(K)eine heile Welt

Tradition & Handwerk: Landwirtschaft zwischen Tradition und Moderne

Längst zeichnet ein Hightech-Landwirt die Wege seiner Feldarbeit per Satellit auf und analysiert sie mit PCs, gleichzeitig schuftet er wie eh und je im Stall – was für ein Spagat.

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Die warme Morgensonne taucht den Haldenhof in ein verklärtes Licht. Gerahmt von Streuobstgürteln schmiegt sich das einsame Gehöft in Beu­ren-Balzholz in das sanft kupierte Gelände am Fuße der Schwäbischen Alb. Hinter dem Wohnhaus, den drei Ställen samt Geräteschuppen erhebt sich der Hohenneuffen und Jusi wie eine Theaterkulisse für einen Heimatfilm. Landwirt Martin Schnerring eilt aus seinem Computerraum Richtung Hofladen. Die ersten Kunden bedienen sich am Zapfhahn seines Milchautomaten. Sie kaufen auch Eier, Kartoffeln oder nehmen ein Päckchen seiner Nudeln mit. Ist das heile Welt?

„Das, was man macht, muss man mit Freude tun“, philosophiert Schnerring und reibt sich an seiner grünen Arbeitshose die Hände trocken. Diese Lebensweisheit beflügelt ihn, seit er 1991 den Hof vom Vater übernahm. Stolz zeigt der 51-Jährige auf den Hofladen. „Baue ich meinen Weizen gut an, lagere ihn gut, füttere meine Hennen gut, dann gibt´s auch schmack­hafte Eier und echte Nudelspezialitäten“, erklärt Schnerring den logischen Dreisatz hoher Qualität. Bei der Hofarbeit auf seinen knapp 89 Hektar unterstützen ihn seine Frau, ein Festangestellter und vier Aushilfen. Der gelernte Schlosser kehrte vor gut zwei Jahrzehnten der Industrie-Maloche den Rücken, denn er suchte nach Selbstbestimmung bei der Arbeit. Die fand er schließlich im elterlichen Betrieb. Auch wenn hier keine Gewerkschaft die 35-Stunde-Woche garantiert, als Bauer ist er nun glücklich. Vielleicht weil die Landwirtschaft heute echte Manager-Qualitäten fordert? Oft tauscht er den Traktorsitz gegen den Schreibtischstuhl, lieber aber steht er hinterm Rednerpult. Als Bauer mit Seele wirbt er beherzt für seinen Berufsstand bei Gastvorträgen oder vor Besuchergruppen auf seinem Hof. „Noch 1950 ernährte ein Bauer 13 Menschen, heute sorgt er für 140“, lautet eine Schlagzeile seiner Powerpoint-Präsentationen. Das sei eine Menge Arbeit und noch mehr Verantwortung. Dafür aber gäbe es nie den gerechten Lohn, klagt Schnerring. Darum macht er aus der Not der Bauern eine Tugend und meint: Geld sei für echte Enthusiasten eben nur ein Ne­ben­produkt.

Sein krisensicheres Kapital sind nicht Euro-Scheine auf der Bank, sondern sein eigen Grund und Boden. Sachwerte – doch dies macht die Angelegenheit auch etwas schwierig, gerade hier in Beuren-Balzholz. Durch die Realteilung sind seine Äcker kleinteilig, deren Pflege aufwändig. Anders im 20 Kilometer entfernten Römerstein, auf dem Dach der Alb. Große Felder ermöglichen dort den ebenso großen Landwirtschaftsbetrieben effektives Arbeiten. Ein Vorteil, den der Haldenhof beispielsweise mit Satellitentechnik ausgleicht. Ein GPS-Gerät zeichnet die Wege seines Schleppers auf dem Feld zentimetergenau auf. Diese Datenfülle wertet der technikversierte Landwirt in seinem kleinen Rechenzentrum über dem Kuhstall aus und kann so die Mengen beim Düngen, Spritzen und der Aussaat präzise bestimmen und dokumentieren.

Schnerring muss knallhart kalkulieren, Geschäftsmodelle entwickeln. Fehlt die große Fläche, so helfen große Geschäftsfreundschaften. Der Zusammenschluss mit der Landwirtsfamilie Munk spart spürbar Kosten. Gemeinsam produzieren sie Hühnerfutter, als Partner nutzen sie zusammen Ackermaschinen, gemeinschaftlich stemmen sie Investitionen für beispielsweise einen teuren Schlepper statt zweier kleiner für jeden Hof. „Wir steigern die Produktivität“, freut sich Schnerring. Auch darüber, dass seine Direktvermarktung funktioniert. Der Konkurs der Südmilch AG 1993 rüttelte ihn wach. Seiner Zeit bangten die Milchbauern um ihre Existenz: „Niemals darf man sich von nur einem Konzern abhängig machen“, weiß der Landwirt heute. Nun befüllen die 40 Kühe des Haldenhofs nicht nur Molkereien, sondern auch den Zapfautomaten im Hofladen. Rund 2700 Eier wandern auf kurzem Vertriebsweg in die Region – in die Tante-Emma-Läden genauso wie in einen großen Edeka- und Rewe-Markt. Qualität und heimische Produkte punkten. Deshalb verfüttert der Beurener seinen Hennen nur Getreide vom eigenen Hof. Glaubwürdig will Schnerring sein. Deshalb lässt er sich gerne über die Schulter blicken. Sein Betrieb ist eine Art gläserne Produktion: Betriebsbesichtigungen, Blumen zum Selbstschneiden, Heu und Stroh in Kleinmengen für Haustiere, Kutsch- und Planwagenfahrten und sogar kleine Bauern-Snacks im Vesper­stüble bietet er an. „Schön ist´s auf dem Haldenhof“, denkt Schnerring laut. Doch vermisst er auch die alte Zeit, in der er auf dem Pferdekutschbock mit seinem Vater vom Feld heim in die Abendsonne fuhr. Ist ihm also Tradition doch lieber als Moderne? Schnerring antwortet mit einem klaren „Jein“.

Beuren Haldenhof www.haldenhof-beuren.de

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Printausgabe: Sphäre 2/2012, Seite 6-7

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