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Blaubeurer Felsenstieg: Rund um den Blautopf
Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen auf dem Blaubeurer Felsenstieg zu einem emotionalen Cocktail. Geheimnisumwitterte Höhlen, steile Felsen und aussichtsreiche Burgruinen sorgen für Abwechslung auf dieser Tour.
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Küssende Sau – Diese beiden Felsendome bei Blaubeuren ähneln den wuchtigen Kopf-Schulterpartien zweier Wildschweine.
GPS-Wandertour: Sagenhaft
Gegenwart und Vergangenheit verschmelzen auf dem Blaubeurer Felsenstieg zu einem emotionalen Cocktail. Geheimnisumwitterte Höhlen, steile Felsen und aussichtsreiche Burgruinen sorgen für Abwechslung auf dieser Tour.
- Start/Ziel: Blautopf, Parkplätze am Dodelweg
- ■■ Blaubeurer Felsenstieg: 10,5 km / 470 Hm.
- Höhe: min/max 505/683 m
- Gehzeit: 3:30 Std./mittel
- Pause: Günzelburg
- Sehenswert: Blautopf, Ruine Günzelburg, Küssende Sau, Brillenhöhle, Felsenlabyrinth, Große Grotte, Rusenschloss
Die Sage von der „Schönen Lau“ – eine Meerjungfrau aus dem fernen Schwarzmeer in die Enge des Blautopfs verbannt – hatte auch Dichter inspiriert. Eduard Mörike greift 1853 diese Mär in seiner Novelle „Das Stuttgarter Hutzelmännlein” auf.
Die verborgenen Wasserhöhlen des Blautopf besaßen schon immer eine außergewöhnliche Strahlkraft im touristischen Gefüge der Alb. So wie ein tiefblauer Opal im Kunstgeschmeide eines Colliers die Blicke fesselt, zieht auch das strahlende Türkis des Quelltopfs das Besucherinteresse an und lenkt es auf dieses von altertümlicher Ästhetik geprägte Städtchen – und folglich auch auf diese bemerkenswerte Wandertour. Sie umrundet das im Talkessel liegende Albstädtchen an der Blau auf exponierten Höhenpfaden.
Wassermassen – mächtig flutet die Blau hinterm Quelltopf.
Als Start und Ziel bietet sich idealerweise der Blautopf an. So kann man den schönen Wandertag mit einer Einkehr bei Kaffe und Kuchen zwischen den Fachwerkhäusern der historischen Altstadt bereichern.
Als ein anschauliches Zeitfenster nun bietet der Blaubeurer Felsenstieg einen klarsichtigen Blick von der Gegenwart in die Vergangenheit: So ermöglicht die Große Grotte dasselbe faszinierende Panorama ins Blautal wie ihn wohl die Neandertaler vor 100000 bis 50000 Jahren erspäht haben. Ab dem 12. Jahrhundert genossen die Herren des Rusenschlosses(1) eine ähnliche Perspektive wie ihre Höhlenvorfahren – nur etwas komfortabler. Sie platzierten ihren Sitz aussichtsreich nur fünf Gehminuten höher auf einem Felssporn. Weitere Sehenswürdigkeiten streift die Tour wie das skurril von Wind und Wetter geformte Felsentor „Küssende Sau“ oder die fast senkrecht fallenden Kletterfelsen „Blaufels“ und „Glasfels“. Auch das „Felsenlabyrinth“ oder die Ruine Günzelburg bescheren Aha-Momente. Bleibt lobend zu erwähnen, dass die Tour weitgehend auf Single-Trails verläuft.
Günzelburg – um 1600 zerstört.
Die Ahnung – hier wehe in den Gassen ein besonderes Kapitel der Menschheit – verdichtet sich im Urgeschichtlichen Museum zur wissenschaftlich gesicherten Gewissheit. Die Höhlen rund um Blaubeuren gehören zu den wichtigsten archäologischen Fundstellen Europas. Sowohl die Neandertaler als auch der moderne Mensch haben hier gelebt. Dass die Ur-Älbler schon vor 40000 Jahren schöpferische Qualitäten besaßen, zeigen zahlreiche Ausgrabungen wie die älteste Frau der Welt, eine Figur aus Elfenbein (Venus vom Hohle Fels). Die Musikalität unserer Urahnen stellen die weltältesten Flöten unter Beweis.
Kultur: Urälbler schrieben Menschheitsgeschichte
Menschheitsgeschichte, Kirchengeschichte, Kulturgeschichte – in den Gassen zwischen Blautopf, Kloster und Museum weht die Historie der schönen Alb. Seit nunmehr über 450 Jahren vermittelt die Klosterschule hinter massiven Mauern humanistisches Geistesgut und das Wort Gottes. Im Schatten der historischen Schul- und Kirchengebäude finden das ganze Jahr hochkarätige Veranstaltungen statt. Besonders die Klostergartentage locken tausende Besucher an. www.blaubeuren.de
Fünf Jahre ist es her, als sich das „Urgeschichtliche Museum“ (Foto oben) in den Mittelpunkt rückte mit spektakulären Fundstücken aus den Alb-Höhlen, die die UNESCO als Welterbe ausgezeichnete. „Wo der Mensch wurde“, lautet das Motto des Museums zu Ehren der weltweit einmaligen Ausgrabungen rund um Blaubeuren. www.urmu.de
Zimmer mit Balkon
Schon die Neandertaler genossen die Aussicht auf das Blautal von der „Großen Grotte“ herunter (Foto unten). Damals allerdings mehr wegen der äsenden Jagdbeute. Neben Rentier, Wildpferd, Rothirsch und Wisent gehörte ‚der Steinbock zur Lieblingsspeise in der Altsteinzeit. In der Höhle ausgegrabene Faustkeile und Geschossspitzen belegen den Jagdeifer der Urälbler.
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Printausgabe: Sphäre 2/2019, Seite 24-25
WEBcode #192225