Allein zu zweit

Architektur & Handwerk: Die Alte Säge in Mundingen hat Familie Schöttle selbst restauriert und in ein bestaunenswertes Technikmuseum umfunktioniert

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Wissen Sie schon, was Sie einst im Ruhestand tun werden? Das Ehepaar Schöttle aus Ehingen wusste es. Nicht weit vom Geburtsort von Karl Schöttle stand noch die alte Säge oberhalb von Mundingen an der Straße von Untermarchtal her. Sie war 1931 als kleine Hütte mit einer Gattersäge darin erbaut und mehrere Generationen lang als Holzsäge für den Bedarf der umliegenden Dörfer bis ins Jahr 1987 betrieben worden. Dann mangels Nachfrage und, weil die Sägerei auch nicht mehr recht lohnte, aufgegeben worden. Inzwischen war sie ziemlich heruntergekommen und verfallen.

Ursprünglich hatte ein draußen vor dem Untergeschoss vorgesetzter Lanz-Bulldog über einen langen Treibriemen das Gatter angetrieben. Sieben Jahre später hatte dann ein stationärer Dieselmotor der Marke „Deutz“ mit 40 PS Antriebskraft diese Aufgabe übernommen. Der steht heute noch dort und macht seine Arbeit, wenn er gefordert wird.

Zurück zum Anfang der Geschichte: Der Karl Schöttle muss, wenn man seine Lebensgeschichte anhört, schon mit Gabelschlüssel und Ölkanne in der Hand geboren oder zumindest aufgewachsen sein. Er hatte dann Landmaschinenschlosser gelernt und war später viele Jahre tätig im Werk Kässbohrer in Ulm, hatte irgendwann angefangen, die Gattung „Ackerschlepper“ und so manch anderes Gerät zu sammeln. Da kam die leerstehende Säge in Mundingen als neuer Mittelpunkt für diese Leidenschaft gerade recht.

Ab 1993 wurden sechs Jahre lang allein oder gelegentlich mit Hilfe von Freunden Fundamente und Grundmauern gesichert, Gebälk und Böden saniert, ein Dach in Ordnung gebracht, eine Zwischenbühne zum Ausstellen von bäuerlichem Kleingerät eingezogen, Treppen dorthin und ins Untergeschoss zum Antriebsaggregat und den Transmissionen eingefügt, Anbauten für andere sehenswürdige Ausstellungsstücke angefügt, Nebengebäude für die alten Diesel-Rösser und einige historische Dreschmaschinen errichtet. Schließlich und nicht zuletzt das Sägegatter mit dem Diesel-Antrieb im Untergeschoss, der über eine Gliederkette die gezahnten Walzen bewegt, zwischen denen die Holzstämme beim Sägen durch das Gatter geschoben werden, und auch noch die parallel dazu laufende Lorenbahn für den Transport der Stämme. Dieses alles restauriert und in allen Teilen wieder gangbar gemacht.

Fast überflüssig, zu erwähnen, dass die Familie Schöttle zwischendurch das ganze Anwesen auch noch als Eigentum erworben hatte und das alles – wie schon gesagt – ziemlich „allein zu zweit“, nur gelegentlich mit Hilfe von Freunden gestemmt hat, ohne jede finanzielle Unterstützung von irgendeiner Seite – nur aus Liebe zur alten Technik und Freude am Wachsen und Werden dieses kleinen privaten Technikmuseums .

Wer also Lust hat, zu schauen, wie eine solche Säge funktioniert, wie Geräte aussehen, die die Sägezähne des Gatters oder die einer Bandsäge Zahn um Zahn automatisch alleine schärfen, oder wer manch altvertrautes Gerät aus Haus und Hof unserer Großeltern wiedersehen möchte, ist hier herzlich willkommen und bestens aufgehoben.

Wenn Sie ganz großes Glück haben, hat Frau Schöttle ein Stück ihrer Träublestorte dabei, mit leichtem Marzipanaroma – sagenhaft!

 Text und Zeichnung: Hans Christoph Lindemann

Aus Liebe zur Technik: Das Herz des privaten Museums in Mundingen stampft als 40 PS Diesel der Marke Deutz. Die Familie Schöttle lädt Besucher herzlich ein.

 

Technikmuseum „Alte Säge“

  • In Mundingen, direkt an der L 231
  • Geöffnet von Mai bis Oktober, jeweils an Sonn- und Feiertagen
  • Oder nach Vereinbarung über Telefon 07391-2065 bei Familie Schöttle

 

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Printausgabe: Sphäre 3/2010, Seite 44-45

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