Schw\u00e4bischen Alb<\/p>\n<p>Das Schaf gilt als das Gesicht der Schw\u00e4bischen Alb. 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