Biosphäre-Gebietskulisse

Ein Biosphärengebiet mit Buchten und Fjorden

Die Gebietskulisse des Biosphärengebietes steht fest

30.1.2007: Dass das Biosphärengebiet zwar auf einem guten Weg, jedoch noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Das ist das Ergebnis der Sitzung des Ständigen Ausschuss am vergangenen Mittwoch in der Zehntscheuer in Münsingen deutlich geworden.

Die Gebietskulisse steht: Es nehmen am Biosphärengebiet 29 Gemeinden mit 306253 Einwohnern aus drei Landkreisen aus zwei Regierungsbezirken teil, die insgesamt 85000 Hektar Fläche einbringen. Die erforderlichen 3 Prozent an Kernzone sind vorhanden, 37 Prozent des Gebietes werden als Pflegezone deklariert und der große Rest ist Entwicklungszone.

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Eigentlich wollte Minister Peter Hauk höchtspersönlich die frohe Botschaft verkünden, dass die Gebietkulisse des zukünftigen „Biosphärengebietes Schwäbisch Alb“ nach mehreren Anläufen endlich steht. Doch der heftige Schneefall hielt ihn auf der Autobahn fest.

Spontan sprang der gut informierte Ministerialdirektor Max Munding in die Bresche, zusammen mit Dr.Wolf Hammann, dem „Marathon-Verhandler“ des Regierungspräsidiums und Tübingens Regierungspräsident Hermann Strampfer stellte er die aktuelle Gebietskulisse und die Mantelverordnung, also die Regelungen, die in der Biosphäre künftig gelten sollen, vor.

Eine Besonderheit hat das „Biosphärengebiet Schwäbische Alb“, denn es ist das erste derartige Gebiet, das den „urbanen Aspekt“ berücksichtigt. So ist beispielsweise das Stadtgebiet von Metzingen beim zukünftigen Biosphärengebiet mit dabei. „Es wird das am dichtesten besiedelte Biosphärengebiet zumindest in Deutschland werden“, meinte Dr. Wolf Hammann, Leiter der Abteilung Umwelt beim Regierungspräsidium Tübingen.

Das geplante Biosphärengebiet „Schwäbische Alb“ umfasst das Gebiet zwischen Weilheim/Teck im Norden, Zwiefalten im Süden, Schelklingen im Osten und Reutlingen im Westen.

Augenfällig sind jedoch die von Max Munding einfallsreich „Fjorde“ benannten, markanten Einbuchtungen. Denn die Gemeinden Mehrstetten, Lenningen und Dettingen/Erms konnten sich zu einer Teilnahme noch nicht durchringen. Ebenso fehlen große Gebiete von Lichtenstein und Sankt Johann, die das Biosphärengebiet im Westen abrunden würden. Im Osten muss gar auf Laichingen und vor allem Heroldstatt verzichtet werden, obwohl diese beiden Gemeinden unmittelbar am Herzstück der Biosphäre, dem Truppenübungsplatz, angrenzen.

Einige Diskussionsteilnehmer bedauern es, dass die Gemeinden wie Lenningen, Beuren oder auch Neidlingen am Fuße des Albtraufs sich nicht entschließen konnten, ihre aus naturschutzfachlicher Sicht sehr hochwertigen Streuobstwiesen einzubringen. Hier jedoch kämpfen die Kommunen noch mit der Akzeptanz der Vogelschutzgebiete, die auf Druck der EU zügig ausgewiesen werden müssen. Dies ist eine Altlast, denn die Regierung hat seit annähernd 20 Jahren verschlafen, entsprechende Gebiete auszuweisen.

Doch gibt es genügend Gemeinden, die mit Feuereifer bei der Sache sind und neben dem Regierungspräsidium und der Landesregierung die Entwicklung des Biosphärengebietes maßgeblich vorangetrieben haben. Als Beispiel seien hier die Keimzellengemeinden Münsingen, Bad Urach und Römerstein genannt. Die Bürgermeister Siegmund Ganser aus Hülben sowie Hartmut Walz aus Westerheim haben sich ebenfalls sehr frühzeitig entschieden, ihre gesamte Gemeindefläche ins Biosphärengebiet einzubringen und dies auch ihren Bürgern vermitteln können.

Den Löwenanteil an den hochwertigen Kernzonen mit 20,5 Prozent bringt mit den Wäldern auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz die BIMA (Bundesanstalt für Immobilien) ein. Sehr gut mit dabei ist auch Bad Urach, deren Wälder in der „Uracher Talspinne“ 15,6 Prozent ausmachen. Hayingen, Münsingen, Gomadingen, Lenningen und Schelklingen steuern ebenfalls große Flächen an zukünftigem Bannwald bei.


Übersicht der 29 Biosphären-Gemeinden (Stand September 2017)

Landkreis Reutlingen

  1. Bad Urach 12.143 Einwohner
  2. Dettingen/Erms 9477 Einwohner
  3. Eningen 10.951 Einwohner
  4. Gomadingen 2288 Einwohner
  5. Grabenstetten 1667 Einwohner
  6. Hayingen 2206 Einwohner
  7. Hülben 2863 Einwohner
  8. Lichtenstein 9166 Einwohner
  9. Metzingen 21.612 Einwohner
  10. Münsingen 14.399 Einwohner
  11. Pfullingen 18.112 Einwohner
  12. Reutlingen 114.310 Einwohner
  13. Römerstein 3984 Einwohner
  14. St. Johann 5034 Einwohner
  15. Zwiefalten 2187 Einwohner (Gesamt = 227536 Einwohner LK Reutlingen)

Landkreis Esslingen

  1. Beuren 3549 Einwohner
  2. Bissingen a. d. Teck 3481 Einwohner
  3. Dettingen u. Teck 6010 Einwohner
  4. Erkenbrechtsweiler 2143 Einwohner
  5. Kohlberg 2268 Einwohner
  6. Lenningen 8026 Einwohner
  7. Neidlingen 1838 Einwohner
  8. Neuffen 6210 Einwohner
  9. Owen 3415 Einwohner
  10. Weilheim a. d. Teck 10.052 Einwohner (Gesamt = 42886 Einwohner LK Esslingen)

 Alb-Donau-Kreis

  1. Ehingen 25.503 Einwohner
  2. Lauterach 609 Einwohner
  3. Schelklingen 6783 Einwohner
  4. Westerheim 2936 Einwohner (Gesamt = 35831 Einwohner im LK Alb-Donau-Kreis)

Alb-Gemeinden am Rande des Biosphärengebietes Schwäbische Alb

  • Blaubeuren
  • Gammerstingen
  • Großengstingen
  • Heroldstatt
  • Hohenstein
  • Laichingen
  • Mehrstetten
  • Merklingen
  • Obermarchtal
  • Pfronstetten
  • Rechtenstein
  • Sonnenbühl
  • Trochtelfingen
  • Wiesensteig


Der ehemalige Truppenübungsplatz gilt als Zentrum des Biosphärengebietes

Im Herzen der Schwäbischen Alb herrscht Ruhe

Ruhig und friedlich, ja verschlafen und träge wirkt der „Platz“ – wie ihn die Einheimischen nennen. Doch, was könnten die Pfade, die Bäume am Wegrand, die Marksteine nicht alles erzählen.

Wie viele Generationen junger Männer in schweren Kampfstiefeln, in voller Ausrüstung mussten hier die letzten 100 Jahre marschieren, schießen, durch den Schlamm robben oder haben im Winterbiwak schrecklich gefroren. Egal welcher Armee sie angehörten, sie alle durchlebten die gleichen Qualen. Die Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons ebenso, wie die Angehörigen der französischen Armee. Die stummen Zeugen am Wegrand haben fröhliche junge Menschen gesehen, die hoffnungsvoll ihre Zukunft planten. Und sie sahen später ihre bitteren Tränen und die ihrer Eltern, Großeltern und Geschwister, als sie die Heimat, Gruorn, verlassen mussten. Die stummen Zeitzeugen hätten viel zu berichten von den jungen Soldaten der Wehrmacht, die von hier aus in den Tod marschierten.

Sie beobachteten die Truppen des Kaisers, wie sie in den Krieg zogen und sahen das Leid der Kriegsgefangenen im „Gänsewag“.Sie hörten den Jubel und die Marschmusik als das XIII. Königlich Württembergische Armeekorps 1895 im Münsinger Hardt einzog. Der „Platz“, diese einzigartige Landschaft, er hat alles überstanden.

Ab dem 1. Januar 2006 ist der Truppenübungsplatz Münsingen Vergangenheit. Die Zukunft heißt Biosphäre Schwäbische Alb. Nicht mehr schwere Kampfstiefel durchschweifen die Wälder, sondern Wanderstiefel oder Joggingschuhe. Die Kampfausrüstung schrumpft zum Verpflegungsrucksack. Der Tarnanzug weicht grellfröhlicher Freizeitkleidung.

Einzig die stummen Zeugen am Wegrand bleiben bestehen, sie werden weiterhin sehen wie die Zeit rasend schnell über das Land eilt.

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SPHÄRE-Diashow: Dach der Alb

Bildergalerie: Nach über 100 Jahren Militärbetriebs zieht der letzte Soldat im Dezember 2005 ab. Die Geburtsstunde des Biosphärengebietes Schwäbische Alb. Der Truppenübungsplatz als Mittelpunkt für eine Raumschaft, die es zu schützen gilt – so lautet die Vision des Landesvaters, der sich die UNESCO-Anerkennung für diesen schönen Teil der Schwäbischen Alb auf die Fahnen geschrieben hatte. Und aus der Idee wurde Realität. Der SPHÄRE-Verlag begleitet dieses Projekt nicht nur ab der Stunde Null, sondern unterstützt den Reiseziele-Suchenden ab 2009 mit diesem einzigartigen Service der interaktiven Karte kombiniert mit ausgewählten GPS-Touren.

Gruorn >>
Das verlassene Dorf auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz lockt 10.000 Besucher jährlich. Einzig die Kirche und das Schulhaus sind erhalten, der Rest ist dem Erdboden gleich.

Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Stephanus-Kirche in Gruorn Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen: Altes Schulhaus Gruorn

Weidbuche >>
Der Verbiss der Schafe an jungen Bäumen auf dem alten Militärgelände ist die Ursache für die eigentümlich mehrstämmigen Baumriesen.

Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

Schusswunden >>
Nicht nur in Bäumen der traumhaften Landschaft des Münsinger Hardts steckt scharfe Munition, auch im Boden – achtung Blindgängergefahr.

Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

Diashow Ehemaliger Truppenübungsplatz Münsingen

i-Punkt Chronik Truppenübungsplatz Münsingen

1895 Münsinger Hardt wird als Truppenübungsplatz ausgewählt. Der Ankauf der Flächen für einen Truppenübungsplatz für das XIII. Württembergische Armeekorps im MÜNSINGER HARDT wird abgeschlossen. Fläche: 3.663 ha; Kosten: 4,97 Millionen Reichsmark. Noch im selben Jahr findet das erste Schießen statt.

  • 1896 Ausbau des Truppenlagers, zuerst als Zeltlager. Erstes Gefechts- und Artillerieschießen:
  • 1914 Bau des Kriegsgefangenenlagers GÄNSEWAG
  • 1919 Die Reichswehr nutzt den Truppenübungsplatz durchgängig als Übungsgelände. Noch im September 1919 wird das erste Gefechtsschießen durchgeführt.
  • 1943 Aufstellung der 4. italienischen Gebirgsdivision (Alpini) „Monte Rosa“.
  • 1944 Aufstellung der 1. und 2. Wlassow-Division, die nach dem sowjetischen General Wlassow, Befehlshaber der sogenannten „russischen Befreiungsarmee“, benannt ist und auf deutscher Seite kämpft. (Einsatz und Auflösung 1945 im Raum Tschechoslowakei/Österreich).
  • 1945 Amerikanische Verbände besetzten kurzzeitig den Truppenübungsplatz Münsingen, der wenig später bei der Aufteilung der Besatzungszonen unter französische Verwaltung kommt.
  • 1947 Erste Übung nach dem Zweiten Weltkrieg durch französische Truppen. Truppenübungsplatz und Lager verbleiben unter französischer Verwaltung.
  • 1957 Indienststellung des Verbindungskommandos der Bundeswehr zur französischen Truppenplatzkommandantur in Münsingen.
  • 1958 Erstmals üben Truppen der Bundeswehr in Münsingen.
  • 1959 Aufstellung der Standortverwaltung Stetten a.k.M. am 15. November. Im gleichen Monat Verlegung der Panzerjägerkompanie 290 (aufgelöst 1997) und des Panzerbataillons 294 (heutiges Panzergrenadierbataillon 294) in das Lager Heuberg (erste ständige Bundeswehreinheiten). Stetten a.k.M. ist somit Bundeswehr-Garnison.
  • 1960 Abkommen zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Oberkommando der französischen Streitkräfte in Deutschland über die gemeinsame Nutzung des Truppenübungsplatzes Münsingen. Hier wird die kostenfreie Mitnutzung des Truppenübungsplatzes Münsingen durch die Bundswehr vereinbart. Im Gegenzug erhalten die französischen Streitkräfte gleichwertige Belegungszeiträume auf den von der Bundeswehr verwalteten Truppenübungsplätzen Baumholder und Heuberg.
  • 1992 Am 1. August übernimmt die Bundeswehr den Truppenübungsplatz von den französischen Streitkräften. Bald darauf erfolgt die Indienststellung einer eigenen Truppenübungsplatzkommandantur.
  • 1995 Im Juli wird die 100-Jahr-Feier Truppenübungsplatz ausgerichtet.
  • 1995-1997 Ausbau der Schießbahn 12 mit computergesteuertem Zielbaugerät (als größte und modernste Schießbahn für Gefechtsfahrzeuge in Europa).
  • 2005 Außerdienststellung des Truppenübungsplatzes Münsingen am 21. Oktober
  • Quelle: www.streitkraeftebasis.de (11.12.05)

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