{"id":7823,"date":"2007-02-22T14:06:38","date_gmt":"2007-02-22T13:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7823"},"modified":"2013-05-21T14:16:56","modified_gmt":"2013-05-21T12:16:56","slug":"naturschutz-kontra-umweltschutz-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=7823","title":{"rendered":"Naturschutz kontra Umweltschutz"},"content":{"rendered":"<p><em>Roter Milan verhindert Windkraftanlage in R\u00f6merstein<\/em><\/p>\n<p>22.2.2007: Die schon genehmigten Windkraftanlagen (WKA) im Gewann Lenthalde bei Zainingen d\u00fcrfen nicht errichtet werden, da R\u00f6merstein ein europaweit herausragendes Dichtezentrum von Milanen ist. <!--more-->Grundlage f\u00fcr das \u201eNein\u201c vom Landratsamt ist ein eigens in Auftrag gegebenes Gutachten des renommierten Vogelkundlers Wulf Gatter, von der international bekannten Forschungsstation Randecker Maar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1297\" title=\"Energie_Windkraft_aufmacher\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Energie_Windkraft_aufmacher.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Energie_Windkraft_aufmacher.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Energie_Windkraft_aufmacher-160x104.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Energie_Windkraft_aufmacher-140x91.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p>Diese auf den ersten Blick etwas \u00fcberraschende Entscheidung kann erst dann nachvollzogen werden, wenn man sich bewusst wird, welche gro\u00dfe Verantwortung gerade die Schw\u00e4bische Alb in Deutschland f\u00fcr diesen nur in Europa vorkommenden Greifvogel hat. Denn weltweit gibt es knapp 18000 Brutpaare, die ausschlie\u00dflich in Europa vorkommen. Davon wiederum br\u00fcten zwei Drittel in Deutschland. R\u00f6merstein beherbergt so viele Rotmilane wie sonst kaum in Europa auf so engem Raum zu finden sind. Auf 86 Quadratkilometern konnten die Vogelkundler 15 Brutpaare beobachten. 2002 wurde der Rotmilan in die Vorwarnliste der neuen Rote Liste gef\u00e4hrdeter Brutv\u00f6gel in Deutschland aufgenommen und genie\u00dft auch daher den Schutz der EU.<\/p>\n<p>Erkenntnism\u00e4ngel und zum Teil widerspr\u00fcchliche Ergebnisse kennzeichnen immer noch den Wissensstand zum Einfluss von Windenergieanlagen auf V\u00f6gel. Bisherige Gutachten zur Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vogelarten sind nach Ansicht von Wulf Gatter nicht repr\u00e4sentativ und w\u00fcrden je nach Interessanlage eingesetzt. Dieses Gutachten jedoch, das als Grundlage zur Ablehnung der Errichtung der Windr\u00e4der im Gewann Lenthalde in R\u00f6merstein-Zainingen bildet, wurde nicht von einem anderen Landstrich auf das Gebiet um R\u00f6merstein \u00fcbertragen, sondern w\u00e4hrend einer sechsmonatigen Beobachtungszeit vor Ort erstellt.<\/p>\n<p>Problematisch f\u00fcr die Zugv\u00f6gel, zu denen auch der Rotmilan geh\u00f6rt, ist es, dass auf der Alb m\u00f6gliche Standorte f\u00fcr Windkraftanlagen meist auf Kuppen ausgewiesen werden. Diese wiederum sind wichtige Thermik-Knotenpunkte innerhalb der Zugwege, auf denen Milane wandern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #800000;\">SPH\u00c4RE WISSEN<\/span><\/h3>\n<p><strong>Warum gibt es in R\u00f6merstein so viele Rotmilane?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1406\" title=\"roter_MIlan\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan.gif\" alt=\"\" width=\"121\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan.gif 121w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/roter_MIlan-112x140.gif 112w\" sizes=\"auto, (max-width: 121px) 100vw, 121px\" \/>Greifv\u00f6gel ziehen auf breiter Front \u00fcber Mitteleuropa hinweg. Dabei kommt es zu lokalen Konzentrationen entlang des Albrandes, an P\u00e4ssen und T\u00e4lern wie dem Randecker Maar bei Schopfloch und dem Filstal zwischen Geislingen und Wiesensteig. R\u00f6merstein liegt in s\u00fcdlicher Verl\u00e4ngerung dieser beiden Albtraufeinschnitte. Bedeutsam f\u00fcr die Greifv\u00f6gel ist in diesem Bereich die Thermik, mit deren Hilfe sich die V\u00f6gel nach oben schrauben.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund ist der hohe Wiesenanteil im R\u00f6merstein, die mosaikartig zu unterschiedlichen Zeiten bearbeitet werden und so f\u00fcr stetigen Futternachschub sorgen. Rotmilane jagen auf \u00c4ckern, Wiesen und Weiden, wobei sie frisch gem\u00e4hte Wiesen oder kurzes Gras bevorzugen. Auch frisch bearbeitete \u00c4cker geh\u00f6ren zu den Lieblingsjagdgr\u00fcnden, da sich auch hier viele kleine Tiere tummeln.<\/p>\n<p><strong>Weshalb f\u00fchlen sich V\u00f6gel durch Windenergieanlagen gest\u00f6rt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Windr\u00e4der stellen aufgrund ihrer H\u00f6he unnat\u00fcrliche Hindernisse dar, die kr\u00e4fteraubend umflogen werden m\u00fcssen. Zudem sorgen sie f\u00fcr Verwirbelungen der Luftschichten, was die Tiere nicht vorhersehen k\u00f6nnen. Sieht das Tier die Windkraftanlage zu sp\u00e4t, fliegt es dagegen und kommt ums Leben. Fachleute sprechen dann von \u201eVogelschlag\u201c;. Davon sind nach aufgezeichneten Funden haupts\u00e4chlich Rotmilane mit 62 gefolgt vom M\u00e4usebussard mit 39 toten Tieren betroffen und das obwohl der M\u00e4usebussard in Deutschland sieben Mal h\u00e4ufiger vorkommt. Das Problem scheint jedoch nicht darin zu bestehen, dass die Milane die Windr\u00e4der nicht sehen. Die Vogelkundler gehen eher davon aus, dass die V\u00f6gel beim Anblick der Rotoren sich nicht zu helfen wissen, dass sie kein Vermeidungsschema in ihrem Verhaltensprogramm haben.<\/p>\n<p><strong>Beobachtungen an den Windr\u00e4dern in Westerheim\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>17. September 2006 Beobachtung zwischen 11 und 16 Uhr.<\/li>\n<li>Beobachtete V\u00f6gel: Rohrweihen, Rotmilan, M\u00e4usebussard und Turmfalke<\/li>\n<li>Bussarde schreiben sich n\u00f6rdlich und \u00f6stlich der Windenergieanlagen (WEA) in die H\u00f6he und ziehen mit Umweg um die R\u00e4der weiter.<\/li>\n<li>Rohrweihen ziehen unter Rotorh\u00f6he, wobei ein Tier mehrfach irritiert die Richtung wechselt, der andere die Anlage weitr\u00e4umig umfliegt.<\/li>\n<li>Turmfalken ziehen weit oberhalb der Rotoren auf ihrer Bahn weiter.<\/li>\n<li>Rotmilane \u00e4ndern ihre Flugrichtung, teilweise versuchten sie an H\u00f6he zu gewinnen, um weit \u00fcber die Anlage zu fliegen. Drei Tiere fliegen in den Bereich der Anlagen, einer unbehelligt, der zweite kommt dem Rotor zu nahe, erschrickt und weicht in panikartigen Zickzackfl\u00fcgen mit ausgestreckten F\u00e4ngen aus wobei er sich kurz seitlich und auf den R\u00fccken wirft, sich dann fallen l\u00e4sst und nach kurzem Irrweg weiter in die vorgesehene Richtung fliegt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aufgezeichnete Funde:\u00a0Die Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg dokumentiert inzwischen bundesweit in einer zentralen Datenbank alle Meldungen von an Windenergieanlagen (WEA) verungl\u00fcckten V\u00f6geln und Flederm\u00e4usen. Sie beinhaltet Ergebnisse aus Publikationen, Zufallsfunden und systematischer Kontrollen. Mittlerweile umfasst die Datenbank Angaben zu 389 verungl\u00fcckten V\u00f6geln aus 84 Arten und 342 Flederm\u00e4use aus 13 Arten. Von Eulen wurde nur Uhus gefunden, die Taggreifv\u00f6gel f\u00fchren die Liste an obwohl diese Tiere sprichw\u00f6rtlich sehr gut sehen. M\u00f6glicherweise liegt es daran, dass Rotmilane im Jagdflug nach unten schauen und die Rotoren nicht sehen.<\/p>\n<p><strong>Milan im Detail<\/strong><\/p>\n<p>Rotmilane sind Zugv\u00f6gel, die am Mittelmeer \u00fcberwintern. In das \u00dcberwinterungsgebiet n\u00f6rdlich der Sahara ziehen die Rotmilane im Oktober \/ November und kommen dann im Februar \/ April wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sie sind mit 65 cm K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe noch gr\u00f6\u00dfer als M\u00e4usebussarde, aber schlanker. M\u00e4nnchen wiegen bis etwa ein Kilo, Weibchen sind etwas schwerer, so dass man im Vergleich bei kreisenden Paaren die Geschlechter gut unterscheiden kann. Mit einer Fl\u00fcgelspannweite von bis zu 180 cm ist der Rotmilan schon eine imposante Erscheinung. Nicht nur der lange gegabelte Schwanz (daher wird der Rotmilan im Volksmund auch Gabelweihe genannt), auch die rostrote Schwanzoberseite, die rotbraune Unterseite und die gro\u00dfen hellen Felder auf den Handfl\u00fcgeln machen den Greifvogel unverwechselbar.<\/p>\n<p>Zur Nahrung z\u00e4hlen kleine S\u00e4ugetiere, kleine V\u00f6gel, Fische und Aas. Der Rotmilan jagt auch Sperbern, Wanderfalken oder Habichten die Beute ab.<\/p>\n<p>Der Rotmilan ist zwar ein Zugvogel, es gibt aber auch mittlerweile Rotmilane, die in Deutschland \u00fcberwintern. Sie m\u00fcssen dann nat\u00fcrlich im Winter genug Nahrungsquellen vorfinden. Dabei scheint dem Rotmilan die N\u00e4he von M\u00fclldeponien besonders entgegenzukommen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz beginnen die \u00dcberwinterer und Heimkehrer mit ihren Balzfl\u00fcgen. Rotmilane sind ausgesprochen reviertreu und kommen verpaart am Brutplatz an. Die \u00dcberwinterer halten auch in den Wintermonaten an ihrer Paarbindung fest, wahrscheinlich leben die Milane nicht nur in Saison-, sondern in Dauerehe zusammen. Der Brutbeginn liegt im April. Horste werden im Randbereich von W\u00e4ldern angelegt und regelm\u00e4\u00dfig wieder benutzt. Das Nest ist meistens mit Lumpen, Plastik, Papier und anderem Zivilisationsm\u00fcll ausgelegt. Es werden auch Ausweichhorste errichtet. Vom ersten Ei an bebr\u00fctet ausschlie\u00dflich das Weibchen die meistens 2 bis 3 Eier. Nach 31 bis 32 Tagen beginnen die Jungen zu schl\u00fcpfen. In den ersten vierzehn Lebenstagen werden die Jungen nur vom M\u00e4nnchen mit Nahrung versorgt, danach beteiligt sich auch das Weibchen an der Jagd. Die jungen Milane bleiben rund 50 Tage im Horst und brauchen noch weitere vier Wochen, um v\u00f6llig selbstst\u00e4ndig zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>SPH\u00c4RE KOMMENTAR<span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 13px; font-weight: normal;\">\u00a0<\/span><\/h3>\n<p>Windkraft ist ein Thema f\u00fcr sich. Klar sollte man auf alternative Energie zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, um unabh\u00e4ngig von Erd\u00f6l- oder Erdgaslieferanten sowie der Atomenergie zu werden. Doch steht es dem Menschen zu, mit seiner ach so tollen Erfindung des Windrades die Tierwelt gedankenlos zu beeintr\u00e4chtigen? Niemand kann die Folgen absch\u00e4tzen. Auch die Entwicklung von Auto und Atomkraft war im Ursprung gut gemeint und richtet nun gro\u00dfen Schaden an Tier- und Umwelt an. Nat\u00fcrlich stellt sich die Frage, was einem ein Rotmilan in einer zerst\u00f6rten Umwelt bringt. Doch retten wir mit den Windr\u00e4dern, die unbedingt in den Wohnplatz dieser herrlichen Greifv\u00f6gel gebaut werden sollten, tats\u00e4chlich unser Klima? Geh\u00f6rt da nicht ein komplexes Umdenken weltweit dazu? Wir k\u00f6nnten uns im Grunde einfach an den Tieren erfreuen und das Windrad woanders bauen, wo es keinen st\u00f6rt und sich effektiver dreht. Wobei hier schon der n\u00e4chsten Haken ist, das Floriansprinzip \u201eHeiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, z\u00fcnd&#8216; andere an!\u201c Die wenigsten Anwohner wollen diese immer riesenhafter werdenden Anlagen vor ihrer Haust\u00fcre haben. Die sind zumindest in R\u00f6merstein jetzt fein raus. Denn zum Gl\u00fcck gibt es ja den Rotmilan.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roter Milan verhindert Windkraftanlage in R\u00f6merstein 22.2.2007: Die schon genehmigten Windkraftanlagen (WKA) im Gewann Lenthalde bei Zainingen d\u00fcrfen nicht errichtet werden, da R\u00f6merstein ein europaweit herausragendes Dichtezentrum von Milanen ist.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1297,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-7823","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-naturschutz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7823"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7823\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7827,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7823\/revisions\/7827"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1297"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}