{"id":9131,"date":"2014-01-30T05:16:03","date_gmt":"2014-01-30T04:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=9131"},"modified":"2014-01-14T18:05:02","modified_gmt":"2014-01-14T17:05:02","slug":"rettet-die-milch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/?p=9131","title":{"rendered":"Rettet die Milch"},"content":{"rendered":"<p><em>Grundsatzerkl\u00e4rung von Slow Food Deutschland zur Rohmilch<\/em><\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eRettet die Milch!\u201c leitete Slow Food Deutschland auf der ordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2013 eine Rohmilch-Initiative ein. Das Thema soll in die Convivien getragen und auf gemeinsamen Veranstaltungen mit Partnern wie beispielsweise dem Bundesverband der Vorzugsmilcherzeuger er\u00f6rtert werden.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4129\" title=\"Kuh_stall_884FB9248\" src=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Kuh_stall_884FB9248.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Kuh_stall_884FB9248.jpg 320w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Kuh_stall_884FB9248-160x107.jpg 160w, https:\/\/www.biosphaere-alb.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/Kuh_stall_884FB9248-140x93.jpg 140w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/p>\n<p><strong>Grundsatzerkl\u00e4rung <\/strong>(<a href=\"https:\/\/www.slowfood.de\" target=\"_blank\">www.slowfood.de<\/a>)<\/p>\n<p><em><\/em>Rohe (unbearbeitete) Milch von Tieren ist ein zentraler Teil der Ern\u00e4hrung in unserer Kultur. Diese Milch zeichnet sich durch eine ungeheure Vielfalt geschmacklicher Qualit\u00e4ten aus, die ihrerseits durch eine Vielzahl unterschiedlicher Inhaltstoffe hervorgerufen wird. Diese Inhaltsstoffe bestimmen nicht nur den Geschmack, sondern auch die Eigenschaften f\u00fcr die \u00e4u\u00dferst vielseitigen M\u00f6glichkeiten der Weiterverarbeitung. Leider sind wir es gewohnt, von Milch nur in der Einzahl zu sprechen. Um der Vielf\u00e4ltigkeit der Milch in Geschmack und Zusammensetzung gerecht zu werden, sollten wir den Plural von Milch \u2013 \u201eMilchen\u201c \u2013 in unseren Wortschatz aufnehmen.<\/p>\n<p>Doch davon sind wir weit entfernt, denn wir wissen von dieser Vielfalt heute kaum noch etwas. Die meisten Menschen schmecken die Vielfalt der Milch nicht einmal mehr. Durch extrem erfolgreiche Gew\u00f6hnung an das Lebensmittel Milch aus dem K\u00fchlregal sind wir unsensibel f\u00fcr Vielfalt geworden. Milch ist gegenw\u00e4rtig ein h\u00f6chst industrielles Lebensmittel, f\u00fcr dessen Bewertung wir allein den Fettanteil und die Haltbarkeit heranzuziehen gewohnt sind.<\/p>\n<p>Die Reduzierung der Milchvielfalt auf ein industrielles Produkt aber beraubt uns eines qualitativ hochwertigen und geschmacklich wunderbaren Lebensmittels, das Ausdruck von Landschaft, Tier und Mensch ist. Rohmilch und Rohmilchk\u00e4se sind so vielgestaltig wie die Tierarten (Rind, Schaf, Ziege, Pferd, Kamel, Rentier), deren Rassen, Regionen, Hersteller und Verarbeitungsweisen.<\/p>\n<p>Nur aus guter Milch wird guter K\u00e4se. Analytisch sind hunderte verschiedener Substanzen in der Rohmilch nachgewiesen, und ihre Bedeutung f\u00fcr das Gedeihen und die Gesundheit des menschlichen oder tierischen S\u00e4uglings ist vielfach noch unerforscht. Aber man wei\u00df, dass viele der besonders wertvollen Milchinhaltsstoffe nur in der ganz frischen Milch vorhanden sind, und dass sie nach kurzer Zeit und insbesondere nach Hitzebehandlung ihre urspr\u00fcngliche \u201eForm\u201c und Qualit\u00e4t weitgehend verlieren.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t der Milch ist abh\u00e4ngig vom Futter. Es macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob die K\u00fche auf einer Kr\u00e4uterwiese grasen oder sich mit pr\u00e4parierter Gras- und Mais-Silage (statt Heu), Hauptbestandteil einer Totalmischfutterration (TMR), begn\u00fcgen m\u00fcssen. Die Tierrasse spielt eine Rolle, ob die Milch von Angler (\u201eButterk\u00fche\u201c), Jersey-, Murnau-Werdenfelser-K\u00fchen oder von der allgegenw\u00e4rtigen \u201eHochleistungseinheitsrasse\u201c Holstein Frisian stammt. Die Haltungsform der Tiere spielt eine ebenso wichtige Rolle, insbesondere, ob die K\u00fche auf die Weide d\u00fcrfen. Auch die Sorgfalt des Bauer beim Melken und bei der Lagerung der Milch schmeckt man in der Milch. Nicht zuletzt wirkt sich die Schnelligkeit der Milchverarbeitung nach dem Melken auf die Milchqualit\u00e4t aus. Traditionelle K\u00e4se werden oft nur aus einem Gemelk, aus dem des Morgens oder des Abends, hergestellt. Dagegen wird heute die Milch vielfach nur alle zwei oder gar drei Tage beim Bauern abgeholt und danach nicht selten auch noch in der Molkerei \u201egestapelt\u201c.<\/p>\n<p>Von 1882 bis zum Dritten Reich wurden die Rahmenbedingungen in der Versorgung der St\u00e4dte mit Milch vom Kaiserreich wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten bei Mensch und Tier (Human- und RinderTuberkulose) und der vielfach mangelnden Hygiene vorgegeben und dann von allen Bundesstaaten in entsprechenden Anordnungen und gesetzlichen Regelungen umgesetzt. Hier entstanden Begriffe wie &#8222;Kindermilch&#8220; und &#8222;Vorzugsmilch&#8220; als Qualit\u00e4tshinweise f\u00fcr eine mikrobiell sichere Rohmilch, die genossen werden konnte, ohne sie abzukochen.<\/p>\n<p>Die von der nationalsozialistischen Regierung mit ihren zentralen gesetzlichen Regelungen veranlasste Einf\u00fchrung der heute noch \u00fcblichen fl\u00e4chendeckenden Hitzebehandlung der Milch ist zum einen als eine Ma\u00dfnahme im Rahmen der Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges zu betrachten. Zum andern bef\u00f6rderte sie die Entwicklung der gro\u00dfbetrieblichen Strukturen der deutschen Milchwirtschaft. Die Milchverarbeitung auf den Bauernh\u00f6fen wurde verboten und durch die Milchablieferungspflicht an die vielfach neu gebauten und oft weit entfernten Gro\u00dfmolkereien gebunden; Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb diese Rechtslage erhalten, d.h. fast alle Milch muss seither \u00fcber die Molkerei gef\u00fchrt werden.Heute werden die Verbraucher in allen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, f\u00fcr die alle gleicherma\u00dfen die EU- Hygieneverordnung geltendes Recht ist, vor dem Genuss von Rohmilch gewarnt. Doch die Umsetzung in den einzelnen L\u00e4ndern variiert. Beispielsweise wird in \u00d6sterreich traditionell die unbearbeitete Milch heute noch \u00fcber den Einzelhandel verkauft. Auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist der Rohmilch-Verkauf gestattet, in Deutschland allerdings derzeit nur ab Hof und in begrenzten Mengen.<\/p>\n<p>Es ist heute dem interessierten st\u00e4dtischen Verbraucher fast unm\u00f6glich, sich mit vertretbarem Aufwand mit Rohmilch zu versorgen. Das Sterben der kleinen Milchbauernh\u00f6fe und der kleinen Milchgesch\u00e4fte sowie die b\u00fcrokratischen Schikanen einer Milch-ab-Hof-Abgabe, haben den Anteil von Rohmilch heute fast gegen Null gebracht. Auch die sogenannte Vorzugsmilch, zertifizierte Rohmilch, einst als Kinder- und Heilmilch konzipiert, droht vollst\u00e4ndig vom Markt zu verschwinden. Heute gibt es in ganz Deutschland keine 40 Betriebe mehr, die Vorzugsmilch produzieren.<\/p>\n<p>Rohmilch ist ein Lebensmittel von hoher gesundheitlicher Bedeutung. Zumindest bei der Muttermilch wird dies allgemein anerkannt. Obwohl auch Muttermilch stark mit Keimen belastet sein kann, k\u00e4me trotzdem niemand auf die Idee, die Qualit\u00e4t der Muttermilch dadurch zu verbessern, dass man sie erhitzt.<\/p>\n<p>Nachgewiesen ist die gesundheitsf\u00f6rdernde Wirkung des Rohmilchkonsums bei Asthma und allergischen Erkrankungen. In der \u00f6ffentlichen Diskussion wird aber nicht dies hervorgehoben; vielmehr wird in den Mittelpunkt gestellt, wie riskant der Rohmilchkonsum sei. Wie bei vielen anderen Lebensmitteln gibt es auch bei Rohmilchkonsum abstrakte Risiken. Diese sind jedoch vergleichsweise sehr gering. Wo Risiken zu erkennen sind, z.B. bei Tuberkulose (TBC) in Rinderbest\u00e4nden, sollte auf das Risiko hingewiesen werden, und der Staat sollte seiner Aufgabe der Seuchenpr\u00e4vention gewissenhaft nachkommen. Das gesundheitliche Risiko beim Verzehr (Genuss!) von Rohmilch ist weitaus geringer, als dies die \u201e\u00c4chtung\u201c von Rohmilch durch die staatlichen Regelungen rechtfertigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wir sind souver\u00e4ne Verbraucher! Wir wollen selbst abw\u00e4gen, welche gesundheitlichen Vorteile wir mitnehmen und welche gesundheitlichen Risiken wir gegebenenfalls eingehen wollen \u2013 auch bei Rohmilch und Rohmilchk\u00e4se. Wir wollen uns die Vielfalt des Milchgenusses nicht verbieten und uns nicht dazu zwingen lassen, uns mit einer f\u00fcr das dominante Lebensmittelsystem bequemen, aber industriell bearbeiteten, weitgehend denaturierten Milch zu begn\u00fcgen \u2013 die nicht zuletzt auf Gro\u00dfbetriebe und industrielle Tierhaltung setzt und weniger die erhaltenswerte kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft und nachhaltige Kreislaufwirtschaft f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Daher fordert Slow Food Deutschland:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Erwerb von unbearbeiteter Milch muss einfach und unb\u00fcrokratisch m\u00f6glich sein.<\/li>\n<li>Der Verkauf von sicherer Rohmilch \u00fcber die (z.B. in Italien) bew\u00e4hrten Milchautomaten durch einzelne b\u00e4uerliche Betriebe ist auch au\u00dferhalb der Erzeugerbetriebe zu gestatten; auch der Absatz von Rohmilch durch den Einzelhandel muss erm\u00f6glicht werden.<\/li>\n<li>Auf den Milcherzeugerbetrieben m\u00fcssen praktikable, preiswerte Untersuchungsm\u00f6glichkeiten geschaffen werden, die den Milchbauern und den Konsumenten ein H\u00f6chstma\u00df an Sicherheit bieten. Ein \u00dcbertragen industrieller Methoden auf die Milcherzeugerbetriebe ist dabei ein nicht akzeptables Verfahren.<\/li>\n<li>Die Milcherzeugerbetriebe m\u00fcssen in die Lage versetzt werden, Milch und deren gesundheitliche Unbedenklichkeit selbst \u00fcberwachen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die Milchforschung ist zu verst\u00e4rken, um die gesundheitlich bedeutsamen Bestandteile in der Rohmilch zu identifizieren und deren Wirkung zu erkunden.<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote><p><strong><a href=\"https:\/\/www.slowfood.de\" target=\"_blank\">www.slowfood.de<\/a><\/strong><\/p><\/blockquote>\n<h3><span style=\"color: #808000;\"><strong>Sph\u00e4re-Wissen: Gr\u00fcndungsmanifest von Slow Food<\/strong><\/span><\/h3>\n<p>Paris, 9. Dezember 1989 \u2013 Die Industriegesellschaft hat zuerst die Maschine erfunden und nach ihr das Leben modelliert. Mechanische Geschwindigkeit und rasende Beschleunigung werden zur Fessel des Lebens. Wir sind alle von einem Virus befallen: \u201cFast Life!\u201d. Unsere Lebensformen sind umgest\u00fcrzt, unser h\u00e4usliches Dasein betroffen &#8211; nichts kann sich der \u201cFastfood-Bewegung\u201d entziehen. Aber der Homo sapiens muss sich von einer ihn vernichtenden Beschleunigung befreien und zu einer ihm gem\u00e4\u00dfen Lebensf\u00fchrung zur\u00fcckkehren. Es geht darum, das Geruhsame, Sinnliche gegen die universelle Bedrohung durch das \u201cFast Life\u201d zu verteidigen. Gegen diejenigen &#8211; sie sind noch die schweigende Mehrheit -, die die Effizienz mit Hektik verwechseln, setzen wir den Bazillus des Genusses und der Gem\u00fctlichkeit, was sich in einer geruhsamen und ausgedehnten Lebensfreude manifestiert. Fangen wir gleich bei Tisch mit Slow Food an. Als Antwort auf die Verflachung durch Fastfood entdecken wir die geschmackliche Vielfalt der lokalen Gerichte. Fast Life hat im Namen von Produktivit\u00e4t und Rendite unser Leben ver\u00e4ndert und bedroht unsere Umwelt. Slow Food ist die richtige Antwort darauf. In der Entwicklung des Geschmacks, und nicht in seiner Verarmung liegt die wahre Kultur. Und hier kann der Fortschritt dank einem internationalen Austausch von Geschichten, Wissen und Projekten seinen Anfang nehmen. Slow Food sichert uns eine bessere Zukunft. Slow Food ist eine Idee, die viele bef\u00e4higte Anh\u00e4nger braucht, damit aus der (langsamen) Regung eine weltweite Bewegung wird, deren Symbol eine kleine Schnecke ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundsatzerkl\u00e4rung von Slow Food Deutschland zur Rohmilch<\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eRettet die Milch!\u201c leitete Slow Food Deutschland auf der ordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2013 eine Rohmilch-Initiative ein. 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