{"id":7660,"date":"2014-12-03T11:17:44","date_gmt":"2014-12-03T10:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7660"},"modified":"2014-12-12T11:18:52","modified_gmt":"2014-12-12T10:18:52","slug":"die-erde-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7660","title":{"rendered":"Die Erde lebt"},"content":{"rendered":"<p><em>Albnatur: 30 Jahre M\u00f6ssinger Erdrutsch<\/em><\/p>\n<p>Zum 30. Mal j\u00e4hrte sich am 12. April 2013 der M\u00f6ssinger Bergrutsch, das dramatische Schauspielpiel der Verg\u00e4nglichkeit am Albtrauf. Armin Dieter, seinerzeit als Erster vor Ort, hat das packende Spiel der Natur in faszinierenden Bildern festgehalten.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7663\" title=\"Moessingen_Foto_Armin Dieter_Geroellhalde1983\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_Geroellhalde1983.jpg\" width=\"320\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_Geroellhalde1983.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_Geroellhalde1983-160x105.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_Geroellhalde1983-140x92.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/>\u00a0<em><strong><span style=\"color: #808000;\">Foto: 1983<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p>Alles flie\u00dft \u2013 \u201ePanta rhei\u201c, hat schon der antike Philosoph Heraklit erkannt. Nichts ist unver\u00e4nderlich \u2013 au\u00dfer der steten Ver\u00e4nderung aller Dinge. St\u00e4ndigen Wandel erkennen wir oft schmerzhaft an uns selbst und unseren N\u00e4chs\u00adten. In einer festgef\u00fcgten Naturkulisse w\u00fcrde mancher vielleicht Trost finden, aber auch das ist Illusion: Seen verlanden, K\u00fcstenlinien rutschen ins Meer. Die Schw\u00e4bische Alb vollzieht ihre Verg\u00e4nglichkeit meist als stillen Prozess. Wohl zeigen uns der Albh\u00f6he schon entfernte Zeugenberge und Vulkanschlote, dass das Gebirge vor 15 Millionen Jahren 25 Kilometer weiter nach Nordosten ragte, es weicht 1,6 Millimeter jedes Jahr zur\u00fcck, w\u00e4hrend eines Menschenlebens also kaum zu erkennen. Manchmal wiederum \u2013 zum Gl\u00fcck mit \u00fcber hundertj\u00e4hrigen Abst\u00e4nden \u2013 krachen ganze Bergh\u00e4nge mit apokalyptischem Brausen auf einmal herab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7661\" title=\"Moessingen_Foto_Armin Dieter_GEROELLHALDE2012\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEROELLHALDE2012.jpg\" width=\"320\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEROELLHALDE2012.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEROELLHALDE2012-160x106.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEROELLHALDE2012-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/>\u00a0<span style=\"color: #808000;\"><em><strong>Foto: 2012<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p>Der letzte gro\u00dfe Bergsturz auf der Alb geschah am 12. April 1983 am Hirschkopf nahe M\u00f6ssingen fast unbemerkt. Nebel verh\u00fcllte seit Tagen den Trauf, Regen fiel in rauen Mengen. Noch um neun Uhr fiel dem erfahrenen F\u00f6rster bei seiner Routinefahrt nichts auf. Um 13 Uhr aber fehlte schon der Weg, der Waldmann sah gebrochene B\u00e4ume. Jetzt wurde Armin Dieter gerufen, Student aus Belsen nahe des Berges. Dieter hatte einen Ruf als Naturfotograf, der den Hirschkopf kannte, wie keiner sonst. Deshalb wurde er beauftragt zu erkunden, was da oben geschah. Armin Dieter geriet unversehens in einen Albtraum. Ganze W\u00e4lder rutschten an ihm vorbei, die B\u00e4ume aufrecht, und schlie\u00dflich riss die Erde auch ihn zu Tal. Unversehens kam er zum Stehen und versuchte die Flucht nach Westen. Aber da ragte eine acht Meter hohe Felsbarriere, wo fr\u00fcher nie eine war. Erst im Osten entkam Dieter dem Inferno.<\/p>\n<p>Als sich am Folgetag der Nebel verzog, klaffte eine Wunde im Albtrauf, weit vom Unterland sichtbar. Auf 600 Meter Breite hatten sich die von den enormen Niederschl\u00e4gen aufgequollenen Gesteinsschichten gel\u00f6st. 4 Millionen Kubikmeter Erde und Ger\u00f6ll waren mit allem, was darauf wuchs und lebte zu Tal gerauscht, insgesamt wog der Erdrutsch \u00fcber acht Millionen Tonnen. Die Rutschzunge reichte einen Kilometer ins Tal, eine Realit\u00e4t, die Hollywood- Katastrophenszenarien leicht in den Schatten stellte. Aber Regen und Nebel hatten auch das infernalische Grollen verschluckt.<\/p>\n<p>Der M\u00f6ssinger Bergrutsch schaffte es zum deutschlandweiten Medienereignis. Bald hatte die heimische Polizei alle H\u00e4nde voll zu tun, Schaulustige abzuhalten, sich im Rutschgebiet, das bis heute in Bewegung ist, in Lebensgefahr zu begeben. Was aber als \u201eTod der Natur&#8220; und \u201eKatastrophe&#8220; stilisiert wurde, bewies, dass gerade im Wandel der Natur Trost und Faszination liegen. Im Rutschgebiet am Hirschkopf vollzogen sich eigentlich vieltausendj\u00e4hrige Naturprozesse im Zeitraffer. T\u00fcmpel entstanden im Ger\u00f6ll, seltene Tiere, wie die Europ\u00e4ische Sumpfschildkr\u00f6te kamen &#8211; und gingen. Denn inzwischen wandelt sich die Vegetation zur\u00fcck zum Mischwald, wie wir ihn \u00fcberall kennen auf der Alb. Armin Dieter hat das Wunder des Vergehens und Werdens in seiner Heimat niemals mehr losgelassen. Unerm\u00fcdlich steigt er durchs gef\u00e4hrliche Gel\u00e4nde und h\u00e4lt den sensationellen Wandel fotografisch fest.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7664\" title=\"Moessingen_Foto_Armin Dieter_LUFTBILD1983\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_LUFTBILD1983.jpg\" width=\"320\" height=\"238\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_LUFTBILD1983.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_LUFTBILD1983-160x119.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_LUFTBILD1983-140x104.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #808000;\"><em>Bergrutsch: Die Wunde am Hirschkopf, rund 600 Meter breit und einen Kilometer lang, ist aus der Luft deutlich zu sehen. Sie gliedert sich in Steilwand (neuer Albtrauf), einen Keil stehengebliebenen Waldes, ein Ger\u00f6llfeld und gest\u00fcrzten B\u00e4umen unter dem Hang.\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p>Was Dieter vor 30 Jahren beinahe das Leben kostete, hat der Naturfotograf heute zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Neben Dia\u00advortr\u00e4gen \u00fcber heimatkundliche Themen (meistgebucht jener \u00fcber den M\u00f6ssinger Bergrutsch) entstand 1985 im Bayerischen Rundfunk der erste von bislang 14 Fernsehbeitr\u00e4gen. Dieter ist Buchautor (aktuell: \u201eNationaler Geotop- M\u00f6ssinger Bergrutsch) ISBN 978-3-941500-00-6).<\/p>\n<p>Als einziger Bergrutschf\u00fchrer Deutschlands, der 2006 in Hannover die Auszeichnung des Gebiets zum Nationalen Geotop mit entgegennahm, bietet er von Mai bis Oktober am ersten Sonntag im Monat F\u00fchrungen ohne Voranmeldung an. Ebenso hat er die Infotafeln am Erdrutsch-Wanderweg gestaltet. Das Abweichen vom Weg ist wegen der Gefahr verboten. Weitere Infos auch zu Sonderveranstaltungen zum 30. Jahrestag bietet seine Homepage <a href=\"http:\/\/www.alberlebnis.de\" target=\"_blank\">www.alberlebnis.de<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-7662\" title=\"Moessingen_Foto_Armin Dieter_GEWAESSER1987\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEWAESSER1987.jpg\" width=\"320\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEWAESSER1987.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEWAESSER1987-160x105.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Moessingen_Foto_Armin-Dieter_GEWAESSER1987-140x91.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><span style=\"color: #808000;\">Nationales Geotop: Was als Katastrophe begann, wurde zu einem Wunder der Natur. In kahlen Ger\u00f6llfeldern entstanden T\u00fcmpel und verlandeten wieder. Seltene Tiere waren am Hirschkopf Gast auf Zeit.<\/span><\/em><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">Sph\u00e4re\u00a0GPS-Wandertour: Dufte Sache (M\u00f6ssingen) <a href=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=10400\" target=\"_blank\">hier&gt;&gt;<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><em>Text: Marco Heinz \/ Fotos: Armin Dieter<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><\/em><em>Printausgabe: Sph\u00e4re 1\/2013, Seite 34<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albnatur: 30 Jahre M\u00f6ssinger Erdrutsch Zum 30. Mal j\u00e4hrte sich am 12. April 2013 der M\u00f6ssinger Bergrutsch, das dramatische Schauspielpiel der Verg\u00e4nglichkeit am Albtrauf. 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