Mehr Licht ins Dunkel

Künstlich gelichtete Wälder helfen, Arten zu schützen

Deutsche Wälder sind heute durchschnittlich sieben bis zehn Meter höher und tragen das 1,5-fache Holz- und Vegetationsvolumen wie vor etwa
50 Jahren. Sie sind damit dunkler, feuchter und das Bestandsklima ist kühler als in früheren Wäldern. Verlierer dieser eintönigen Waldwirtschaft sind Insekten, Tiere und Pflanzen, die trockene Waldfreiflächen und Waldränder lieben.

Tagfalter und Widderchen und der Alpenbock sind in dichten Wäldern vom Aussterben bedroht, ebeneso viele Samenpflanzen, Farne, Mosse und Flechten.

Widderchen: Schmetterling aus der Familie der Widderchen. Das Bergkronwicken-Widderchen (Zygaena fausta) – sein lateinischer Name bedeutet Glücksbringer. Wie die meisten Widderchen besitzt auch das Bergkronwicken-Widderchen verdickte und gebogene Fühler, die an die Hörner eines Widders erinnern. Die schwarz-rot gefleckten Flügeldecken beben ihm ein unverwechselbares prächtiges Aussehen.

Seit Ende September 2021 wird im Forstrevier Lenningen ein Projekt des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt umgesetzt. Lichte Waldstrukturen werden erweitert, um seltene und bedrohte Arten wie den Berglaubsänger und verschiedene Widderchenarten zu fördern.

 

Im Forstrevier Lenningen auf der Gemarkung Gutenberg werden schon seit Jahrzehnten regelmäßig Felsen freigestellt, Lebensräume gepflegt und somit lichtliebende Arten gefördert. Lichte Waldstrukturen sind natürlicherweise kaum mehr zu finden, auch lichte Waldrandbereiche sind selten geworden. Das von der UNESCO ausgezeichnete Biosphärengebiet Schwäbische Alb zählt jedoch zu den wenigen Naturräumen im Land, in denen sich letzte Vorkommen der hochgradig gefährdeten Lichtwaldarten erhalten haben.

Der Anteil trockener Lichtwälder beträgt in Baden-Württemberg nur 0,6 Prozent der gesamten Walsfläche von rund 1,3 Millionen Hektar – also nur 8750 Hektar. Davon befinden sich alleine rund 5250 Hektar auf der Schwäbischen Alb. Typische historiche Nutzungsformen waren die Waldweide, sogenannte Hutewälder in denen die Hirten und Bauern ihre Schafe und Rinder zur Nahrungsaufnahme hineintrieben.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde („zum Segen“, so die Meinung damals bis heute) die flächendeckende Waldweide und Laubstreunutzung verboten.

Jedoch: Hutewälder werden von Klimaexperten als wichtiger Baustein im Klimaschutz angesehen, da sie bis zu fünfmal so viel CO2 einlagern wie baumlose Weiden. Das Project Drawdown listet sie unter den Top-10-Maßnahmen gegen den Klimawandel. Laut Berechnungen des Projektes können damit bis 2050 etwa 31 Gigatonnen CO2 reduziert werden.

Im Auftrag der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets wurden für alle Städte und Gemeinden des Biosphärengebiets sogenannte „Biodiversitäts Checks“ durchgeführt, in denen naturschutzfachlich besonders bedeutsame Arten und Lebensräume dargestellt werden. Für die Biosphären-Städte und -Gemeinden im Landkreis Esslingen wurde im Rahmen einer vertiefenden Untersuchung ein Gutachten zu „Zielarten der lichten Trockenwälder mit besonnten Felsstrukturen“ erarbeitet. Darin werden Maßnahmen zur Förderung teils hochgradig gefährdeter Arten der Fauna lichter Trockenwälder erläutert und potenziell geeignete Maßnahmenflächen ausgewiesen. Teile der Hänge im Forstrevier Lenningen im Bereich Donntal/Braike wurden mit höchster Priorität als Maßnahmenflächen identifiziert.

Aktuell werden in ausgewählten Hangbereichen Gehölze entfernt. Dadurch soll eine Keimung und Bestandsausweitung der Bergkronwicke (Schmetterling, siehe oben) erreicht werden. Diese dient als Raupennahrungspflanze für Schmetterlinge wie das in Baden-Württemberg heimische Elegans-Widderchen und das Bergkronwicken-Widderchen. Weitere Artenschutzbelange werden bei der Maßnahmendurchführung berücksichtigt: Höhlenbäume mit möglicher Quartierfunktion bleiben erhalten, Vorkommen des seltenen und geschützten Gabelzahnmooses werden geschont und vorhandene Brutbäume des Alpenbockes, eines auffällig bläulich schimmernden Käfers, werden belassen und zusätzliche Alpenbockstöcke geschaffen.

Die anspruchsvollen und umfangreichen Waldarbeiten erfordern im steilen Hangbereich sogar den Einsatz eines Seilkrans.

Konkurrenz: Jedes Wild, besonders der Rothirsche bevorzugen Lebensräume mit einer engen Verzahnung aus strukturreichen Wäldern, Dickungen, und großen offenen Lichtungen. Die derzeitige gesetzliche Regelung sieht jedoch ein Abschussgebot für Rotwild außerhalb ausgewiesener Rotwildgebiete vor. So bleibt als Möglichkeit, einen Hirsch zu bestaunen, nur ein Besuch am Rande des UNESCO Biosphärenreservats im Laichinger Wildgehege für Rotwild und Wildschweine oder ein Ausflug in den Schönbuch.

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