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Rund um die A8: Einsamkeit zwischen Schienen und Asphalt
GPS-Biketour: Gordischer Knoten
Mit dem Fahrrad Beschaulichkeit finden, wo Autofahrer tagtäglich im Stau verzweifeln. Der dreispurige Neubau der Autobahn A8 mit gewaltigen Tunneln und Brücken soll den Verkehr über die Alb wieder fließen lassen.
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Die Trasse der Autobahn A8 windet sich an der westlichen Hangseite von Mühlhausen nach Hohenstadt die Schwäbische Alb hinauf.
- Start/Ziel: Hohenstadt, alternativ Wiesensteig oder Mühlhausen im Täle
- ■■ Rund um A8-Knoten: 50 km / 1285 Höhenmeter
- Höhe: min/max 508/820 m
- Fahrzeit: 4:00 Std./schwer
- Belag: Schotter, Asphalt
- Sehenswert: Filsursprung, ICE-Schnellbahn-Filstalrücke

Ansicht der neuen Autobahntrasse (rot), Blickrichtung Süden. (© Autobahn GmbH Niederlassung Südwest)
- ––– ICE-Schnellbahn-Filstalbrücke
- ■■■ Neue A8 Auf- und Abstiege
- ■■■ Alte A8 Auf- und Abstiege
Umschlossen von zwei breiten Asphaltbändern der Autobahn A8 Ulm-Stuttgart ragt ein einsames, landschaftlich reizvolles Hochplateau empor. Die beiden Fahrbahnen zwischen Mühlhausen im Tal und dem 230 Meter höher gelegenen Hohenstadt führen räumlich getrennt die Alb hinauf und hinab (siehe animiertes Luftbild oben). Ein Schild am Fahrbahnrand „Schönste Autobahnstrecke Deutschlands“ soll vorbeibrausende Autofahrer sensibilisieren. Doch dass hier Wälder und Wiesen duften oder in sanften Senken sich vereinzelt Obstbäume ducken, bleibt den Fahrzeuglenkern verborgen. Der Weiler Eselhöfe, ein Dörflein aus 15 Gebäuden – ebenfalls außer Sichtweite – schmiegt sich perfekt ins Bilderbuchidyll. Direkt unter ihm im tiefen Albgestein donnern seit 2022 Züge mit Hochgeschwindigkeit über die Schnellbahnstrecke Wendlingen-Ulm.
Mehr im Stop als im Go dagegen stottert der Verkehr über den zweispurigen Autobahnabschnitt, der mit 88 Jahren zu den ältesten Deutschlands zählt. Rund 73500 Fahrzeuge täglich verzeichnet die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen auf dem steilen und kurvigen Teilstück im Jahr 2022. 1974 waren es nur halb so viele. Die Fahrbahnverengung am Ende der Ausbaustrecke von drei auf zwei Spuren führt heute zu Staus, Unfällen und genervten Anrainergemeinden, durch die sich ausweichende Blechkolonnen quälen. Orte wie Drackenstein, Merklingen, Mühlhausen sind durch permanente Radiomeldungen wohlbekannt. Doch das soll sich ändern: Das Regierungspräsidium Stuttgart gab am 18. Dezember 2024 grünes Licht für den Bau des Albaufstiegs auf einer komplett neuen Trasse (siehe animiertes Luftbild oben). Er soll die letzte Lücke im sechsstreifigen Ausbau der A8 von Karlsruhe nach München schließen. Baubeginn: frühestens in zweieinhalb Jahren.

Die Sphäre-GPS-Radtour erkundet diesen gordischen Verkehrsknoten. Der Asphaltanteil dieser Tour ist wadenfreundklich hoch. Doch gibt es auch kleine Schotterabschnitte wir hier hinunter ins Filstal.
Ein gigantisches Projekt, das die Menschen im Filstal zum zweiten Mal ereilt. Hielten doch schon die Bauarbeiten für die ICE-Trasse Wendlingen nach Ulm die Region über acht Jahre in Atem. Die Bohrungen des Boßler- und Steinbühltunnels für den Zugverkehr auf 8,8 und 4,8 Kilometer Länge begannen im Jahr 2013. Ein Jahr später starteten die aufwendigen Arbeiten für die 85 Meter hohe Filstalbrücke (Foto unten), die beide Tunnel auf einer Länge von 485 Metern verbindet. Seit 11. Dezember 2022 rasen ICEs im Regelbetrieb durch die Alb. Bonus für die Region: Ein neuer Bahnhof bei Merklingen, von dem aus die Älbler in zwölf Minuten das Stadtzentrum Ulm erreichen, der Bus braucht 55 Minuten.

Bau der 85 Meter hohen Filstalbrücke (Stand 2020).
Für das geplante Autobahnprojekt auf neuer Trasse müssen zwischen Mühlhausen und Albhochfläche abermals zwei Tunnel gebohrt werden, zwei weitere Brücken sollen das Fils- und Gosbachtal überspannen (Infos Kasten rechts). Und was passiert mit den beiden alten Fahrbahnen? Teile davon werden rückgebaut und begrünt. Radfahrer dürfen sich auf einen Landesradweg über die Abstiegsstrecke nach Gosbach freuen, müssen sich aber gedulden. Denn auf dem Zeitplan steht er weit hinten. Die Aufstiegstrasse dagegen soll zur Landesstraße umgewidmet werden und kann als Umleitungsstrecke dienen.
Die Sphäre-GPS-Radtour erkundet diesen gordischen Verkehrsknoten aus bestehenden und geplanten Verkehrslinien vorab. Die Streckenführung beginnt in Hohenstadt, führt über die weiten, kargen Höhen nach Aufhausen, taucht bei Bad Ditzenbach ins Filstal, um ab Gosbach auf der malerischen „Neuen Steige“ (Foto unten) die Albhochfläche zu erklimmen.

Neue Steige mit Blick auf zukünftigen „Autobahn-Radweg“.
Immer wieder quert die Tour die Autobahn oder führt parallel. Dazwischen: Einsamkeit, wie auf dem Schotterweg hinab zum idyllischen Filsursprung (siehe Kasten unten). Von dort geht es unter der Filstalbrücke hindurch über Wiesensteig und Mühlhausen hinauf zu den Eselhöfen zurück nach Hohenstadt.

Wiesensteig im idyllischen Filstal.
Drauf & drunter: Rund um die Tunnel- und Brücken-Alb
Staualltag auf der A8: Stop an Go auf Höhe des Bahnhofs Merklingen.
Baustellen prägen Fils- und Gosbachtal seit 2013. Für den neuen A8-Albaufstieg von Mühlhausen nach Merklingen werden zwei Tunnel von 1,2 und 1,7 Kilometer Länge sowie zwei Brücken gebaut (800 und 470 m). Die neue Strecke verkürzt sich um 3,8 auf 7,6 Kilometer, verläuft mit maximal 3,5 statt 6,3 Prozent weniger steil. Die neue Trasse führt in direkter Linie ab dem Filstal, Anschlussstelle Mühlhausen, zur Albhochfläche bei Merklingen. Dort mündet sie in den bisherigen Abschnitt zwischen Hohenstadt und Ulm-West. Kosten: voraussichtlich etwa 900 Millionen Euro.
Filstal: Radler-Eldorado
Vom schützenden Laub des Mischwalds umspielt, wirkt der Filsursprung beinahe magisch (Foto). Alleine der beschauliche Weg vom Wanderparkplatz hinter Wiesensteig entlang der gemächlich plätschernden jungen Fils verzaubert. An der Quelle laden Wiesen und Schutzhütte zur Pause ein. Der zum Becken gefasste Quellbereich animiert im Sommer zum Fußbad und Kinder zur ausgelassenen Planscherei.
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Printausgabe: Sphäre 1/2025, Seite 16-17
WEBcode #25117




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